Diese Facharbeit behandelt die Bismarcksche Außenpolitik im Europa des späten 19. Jahrhunderts und geht der Frage nach, ob dieses Bündnissystem nur zweckmäßig war oder ob Bismarck wirklich europäischen Frieden wollte.
Um dieser Frage nachzugehen werden nicht nur Zeitzeugen Bismarcks zitiert, sondern auch aktuelle Bewertungen herangezogen und es werden die gesamteuropäischen Zusammenhänge in Bismarcks Amtszeit noch einmal umrissen. Dies soll zu einer differenzierten Betrachtung des Themas führen und eine schlüssige Schlussfolgerung bieten.
Die Facharbeit soll zudem einen einfachen Zugang zu diesem Thema bieten und ist daher als Buch von einem Schüler für Schüler, aber auch für generell Geschichtsinteressierte sehr gut geeignet.
Inhaltsverzeichnis
1. Politische Ausgangssituation
1.1 Anfänge Bismarcks
1.2 Europäische Ausgangslage
2. Bismarcksche Außenpolitik
2.1 Anfänge des Kaiserreichs (1871)
2.2 Saturiertes Kaiserreich (1871 – 1879)
2.3 Relative Sicherheit (1880 – 1884)
2.4 Politik der Aushilfen (1885 – 1890)
3. Analyse der Bismarckschen Außenpolitik
4. Langfristige Frieden oder Aufschub eines Konflikts?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Außenpolitik Otto von Bismarcks und analysiert, inwieweit seine diplomatischen Strategien langfristig zur Friedenssicherung in Europa beitrugen oder lediglich einen europäischen Konflikt hinauszögerten. Dabei steht insbesondere die Frage im Fokus, ob Bismarcks komplexes Bündnissystem als nachhaltiges Friedensinstrument oder als instabiles Konstrukt zu bewerten ist.
- Die Entwicklung der Bismarckschen Außenpolitik im Kontext der europäischen Mächtekonstellationen.
- Die Bedeutung der Saturiertheit des Deutschen Reiches für die europäische Stabilität.
- Analyse der verschiedenen Bündnissysteme (Zweibund, Dreikaiservertrag, Rückversicherungsvertrag).
- Die Auswirkungen der Berliner Kongressführung auf das Vertrauensverhältnis zu den europäischen Großmächten.
- Der Vergleich zwischen Bismarcks diplomatischer Herangehensweise und den Herausforderungen seiner Nachfolger.
Auszug aus dem Buch
Bismarcksche Außenpolitik
Um diese Sicherung des neuen deutschen Kaiserreiches zu gewährleisten, erklärte Bismarck das Deutsche Kaiserreich für „außenpolitisch saturiert“, womit er klarstellte, dass Deutschland nicht nach europäischer Hegemonie strebt, sondern sich in das fünf Mächte Konzept einfügen möchte. Bismarcks Fokus lag nun darauf, ein Bündnis zwischen Frankreich und Russland zu vermeiden, da dies „zu einer tödlichen Bedrohung werden“ könnte. Generell wollte Bismarck eine Isolierung Frankreichs mit Hilfe eines Bündnisses mit Russland und Österreich-Ungarn erreichen. Diesen deutschen Wunsch nutzten die Donaumonarchie und das Zarenreich aus, um ihrerseits Forderungen nach der Führung in diesem Bündnis zu stellen. So wollte Russland einen Ausgleich für die wohlwollende Haltung während der Einigunskriege und somit das Deutsche Reich als Juniorpartner an seiner Seite haben.
Dies wollte Bismarck jedoch nicht, da er ein Bündnis mit deutscher Führung präferierte. Somit kam es zu mehreren Treffen der drei Großmächte, bei der am 22. Oktober 1873 ein noch sehr loses Drei-Kaiser-Abkommen geschlossen wurde, das einen ersten Draht zwischen den Nationen knüpfte. Dieses Abkommen sollte jedoch nur den Frieden wahren und zur Beratung im Kriegsfall führen, was keinen richtigen Schutz gegen ein aufstrebendes Frankreich bot. Als es im Frühjahr 1874 zu einem Treffen des österreichischen Kaisers Franz Joseph I. und dem russischen Zaren kam, sah Bismarck die Stellung Deutschlands in Europa trotz des Drei-Kaiser-Abkommens stark gefährdet. Diese Gefährdung beruhte auf der Annäherung Russlands an Österreich und auch an Frankreich, wodurch Bismarck eine Isolierung des Deutschen Reiches fürchtete.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Politische Ausgangssituation: Das Kapitel erläutert Bismarcks Übernahme des Ministerpräsidentenamtes 1862, die Herausforderungen der Heeresreform sowie die europäische Ausgangslage vor der deutschen Einigung.
2. Bismarcksche Außenpolitik: Hier werden die Phasen der deutschen Außenpolitik von der Reichsgründung 1871 bis 1890 detailliert nachgezeichnet, inklusive der Bündnissysteme und diplomatischer Krisenbewältigung.
3. Analyse der Bismarckschen Außenpolitik: Dieser Teil untersucht die Ausnahmestellung Bismarcks im politischen System, seine außenpolitischen Handlungsoptionen und seine strategischen Fehleinschätzungen.
4. Langfristige Frieden oder Aufschub eines Konflikts?: Das Fazit reflektiert die langfristige Wirkung von Bismarcks Politik und vergleicht seine diplomatische Stabilität mit der Zeit nach seinem Rücktritt.
Schlüsselwörter
Otto von Bismarck, Deutsche Außenpolitik, Deutsches Kaiserreich, Saturiertheit, Bündnissystem, Zweibund, Rückversicherungsvertrag, Berliner Kongress, Europäisches Mächtekonzept, Diplomatie, Frieden, Konflikt, Reichskanzler, Russland, Frankreich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit primär?
Die Arbeit befasst sich mit der Außenpolitik Otto von Bismarcks im Deutschen Kaiserreich zwischen 1862 und 1890 und deren Auswirkungen auf das europäische Gleichgewicht.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die deutsche Einigung, das Prinzip der "Saturiertheit", der Aufbau komplexer Bündnissysteme sowie der Umgang mit europäischen Krisenherden wie dem Balkan.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, ob Bismarcks Außenpolitik ein langfristiges Friedenskonzept war oder lediglich einen größeren europäischen Konflikt aufschob.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse angewandt?
Der Autor führt eine historische Analyse durch, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und zeitgenössischer Dokumente sowie der Untersuchung diplomatischer Interaktionen basiert.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Vordergrund?
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Phasen der Bismarckschen Politik und eine vertiefende Analyse seiner Entscheidungsspielräume sowie der Machtverhältnisse in der europäischen Pentarchie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Realpolitik, Mächtekonzept, Bündnispolitik, Präventivdiplomatie und europäisches Gleichgewicht geprägt.
Wie bewertet der Autor Bismarcks Rolle als "ehrlicher Makler"?
Der Autor erkennt den taktischen Erfolg Bismarcks auf dem Berliner Kongress 1878 an, weist jedoch darauf hin, dass diese Rolle langfristig zu Misstrauen seitens des russischen Zarenreiches führte.
Warum wird der Rückversicherungsvertrag als "Aushilfe" bezeichnet?
Der Vertrag war für Bismarck eine vorübergehende diplomatische Lösung, um Sicherheitsbedenken zu adressieren, ohne jedoch die grundlegenden Spannungen zwischen Russland und Österreich-Ungarn dauerhaft zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Christian Horz (Autor:in), 2015, Die Bismarcksche Außenpolitik. Weg zum Frieden oder Aufschub eines europäischen Konflikts?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317775