Die vorliegende Hausarbeit untersucht den weit verbreiteten, aber auch umstrittenen Ansatz zum Schriftspracherwerb "Lesen durch Schreiben" von Jürgen Reichen. Außerdem wird ein Alternativvorschlag, die "Silbenanalytische Methode des Schriftspracherwerbs" (Christa Röber), vorgestellt.
Spätestens seit PISA und IGLU wird die Frage nach den Gründen für die schlechte Rechtschreibung der Kinder in Deutschland immer größer. Die meisten Experten machen für diesen Zustand die ersten Schuljahre, insbesondere den Verlauf des Schriftspracherwerbes, verantwortlich.
Es gibt zahlreiche verschiedene Methoden zum Schriftspracherwerb bei Kindern und jede Schule kann sich eine ihrer Meinung nach passende heraussuchen. Genaue Vorschriften gibt es in Deutschland dazu keine. Bei meinen Recherchen stieß ich immer wieder auf die Methode „Lesen durch Schreiben“ von Jürgen Reichen.
Genau diese wird meist für die schlechte Rechtschreibung verantwortlich gemacht. Auch in den Medien taucht sie immer öfter auf. So gab es beispielweise in der Juniausgabe der Zeitschrift Spiegel ein Interview mit dem Grundschulexperten Günter Jansen. Dieser sagt hier, dass die Arbeit mit der Anlauttabelle, wie sie bei „Lesen durch Schreiben“ verwendet wird, nicht funktionieren kann, da circa 4000 Laute mit nur 30 Buchstaben verschriftlicht werden sollen.
In einem weiteren Bericht der Spiegelausgabe heißt es „Deutschlands Schulanfänger werden auf diese Weise zunächst systematisch zu Rechtschreibanarchisten erzogen - um sie dann mühsam wieder aus der fremdverschuldeten Unfähigkeit zu befreien.“
Ebenso kam das „Modell- Schriftsprachmoderatoren" von 2005 zu ähnlichen Ergebnissen. Hier wurde die, auf dem System von Reichen basierende „Rechtschreibwerkstatt“, mit der Fibel „Lollipop“ verglichen. Am Ende der zweiten Klasse war der Anteil der rechtschreibschwachen SuS bei der Rechtschreibwerkstatt bei 23,6%, bei Lollipop nur bei 4,3%.3 Trotz allem wird „Lesen durch Schreiben“ immer noch an Schulen durchgeführt.
Wie diese Methode funktioniert und wo ihre Schwierigkeiten liegen, werde ich im Folgenden näher beschreiben. Außerdem werde ich noch eine alternative Konzeption vorstellen, die silbenanalytische Methode von Christa Röber.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Lesen durch Schreiben
2.1 Grundidee
2.2 Prinzipien
2.2.1 Lesedidaktisches Prinzip: Lesen durch Schreiben
2.2.2 Lernpsychologisches Prinzip: Selbstgesteuertes Lernen
2.2.3 Schulpädagogisches Prinzip: Werkstattunterricht
2.3 Prinzip der minimalen Hilfe
2.4 Die Anlauttabelle
2.5 Ist die deutsche Orthografie lautgetreu?
2.6 Schwierigkeiten
3. Silbenanalytische Methode
3.1 Grundidee
3.1.1 Die Silbe
3.2 Methode
3.3 Vorteile
3.4 Schwierigkeiten
3.5 Eine gelungene Alternative?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht zwei unterschiedliche didaktische Ansätze des Schriftspracherwerbs, um deren Wirksamkeit und potenzielle Schwierigkeiten im Kontext der deutschen Rechtschreibung kritisch zu bewerten.
- Grundlagen der Methode "Lesen durch Schreiben" nach Jürgen Reichen
- Analyse der silbenanalytischen Methode nach Christa Röber
- Kritische Reflexion der Lauttreue der deutschen Orthografie
- Herausforderungen für Kinder im Erstlese- und Schreibunterricht
- Vergleich von Ansätzen zur Förderung der Rechtschreibkompetenz
Auszug aus dem Buch
2.6 Schwierigkeiten
Wie ich im vorherigen Kapitel bereits beschrieben habe, ist die deutsche Orthografie nur bedingt lautgetreu. Dies stellt SuS, welche mit Reichens Methode Lesen und Schreiben lernen, vor ein großes Problem. Ihnen wird suggeriert, dass es zu jedem Graphem ein passendes Phonem gibt und sie mit diesem Wissen alle Wörter schreiben können. Da sie nicht korrigiert werden, fällt ihnen diese Fehleinschätzung nicht auf und sie erlangen kein Fehlerbewusstsein. Wird in der dritten Klasse plötzlich alles korrigiert, demotiviert das die Kinder und sie können schnell überfordert werden.
Eine Überforderung mancher Kinder ist bereits zu Beginn der Schulzeit zu erwarten. Während manche Kinder sicherlich gut mit dieser Methode und der geforderten Selbstständigkeit klar kommen, bleiben schwächere SuS zurück. „In der vorliegenden Methode begegnet das Kind allen Schwierigkeiten gleich von Anfang an“10. Hier stellt sich die Frage, ob man nicht eher Schul- und Versagensängste provoziert. Besonders Kinder aus Migrationsfamilien leiden unter dieser Methode. Die Bildchen zu den Anlauten zu erkennen, kann für ein deutsches Kind schon schwierig sein. Ein Schüler, der jedoch nicht weiß, was die Bilder im Deutschen bedeuten, kann mit der Anlauttabelle nicht arbeiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Debatte um Rechtschreibschwächen und führt in die zwei zu untersuchenden Lehrmethoden ein.
2. Lesen durch Schreiben: Dieses Kapitel erläutert die Theorie des schriftsprachlichen Lernens durch eine Anlauttabelle und thematisiert deren lernpsychologische und pädagogische Prinzipien.
3. Silbenanalytische Methode: Hier wird der Ansatz von Christa Röber vorgestellt, der die Silbe als strukturgebendes Element für den Schriftspracherwerb in den Mittelpunkt stellt.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und empfiehlt eine kritische und flexible Kombination der Ansätze, abhängig von der individuellen Lehrkraft.
Schlüsselwörter
Schriftspracherwerb, Lesen durch Schreiben, silbenanalytische Methode, Anlauttabelle, deutsche Orthografie, Lauttreue, Rechtschreibung, Grundschule, Erstunterricht, Silbe, Selbstgesteuertes Lernen, Phonem-Graphem-Korrespondenz, Lesekompetenz, Sprachförderung, Didaktik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der didaktischen Wirksamkeit von zwei verschiedenen Methoden zum Erlernen des Lesens und Schreibens in der deutschen Grundschule.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Methode "Lesen durch Schreiben" und die "silbenanalytische Methode", wobei besonders deren Stärken und Schwächen beleuchtet werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, wie die beiden Methoden den Schriftspracherwerb beeinflussen und inwieweit sie für Kinder mit unterschiedlichen Voraussetzungen geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit genutzt?
Neben einer theoretischen Aufarbeitung der Literatur wurde ein eigenes Experiment mit Testpersonen durchgeführt, um die Anwendbarkeit der Anlauttabelle zu prüfen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Reichen-Methode sowie der silbenanalytischen Methode, einschließlich ihrer Prinzipien, Vorteile und Herausforderungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schrifterwerb, Lauttreue, Silbenstruktur und die Rolle der Lehrkraft im Unterrichtsprozess.
Was ist das zentrale Problem bei der Methode "Lesen durch Schreiben"?
Ein Hauptproblem ist laut der Arbeit die Annahme der uneingeschränkten Lauttreue der deutschen Sprache, die zu Fehlern bei der Rechtschreibung führen kann.
Warum ist die Silbenanalytische Methode für Kinder mit Migrationshintergrund interessant?
Die Methode bietet durch ihre Anschaulichkeit und die Orientierung an der natürlichen Aussprache eine stärkere Hilfestellung für Kinder, deren Muttersprache nicht Deutsch ist.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft laut dem Fazit?
Das Gelingen einer Methode wird als stark abhängig von der Lehrkraft eingestuft, da diese die gewählte Konzeption überzeugend und gezielt vermitteln muss.
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- Anonym (Author), 2015, Wie erfolgt der Schriftspracherwerb? "Lesen durch Schreiben" und die "Silbenanalytische Methode" im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317787