Welche semantischen und metaphorischen Facetten gewinnt der Schatten in der literarischen Funktion? Die vorliegende Hausarbeit vergleicht die Schattenmotivik der literarischen Romantik anhand der Werke "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" von Adelbert von Chamisso und "Der Schatten" von Hans Christian Andersen.
Bevor ein Vergleich der oben genannten Texte stattfinden kann, muss einführend ein Abriss über die Geschichte des Schattenmotivs gegeben werden, um dessen Wandlung durch die Epochen darzustellen. Speziell wird dann noch darauf eingegangen, wie sich das Motiv in der Romantik verändert und die Romantik selbst kurz skizziert. Zur Klärung der Gattungsfrage wird es außerdem einen Exkurs geben, in dem das Kunstmärchen in der Romantik beschrieben wird.
Vor diesem Hintergrund wird dann der Vergleich der Schattenmotive in "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" und "Der Schatten" stattfinden. Ein besonderes Augenmerk wird außerdem auf die Verknüpfung von Schatten- und Teufelsmotiv gerichtet und die wichtigsten Aspekte herausgestellt.
Das Doppelgängermotiv wird nur insofern erwähnt, wie es für das vorliegende Thema notwendig ist, da eine ausführliche Auseinandersetzung damit, den Rahmen dieser - ohnehin schon sehr ausführlichen - Proseminararbeit sprengen würde.
Das gleiche gilt außerdem für die damit verbundene Auseinandersetzung mit der Psychologie. Für eine ausführliche Thematisierung des „psychologischen Schattens“ wird auf Der Schatten und das Böse im Märchen von Marie-Louise von Franz verwiesen, die sich dort mit C.G. Jung auseinandersetzt und den „unterbewussten Schatten“ beleuchtet.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Schatten. Wandel einer Metapher in der europäischen Literatur
Schatten in den prä-antiken Kulturen
Schatten in der Antike
Schatten im Mittelalter
Schatten in der Neuzeit (Renaissance – Barock – Aufklärung)
III. Schatten in der Romantik
IV. Anmerkung: Die Romantik als Epoche
V. Exkurs: Märchen oder Kunstmärchen? Die Gattungsfrage von Peter Schlemihls wundersame Geschichte und Der Schatten
VI. Peter Schlemihls wundersame Geschichte
1. Inhalt
2. Definition, Darstellung und Bedeutung von Schatten in Peter Schlemihls wundersame Geschichte
3. Das teuflische Element in Peter Schlemihls wundersame Geschichte
4. Zusammenfassung
VII. Der Schatten
1. Inhalt
2. Darstellung und Bedeutung von Schatten in Der Schatten
3. Das teuflische Element in Der Schatten
4. Zusammenfassung
VIII. Der Vergleich der Verwendung von Schatten in Peter Schlemihls wundersame Geschichte und Der Schatten
IX. Resümee
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die literarische Funktion und semantische Wandlung des Schattenmotivs in Adalbert von Chamissos „Peter Schlemihls wundersame Geschichte“ sowie Hans Christian Andersens „Der Schatten“. Ziel ist es, die spezifische Verknüpfung von Schatten- und Teufelsmotiv herauszuarbeiten und die unterschiedliche Charakterisierung des Schattens – vom passiven Objekt bis hin zum aktiven Doppelgänger – vergleichend darzustellen.
- Historischer Abriss der Schattenmetapher durch verschiedene Epochen
- Analyse des Schattenmotivs in der deutschen Romantik
- Gattungstheoretische Einordnung als Kunstmärchen
- Vergleich der Identitätskonzepte und teuflischen Elemente in beiden Werken
Auszug aus dem Buch
3. Das teuflische Element in Peter Schlemihls wundersame Geschichte
Im Volksglauben hat der Teufel keinen Schatten, weil er selbst ein Schattenwesen ist (aus dem Schattenreich). „Der Teufel selbst ist schattenlos. (…) Menschen, die mit dem Teufel im Bunde stehen, sowie Teufelsschützer sind ebenfalls schattenlos.“
In Peter Schlemihls wundersame Geschichte besitzt der Teufel einen Schatten: „[D]er Mann im grauen Rock saß neben mir mit satanischem Lächeln auf mich blickend. – Er hatte mir seine Tarnkappe mit über den Kopf gezogen, zu seinen Füßen lagen sein und mein Schatten friedlich nebeneinander (…)“
Obwohl er selbst einen Schatten besitzt, handelt der Teufel, hier der Graue genannt, Schlemihl seinen Schatten ab. Schlemihl ist der Einzige in der Geschichte, der den Schatten als Nebensächlichkeit einstuft und deshalb überhaupt erst auf den Handel eingeht. „Ordentliche Leute pflegen ihren Schatten mit sich zu nehmen, wenn sie in die Sonne gingen“, das heißt, die anderen Personen im Text, würden nicht auf die Idee kommen, ihre Schatten abzugeben, weil sie wüssten, dass sie dann mit dem Teufel im Bunde stehen. Denn diese Personen ahnen, dass es dem Teufel gar nicht um den Besitz von Schlemihls Schatten geht (er hat ja schließlich selbst Einen), sondern dass er ihn später gegen Schlemihls Seele eintauschen will.
Mit dem Erwerb des „unbedeutenden“ Schattens macht der Graue Schlemihl von sich abhängig. Er weiß um die Probleme, die ein Schattenloser in der Gesellschaft hat und weist ihn auch immer wieder deutlich darauf hin. Trotz der Schwierigkeiten, die Schlemihl durch den Verlust seines Schattens hat, geht er nicht auf das Angebot des Teufels ein, Schatten gegen Seele zu tauschen. Lieber nimmt er ein schattenloses Dasein in der Isolation in Kauf. Der Schatten hat also für Schlemihl zwar an Bedeutung gewonnen, seit er ihn nicht mehr hat, aber er ist nicht so wichtig geworden, dass er alles andere dafür geben würde.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung stellt die Fragestellung nach der literarischen Funktion des Schattens vor und grenzt den methodischen Rahmen der Untersuchung ab.
II. Der Schatten. Wandel einer Metapher in der europäischen Literatur: Dieses Kapitel skizziert die historische Entwicklung des Schattenbegriffs von prä-antiken Vorstellungen bis hin zur Aufklärung.
III. Schatten in der Romantik: Hier wird die zentrale Bedeutung der Romantik als Epoche für die Verselbstständigung und Psychologisierung des Schattenmotivs erläutert.
IV. Anmerkung: Die Romantik als Epoche: Ein kurzer Exkurs zur literaturgeschichtlichen Einordnung der Romantik und ihrer Abkehr von der aufkommenden Industrialisierung.
V. Exkurs: Märchen oder Kunstmärchen? Die Gattungsfrage von Peter Schlemihls wundersame Geschichte und Der Schatten: Untersuchung der gattungsspezifischen Einordnung beider Texte als Kunstmärchen.
VI. Peter Schlemihls wundersame Geschichte: Analyse der Handlung, der Bedeutung des Schattens als Objekt sowie der teuflischen Rolle des „Grauen“ in Chamissos Werk.
VII. Der Schatten: Analyse von Andersens Werk, wobei der Schatten als 3-dimensionaler, aktiver Doppelgänger und Bedrohung thematisiert wird.
VIII. Der Vergleich der Verwendung von Schatten in Peter Schlemihls wundersame Geschichte und Der Schatten: Zusammenfassender Vergleich der unterschiedlichen Konzepte von Schatten, Teufelspakt und Identitätsverlust.
IX. Resümee: Abschlussbetrachtung über die Faszination des Schattenmotivs und seine anhaltende literarische Bedeutung.
Schlüsselwörter
Schattenmotiv, Romantik, Peter Schlemihl, Adalbert von Chamisso, Hans Christian Andersen, Doppelgänger, Teufelspakt, Kunstmärchen, Literaturanalyse, Schattenlosigkeit, Identität, Symbolik, Metapher, Komparatistik, Personifizierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine komparatistische Analyse der Verwendung des Schattenmotivs in zwei zentralen Werken der Romantik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die literarische Bedeutung des Schattens, die Entwicklung des Doppelgängermotivs und die symbolische Verknüpfung von Schatten und Teufelselementen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich das Verständnis des Schattens vom bloßen "Gebrauchsgegenstand" hin zu einer aktiven, eigenständigen Persönlichkeit wandelt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse und ein komparatistischer Vergleich der beiden Primärtexte unter Einbeziehung epochengeschichtlicher Hintergründe angewandt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Inhalts- und Motivuntersuchung beider Werke, gefolgt von einer direkten Gegenüberstellung der jeweiligen Schattenkonzepte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Schattenmotiv, Doppelgänger, Romantik, Identität und Teufelspakt geprägt.
Warum wird in „Peter Schlemihl“ der Schatten als „Gebrauchsgegenstand“ bezeichnet?
Da der Schatten im Text abtrennbar, käuflich und veränderbar ist, wird er im Gegensatz zum klassischen Symbolverständnis als fassbare Materie behandelt.
Wie unterscheidet sich der Schatten bei Andersen vom Schatten bei Chamisso?
Während der Schatten bei Chamisso eine passive, zweidimensionale Folie bleibt, entwickelt er sich bei Andersen zu einer 3-dimensionalen, aktiven Person, die schließlich zum Gegenspieler wird.
Warum triumphiert der Schatten in Andersens „Der Schatten“?
Der Schatten siegt, weil er sich an die gesellschaftlichen Scheinwerte anpasst, während der Gelehrte an seiner idealistischen Wahrheit festhält und dadurch untergeht.
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- Nikola Schulze (Author), 2002, Schattenmotive in der Romantik. "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" von Adelbert von Chamisso und "Der Schatten" von Hans Christian Andersen im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317836