Die Gewerkschaftsbewegung der Solidarnosc. Auswirkungen auf eine Zeitepoche und Vorbild für die osteuropäische Öffnung

Ein Überblick in Stichpunkten


Zusammenfassung, 2016
11 Seiten
Mike G. (Autor)

Leseprobe

Die Solidarnosc

Vorwort

Nicht nur die DDR machte eine besondere Entwicklung als sogenannter Blockstaat im Warschauer Pakt durch. Vorbildhaftes Beispiel für alle weiteren Revolutionen in Osteuropa wurde Polen, deren Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ neun Jahre nach ihrer Gründung zu einem „runden Tisch“ führte, welchen es bis dahin noch nie in der Geschichte vorgefunden hatte. Die folgende Arbeit befasst sich näher mit den historischen Umständen und Leistungen der Solidarnosc, welche mit zahlreichen zeitgenössischen Quellen untermauert werden. Diese sind gelb hinterlegt und eingebettet in die chronologische, stichwortartige Schilderung der Ereignisse. Hintergrundinformationen und eine abschließende Analyse der ARD in Warschau runden die bloße Wiedergabe von Ereignissen, welche an einigen Stellen auch deutlich bewertet wurde, ab.

- Wichtige Voraussetzungen für einen gemeinsamen Zusammenhalt und Protest.

- (a) Die starke Stellung der katholischen Kirche.

• Innerhalb der Kirchengemeinschaft wurde der Raum für ein „anderes“ Gedankengut, als jenes des Staates geboten, was die Formierung der Arbeiterschaft, die Ausarbeitung der Ideale und in der Zeit des Kriegsrechts auch die Hoffnung stärkte.

- (b) Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges.

• Obwohl sich Polen völlig richtig verhalten hat und gegen die Achsenmächte vorging, wurde es letztlich durch die sowjetische Repressions- und Anpassungspolitik unterworfen.

• Der Verlust von Freiheit und Autonomie war eine tiefe, nachtragende Verletzung der Gesellschaft, dessen Revision angestrebt wurde.

• Die Furcht vor den Deutschen einte die Polen, hätte sie aber vom politischen Engagement abgehalten.

- Besuche deutscher Politiker wie Willy Brandt oder Helmut Schmidt bauten das polnische Misstrauen gegenüber Deutschland ab und ermöglichten die furchtlosere Partizipation in der Gewerkschaft und später der Politik.

- 1970 Polnische Regierung unterdrückt Streiks mit Militärgewalt.

- Juni 1979 Erste Polenreise des Papstes Johannes Paul II.

• Seit 500 Jahren war kein Pole mehr Papst geworden, seine Wahl überraschte sehr viele Polen.

• Besuch des Papstes in Polen war ein herausragendes, einmaliges Erlebnis, welches man keineswegs verpassen dürfe.

- Hunderttausende, Millionen Menschen gingen, liefen, fuhren in die Städte, in welche der Papst predigte.

- Man musste sich um die eigene Versorgung kümmern, um den Transport der Kranken und Alten, man musste die eigene Sicherheit gewährleisten, kurz: man musste sich selbst organisieren.

=> Ohne diese Organisationserfahrungen wäre die Solidarnosc völlig anders strukturiert worden und womöglich nicht so erfolgreich geworden.

- 1. Juli 1980 Preiserhöhung für Lebensmittel ruft eine Streikwelle hervor.

• Hauptakteure des Streiks werden in der Leninwerft entlassen.

- August 1980 Pinkowski wird polnischer Ministerpräsident.

- 14. August 1980 Streikende besetzen die Leninwerft.

- 14. August 1980 Elf Forderungen der Streikenden in der Leninwerft (266/M2).

- 1. Entlassene Anna Walentynowicz soll wieder eingestellt werden.
- 2. 2000 Zloty Lohnerhöhung für alle Arbeiter.
- 3. Angleichen des Kindergeldes für Arbeiter an jenes der Miliz.
- 4. Einheitliche Pensionsregelung nach höchstem Satz.
- 5. Informationen über den Streik sollen in der Presse und anderen Medien verbreitet werden.
- 6 Am Eingang der Werft soll im Dezember 1980 ein Denkmal für die gefallenen Arbeiter errichtet werden.
- 7. Betriebsrat der staatlichen Gewerkschaft soll aufgelöst werden und durch wirkliche Vertreter der Arbeiterschaft mittels Wahlen ersetzt werden.
- 8. Lebensmittelmärkte mit überteuerten Preisen wollen aufgelöst werden.
- 9. Lech Walesa soll wieder eingestellt werden.
- 10. Auf zentraler Ebene soll die offizielle Gewerkschaft aufgelöst werden.
- 11. Sofortige Freilassung aller politischer Gefangenen.

- 18. August 1980 Streikende Arbeiter verfassen 21 Forderungen.

- 18. August 1980 Forderungen des zentralen Ausschusses des überbetrieblichen Streikkomitees (266/M3).

- 1. Anerkennung von freien, unabhängigen Gewerkschaften gemäß den Konventionen, welchen Polen früher schon zugestimmt hatte.
- 2. Streikrecht und Sicherheit der Streikenden sowie der Helfer soll garantiert werden.
- 3. Keine Presse- und Meinungszensur mehr, da es gegen die Verfassung spricht.
• Unabhängige Veröffentlichungen sollen nicht länger unterdrückt werden und Geistliche sollen einen Zugang zu Medien erhalten.
- 4a. Arbeiter, welche bei den Streiks in den Jahren 1970 – 1976 entlassen wurden, sollen wieder eingestellt werden.
• Studenten, welche wegen ihren politischen Ansichten vom Unterricht ausgeschlossen wurden, sollen wieder aufgenommen werden.
- 4b. Freilassung von politischen Gefangenen und Einstellung der Repressalien wegen Meinungsdelikten.
- 5. Bildung eines überbetrieblichen Streikkomitees, Forderungen sollen veröffentlicht werden.
- 6. Programme sollen erstellt werden, welche Polen aus der Krise führen soll (Bsp. Öffentliche Verbreitung der sozialökonomischen Lage Polens, offene Diskussion über ein Reformprogramm).
- 7. Bezahlte Streik- und Urlaubstage.
- 8. Monatlicher Grundlohn soll um 2000 Zloty (heutzutage ca. 460€) erhöht werden um die Lebensmittelpreisanstiege auszugleichen.
- 9. Gleitende Lohnskala für Lohn- und Gehaltsempfänger.
- 10. Import von Lebensmitteln ausweiten, Export nur auf den Überschuss begrenzen.
- 11. Rationierungskarten für Fleisch einführen bis sich der Markt stabilisiert hat.
- 12. Kauf von Lebensmitteln mit westlichem Geld soll verboten werden.
- 13. Manager sollen wegen ihren Fähigkeiten, nicht wegen der Linientreue eingestellt werden.
• Aufhebung des Prinzips der Sonderläden.
• Vorrechte der Polizei, Geheimdienst und Beamter durch Gleichschaltung der Familienzulage aufheben.
- 14. Recht auf Rente nach 35 Jahren Arbeit, bei Männern ab dem 55. Lebensjahr, bei Frauen ab dem 50.
- 15. Eliminierung der beiden Rentensysteme und Verschmelzung zu bester Option.
- 16. Arbeitsbedingungen im Gesundheitsdienst verbessern, damit Arbeiter ausreichend versorgt werden können.
- 17. Krippen und Kindergärten in ausreichender Zahl schaffen.
- 18. Bezahlter Mutterschaftsurlaub für drei Jahre.
- 19. Zuteilung von Wohnungen soll beschleunigt werden.
- 20. Fahrkostenzuschuss und Ablösungssätze sollen erhöht werden.
- 21. Sollte der freie Samstag ausfallen, soll dieser als Urlaubstag angerechnet werden.

- 18. August 1980 Vereinbarungen zwischen dem Streikkomitee und dem stellvertretendem Ministerpräsidenten Jagielski (267/M4).

- 1. Anna Walentynowicz wird wieder eingestellt.
- 2. 2000 Zloty Lohnerhöhung für alle.
- 3. In 3 Monaten soll ein Gesetz gegen Zensur ausgearbeitet werden; Entscheidungsgewalt liegt beim Verwaltungsgericht um die Staats- und Wirtschaftsgeheimnisse zu wahren.
- 4. Wegen den Streiks entlassene Arbeitskräfte werden wieder eingestellt (In Gdansk, Danzig und Polen), Revisionsverfahren für Inhaftierte in 2 Wochen.
- 5. Forderungen des Streikkomitees werden veröffentlicht.
- 6. Regierung veröffentlicht Wirtschaftsreformen und lässt der Planung große Spielräume.
- 7. Für die Streikdauer wird ein Urlaubsgeld gezahlt, aber wirtschaftliche Verluste sollen innerhalb von drei Monaten wieder aufgearbeitet werden.
- 8. Alle Areiter steigen eine Lohnstufe auf, Lohnerhöhung für Wenigverdienende tritt am 1. Januar in Kraft.
- 9. Inflationsausgleich für Kosten / Preise sowie Löhne und Gehälter.
- 10. Fleischversorgung wird verbessert, Import steigt, Export wird begrenzt, Fleischkarten werden erwägt.
- 11. (Lebensmittel-)Läden mit überteuerten Preisen werden geschlossen.
- 12. Kriterien der Personaleinstellung werden nach Leistungsfähigkeit ausgerichtet.
- 13. Es gibt keine Privilegien für Parteimitglieder oder die Miliz, bei Misstrauen darf die Gewerkschaft dies gerne überprüfen.
- 14. An schweren Arbeitsplätzen werden ab dem 31. Dezember Frühpensionierungen für willige Arbeiter möglich sein.
- 15. Garantie, dass jeder Rentner das soziale Renten-Minimum erhält.
- 16. Verbesserung der medizinischen Versorgung.
- 17. Anzahl der Kindergarten- und Krippenplätze werden erhöht.
- 18. Drei Jahre Mutterschaftsurlaub gewährt (im ersten Jahr 100% des Lohnes, danach nur noch 50%).
- 19. Bis zum 31. Dezember wird nach Möglichkeiten gesucht die Wartezeit für Wohnungen zu reduzieren.
- 20. Tagesgeld bei Dienstreisen und Trennungsgeld wird erhöht.
- 21. Zahl der freien Samstage wird erhöht.

- 18. August 1980 Ansprache des Parteichefs Gierek im Fehrnsehn und Radio (263/M5).

- Streiks zerstören den normalen Lauf des Lebens, die Produktion und sorgen für Spannungen.

- Wirtschaftliche Probleme und daraus erwachsende gesellschaftliche Unzufriedenheit sind aus einer Vielzahl von Gründen entstanden.

- Gesteht Fehler in der Wirtschaftspolitik ein.

- Partei kann Ungeduld und Aufgebrachtheit der Arbeiter wegen Arbeitssorgen, Versorgungsengpässen, Schlangen vor den Läden, steigenden Unterhaltskosten, unregelmäßiger Lieferungen von Rohstoffen und Materialien sowie mangelndem Fortschreiten in der Produktion nachvollziehen.

=> Doch werden Streiks die Situation nicht verbessern.

- Verstärken die Probleme und stören den Ablauf des normalen Lebens in der Bevölkerung.

- Das Politbüro wird die Veränderungen in den Lebenshaltungskosten genaustens untersuchen.

• Diese Ergebnisse führen im Juli zu schrittweisen Lohnerhöhungen in allen Bevölkerungsgruppen.

- Regierung wird Fleischpreise einfrieren, damit es für die Arbeiter erschwinglich bleibt.

- Regierung wird Preise von essentiellen Gütern verschärft kontrollieren.

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Gewerkschaftsbewegung der Solidarnosc. Auswirkungen auf eine Zeitepoche und Vorbild für die osteuropäische Öffnung
Untertitel
Ein Überblick in Stichpunkten
Autor
Jahr
2016
Seiten
11
Katalognummer
V317962
ISBN (eBook)
9783668176362
ISBN (Buch)
9783668176379
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Oberstufe, Gymnasium, Leistungskurs, Solidarnosc, Lech Walesa, UdSSR, Demokratie, Freiheit, Kalter Krieg, Ostblock, Jaruzelski
Arbeit zitieren
Mike G. (Autor), 2016, Die Gewerkschaftsbewegung der Solidarnosc. Auswirkungen auf eine Zeitepoche und Vorbild für die osteuropäische Öffnung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317962

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