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Die Emotionen des Menschen: Schuldgefühl, Gewissen und Moral

Titel: Die Emotionen des Menschen: Schuldgefühl, Gewissen und Moral

Seminararbeit , 2004 , 31 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Clemens Schnur (Autor:in)

Psychologie - Sonstiges
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Einleitung

Schuld und Schuldgefühle sind Grundphänomene menschlicher Existenz. Der religiöse „Sündenfall“ von Adam und Eva, die „Kollektivschuld“ im Dritten Reich – Kunst und Dichtung, Religion und Politik, Sexualität und Mythologie: das Thema umspannt nahezu alle Lebensbereiche: Diese Arbeit richtet ihr Augenmerk auf zwei wesentliche Punkte. Zum einen soll eine – soweit möglich – allgemeine Systematik zu diesem Thema geschaffen werden. Wie wird die Emotion Schuldgefühl primär verstanden und definiert, wie entsteht sie nach bisheriger Kenntnis, wie stellt sie sich dar, grenzt sich zu anderen Emotionen ab, korrespondiert und korreliert mit ihnen? Als Diskussionsgrundlage dienen die Ausführungen des amerikanischen Emotionsforschers Carroll E. Izard aus dem Jahr 1981. Das Gravitationszentrum seiner Arbeiten bildet die Forschung in den Bereichen der Entwicklung sozialer Kompetenz, Persönlichkeit, sowie Verhaltensprobleme und deren Prävention. Izard bündelt neben eigenen Beiträgen auch Forschungsergebnisse weiterer Emotionsforscher. Ein ganz offensichtlich umfangreicher und breit gefächerter Überblick. Dennoch bleiben viele Fragen unberührt und einige Diskussionspunkte offen. Wie Izard selbst einräumt, existierten zu dem Zeitpunkt der Publikation nur „wenige empirische Forschungen“ zum Thema Schuldgefühle. Dem Nachholbedarf ist bis heute Rechnung getragen worden. So finden sich zum anderen in dieser Arbeit auch neuere Erkenntnisse zum behandelten Thema, die traditionelle Aussagen verifizieren, ergänzen und den Fokus auf zusätzliche, alternative Aspekte lenken.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN

2.1 EMOTION

2.2 MORAL

2.3 GEWISSEN

2.4 SCHULD

3. EIGENSCHAFTEN, FUNKTIONEN UND URSACHEN VON SCHULDGEFÜHL

3.1 DEFINITION SCHULDGEFÜHL

3.2 DIE STRUKTUR DES EMOTIONSBEGRIFFS SCHULDGEFÜHL

3.3 AUSGESUCHTE BEISPIELE FÜR SCHULDGEFÜHLE

3.4 DIE BEZIEHUNG ZWISCHEN SCHULDGEFÜHL UND SCHAM

3.4.1 UNTERSCHIEDLICHE URSACHEN VON SCHULDGEFÜHL UND SCHAM

3.4.2 UNTERSCHIEDLICHER AUSDRUCK VON SCHULDGEFÜHL UND SCHAM

3.4.3 DAS PROFIL DER EMOTIONEN

3.4.4 DAS PROFIL DER DIMENSIONEN

3.5 FUNKTIONEN UND FEHLFUNKTIONEN VON SCHULDGEFÜHL

3.6 SCHULDGEFÜHL UND PSYCHOPATHOLOGIE

4. THEORETISCHE KONZEPTIONEN VON SCHULDGEFÜHL

4.1 PSYCHOANALYTISCHE KONZEPTION VON SCHULDGEFÜHL

4.2 DAS KONZEPT DES EXISTENTIELLEN SCHULDGEFÜHLS

4.2.1 VERWIRKUNG VON MÖGLICHKEITEN

4.2.2 TRENNUNG VON DEN MITMENSCHEN

4.2.3 TRENNUNG VON DER NATUR

4.3 LERNTHEORETISCHE KONZEPTIONEN DER URSPRÜNGE UND KONSEQUENZEN VON SCHULDGEFÜHL IN DER ENTWICKLUNG

5. EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNGEN ZUM SCHULDGEFÜHL

5.1 INTERAKTION SCHULDGEFÜHL UND ZORN

5.2 SCHULDGEFÜHL UND NACHGIEBIGKEIT

5.3 ENTWICKLUNG VON SCHULDGEFÜHL ALS PERSÖNLICHKEITSEIGENSCHAFT

5.4 SCHULDGEFÜHL UND FEINDSELIGKEIT

5.5 SCHULDGEFÜHL UND SEXUALVERHALTEN

6. SCHLUSSBETRACHTUNG

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Phänomen Schuldgefühl als fundamentale menschliche Emotion und analysiert deren Entstehung, Funktionen sowie deren Rolle im Kontext von Gewissen und Moral unter Rückgriff auf die differentielle Emotionstheorie von Carroll E. Izard.

  • Theoretische Systematisierung des Schuldgefühls und dessen Abgrenzung zu verwandten Emotionen wie Scham.
  • Untersuchung psychoanalytischer, existentieller und lerntheoretischer Konzepte zur Entstehung von Schuld.
  • Analyse experimenteller Befunde zu den Auswirkungen von Schuldgefühlen auf Verhalten und Kognition.
  • Betrachtung der Relevanz von Schuldgefühl im psychopathologischen Kontext.
  • Diskussion der Bedeutung gesellschaftlicher und kultureller Veränderungen für die Konstruktion von Moral und Schuld.

Auszug aus dem Buch

3.4.1 Unterschiedliche Ursachen von Schuldgefühl und Scham

Schuldgefühl resultiert aus einem Vergehen, einer Divergenz zwischen gefordertem und tatsächlichem Verhalten. Scham kann zwar ebenso aus einem Fehlverhalten resultieren, allerdings muss die Tat nicht wirklich „falsch“ oder „strafwürdig“ sein. Vielmehr kann die Tat lediglich unangebracht, unangemessen oder unpassend sein. Im Gegensatz zu Schuldgefühl kann Scham aus Handlungen und Taten entstehen, die für moralische, ethische order religiöse Grundregeln bedeutungslos sind. Diese Form der Schamempfindung kategorisiert Ausubel als „nichtmoralische Scham“. „Moralische Scham“ folgt hiernach aus negativen moralischen Urteilen anderer Instanzen über Handlungen, die aber nach Auffassung des „Missetäters“ nicht verwerflich sind. So lässt sich also eine Verbindung zwischen Schuldgefühl und nichtmoralischer Scham herstellen. Beide sind mit externen Sanktionen verknüpft. Entweder offen ausgedrückt und vollzogen durch die Urteilsinstanzen oder aber vorgestellt durch das Individuum.

Allerdings tritt Schuldgefühl, anders als Scham, vorwiegend, wenn nicht sogar ausschließlich in Situationen auf, in denen man eine persönliche Verantwortung oder Verpflichtung sich selbst oder anderen gegenüber empfindet.

Das Empfinden und Erleben von Schuldgefühl ist, wie nahezu alle anderen Emotionen, auf der ganzen Welt gleich. Die Auslöser und Konsequenzen können in Intensität und Qualität stark variieren. In einigen Bereichen stimmen die Kulturen in der Relation zwischen der Tat und ihrer Bewertung überein. Mord und Inzest können als Beispiel für solche „pankulturelle Ursachen“ dienen (Izard, 1981, S. 472).

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Schuld als Grundphänomen menschlicher Existenz und Darlegung des methodischen Vorgehens auf Basis der Arbeiten von Carroll E. Izard.

2. BEGRIFFLICHE GRUNDLAGEN: Definition und Abgrenzung zentraler Begriffe wie Emotion, Moral, Gewissen und Schuld zur Schaffung einer einheitlichen Verständnisebene.

3. EIGENSCHAFTEN, FUNKTIONEN UND URSACHEN VON SCHULDGEFÜHL: Detaillierte Analyse der Struktur, der Funktionen sowie des Vergleichs von Schuldgefühl und Scham.

4. THEORETISCHE KONZEPTIONEN VON SCHULDGEFÜHL: Erläuterung psychoanalytischer, existentieller und lerntheoretischer Erklärungsmodelle zur Entstehung von Schuld.

5. EXPERIMENTELLE UNTERSUCHUNGEN ZUM SCHULDGEFÜHL: Darstellung empirischer Studien zu den Auswirkungen von Schuldgefühlen in Interaktion mit Zorn, Hilfsbereitschaft und Sexualität.

6. SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassende Einordnung der Erkenntnisse und Ausblick auf die Bedeutung gesellschaftlicher Wandlungsprozesse für den zukünftigen Umgang mit dem Thema.

Schlüsselwörter

Schuldgefühl, Moral, Gewissen, Emotion, differentielle Emotionstheorie, Carroll E. Izard, Scham, Psychoanalyse, Existentialismus, Lernpsychologie, Psychopathologie, Sozialisation, Schuld, Moralische Entwicklung, Verhaltensnormen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit widmet sich dem menschlichen Phänomen des Schuldgefühls und untersucht dessen Entstehung, Funktion und Bedeutung im Kontext moralischen Handelns.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition, den theoretischen Konzeptionen (psychoanalytisch, existentiell, lerntheoretisch) und den experimentellen Befunden zur Interaktion von Schuldgefühl mit anderen Emotionen und Verhaltensweisen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist die Erstellung einer systematischen Übersicht über die Emotion Schuldgefühl basierend auf der differentiellen Emotionstheorie von Carroll E. Izard sowie deren Ergänzung um neuere wissenschaftliche Erkenntnisse.

Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine theoretische Proseminararbeit, die vornehmlich eine Literatur- und Diskursanalyse der wissenschaftlichen Forschung zu diesem Themenfeld vornimmt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinitionen, die Analyse der Eigenschaften und Funktionen von Schuldgefühlen, eine Übersicht theoretischer Erklärungsmodelle sowie die Darstellung relevanter empirischer Experimente.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Schuldgefühl, Moral, Gewissen, differentielle Emotionstheorie, Scham und soziale Normen.

Wie unterscheiden sich Schuldgefühl und Scham laut dieser Arbeit?

Während Scham häufiger als intern gelebte Emotion in öffentlichen oder sozialen Kontexten entsteht, ist Schuldgefühl stärker mit der bewussten Verletzung internalisierter moralischer Regeln und der Übernahme persönlicher Verantwortung verknüpft.

Welche Rolle spielt die Sexualität in der Analyse der Schuldgefühle?

Die Arbeit analysiert anhand der Studien von Mosher, dass hohe Schuldgefühlwerte mit einer beeinträchtigten Wahrnehmung und Erinnerung sexualitätsbezogener Inhalte korrelieren und die sexuelle Erfahrung die Schuldgefühlintensität beeinflussen kann.

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Details

Titel
Die Emotionen des Menschen: Schuldgefühl, Gewissen und Moral
Hochschule
Universität des Saarlandes
Veranstaltung
Proseminar Affekttheorien
Note
1,0
Autor
Clemens Schnur (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2004
Seiten
31
Katalognummer
V31788
ISBN (eBook)
9783638326902
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emotionen Menschen Schuldgefühl Gewissen Moral Proseminar Affekttheorien
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Clemens Schnur (Autor:in), 2004, Die Emotionen des Menschen: Schuldgefühl, Gewissen und Moral, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31788
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Leseprobe aus  31  Seiten
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