Der Bildungsbegriff nach Wolfgang Klafki. Von der bildungstheoretischen zur kritisch-konstruktiven Didaktik


Hausarbeit, 2015

13 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung zum Begriff der „Didaktik“

2. Bildungsbegriff nach Klafki
2.1 Materiale und formale Bildungstheorien
2.2 Klafkis kategoriale Bildung
2.3 Die didaktische Analyse
2.4 Kritik an Klafkis Modellen
2.5 Von der bildungstheoretischen Didaktik zur kritisch-konstruktiven Didaktik

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung zum Begriff der „Didaktik“

Bevor Theorien und Modelle der Didaktik erklärt und Zusammenhänge verstanden werden können, muss zunächst ein grundlegendes Verständnis aufgebaut werden, was Didaktik überhaupt ist und welche Faktoren hierbei eine Rolle spielen. Die Frage nach der Bedeutung der Didaktik ist nicht leicht zu beantworten. Das Wort hat seine Ursprünge im griechischen „didáskein“ was übersetzt so viel wie „lehren“ und „unterrichten“ oder „lernen“ und „belehrt werden“ bedeutet. Schon hier wird deutlich, dass zwei elementare Prozesse in Verbindung miteinander stehen und sich gegenseitig vervollständigen, was sich bis heute nicht geändert hat. Somit ist die Didaktik „die Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens“ (Meyer 2002: 14). Der Fokus liegt auf der Wechselwirkung zwischen Lehrenden und Lernenden. Didaktik soll daher den Lehrenden und Lernenden eine Stütze für die gegenseitige Interaktion sein. Sie ist eine Handlungswissenschaft, die Lehrern eine praxisorientierte Handlungsweise bieten soll. Während des 20. Jahrhunderts haben Pädagogen wie Erich Weniger, Paul Heimann und vor allem Wolfgang Klafki (geb. 1927), welcher als „Vater“ der Didaktik gilt, versucht, den Begriff einzuengen und zu definieren um schließlich bildungstheoretische Grundlagen und didaktische Theorien und Modelle zu entwickeln.

Vor diesem Hintergrund soll im Rahmen dieser Hausarbeit nach Klafki erläutert werden, was bildungstheoretische Didaktik ist, welche Formen der Bildung existieren, welche Bedeutung der kategorialen Bildung zu Grunde liegt und welche Funktion die didaktische Analyse erfüllt.

2. Bildungsbegriff nach Klafki

Die Frage nach der Bedeutung der Bildung war schon immer ein weitreichendes und kontrovers diskutiertes Thema, sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Gegenwart. Wolfang Klafki beschäftigte sich Anfang des 19. Jahrhunderts mit den Begriffen der „Bildung“ und „Allgemeinbildung“. Er stellte die Frage „mit welchen Inhalten und Gegenständen sich junge Menschen auseinander setzen müssen, um zu einem selbstbestimmten und vernunftgeleiteten Leben in Menschlichkeit, in gegenseitiger Anerkennung und Gerechtigkeit, in Freiheit, Glück und Selbsterfüllung zu kommen“ (Klafki 1986: 461). Diese Frage beantwortet er damit, dass Bildung und Erziehung die Aufgabe haben, einen unmündigen Menschen zur Mündigkeit zu verhelfen. In seiner Bildungstheorie definiert er vier Eigenschaften der Bildung. Die erste Eigenschaft besagt, dass Bildung das Ziel hat, vernünftige Selbstbestimmung zu fördern. Der Mensch soll lernen, seine Fähigkeiten zu entfalten und zu einer kritischen Mündigkeit zu gelangen. Zweitens ist Bildung immer abhängig von historischen, gesellschaftlichen und kulturellen Ausgangssituationen. Die Fähigkeit zur Selbstbestimmung kann nur dann erworben werden, wenn sich der Mensch mit seiner Welt, den Normen und Werten seiner Gesellschaft und kulturellen und politischen Lagen auseinandersetzt. Drittens kann der Mensch Bildung nur selbstständig und für sich selbst erwerben. Der Bildungsprozess ist ein individueller Prozess, somit muss jeder für sich selbst den richtigen Pfad zu vernünftiger Selbstbestimmung finden. Der letzte Punkt besagt, dass auch wenn Bildung nur selbstständig erworben werden kann, der Bildungsprozess jedoch in einer Gesellschaft erfolgt. Die Interaktion mit anderen Menschen ist nach Klafki die einzige Möglichkeit, den individuellen Bildungsprozess zu fördern.

Seinem Bildungskonzept liegt zusätzlich noch die „Allgemeinbildung“ zu Grunde. Unter Allgemeinbildung versteht Klafki den öffentlichen Zugang zu Bildung, unabhängig von Herkunft, Religion oder sozialer Klasse. Zudem ist Allgemeinbildung eine allumfassende Bildung, das heißt, dass der Mensch in den unterschiedlichsten Bereichen der geistigen und körperlichen Fähigkeiten gefördert werden soll und nicht nur in bestimmten Spezialgebieten. Zuletzt findet Bildung „im Medium des Allgemeinen“ statt, das heißt, indem sich der Mensch mit „menschlichen Kulturtätigkeiten“ (Meyer 2002: 210) auseinandersetzt, gelangt er selbst zur Selbstbestimmung und Persönlichkeitsentwicklung. Zusammenfassend sieht Klafki Allgemeinbildung als die Kompetenz eines Menschen, kritisch, sachkompetent, solidarisch und selbstbestimmt zu denken und handeln.

Um die Ziele der Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs- und Solidaritätsfähigkeit zu realisieren, stellte Klafki einen Katalog von „Schlüsselproblemen“ auf. Er bezeichnet die Schlüsselprobleme als grundlegende Probleme der Menschen innerhalb einer Gesellschaft und Epoche, welche für den Unterricht einen verbindlichen Orientierungsrahmen darstellen. Die Entscheidungen über bestimmte Themen, Gegenstände und Verfahren werden somit von den Lehrern und Schülern abhängig gemacht. Die Auseinandersetzung mit diesen primären gesellschaftlichen Schlüsselproblemen und die Vermittlung einer gewissen Mitverantwortlichkeit ist für ihn das Fundament der Allgemeinbildung. Klafki nennt die folgenden acht Schlüsselprobleme, die für ihn eine grundlegende Bedeutung haben:

1) Die Friedensfrage, im Hinblick auf das Vernichtungspotential moderner Kriegswaffen
2) Die Problematik und der Sinn des Nationalitätsprinzips
3) Die Umweltfrage angesichts der Zerstörung oder Erhaltung der natürlichen Ressourcen der Menschheit und die damit eingehende Verantwortung gegenüber zukünftigen Generationen
4) Die wachsende Weltbevölkerung
5) Die gesellschaftlich bedingte Ungleichheit zwischen sozialen Klassen, Geschlechtern, behinderten und nicht-behinderten Menschen, Volksgruppen etc.
6) Die Gefahren und Möglichkeiten neuer Technologien angesichts der Folgen für den Arbeitsmarkt und die Kommunikation
7) Die menschliche Sexualität, Erfahrungen der Liebe und Geschlechterbeziehungen
8) Das Verhältnis zwischen Industrie- und Entwicklungsländern.

Die Anzahl dieser Schlüsselprobleme ist nicht beliebig erweiterbar, da es sich um epochaltypische und gesamtgesellschaftliche Strukturprobleme handelt, welche jedes Individuum beeinflussen. Diese Schlüsselprobleme können nach Klafki nicht sofort gelöst werden und haben das Potential, in der Zukunft erheblichen Schaden auszurichten. Somit ist es eine zentrale Aufgabe der Bildung, auf diese Probleme vorzubereiten.

2.1 Materiale und formale Bildungstheorien

Der Begriff „Bildung“ wir seit jeher unterschiedlich ausgelegt, heute lassen sich zwei grundlegend unterschiedliche Zweige der Bildung differenzieren.

Die „materiale Bildungstheorie“ fokussiert sich auf die Sach- bzw. Inhaltsebene. Es geht um die Frage, welche Sachverhalte aus der endlosen Wirklichkeit so relevant und wichtig sind, dass Schüler sie lernen sollen und müssen. Konkret bedeutet dies, dass unverzichtbare Bestandteile von Bildung definiert werden, Unwichtiges von Wichtigem getrennt und schließlich als Bildung angesehen wird. Es wird eine Liste von Bildungsinhalten erstellt, die den Anspruch erheben, Bildung zu vermitteln und fördern. Der Lernende soll wie eine Enzyklopädie Wissen gesammelt und abrufbar haben.

Die „formale Bildungstheorie“ fokussiert sich auf die zu erziehenden Schüler und deren subjektive und objektive Bedürfnisse. Es wird gefragt, welche Verhaltensformen für die Schüler gegenwärtig oder in der Zukunft wichtig sind oder sein könnten. Ein Bildungskanon von essentiellen Fähigkeiten und Kompetenzen wird entwickelt, die dem Menschen helfen sollen, durch den Einsatz verschiedener Methoden handlungsfähig zu werden. Nicht das Wissen steht im Vordergrund sondern die Vermittlung relevanter Methoden, wie man zum Beispiel am besten Informationen sammeln kann.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Der Bildungsbegriff nach Wolfgang Klafki. Von der bildungstheoretischen zur kritisch-konstruktiven Didaktik
Hochschule
Universität Trier
Note
1,3
Jahr
2015
Seiten
13
Katalognummer
V317961
ISBN (eBook)
9783668171985
ISBN (Buch)
9783668171992
Dateigröße
733 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Didaktik, Klafki, kategoriale bildung
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, Der Bildungsbegriff nach Wolfgang Klafki. Von der bildungstheoretischen zur kritisch-konstruktiven Didaktik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317961

Kommentare

  • Gast am 25.6.2020

    Hier ist ein kleiner Fehler im Text. Unter 2. steht, Klafki habe sich im 19. Jahrhundert mit der Bildungsfrage beschäftigt, es handelt sich jedoch um das 20. Jahrhundert.
    Liebe Grüße

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