Nicht nur die DDR machte eine besondere Entwicklung als sogenannter Blockstaat im Warschauer Pakt durch. Vorbildhaftes Beispiel für alle weiteren Revolutionen in Osteuropa wurde Polen, dessen Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ neun Jahre nach ihrer Gründung zu einem „runden Tisch“ führte, welchen es bis dahin noch nie in der Geschichte gegeben hatte.
Diese Arbeit befasst sich näher mit den historischen Umständen und Leistungen der Solidarnosc, welche mit zahlreichen zeitgenössischen Quellen untermauert werden. Diese sind eingebettet in die chronologische, stichwortartige Schilderung der Ereignisse. Hintergrundinformationen und eine abschließende Analyse der ARD in Warschau runden die bloße Wiedergabe von Ereignissen, welche an einigen Stellen auch deutlich bewertet wurde, ab.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Wichtige Voraussetzungen für einen gemeinsamen Zusammenhalt und Protest
2.1 (a) Die starke Stellung der katholischen Kirche
2.2 (b) Die Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges
3. Streikwelle und Forderungen (1980)
3.1 14. August 1980 Elf Forderungen der Streikenden in der Leninwerft
3.2 18. August 1980 Forderungen des zentralen Ausschusses des überbetrieblichen Streikkomitees
3.3 18. August 1980 Vereinbarungen zwischen dem Streikkomitee und dem stellvertretendem Ministerpräsidenten Jagielski
3.4 18. August 1980 Ansprache des Parteichefs Gierek im Fehrnsehn und Radio
3.5 31. August 1980 Abkommen von Danzig zwischen der polnischen Regierung und der Solidarnosc
4. Gründung und Konsolidierung der Solidarnosc
4.1 September 1980 Interview der Gewerkschaftlerin Hoessli mit der Krankenschwester Pinkowska
4.2 Oktober / November 1980 Statuten der Solidarnosc
4.3 November 1980 Interview zwischen deutschen Gewerkschaftlern und dem Bürgerrechtler bzw. Pressesprecher der Solidarnosc Hr. Modzelewski
5. Aktionsprogramm und politische Krisen (1981)
5.1 17. April 1981 Aus dem Aktionsprogramm der Solidarnosc
5.2 10. Dezember 1981 Diskussion des Politbüros der kommunistischen Einheitspartei der Sowjetunion
5.3 13. Dezember 1981 Rede des Premierministers Jaruzelski zur Verhängung des Kriegsrechtes in Polen
6. Kriegsrecht und politischer Wandel (1982-1988)
6.1 1988 Offener Brief des Bürgerrechtlers Jerzy Holzer
7. Der "Runde Tisch" und demokratische Reformen (1989)
8. Rückblick und Bilanz
8.1 ARD Hörfunkstudio in Warschau: Was die Polen 2005 über die Solidarnosc denken
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe, den Verlauf und die politischen Auswirkungen der polnischen Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ von ihrer Entstehung bis hin zum gesellschaftlichen Wandel durch den „runden Tisch“.
- Die Rolle der katholischen Kirche und der Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges als Protestgrundlage
- Die Analyse zentraler Forderungen und Abkommen zwischen der Solidarnosc und der polnischen Staatsführung
- Die Verhängung des Kriegsrechts 1981 und die Rolle des Militärs unter Jaruzelski
- Der Prozess des politischen Systemwechsels durch Verhandlungen am „runden Tisch“ 1989
- Die kritische Reflexion und gesellschaftliche Wahrnehmung der Errungenschaften durch die polnische Bevölkerung im Jahr 2005
Auszug aus dem Buch
18. August 1980 Forderungen des zentralen Ausschusses des überbetrieblichen Streikkomitees (266/M3).
1. Anerkennung von freien, unabhängigen Gewerkschaften gemäß den Konventionen, welchen Polen früher schon zugestimmt hatte.
2. Streikrecht und Sicherheit der Streikenden sowie der Helfer soll garantiert werden.
3. Keine Presse- und Meinungszensur mehr, da es gegen die Verfassung spricht.
Unabhängige Veröffentlichungen sollen nicht länger unterdrückt werden und Geistliche sollen einen Zugang zu Medien erhalten.
4a. Arbeiter, welche bei den Streiks in den Jahren 1970 – 1976 entlassen wurden, sollen wieder eingestellt werden.
Studenten, welche wegen ihren politischen Ansichten vom Unterricht ausgeschlossen wurden, sollen wieder aufgenommen werden.
4b. Freilassung von politischen Gefangenen und Einstellung der Repressalien wegen Meinungsdelikten.
5. Bildung eines überbetrieblichen Streikkomitees, Forderungen sollen veröffentlicht werden.
6. Programme sollen erstellt werden, welche Polen aus der Krise führen soll (Bsp. Öffentliche Verbreitung der sozialökonomischen Lage Polens, offene Diskussion über ein Reformprogramm).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Das Vorwort führt in die historische Bedeutung der „Solidarnosc“ als Vorbild für Revolutionen in Osteuropa ein und erläutert die methodische Herangehensweise der Arbeit mit zeitgenössischen Quellen.
2. Wichtige Voraussetzungen für einen gemeinsamen Zusammenhalt und Protest: Dieses Kapitel beleuchtet die Rolle der katholischen Kirche und die traumatischen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges als zentrale Pfeiler für die spätere Formierung der Opposition.
3. Streikwelle und Forderungen (1980): Der Abschnitt dokumentiert die chronologische Abfolge der Streiks im Jahr 1980 und die daraus resultierenden Forderungskataloge sowie die ersten Regierungsvereinbarungen.
4. Gründung und Konsolidierung der Solidarnosc: Fokus auf die interne Organisation der Gewerkschaft, die Rolle der Mitglieder und die Festlegung der Statuten zur Wahrung der Interessen der Arbeiterschaft.
5. Aktionsprogramm und politische Krisen (1981): Analyse der weiteren Eskalation zwischen Gewerkschaft und Staat sowie der Hintergründe zur Verhängung des Kriegsrechts Ende 1981.
6. Kriegsrecht und politischer Wandel (1982-1988): Übersicht über die Zeit unter dem Militärrat WRON und die schleichende Erosion des kommunistischen Machtmonopols bis 1988.
7. Der "Runde Tisch" und demokratische Reformen (1989): Beschreibung des Übergangs vom Sozialismus zur pluralistischen Demokratie durch die Verhandlungen und die daraus folgenden rechtlichen Reformen.
8. Rückblick und Bilanz: Abschlussbetrachtung der langfristigen Auswirkungen der Solidarnosc und wie die polnische Bevölkerung das Erbe der Bewegung im Jahr 2005 bewertet.
Schlüsselwörter
Solidarnosc, Polen, Streik, Leninwerft, Lech Walesa, Kriegsrecht, Jaruzelski, Runder Tisch, Gewerkschaften, Demokratisierung, Sozialismus, Menschenrechte, Arbeiterbewegung, politische Reformen, Systemwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Entwicklung der polnischen Gewerkschaftsbewegung „Solidarnosc“ von ihrem Beginn im Sommer 1980 bis hin zum Systemwechsel in Polen 1989.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Rolle der Arbeiterbewegung, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, die wirtschaftliche Krise der 80er Jahre sowie den politischen Transformationsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die historische Entwicklung der Solidarnosc anhand einer Vielzahl von zeitgenössischen Dokumenten und Quellen chronologisch nachzuzeichnen und zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer chronologischen Darstellung, die durch zahlreiche zeitgenössische Quellen (wie Forderungskataloge, Interviews und offizielle Reden) untermauert und durch Hintergrundanalysen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erstreckt sich von den ersten Streiks in der Leninwerft über die Verhängung des Kriegsrechts bis hin zum „Runden Tisch“ und der Wiederzulassung der Gewerkschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Solidarnosc, Arbeiterbewegung, Demokratisierung, Kriegsrecht und Systemwandel.
Warum war die Organisationserfahrung vor 1980 für die Solidarnosc so wichtig?
Durch die Polenreise des Papstes mussten sich die Menschen erstmals großflächig selbst organisieren, was laut Text eine essenzielle Vorläufererfahrung für die erfolgreiche Strukturierung der Gewerkschaft war.
Wie bewerten die Polen im Jahr 2005 die Errungenschaften der Solidarnosc?
Die Mehrheit sieht die Errungenschaften als wichtig an, blickt jedoch kritisch auf die heutige Arbeitslosigkeit und die Kluft zwischen erhofftem „Paradies“ und der wirtschaftlichen Realität.
- Citar trabajo
- Mike G. (Autor), 2016, Die Gewerkschaftsbewegung der Solidarnosc. Auswirkungen auf eine Zeitepoche und Vorbild für die osteuropäische Öffnung, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/317962