Spricht man von einem Schreibprozess, dann ist im Allgemeinen „das selbstständige Produzieren eines Textes gemeint“ (Becker-Mrotzek 2012, 19). Dieser gestaltet sich im Vergleich zur mündlichen Kommunikation als zeitintensiv, die Geschwindigkeit des Schreibens und die Zeit zum Nachdenken spielen dabei eine Rolle. Denn zwischen der ersten Schreibidee und dem präsentierfähigen Text liegen häufig eine Vielzahl an Entwürfen, die man dem Endprodukt meist nicht mehr ansieht, da die Spuren des Planens, Formulierens und Überarbeitens sorgfältig angeglichen wurden. Es ist daher nicht verwunderlich, dass das Schreiben selbst – im Sinne von Textproduktion – in unterrichtlichen Kontexten lange Zeit wenig Beachtung fand und sich ausschließlich am Schreibprodukt orientiert wurde.
Erst die Schreibprozessforschung, die sich in den 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelte, konnte zeigen, dass sich der Prozess des Schreibens aus mehreren Teilhandlungen zusammensetzt und so eine Schreibdidaktik etablieren, die um die Klärung der Schreibwirklichkeit bemüht war und sich von der zuvor praktizierten Produktfixierung lösen konnte. So steht heute in einem prozessorientierten Schreibunterricht nicht mehr ausschließlich das fertige Endergebnis im Zentrum, sondern auch der Entstehung eines Textes, also den Produktionsprozessen, wird zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt. Eine elementare Teilhandlung des Schreibens ist dabei die Überarbeitung, deren Wichtigkeit Murray schon 1968 auf den Punkt brachte, indem er festhielt: „Writing is rewriting“ (vgl. Spitta 1992, 20). Denn die Revisionsvorgänge sind ein konstitutives Element der Textproduktion und finden in einem prozessorientierten Unterricht daher umfassend Berücksichtigung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Revisionen im Kontext von Schreibprozessen
3. Textüberarbeitung in der Grundschule – Das Unterrichtsprojekt
3.1 Darstellung des Forschungsanliegens unter Bezugnahme zentraler Ergebnisse der Revisionsforschung
3.2 Textüberarbeitung in Schreibkonferenzen
3.3 Rahmenbedingungen
3.4 Unterrichtsvorhaben
4. Erläuterung der Analyseraster
5. Darlegung der Analyseergebnisse
5.1 Revisionsebenen
5.2 Revisionstypen
5.3 Revisionsintentionen
6. Fazit
7. Bibliographie
Monographien:
Sammelbandbeiträge:
Zeitschriftenbeiträge:
Internetquellen:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit und in welcher Form Schülerinnen und Schüler der Primarstufe im Rahmen von Schreibkonferenzen Revisionen an ihren selbst verfassten Märchen vornehmen können. Im Zentrum steht dabei die empirische Analyse von Schreibprozessen, um zu klären, welche Textebenen überarbeitet werden, welche Handlungstypen dabei zum Einsatz kommen und welche Intentionen die jungen Schreibenden verfolgen.
- Empirische Untersuchung von Schreibkonferenzen in einer 3. Klasse der Primarstufe.
- Analyse des Revisionsverhaltens hinsichtlich qualitativer und quantitativer Aspekte.
- Untersuchung von Schreibstrategien und der Rolle von Peer-Feedback.
- Evaluierung der Auswirkungen von Revisionen auf die Textqualität (Geglückt/Neutral/Missglückt).
- Einordnung der Ergebnisse in die aktuelle Schreibprozess- und Revisionsforschung.
Auszug aus dem Buch
3.1 Darstellung des Forschungsanliegens unter Bezugnahme zentraler Ergebnisse der Revisionsforschung
Bereits 1981 fanden Faigley und Witte heraus, dass sich die Revisionstätigkeiten von geübten und ungeübten Schreibern erheblich unterschieden, da sich die Textüberarbeitungsvorgänge der ungeübten Schreiber vorwiegend auf der Textoberfläche (Surface Changes) bewegten, während die Revisionen der fortgeschritteneren Probanden häufig tiefer in die Textstruktur eingriffen (Meaning Changes) (vgl. Kuß 2010, 41).
Zu ähnlich interessanten Ergebnissen führte eine Studie von Bartlett (1982). Er fand heraus, dass junge Schreiber, in diesem Fall Zehnjährige, deutlich geringere Schwierigkeiten dabei haben, Fremdtexte zu überarbeiten, als es bei selbstproduzierten Texten der Fall war, da die automatisch gegebene Distanz zum Geschriebenen die Durchführung von Revisionen scheinbar erleichterte (vgl. Kuß 2012, 42).
1990 tätigte Brakel Olsen Untersuchungen zum Einfluss von Peer-Beteiligung auf die Revisionstätigkeiten junger Schreiber und fand heraus, dass Kinder bei der Textüberarbeitung vor allem zwei Problemen gegenüberstehen: „They are not always able to recognize problems in their own writing. [...] They are not always able to improve writing even when they recognize problems” (Olsen 1990, zit n.: Kuß 2012, 43). Unter Berücksichtigung der bereits von Bartlett gewonnenen Erkenntnisse kommt Olsen daher zu dem folgenden Schluss: „This findings suggest the potential helpfulness of peer response during the writing process“ (Olsen, B., zit. n.: Kuß 2012, 43). Die Studie konnte somit zeigen, dass kooperative Lernformen die Überarbeitungsvorgänge junger Schreiber positiv unterstützen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Thema im Kontext der modernen Schreibprozessforschung und definiert die Relevanz der Schreibkonferenz als lernförderliche Methode in der Primarstufe.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel erläutert die Entwicklung der Schreibprozessforschung und die Bedeutung von Revisionen als kognitive und kommunikative Teilhandlungen des Schreibens.
3. Textüberarbeitung in der Grundschule – Das Unterrichtsprojekt: Es werden zentrale Studien der Revisionsforschung zusammengefasst und die methodischen Rahmenbedingungen sowie das spezifische Unterrichtsvorhaben mit Schülern der 3. Klasse beschrieben.
4. Erläuterung der Analyseraster: Hier werden die verwendeten Kategorien zur Klassifikation und Evaluation der Textrevisionen vorgestellt, basierend auf den Modellen von Held sowie Fix und Melenk.
5. Darlegung der Analyseergebnisse: Die Ergebnisse der Untersuchung werden hinsichtlich der Revisionsebenen, der gewählten Handlungstypen und der zugrunde liegenden Revisionsintentionen detailliert ausgewertet und grafisch dargestellt.
6. Fazit: Das Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse der Studie zusammen und bestätigt, dass Grundschulkinder durch Schreibkonferenzen zu erfolgreichen Revisionen befähigt werden können.
7. Bibliographie: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit herangezogene Fachliteratur auf, unterteilt in Monographien, Sammelbandbeiträge, Zeitschriftenbeiträge und Internetquellen.
Schlüsselwörter
Schreibprozess, Revision, Schreibkonferenz, Primarstufe, Revisionsforschung, Schreibdidaktik, Textüberarbeitung, Peer-Feedback, Schreibkompetenz, Märchen, Textqualität, Schreibunterricht, Handlungstypen, kognitiver Prozess, Schülertext.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Überarbeitungsverhalten von Grundschulkindern beim Schreiben von Märchen im Rahmen von Schreibkonferenzen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die Schreibprozessforschung, die Bedeutung von Revisionen an Texten, kooperative Lernformen wie Schreibkonferenzen und die Entwicklung von Schreibkompetenzen im Kindesalter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Erkenntnisse darüber zu gewinnen, in welchem Ausmaß und in welcher Form unerfahrene Schreiber (SuS einer 3. Klasse) in der Lage sind, Revisionen an ihren eigenen Texten durchzuführen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde zur Auswertung genutzt?
Es wurde ein empirisches, deskriptiv-evaluatives Raster verwendet, das Revisionen nach Ebenen, Typen und Intentionen klassifiziert und qualitativ hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Textqualität bewertet.
Was steht im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Forschungsansätze, die Erläuterung des gewählten Analyserasters sowie die detaillierte quantitative und qualitative Auswertung der gewonnenen Daten aus dem Unterrichtsprojekt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Neben Begriffen wie Schreibkonferenz und Revisionskompetenz prägen Begriffe wie Schreibprozess, Textoptimierung und Peer-Feedback die Untersuchung.
Inwieweit beeinflusst das Peer-Feedback die Qualität der Revisionen?
Die Arbeit zeigt, dass Peer-Feedback Grundschülern dabei hilft, Überarbeitungspotenzial an eigenen sowie fremden Texten zu entdecken und gemeinsam Lösungsstrategien zu entwickeln.
Wie gehen Grundschüler mit dem "Schreib-Vorgang" und dem "Überarbeiten" um?
Die Ergebnisse legen nahe, dass Kinder vorwiegend auf der Textoberfläche (orthografisch/interpunktisch) arbeiten, aber durch gezielte Anleitung und kooperative Settings durchaus zu komplexeren inhaltlichen Revisionen fähig sind.
Welche Rolle spielt die "Schriftliche Norm" bei den Revisionen der Kinder?
Die Mehrheit der Revisionen (80%) betraf die schriftliche Norm, was bedeutet, dass die Korrektur von Rechtschreibung und Interpunktion den größten Teil des Überarbeitungsvorgangs ausmachte.
- Quote paper
- Jan Neusesser (Author), 2015, In welchem Ausmaß und Form lassen sich Revisionstätigkeiten bei SuS einer Primarstufe im Zuge einer Schreibkonferenz beobachten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318002