Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 2. Akt, 2. Szene


Essay, 2015

4 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Analyse der Textstelle 2. Akt, 2. Szene(verfasst durch Marcel Eisenreich, OK 2)

In seinem Werk „Frühlings Erwachen“, welches 1971 (durchgesehene Ausgabe 2000) unter dem Verlag Phillip Reclam jun. GmbH & Co. KG in Stuttgart erschien, lässt Benjamin Franklin Wedekind, Verfasser besagten Werkes, Frau Bergmann und deren Tochter Wendla Bergmann im Wohnzimmer in ein Gespräch über das Lieben und Schwangerwerden verfallen. Anlass hierfür ist Wendlas Schwester Ina, die zum dritten Mal Mutter wurde, woraufhin Wendla ihre Mutter um Antworten bezüglich des Vorgangs der menschlichen Fortpflanzung bittet, jedoch Frau Bergmann - zum wiederholten Mal - eine wahrheitsgemäße Aufklärung ihrer Tochter nicht zulassen will vielmehr kann.

Die in dieser Szene agierenden Protagonisten kommunizieren und handeln im Rahmen eines üblichen wechselseitigen Gespräches miteinander, wodurch der Aufbau des Stückes in Form eines Dialoges erfolgt, der vom Verfasser im Tempus der Gegenwart und IchPerspektive verfasst wurde.

Zu Anfang kommt Frau Bergmann mit den mit Freude erfüllten Worten „Wendla! - Wendla!“1 ins Wohnzimmer, in welches diese unmittelbar nach Frau Bergmanns Worten aus einer weiteren Tür zum Wohnzimmer hin erscheint. Beide sind über die Tat des frühen Wachseins des je anderen verwundert, zugleich aber auch erfreut. Nach einem Wechsel weniger Worte bezüglich dieser Tatsache fordert Frau Bergmann Wendla bittend auf, sie solle bald als möglich diesen Korb zu Ina bringen. Diese fragt sichtlich interessiert und neugierig während des weiteren Ankleidens, ob sie Ina besucht habe und wie es unterdessen ihr gehe. Verständnis gegenüber Inas Gemütszustands einfordernd berichtet Frau Bergmann über das Geschehene, dass der Storch in dieser Nacht Inas drittes Kind gebracht habe und es ein prächtiger Junge sei. Erfreut über das soeben Mitbekommene meint Wendla stolz, dass sie somit zum dritten Mal Tante geworden sei und ihren neuen Neffen umgehend sehen müsse. Ihre Mutter entgegnet ihr darauf hin, es sei noch nicht allzu lange her, als Ina ihre Heirat dort vollzog und es sei auch vollkommen logisch, dass diese bereits ihr drittes Kind bekommen habe, wenn man doch so nahe der Kirche wohne. Sehr direkt fragt Wendla ihre Mutter daraufhin, ob sie beim Besuch des Storches dabei gewesen sei, welche aber vor der fast schon ablenkenden Bitte, eine Rose anzustecken, antwortet, er sei kurz vor ihrem Antreffen bei Ina wieder fort gewesen, aber er habe Wendla eine Brosche oder dergleichen mitgebracht. Wendla zeigt nur wenig Interesse ihres Geschenkes wegen und bedauert in beinahe urteilenden Worten, dass Frau Bergmann nicht früher am Ort des Geschehens gewesen sei. Außerdem habe sie Broschen genug und hätte gerne gewusst, auf welchem Weg der Storch ins Haus gekommen sei. Möglicherweise müsse sie den Schornsteinfeger fragen, denn der wisse mit Sicherheit, auf welchem Weg der Storch das Gemach einer schwangeren Frau komme. Obgleich Frau Bergmann ihr Interesse an diesem ungelösten Rätsel beteuert, so weist sie Wendlas Idee ab, denn der Schornsteinfeger wisse in keinem Fall, von was er rede und erzähle ihr womöglich nur das Blaue vom Himmel, woran er aber selbst nicht glaube. Vollkommen aus dem stattfindenden Geschehen gerissen starrt Wendla aus einem Fenster auf die Straße hinunter und meint annähernd entgeistert, dort stapfe ein Storch mit einer Bettlade unter seinem Kinn den Rhein entlang hinauf. Ihre Mutter versteht sogleich und wirft Wendla vor, sie sei und bleibe ein „[…] Kindskopf[!]“2 und habe diesbezüglich schon längst alle Hoffnungen aufgegeben. Bewusst über ihre Unwissenheit stimmt Wendla ihrer Mutter zu und erklärt am Beispiel ihrer Schwestern, dass diese bereits all diese getan aber sie selbst noch nicht einmal das Wissen über diese Vorgänge habe. Sie habe keinerlei Begriffe über diese Dinge, und wen solle sie sonst fragen, wenn nicht ihre geliebte Mutter. Fast schon verzweifelt meint Wendla, sie schäme sich vor sich selbst, fordert daraufhin aber bittend, sie solle soeben aussprechen, wie das alles funktioniere und vonstatten gehe. Ends stellt Wendla ihre Mutter vor die Tatsache, dass sie wohl kaum davon ausgehen könne, dass sie mit ihren 14 Jahren noch an die Geschichte des Storches glaube. Ohne weitere Argumente oder Rechtfertigungen meint Frau Bergmann, sie könne es nicht, denn warum solle sie etwas hinterfragen, über das sich alle Welt freue. Provokant äußert Wendla, sie könne dennoch den Schornsteinfeger aufsuchen und diesen fragen, woraufhin Frau Bergmann einlenkt und versichert, sie erkläre Wendla all das und zu jeder Zeit, was sie wissen wolle. Wendla sagt sofort zu ein fordert ihre Mutter auf, sie solle es ihr sofort erklären. Nach weiterem Hin und Her, Ja und Nein und Wendlas Vorschlag, sie verstecke ihren Kopf unter der Schürze ihrer Mutter und mache keine Laut oder dergleichen, damit diese, als sei sie vollkommen allein im Raum, erzählen könne, was immer da vor sich gehe, lenkt Frau Bergmann letztendlich doch vollends ein. Frau Bergmann führt mit inständigen Worten auf, dass, um ein Kind zu bekommen, man einen - selbstverständlich mit einem selbst verheirateten - Mann so lieben müsse, wie man einen Mann nur lieben könne. Eindringlich und verstärkend rezitiert die Mutter ihre Aussage und versichert, man könne es nicht in Worte fassen, wie sehr man ihn aus inniger Überzeugung lieben müsse. So sehr, dazu sei Wendla in ihrem Alter nicht in der Lage, aber nun wisse sie es und auch, welche Hürden wegen dieses Geschehens sie in ihrem Leben noch zu bewältigen habe. Voller Überzeugung, fundamentiert mit Gottes Hilfe, sei dies alles, was Frau Bergmann Wendla hierzu zu erzählen habe und sie solle nun schnell zu Ina eilen. Scheinbar befriedigt von den Worten und der lang ersehnten Erklärung der Mutter fragt Wendla vor ihrem Gehen diese, ob sie schon das Essen für das Mittag besorgt habe, woraufhin Frau Bergmann jedoch nur Gott bittet, er möge ihre Tochter behüten und beschützen. Und sie würde in naher Zukunft ab und an deren Kleidung etwas verlängern.

Dieses offene, rhetorische und durchaus sarkastisch wirkende Ende lässt großen Raum für Deutungen und Vermutungen seitens des Lesers, bestätigt aber auch inständig die charakteristischen Züge und Eigenschaften beider Protagonisten.

[...]


1 Wedekind, F., Frühlings Erwachen, 1971, S. 33, Z. 22.

2 Wedekind, F., Frühlings Erwachen, 1971, S. 35, Z. 15.

Ende der Leseprobe aus 4 Seiten

Details

Titel
Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 2. Akt, 2. Szene
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
4
Katalognummer
V318014
ISBN (eBook)
9783668174566
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Frank, Wedekind, Frühlings, Erwachen, Szenenanalyse, Reclam
Arbeit zitieren
Marcel Eisenreich (Autor), 2015, Szenenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen". 2. Akt, 2. Szene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318014

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