Jona – Prophet wider Willen. Ein Unterrichtsentwurf

Fünf Unterrichtsstunden für die 7. Klasse, Gymnasium


Unterrichtsentwurf, 2014

46 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einfuhrung

2. Bedingungsanalyse
2.1. DieSchule
2.2. Der Klassenraum
2.3. Diemateriellen Ressourcen

3. Lerngruppenanalyse
3.1. DieLerngruppe
3.2. Entwicklungspsychologie

4. Sachanalyse

5. Einordnung in das curriculare Umfeld

6. Didaktische Rechtfertigung
6.1. DidaktischeReduktion
6.2. Anknupfung an die Lerngruppenanalyse und Entwicklungspsychologie
6.3. Zielstellungen
6.3.1. DasRichtziel
6.3.2. DieGrob-undFeinziele
6.3.2.1. DieersteUnterrichtsstunde
6.3.2.2. DiezweiteUnterrichtsstunde
6.3.2.3. DiedritteUnterrichtsstunde
6.3.2.4. DievierteUnterrichtsstunde
6.3.2.5. DiefunfteUnterrichtsstunde
6.3.3. Die Kompetenzausrichtung

7. Methodische Entfaltung
7.1. Die erste Unterrichtsstunde: Berufung und Flucht - Eine erste Orientierung
7.2. Die zweite Unterrichtsstunde : Jona im Fisch - Die Ambivalenz von Nahe
7.3. Die dritte Unterrichtsstunde: Jona der Prophet - Gottlicher Rollenzwang?
7.4. Die vierte Unterrichtsstunde: Jonas Wut - Gerechtigkeit I
7.5. Die funfte Unterrichtsstunde: Der Rizinus - Gerechtigkeit II und Endreflexion

8. Fazit

Anhang

Bibliographie

Monographien und Sammelbande

Lexika

Zeitschriften

Internetquellen

Stundenverlaufsplanungen

Anlagen

l. Einfuhrung

Im Rahmen dieser Hausarbeit wird die Konzeption einer Unterrichtsreihe zu dem Thema Der Prophet Jona im evangelischen Religionsunterricht vorgelegt. Die Reihe umfasst dabei funf Unterrichtsstunden fur die siebte Jahrgangsstufe am Gymnasium.

2. Bedingungsanalyse

Zunachst werden die grundsatzlichen auberen Bedingungen vorgestellt. Dabei sei darauf hingewiesen, dass dieser Unterrichtsentwurf nicht an einer Schule durchgefuhrt wurde und diese Ausfuhrungen daher exemplarischen Charakter haben.

2.1. Die Schule

Bei der intendierten Schule handelt es sich um ein staatliches Gymnasium in Mecklenburg- Vorpommern. Eine christliche Tragerschaft oder Ausrichtung wird nicht vorausgesetzt. Angenommen wird, dass der Religionsunterricht in der Sekundarstufe I einstundig einmal pro Woche stattfindet und den Schulerinnen und Schulern[1] zur Wahl steht, ob sie am evangelischen Religionsunterricht oder einem Ersatzfach wie Werte und Normen oder Philosophie teilnehmen. Dies hat zur Folge, dass im evangelischen Religionsunterricht Schuler aus mehreren Klassen zusammenkommen.

2.2. Der Klassenraum

Ausgegangen wird von einem ausreichend groben Klassenzimmer mit einer Fensterseite, die den Raum gut erhellt. Die Schulerinnen und Schuler sitzen in einer hufeisenformigen Sitzordnung mit quer dazu gestellten Reihen im Inneren des Hufeisens. Dies ist forderlich fur das Unterrichtsgesprach, da die Schuler sich - abgesehen von denjenigen, die innen sitzen - gegenseitig gut sehen konnen. Der Nachteil ist, dass die innen sitzenden Schuler sich als eingekreist empfinden konnen, was sie moglicherweise im Gesprach hemmt. Gleichzeitig ist der Raum nach hinten und zu den Seiten hin durch die Sitzordnung bereits gefullt, wahrend sich vorne vor der Tafel und dem Lehrerpult mehr Platz befindet. Dadurch ist die Distanz des Lehrers vor allem zu hinten sitzenden Schulern recht grob. Ansonsten ist der Raum zweckmabig eingerichtet mit einem Schrank fur die Unterlagen der Schuler. An den Wanden hangen einige Bilder und Erarbeitungen der Schuler aus verschiedenen Unterrichtsfachern, was den Raum trotz seiner funktionellen Ausrichtung lebendig wirken lasst und zur Atmosphare beitragt.

2.3. Materielle Ressourcen

Bei der Ausstattung des Klassenzimmers wird von einer Tafel und einem Overhead-Projektor (OHP) ausgegangen. Die Durchfuhrung dieses Unterrichtskonzepts ist mit einem Whiteboard und einem Beamer jedoch ebenso moglich. Da ein kurzes Video ebenfalls Teil des Unterrichts sein wird, ist in einer Schulstunde ohnehin ein Beamer notwendig.

3. Lerngruppenanalyse

Wie bereits erwahnt, ist dieser Entwurf in der Theorie entwickelt. Dies hat auch bei der Lemgruppenanalyse zur Folge, dass die Schulerschaft fiktiv ist. Diese exemplarische Lerngruppe wird nun vorgestellt. Anschliebend werden die entwicklungspsychologischen Hintergrunde dieser Altersstufe erlautert.

3.1. Die Lerngruppe

Angenommen wird die Zusammensetzung des evangelischen Religionskurses mit 25 Schulern: 15 Madchen und 10 Jungen. Der Grobteil der Klasse ist bereits 13 Jahre alt, nur wenige Schuler sind noch zwolfjahrig. Zwei Schuler - ein Junge und ein Madchen - sind verhaltensauffallig und das Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitatsyndrom wird bei ihnen vermutet. Den direkten Gegenpol bilden zwei weitere Schuler, ebenfalls Junge und Madchen, die den Unterricht auberst still verfolgen. Ihre Integration innerhalb ihrer Klassen ist unsicher. Insgesamt ist die Lerngruppe jedoch als gesprachsbereit und uberwiegend leistungsbereit einzustufen. Die Schuler des Kurses stammen aus verschiedenen Klassen des Jahrgangs. Dies hat zur Folge, dass die Schuler sich bis auf ihre Klassenkameraden nur bedingt kennen, was die verstarkte Bildung von Kleingruppen, bestehend aus den verbliebenen Klassenmitschulern, erwarten lasst. Innerhalb dieser Gruppen kommt es zu Gerede unter den Schulern und daher bisweilen zu Unruhephasen in der Klasse. Da die Schuler die Moglichkeit haben, den Religionsunterricht durch ein Alternativfach wie Werte und Normen oder Philosophie zu ersetzen, bzw. die Eltern einen solchen Wechsel veranlassen durfen, konnte eine gewisse religiose Affinitat voraussetzbar sein. Dennoch ist damit zu rechnen, dass ebendies nicht der Fall ist und der Grobteil der Schuler auch ohne direkte Neigung zum Protestantismus am evangelischen Religionsunterricht teilnimmt.

3.2. Entwicklungspsychologie

Ausgegangen von einer Einschulung mit ca. sechs Jahren sind in der siebten Jahrgangsstufe vorwiegend zwolf- und 13-jahrige Schuler anzutreffen. Da die Entwicklung der korperlichen Reifung, mit der die Pubertat einhergeht, in Beginn und Geschwindigkeit stark individuell verlauft, sind Jugendliche diesen Alters hochst unterschiedlich entwickelt. Das Spektrum reicht von Schulern in Kindheit, Vorpubertat bis hin zur Pubertat und allen Ubergangen.[2] Daher variiert bei den Schulern diesen Alters auch, welcher Phase - Kindheit oder Jugend - sie sich zugehorig fuhlen, was auch die entwicklungspsychologischen Voraussetzungen schwer fassbar macht.[3]

In diesem Alter setzen der puberale Wachstumsschub sowie die Ausbildung der sekundaren Geschlechtsmerkmale ein. Wie gesagt zu unterschiedlichen Zeitpunkten, aber im Vergleich zu fruher geschieht dies insgesamt in immer jungeren Jahren, was als Akzeleration bezeichnet wird.

Diese bildet einen Einschnitt in die Kindheit und kann zu einer groben „Diskrepanz zwischen korperlicher und psychischer Entwicklung“[4] fuhren. Die hingegen erst spat Reifenden leiden durch Vergleich mit akzelerierten Jugendlichen oft an Minderwertigkeitsgefuhlen, die lange und massiv nachwirken konnen.[5] Zu der korperlichen Reifung gehort auch, dass Menarche und Ejakularche haufig in diesem Alter auftreten. Dieses Ereignis empfindet rund ein Drittel der Madchen und fast die Halfte der Jungen als unangenehm. Erste erotische Erfahrungen finden durchaus statt, den ersten Beischlaf vollziehenjedoch nur wenige Jugendliche in diesem Alter.[6]

Neben dem auberlichen Wandel des Korpers finden wahrend der Pubertat auch komplexe Veranderungen im Gehirn statt. Schon Jean Piaget stellte eine verstarkte kognitive Entwicklung zu Beginn der Pubertat fest, die unter anderem „zum hypothetischen, abstrakten oder formalen Denken“[7] fuhrt. Dazu gehort auch das kritische Hinterfragen und Vergleichen, was sich im Diskutieren elterlicher Aufforderungen niederschlagen kann. Hinzu kommt die Loslosung von der Familie. Die grobten Unstimmigkeiten zwischen Eltern und Pubertierendem treten bei Jungen etwa mit 13 Jahren und bei Madchen im Schnitt mit 15 Jahren auf.[8] Neurobiologen konnten bestatigen, dass neue Verknupfungen im Gehirn entstehen und teilweise wieder vergehen: „Wahrend der Adoleszenz werden die Wege, auf denen ein Mensch Informationen und Emotionen transportiert und verarbeitet, neu justiert.“[9] Das fuhrt durch Umgestaltungen im prafrontalen Kortex auch zu einer veranderten Wahrnehmung, durch die Jugendliche oft die Gefuhle ihres Gegenubers schlechter einschatzen konnen und die Konsequenzen ihres Handelns seltener in Betracht ziehen.[10]

Eine weitere Neuerung der Pubertat ist, dass das Denken des Jugendlichen sich nun starker auf das eigene Selbst und vor allem die Reflexion dessen bezieht. Einer der wichtigsten Gegenstande des Denkens im Jugendalter ist der Pubertierende selbst: Er ist auf der Suche nach seiner eigenen Identitat, woraus sich eine gesteigerte Labilitat ergibt. Auberdem fuhrt diese vermehrte Auseinandersetzung mit dem Selbst zu einer zu hohen Bewertung ebendessen. Auf der anderen Seite ergeben sich zahlreiche Errungenschaften durch die Reflexion wie z.B. „das fremdseelische Verstehen, Einfuhlungsvermogen in die Natur, das asthetische Erleben, und das Verstandnis fur subtilere Personlichkeitsdarstellung“[11]. Besonderen Ausdruck des eigenen Selbst bieten Korper und Aussehen, die auch oft die Angehorigkeit einer Subkultur, der im Jugendalter vermehrte Bedeutung zukommt, bekunden sollen. Dies kann aber auch in der Imitation eines Vorbilds munden, wodurch sich der Pubertierende allerdings mehr von einer eignen Identitat entfernt als annahert.[12] Die Neigung zur Kopierung anderer hangt auch damit zusammen, dass eine „Unterscheidung von wahrem oder echtem Selbst und falschem oder vorgetauschtem Selbst“[13] in diesem Alter noch nicht vollends ausgepragt ist. Daraus ergibt sich eine starke Unsicherheit fur den Jugendlichen. Gleichzeitig muss er die Ambivalenz eigener Wunsche bzw. entwickelter Lebensplane und an ihn gerichteter Erwartungen aushalten und den selbstbestimmten und dennoch gesellschaftlich anerkannten Umgang damit erlernen, was zunachst in der Regel zwangslaufig zu „Rollenkonflikten, Anpassungs- und Orientierungsschwierigkeiten“[14] fuhrt.

Insgesamt befinden sich Schuler diesen Alters also im Beginn einer verwirrenden Sturm-und- Drang-Zeit, die nicht zuletzt ihnen selbst viel abverlangt. Eine zusatzliche Unterstutzung durch die Schule und den Lehrer ist daher - bei der gebotenen Distanzwahrung versteht sich - fur eine gelingende Bewaltigung all der neuen Anforderung an den Pubertierenden mehr als forderlich.

4. Sachanalvse

Das Buch Jona ist in vielerlei Hinsicht auffallig, was eine vielseitige Betrachtung und Untersuchung notwendig macht. Im Rahmen dieser Hausarbeit, deren Schwerpunkt auf der Unterrichtsplanung liegt, kann dies allerdings nicht in der geschuldeten Breite und Tiefe geleistet werden. Daher wird die Sachanalyse an dieser Stelle nur partiell ausgefuhrt und moglichst kurz gefasst.

Das Buch Jona ist Teil des Dodekaprophetons. Seine Entstehungszeit ist bisher nicht eindeutig zu klaren gewesen, jedoch wird das 5. - 3. Jh. v. Chr. in der nachexilischen Zeit angenommen.[15] Damit unterscheidet sich die Entstehungszeit stark von der erzahlten Zeit, die im 8. Jh. v. Chr. liegen musste, da der historische Prophet Jona ben Amittai nach 2 Kon 14,25 unter der Herrschaft Jerobeams II. gewirkt haben soll.[16] Auberdem wurde Ninive 612 v. Chr. zerstort und existierte somit zur Entstehungszeit des Textes schon nicht mehr. Trotz der vermutlich historischen Figur Jona handelt es sich jedoch nicht um eine historische Erzahlung. Deissler nennt dazu einige Argumente: Zuerst verweist er auf die grobe zeitliche Distanz zwischen dem Propheten Jona und dem Buch Jona. Eine vorige Uberlieferung der Jona-Geschichte schliebt er im Gegensatz zu Sasson aus.[17] Anschliebend fuhrt er die Unwahrscheinlichkeit, dass ein israelitischer Prophet nach Ninive geht und die Stadt tatsachlich sogar bekehrt, an. Als dritten Punkt nennt Deissler die

Angabe der Grobe Ninives im Buch Jona „schlechthin unhistorisch“[18]. Ob dies tatsachlich gegen die Historizitat des Jona-Buches spricht, ist fraglich, da Zahlen in der Bibel haufig mehr symbolische Bedeutung als reale Angaben ausdrucken.[19] Auberdem geht es hier weniger um die Grobe der Stadt als um das Verhaltnis ihrer Grobe zu Jonas Umhergehen in ihr.[20] Anschliebend fuhrt Deissler die zahlreichen Wunder der Jona-Geschichte an und verweist zuletzt auf die kunstvolle Gestaltung der Geschichte.[21] Auch dies vernachlassigt die Symbolik und Lehrintention, die viele Texte der Bibel beinhalten. Dennoch ist Deissler insofern zu folgen, dass eine Historizitat der Jona-Geschichte eher unwahrscheinlich ist. Dies ist eine wissenschaftlich wichtige Feststellung und fur die Forschung unerlasslich. Inwiefern sie jedoch fur die Deutung der Jona-Geschichte sinnvoll ist, stellt z.B. Sasson in Frage.[22]

Die tatsachliche Gattung, der sich das Buch Jona zuweisen lasst, ist auberst schwer zu fassen und in der Forschung umstritten. Vertreten werden u.a. die Einordnung des Jona-Buches als Midrasch, Satire oder auch Novelle.[23] Sasson halt diese Bezeichnungen vornehmlich fur eine Betonung der Nichthistorizitat des Buches, die nach seiner Ansicht weder bewiesen noch fur die Interpretation notwendig sei.[24] Freudenberg zahlt als Anteile des Jona-Buches Marchenmotive, theologische Lehrsatze, liturgische Texte, Satire, Groteske und Ironie auf, was eine genaue Zuordnung nicht moglich mache: „Keiner der genannten Gattungsbegriffe ist fur sich hinreichend, [...] jede Gattung akzentuiert einen wichtigen Aspekt.“[25] Wichtig ist an dieser Stelle vielmehr, die „Mehrdimensionalitat“[26] des Textes wahrzunehmen, als es einer Gattung zuzuweisen, die dem Jona-Buch nicht gerecht werden kann.[27]

Das Buch Jona beinhaltet keine explizite Aussage uber seinen Autor. Aus dem Text lassen sich jedoch einige Schlusse uber den Verfasser ziehen. Wie bereits gezeigt, ist davon auszugehen, dass nicht Jona selbst Autor des Jona-Buches ist, sondern nur Namenspate seiner literarischen Figur darstellt. Unbestreitbar ist die wohl uberlegte und kunstvolle Gestaltung des Textes, sowohl seinen Aufbau betreffend als auch bezuglich der Verwendung von Stilmitteln. So arbeitet der Text beispielsweise mit Typisierungen, wobei Ninive (zunachst) die von Grund auf bose Stadt oder Jona der grundsatzlich widerspenstige Prophet ist, mit Leitworten wie Bosheit bzw. bose in Bezug auf Ninive und spater Jona (vor allem Jona 4,1)[28], mit Nachholungen, was das Verstandnis des

Textes bisweilen erschwert (so zum Beispiel Jona 4,5)[29] oder durch den konzentrischen Aufbau von Szenen.[30] Uber den Autor lasst sich daher sagen, dass er mit der Kunst des Erzahlens nicht nur vertraut, sondern auch geubt und begabt ist. Auffallig ist jedoch auch die Einarbeitung von und Bezugnahme auf andere Texte des AT, wie die wortliche Ubernahme von Joel 2,14 in Jona 3,9 unter der Einarbeitung von Ex 32,12.[31] All diese Beobachtungen legen den Schluss nahe, dass der Verfasser ein Schriftgelehrter war. Deissler ordnet ihn einem ,,Kreis fruher Schriftgelehrter, welche sich studierend gleichsam uber die heiligen Schriften beugten, um sie fur ihre Generation in weisheitlich eingefarbten Lehrerzahlungen zu aktualisieren“[32], zu. Damit wird eine bestimmte Haltung des Verfassers konstatiert, die er seinen Rezipienten vermitteln will. Die Botschaft eines Textes hat grobe Aussagekraft uber seinen Autoren und dessen intendierte Adressaten. Ein Kernthema des Jona-Buches scheint Jonas Widerstand gegenuber Gottes Auftrag zu sein. Jona entzieht sich, fuhrt erst nach seiner Rettung durch Gott widerstrebend sein Prophetenamt aus und mochte lieber sterben als Ninive verschont zu sehen. Deissler sieht in dieser Hartherzigkeit gegenuber Ninive den Grund fur Jonas gesamtes Widerstreben. Demnach ist Jona unnachgiebiger Vertreter der Heilsexklusivitat seines Volkes Israel, die er sogar gegen Gott durchsetzen will.[33] Dass Gott den Widerpart ubernimmt und Ninive verteidigt, weist den Verfasser als Befurworter einer Heilsuniversalitat aus: Nicht die Angehorigkeit eines Volkes, sondern das gottesfurchtige Verhalten (und sei es auch erst in Umkehr und Bube) ist von Bedeutung fur das Heil. Ware dies kein wichtiges, umstrittenes Thema gewesen, hatte der Verfasser sich vermutlich nicht bewogen gefuhlt, es derartig ausgearbeitet aufzugreifen.[34] Anders als Deissler erkennt Johannsen in Jonas Widerstreben doch auch noch einen anderen Aspekt als Jonas Rettungsunwillen gegenuber Ninive: Die Vielzahl an Propheten machte es seinerzeit nahezu unmoglich zu erfassen, wer ein wahrer und wer ein falscher Prophet war. Es ergab sich die in Dtn 18,21-22 festgehaltene Annahme, dass sich die Wahrheit des Prophetenspruchs aus seinem Eintreffen ergebe. Danach ware Jona ein falscher Prophet. Stattdessen zeigt der Verfasser des Jona-Buches, dass die Unheilsverkundigung den Weg zum Heil eroffnen kann und nicht zwangslaufig bei Nicht-Eintreten des Unheils den Propheten als falsch entlarvt. Gleichzeitig geht Johannsen von einem Aufbruch des Tun-Ergehen- Zusammenhangs in dem Text aus: ,,Die Moglichkeit der Umkehr kommt ins Spiel, die den determinierten Zusammenhang von Schuld und Schuldfolge aufbricht.“[35] Doch auch Umkehr kann die Verschonung nicht erzwingen. Die Gnade bleibt ein Geschenk Gottes.[36]

5. Einordnung in das curriculare Umfeld

In Mecklenburg-Vorpommern sieht der Rahmenplan fur den evangelischen Religionsunterricht in der Jahrgangsstufe 7 am Gymnasium das Leitmotiv „Eigene Lebensentwurfe entwickeln“[37] vor. Verpflichtend werden die Kernthemen Reformation und Islam behandelt. Des Weiteren sind die Themen Alternative Lebensformen, Der Einzelne in Gruppe und Familie und Der Prophet Amos zur eigenen Schwerpunktsetzung angegeben. Jona hingegen ist nicht explizit genannt, dennoch wird er in diesem Unterrichtsentwurf behandelt. Denn Jona, der sich konsequent widerspenstig gegen Gottes Plan fur ihn auflehnt und seine eigenen Ziele verfolgt, erinnert schnell an das Leitmotiv der Jahrgangsstufe.[38] Bei diesem Unterrichtsentwurf wird angenommen, dass der Behandlung des Jona-Buches das Thema Islam vorhergeht. Dies bietet den Vorteil, dass der Begriff Prophet als in Grundzugen bekannt und verstanden vorausgesetzt werden kann und nicht neu eingefuhrt und erklart werden muss. Im Anschluss an die Geschichte Jonas ist die Behandlung anderer Propheten denkbar, beispielsweise das Buch Amos. Anhand dessen konnte auch die Andersartigkeit des Jona-Buches und der Figur Jona herausgestellt werden.

6. Didaktische Rechtfertigung

Im Folgenden soll gezeigt werden, warum das Buch Jona in der Jahrgangsstufe behandelt werden kann und was zu seiner besonderen Eignung dafur fuhrt. Dabei wird das Thema zunachst auf ein dem Schuler angemessenes Mab reduziert. Anschliebend wird dies mit den aus der Analyse der Lerngruppe und der Entwicklungspsychologie gewonnenen Erkenntnissen in Beziehung gesetzt. In einem letzten Schritt werden die spezifischen Ziele der Erarbeitung des Themas erlautert.

6.1. Didaktische Reduktion

In der Sachanalyse wurde schon festgestellt, dass das Buch Jona weitaus vielfaltiger ist als dass eine sachgerechte Erfassung uberhaupt geschehen kann. Wenn dies schon nicht der Wissenschaft gelingt, ist es umso weniger bei der Behandlung im Unterricht zu erreichen. Unter didaktischen Gesichtspunkten ist dies aber auch gar nicht notwendig, da nicht vom Gegenstand gedacht deduktiv vermittelt, sondern schulerorientiert induktiv vorgegangen werden sollte.[39] Daher mussen die Erkenntnisse der Sachanalyse erst einmal auf ein schulergerechtes Niveau reduziert werden.

Gerade bei der Behandlung der Bibel kann trotz der Reduktion jedoch nicht beklagt werden, dass man dem Text nicht gerecht werde: Schlieblich kann die Bibel als Lehrbuch verstanden werden, das aus sich selbst heraus den Rezipienten anruhrt und sich ihm in seiner individuellen

Wahmehmung auf der Basis seiner Lebenserfahrung erschliebt.[40] Moglicherweise wird der Text auf diese Weise anders verstanden als ursprunglich intendiert, dafur aber umso intensiver und intimer. Dennoch wird die Geschichte Jonas den Schulern grobtenteils nicht im reinen Bibeltext prasentiert. Zum einen sollen bei den Schulern mogliche Aversionen gegenuber der Arbeit mit der Bibel kurzgehalten werden, damit die Form die Auseinandersetzung mit den Inhalten nicht behindert, zum anderen soll ihnen die Einfuhlung in die Figuren und der Bezug auf sie selbst erleichtert werden. Bestritten wird hier nicht, dass dies nicht auch anhand der Bibel sehr gut moglich ware. Es wurdejedoch ein groberes Mab an Zeit benotigt. Als Alternative werden die von dem Pfarrer Hans Freudenberg herausgegebenen Erzahlvorlagen herangezogen.[41] Bei der vereinzelten Arbeit mit der Bibel soll die Ubersetzung der Guten Nachricht den Schulern den Umgang erleichtern. Auch andere Annaherungsformen wie das Bibliodrama - hier in der verkurzten Form des Rollenspieles - dienen dem vertieften Verstandnis.

Da bei diesem Unterrichtsentwurf starker auf Erfahrungen der Schuler, die die Geschichte Jonas auf sich selbst und ihren Kontext beziehen sollen, Wert gelegt wird, wird hier der historische Hintergrund ausgespart.[42] Dies betrifft die Entstehungszeit des Textes, seine Bedeutung vor dem nachexilischen Hintergrund, sowie die Diskrepanz von Entstehungszeit und erzahlter Zeit. Auch die Gattungszugehorigkeit des Jona-Buches wird aufgrund der anderen Schwerpunktsetzung nicht thematisiert.[43]

Elementar ist im Text die Person Jonas, deren menschliches Verhalten und Gefuhlsspektrum im Mittelpunkt anzusiedeln ist: Widerstand, Flucht, Todessehnsucht und -nahe, Frust, Wut, aber auch Rettung, Dankbarkeit und die Frage nach Gerechtigkeit sind die zentralen Themen in dem erzahlten Lebensabschnitt Jonas. Diese allgemein menschlichen Erfahrungen gilt es, mit den Schulern herauszuarbeiten. Gleichzeitig dienen sie als Anknupfungspunkte fur die Jugendlichen, um eigene Erfahrungen einzubringen und zu reflektieren.

6.2, Anknupfung an Lerngruppenanalyse und Entwicklungspsvchologie

Damit nicht an den Schulern vorbei unterrichtet wird, ist die Ruckfuhrung des Gegenstandes auf die tatsachliche Lerngruppe und deren entwicklungspsychologische Voraussetzungen zwingend notwendig.[44] Dies soll nun geschehen.

Die Behandlung Jonas in der siebten Jahrgangsstufe ist besonders geeignet. Die im Buch Jona beschriebene Geschichte kreist um die literarische Figur Jona, sie ist der Hauptakteur. Nicht anders ergeht es dem Pubertierenden: Er hat mit sich selbst zu tun, nimmt eine Uberbewertung seiner selbst vor. Daher sollte es ihm leicht fallen, seine Gefuhls- und Gedankenwelt auf Jona zu projizieren und durch die Reflexion und HinterfTagung des Verhaltens dieser Figur latent den Transfer auf das eigene Leben zu leisten. Auberdem ergeben sich zahlreiche Anschlussmoglichkeiten fur die Schuler: Jona muss viele auch fur die Jugendlichen lebensnahe Erfahrungen sammeln. Dies beginnt schon mit dem Auftrag Gottes an Jona, nach Ninive zu gehen, und dessen Fluchtreaktion. Auch den Schulern durfte die KonfTontation mit Aufgaben, denen sie sich entziehen wollen, z.B. durch die Eltern, vertraut sein. Doch auch Situationen, vor denen der Schuler am liebsten fliehen wurde, sind ihm sicher nicht fremd. Dabei sind Klassenarbeiten in der Schule, Streit mit Freunden oder Konflikte im Klassengefuge, sowie die Auswirkungen von Minderwertigkeitsgefuhlen und Selbstzweifeln denkbar. Jona nimmt die Gelegenheit zur Flucht wahr - ohne Erfolg! Auch er kann sich letztlich nicht entziehen, was kongruent zur Erfahrung der Schuler sein sollte. Hieran konnte die Problematik von Rollenzwang behandelt werden. Moglicherweise fuhlt der Jugendliche sich in eine Rolle gedrangt, die er nicht erfullen mochte - denkbar ware z.B., dass ein Madchen, das lieber Fubball spielt, sich nicht anerkannt fuhlt. Andererseits sollten die Pubertierenden insgesamt fur die Wahrnehmung von Rollenzwang sensibilisiert werden, um eine autonomere Entscheidung fur oder gegen ein Verhalten zu erzielen. Fur Jona schliebt sich eine weitere Trotzreaktion an: Voller Dramatik lasst er sich dem Meer und damit dem Tod uberantworten, als er die Ausweglosigkeit seiner Flucht erkennt. Eine solch leidenschaftliche Impulsivitat erinnert an die Pubertat.[45] Daher ist es gut moglich, dass die Schuler an dieser Stelle mit Jona sympathisieren. Gott sorgt jedoch dafur, dass Jona kein Leid geschieht, sondern er von einem Fisch gerettet wird. Wo finden die Jugendlichen ihre Zuflucht, wenn die Fluten uber ihnen zusammenbrechen? Eine weiterhin wichtige Rolle durften trotz einsetzenden Ablosungsprozesses dabei die Eltern spielen, zumindest in intakten Familien. Daneben steht der Freundeskreis zur Seite, der allgemein in dieser Phase weniger zur elaborierten Konfliktlosung oder -bewaltigung hinfuhrt, aber dennoch stabilisierend wirken kann, indem der Pubertierende sich dort wohl fuhlt und Selbstbewusstsein bezieht.[46] Neben den sozialen Kontakten kann der Jugendliche auch Ruckzug als heilsam empfinden - in seine Lieblingsmusik, Bucher, Computer- spiele oder das Internet (hier verschmelzen freilich die Grenzen zwischen sozialen Kontakten und Ruckzug). Schlieblich lasst sich dem Unausweichlichen nicht langer ausweichen und Jona kommt nach Ninive, verkundet dessen bevorstehenden Untergang und ist enttauscht, als dieser nicht eintritt, da die Niniviten sich bekehrt und vor Gott Gnade gefunden haben. ,,Das hatte man sich auch sparen konnen!“, denkt Jona und vielleicht zunachst ebenso der jugendliche Rezipient. Die Schuler haben Jona an dieser Stelle jedoch etwas Wichtiges voraus: sie reflektieren. Jona, der entwicklungspsychologisch langst dazu in der Lage ist, muss dies erst durch eine padagogische Mabnahme Gottes erlernen. Hieran konnen die Schuler die grobe Bedeutung von Reflexion des eigenen Verhaltens und Perspektivwechsel erkennen.

Die Reflexion, die eine der Hauptneuerungen der Pubertat ist, bietet sich daher als Basis der Unterrichtsreihe an. Indem die Schuler sich mit der Jona-Figur identifizieren wird damit gleichzeitig auch das eigene Verhalten uberdacht und kann entsprechend vom Schuler verandert oder bestarkt werden. Auberdem kann dem Schuler so bewusst gemacht werden, dass er nicht allein mit seinen Gefuhlen und Problemen ist und sich diese auf ihre Weise selbst in einem Jahrtausende alten Text widerspiegeln. Daher ist denkbar, dass mogliche Vorurteile der Schuler gegenuber der Bibel, die vielleicht als lebensfern und veraltet angesehen wird, abgebaut werden. Da Reflexion ein Prozess ist, der durch neue Eindrucke und Einwurfe immer weiter vorangetrieben wird, sind das Gesprach im Unterrichtet und die Diskussion ein wichtiges Mittel fur dieses Thema. Dies sollte auch der Lerngruppe entgegenkommen, die entwicklungs- psychologisch und empirisch Freude am Unterrichtsgesprach hat. Allerdings ergibt sich die Herausforderung, dass die Schuler aus ihrem Klassenverband herausgelost sind, da die Lerngruppe aus mehreren Klassen des Jahrgangs besteht. Auberdem muss beachtet werden, dass die Pubertierenden in einer labilen Phase sind, in der ihnen nicht zu nahe getreten werden darf. Die Wahrung der Grenzen der Jugendlichen muss daher unbedingt eingehalten werden. Dies kann am besten gewahrleistet werden, indem sich vorrangig uber die Person Jona ausgetauscht wird. Der Transfer auf die eigene Person wird unterschwellig oder nur durch unverfanglichere oder anonyme Aufgaben vorgenommen. Auberdem muss bei dem Unterrichtsgesprach darauf geachtet werden, dass die stilleren Schuler und diejenigen mit Konzentrationsschwachen nicht verloren gehen. Es muss also ein Rahmen geschaffen werden, in dem sich jeder Schuler frei fuhlt, sich zu aubern. Dazu gehort auch, stillere Schuler zu eigenen Aussagen zu motivieren und ADHS-betroffenen Schulern immer wieder den Einstieg zu ermoglichen oder auf ihr Verhalten einzugehen.

Des Weiteren muss der Tatsache, dass die direkte Religiositat der Schuler nicht voraussetzbar ist, Rechnung getragen werden. Auch in dieser Hinsicht ist das Buch Jona pradestiniert, da in der Erzahlung Jona im Vordergrund steht. Das Auftreten Gottes ist punktuell und wenig abstrakt. Es kann gut diskutiert und hinterfTagt werden. Bei dem Bezug auf das eigene Leben kann es leicht auch mit anderen Groben wie dem Schicksal oder auch dem Verhalten von Eltern etc. identifiziert werden.

6.3. Zielstellungen

Vor der expliziten Planung der Unterrichtsreihe mussen auch die Ziele, die mit ihr zu erreichen gedacht werden, uberlegt und gegliedert werden. Dazu wird zunachst das Richtziel erklart, worauf die Festsetzung der Grob- und Feinziele folgt. Zum Schluss wird die grobe Ausrichtung der Kompetenzen dargelegt.

6.3.1. Das Richtziel

Ubergeordnet sind zunachst die Richtziele, die im Rahmenplan verankert fur die jeweilige Jahrgangsstufe gelten.[47] Dabei ist das schon genannte Leitmotiv des Jahrgangs 7 ,,Eigene

Lebensentwurfe entwickeln“ zu nennen. Dies ist kongruent zur Geschichte Jona, dessen eigener Lebensentwurf nicht mit Gottes Plan fur ihn konvergieren will. Daher konnten die Schuler in ihrer Autonomiebestrebung auch in Hinblick auf die Gestaltung ihrer Zukunft durchaus mit Jona sympathisieren. Moglicherweise fuhlen sie sich ebenfalls in eine bestimmte Richtung gedrangt (durch Eltern, Gesellschaft o.a.), die ihnen missfallt und wodurch sie sich in ihrer Freiheit beschnitten fuhlen konnten. Fraglos ist das Entwickeln eines Lebensplans eine wichtige Aufgabe, doch gleichzeitig handelt es sich dabei auch um eine grobe Herausforderung, da die Frage Was will ich eigentlich mit meinem Leben anfangen? alles andere als leicht zu beantworten ist und besonders vor der Vielzahl an Moglichkeiten, die die heutige Zeit bietet, auch einschuchternden und lahmenden Charakter hat. Gerade in dem Gefuhl von Verlorenheit im Dschungel moderner Moglichkeiten hat die Geschichte von Jona, der von Gott durch alle Widrigkeiten gefuhrt wurde und nie alleine war, etwas Trostliches. Daher kann die Behandlung der Jona-Geschichte auch zu einer Entlastung fuhren, wenn vermittelt wird, dass man nicht allein seinen Lebensweg bestimmt, sondern dieser auch - im Nachhinein mit gutem Grund - ganz anders verlaufen kann als gedacht. Dies soll nicht zu einer Passivitat verleiten, stattdessen wird die bestmogliche Vorbeugung einer Uberforderung intendiert.

6.3.2, Die Grob- und Feinziele

Nach der Klarung des Leitziels wird dieses nun fur die einzelnen Unterrichtsstunden weiter differenziert. Das Grobziel gilt dabei als Gesamtabsicht der Stunde. Dies ist wiederum abzustufen in mehrere Feinziele, die in konkreten Unterrichtsphasen munden. Hier wird auch auf kognitive, affektive und pragmatische Lernziele eingegangen.[48]

6.3.2.I. Die erste Unterrichtsstunde

Die erste Unterrichtsstunde bildet den Einstieg in das neue Thema Jona. Eingegangen wird hier auf Jonas Berufung und Flucht, sowie auf Ninives Bosheit (Jona 1,1-6). Das Grobziel ist hier, dass der Schuler eine erste Einfuhlung in die Person Jonas vornimmt, was im besten Fall zu einer Identifikation fuhrt. Auberdem soll der Schuler den Konflikt durch Gottes Eingreifen in Jonas Lebensentwurf wahrnehmen. Auf der Ebene der Feinziele ergeben sich folgende Absichten:

Kognitive Ziele:
1. ) Die Schuler erkennen, dass Jona ein Prophet ist und wiederholen den Begriff Prophet.
2. ) Die Schuler kennen den Inhalt von Jona 1,1-6.
3. ) Sie konnen die in Jona 1,3 genannten Orte grob geographisch einordnen und verstehen Tarsis als Metapher fur das Ende der Welt.

Affektive Ziele:
1. ) Die Schuler aubern Kritik an Missstanden, die sie betreffen oder betroffen machen.
2. ) Sie versetzen sich in Jonas Lage hinein und konnen seine (imaginierten) Gefuhle benennen und begrunden.

Pragmatische Ziele:
1. ) Die Schuler sind in der Lage, Kritikpunkte rational zu auhern und zu begrunden.
2. ) Sie nehmen das Weltgeschehen kritisch wahr.

6.3.2.2, Die zweite Unterrichtsstunde

In der zweiten Stunde wird Jona 1,7-2,11 thematisiert mit dem Schwerpunkt auf Jonas Rettung durch den Fisch. Als Grobziel wird angestrebt, dass die Schuler die Ambivalenz von Nahe erkennen und kommunizieren. Als Feinziele entstehen dabei:

Kognitive Ziele:
1. ) Die Schuler kennen den Inhalt von Jona 1,7-2,11.
2. ) Die Schuler konnen Jona 1-2 wiedergeben.

Affektive Ziele:
1. ) Die Schuler empfinden Jonas Gefuhl im Fisch nach.
2. ) Sie erfahren konkret, dass Nahe Geborgenheit schaffen, aber auch einengen kann.
3. ) Sie vergleichen eigene Verhaltensvorschlage fur Jona mit seinem Psalm im Fischbauch.

Pragmatische Ziele:
1. ) Die Schuler entwickeln verschiedene Reaktionsmoglichkeiten auf diese Ambivalenz und beurteilen diese Moglichkeiten.
2. ) Die Schuler erkennen, dass die gleiche Situation ganz unterschiedlich wahrgenommen und bewertet werden kann.

6.3.2.3. Die dritte Unterrichtsstunde

Erneut beinhaltet der Unterricht die ersten beiden Kapitel des Buches Jona, diesmal allerdings unter dem Gesichtspunkt, dass Jona sich dem ihm von Gott auferlegten Amt nicht entziehen kann. Hierbei bildet das Grobziel, dass die Schuler die Komplexitat des Zwangs zu einer Aufgabe oder einem Verhalten erkennen und einschatzen konnen. Konkret ergeben sich folgende Feinziele:

Kognitive Ziele:
1. ) Die Schuler wissen um den Begriff Rollenzwang.
2. ) Sie verstehen, dass nicht jeder Zwang in eine Rolle/Position/Aufgabe gleichzusetzen mit

Rollenzwang ist.

Affektive Ziele:
1.) Die Schuler erkennen vom Rollenzwang oder anderen Einschrankungen gepragte Verhaltensmuster in ihrem Leben.

Pragmatische Ziele:
1.) Die Schuler gehen bewusster mit Rollenzwangen in ihrem Leben um und entscheiden sich freier fur oder gegen bestimmtes Verhalten.

[...]


[1] Im Folgenden verkurzt Schuler genannt.

[2] Vgl. Schenk-Danzinger, Lotte: Entwicklungspsychologie. UberarbeiteterNachdruck,Wien:obv & htp, 2004, S. 253/256f.; vgl. auch Abb. 8.1 Montada, Leo/Oerter, Rolf(Hg.): Entwicklungspsychologie. 6., vollstandig uberarbeitete Auflage, Weinheim/Basel: Beltz, 2008, S. 292/298f.

[3] Vgl. Abb. 83 Kromer, Ingrid, in: Schenk-Danzinger, Lotte: 2004, S. 252.

[4] Schenk-Danzinger, Lotte: 2004, S. 258.

[5] Vgl. ebd., S. 256-259.

[6] Vgl. Montada, Leo/Oerter, Rolf: 2008, S. 292.

[7] Ebd., S. 285.

[8] Vgl. ebd., S. 287f./318.

[9] Willenbrock, Harald: Hirnforschung. Vorsicht: Umbauarbeiten!, in: GEO Wissen (2008), Heft 41, S. 26.

[10] Vgl. ebd., S. 24-27; vgl. auch Montada, Leo/Oerter, Rolf: 2008, S. 286.

[11] Schenk-Danzinger, Lotte: 2004, S. 284.

[12] Vgl. Schenk-Danzinger, Lotte: 2004, S. 284f.

[13] Montada, Leo/Oerter, Rolf: 2008, S. 305.

[14] Schenk-Danziger, Lotte: 2004, S. 267.

[15] Vgl. die unterschiedlichen Ausfuhrungen von Deissler, Alfons: Zwolf Propheten II. Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk. Wurzburg: Echter, 1984, S. 150; Jeremias, Jorg: Die Propheten Joel, Obadja, Jona, Micha. Gottingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2007, S. 80; Johannsen, Friedrich: Alttestamentliches Arbeitsbuch fur Religionspadagogen. 2., uberarbeitete Auflage, Stuttgart/Berlin/Koln/Mainz: Kohlhammer, 1998, S. 176; Quadflieg, Josef: Die Bibel fur den Unterricht. Kommentar. Altes Testament. Dusseldorf: Patmos, 1996, S. 339; vgl. jedoch: Sasson, Jack: Jonah. A new translation with introduction, commentary andinterpretation. New York: Doubleday, 1990, S. 26-28.

[16] Vgl. Quadflieg, Josef: 1996, S. 339.

[17] Vgl. Sasson, Jack: 1990, S. 27f.

[18] Deissler, Alfons: 1984, S.151.

[19] Vgl. z.B. Stuttgarter Erklarungsbibel. Lutherbibel mit Erklarungen. Neuausgabe mit Apokryphen. Stuttgart: Deutsche Bibelgesellschaft, 2005, S. 1107, Anmerkung zu Jona 4,11.

[20] Vgl. ebd., S. 1106, Anmerkung zu Jona 3,4.

[21] Vgl. Deissler, Alfons: 1984, S.151.

[22] Vgl. Sasson, Jack: 1990, S. 327f.

[23] Vgl. Jeremias, Jorg: 2007, S. 77.

[24] Vgl. Sasson, Jack: 1990, S. 327.

[25] Freudenberg, Hans: Jona kreativ. 20 Zugange fur Schule und Gemeine. Dusseldorf: Patmos, 2008, S. 8.

[26] Jeremias, Jorg: 2007, S. 77.

[27] Die Einigung auf eine Gattung ware an dieser Stelle notwendig, wenn sie fur den Unterricht als Lehrinhalt von Bedeutung ware. Da dies hier nicht der Fall ist, wird die Frage nach der tatsachlichen Gattung mit Rucksicht auf die Vielschichtigkeit des Jona-Buches offen gelassen.

[28] Vgl. Deissler, Alfons: 1984, S. 162f.

[29] Vgl. Deissler, Alfons: 1984, S. 162.

[30] Vgl. Jeremias, Jorg: 2007, S. 76f., vgl. auch S. 84f..

[31] Vgl. Deissler, Alfons: 1984, S. 161. Zur besonderen Beziehung zwischen dem Buch Jona und dem Buch Joelvgl. Jeremias, Jorg: 2007, S. 107.

[32] Deissler, Alfons: 1984, S. 150.

[33] Vgl. ebd., S. 163.

[34] Zum ausfuhrlicheren Verhaltnis Ninive - Israel vgl. Deissler, Alfons: 1984, S. 161f.

[35] Johannsen, Friedrich: 1998, S. 177.

[36] Vgl. ebd., S. 164f./176f.

[37] Ministerium fur Bildung, Wissenschaft und Kultur Mecklenburg Vorpommern: Rahmenplan Evangelische Religion fur Gymnasium u.a. Klassenstufe 7-10, 2002, S. 19. Zugriff am 04.07.2014 von http://www.bildung-mv.de/schueler/schule-und-unterricht/faecher-und-rahmenplaene/rahmenplaene-an- allgemeinbildenden-schulen/religion/.

[38] Die besondere Eignung des Propheten Jona in dieser Klassenstufe wird in 6. Didaktische Rechtfertigung und Unterpunkten S. 7-14 ausgefuhrt.

[39] Vgl. Kunstmann, Joachim: Religionspadagogik. Eine Einfuhrung. Tubingen/Basel: Francke, 2004, S. 161/166.

[40] Vgl. Kunstmann, Joachim: 2004, S. 182-184.

[41] Vgl. Freudenberg, Hans: 2008, S. 63/71/79/81.

[42] Eine Behandlung ware bei groberem Umfang der Unterrichtsreihe oder anderer Ausrichtung jedoch gut moglich und ist keinesfalls grundsatzlich auszuschlieben.

[43] Eine mogliche Einbeziehung in den Unterricht zeigen Koper, Wilhelm: Das Buch Jona. Einfuhrung in einen alttestamentlichen Midrasch. Lehrerheft. Sekundarstufe I. Munchen: Kosel, 1974, S. 13/27 und im Ansatz auch Quadflieg, Josef: 1996, S. 339/344.

[44] Vgl. Die hier getatigten Aussagen zur Lerngruppe und den entwicklungspsychologischen Voraussetzungen von Pubertierenden werden - soweit nicht anders angegeben - unter Ruckgriff auf 3.1. Die Lerngruppe und 3.2. Entwicklungspsychologie, S. 2-4 gemacht.

[45] Vgl. Willenbrock, Harald: 2008, S. 27.

[46] Vgl. Montada, Leo/Oerter, Rolf: 2008, S. 321f.

[47] Vgl. Kunstmann, Joachim: 2004, S. 205.

[48] Vgl. Kunstmann, Joachim: 2004, S. 205.

Ende der Leseprobe aus 46 Seiten

Details

Titel
Jona – Prophet wider Willen. Ein Unterrichtsentwurf
Untertitel
Fünf Unterrichtsstunden für die 7. Klasse, Gymnasium
Hochschule
Universität Rostock  (Theologische Fakultät Rostock)
Veranstaltung
Hauptseminar: Fachdidaktik Prophetentum und Pubertät
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
46
Katalognummer
V318004
ISBN (eBook)
9783668173903
ISBN (Buch)
9783668173910
Dateigröße
685 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jona, Prophet, Unterrichtsentwurf, Klasse 7, Unterrichtsreihe
Arbeit zitieren
Kaja Bradtmöller (Autor), 2014, Jona – Prophet wider Willen. Ein Unterrichtsentwurf, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318004

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