Ist das egoistische Gen die Antwort auf antihumanistisches Verhalten der Gegenwart?


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Begriff Humanismus
1.2 Phasen des Humanismus
1.3 Humanismus in der Gegenwart

2. Der Autor Richard Dawkins

3. Warum gibt es Menschen?
3.1 Verwandtenselektion
3.2 Gruppenselektion

4. Die Genmaschine

5. Schlussbetrachtung

6. Literaturverzeichnis

7. Online-Quellen

1. Einleitung

Um sich kritisch mit dem Humanismus auseinanderzusetzen, ist es unumgänglich den Begriff Humanismus zunächst zu definieren und seine Entstehungsgeschichte grob nachzuzeichnen. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es nicht, den Humanismus in seinen Details zu ergründen und vollständig abzubilden, vielmehr geht es darum, ein Verständnis der Grundidee zu schaffen, um sie im Anschluss dem „egoistischen Gen“ von Richard Dawkins gegenüberzustellen. In der Fachliteratur gibt es eine Vielzahl an Definitionsversuchen, die sich zwar teilweise entscheidend voneinander differenzieren, in ihrer Grundaussage jedoch alle identisch sind, denn Humanismus bedeutet per Definition Menschlichkeit (lat. humanitas = Menschlichkeit) und stellt den Menschen somit in den Vordergrund.1

1.1. Begriff Humanismus

Nach der humanistischen Lebensauffassung gibt es keinen, vom Mensch unabhängigen Sinn des Lebens. Das Leben ist einmalig und somit nicht wiederholbar, was dazu führt, dass Humanisten das Leben dann für sinnvoll erachten, wenn man sich für moralische Werte engagiert, die Individualität entfaltet, sich gegenseitig in Zeiten von Krisen unterstützt und die Vernunft stets als Maßstab dient. Wo hat dieses Denken seine Wurzeln? Humanistisches Denken ist heute mehr als 2500 Jahre alt und hat seinen Ursprung in der Antike. Die Wiederbelebung dieser Bewegung fand in der Renaissance statt und auch in der europäischen Aufklärung war der Humanismus ein fester Bestandteil der Forderungen von Kant, wenn er dazu aufrief, dass der Mensch den „Ausgang aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ finden müsse. Humanistisches Denken ist unabhängig von seiner wissenschaftlichen Grundeinstellung und verschiedener anerkannter ethischer Werte, zugleich jedoch geschichtsbewusst und ständiger Erneuerung und Weiterentwicklungen unterlegen. Der Humanistische Verband Deutschlands hat dies konkret in seinem sogenannten „Humanistischen Selbstverständnis festgehalten.2

Bei der Verwendung des Begriffs „Humanismus“, muss stets vergegenwärtigt werden, dass dieser Terminus auch in seiner Verwendung nicht eindeutig ist. Humanismus kann einerseits als kulturgeschichtliche Epoche aufgefasst werden, andererseits aber auch als Unterrichtsprinzip oder Lebensweise verstanden werden. Es muss außerdem festgehalten werden, dass der Humanismus keine selbstständige Wissenschaft darstellt, sondern viel mehr als eine Art „Bildungsbewegung“ zu verstehen ist, die auch ohne Eigenständigkeit viele Wissenschaften erreicht und geprägt hat. Dazu zählen unter anderem die klassische Philologie, die Philosophie, die Theologie oder auch die Naturwissenschaften.

1.2. Phasen des Humanismus

Man kann den Humanismus grob in drei Phasen gliedern. Der Ursprung und somit die erste Phase ist der sogenannte „Römische Humanismus“, der sein Fortleben in der Antike und Spätantike hatte. In der Antike war es der bekannte römische Staatsmann und Denker Cicero, der den Grundstein für das Konzept der Humanität legte.

Cicero betonte, dass der Mensch sich vom Tier entscheidend unterscheidet, da er die Sprache beherrscht. Durch diese Fähigkeit ist eine Kommunikation mit den anderen Menschen möglich, was dazu führt, dass eine Kultivierung und Weiterentwicklung dieser Kommunikation stattfindet und ein immer höheres Niveau erreicht. Diese Weiterentwicklung führt nach der Auffassung Ciceros zu einer moralischen Erhebung und findet seinen Höhepunkt in der Philosophie. Nach Cicero muss man sich das ganze Universum als ein Weltreich aller Menschen vorstellen, zu dessen Bewohnern sowohl Götter, als auch Menschen gehören. In diesem Weltreich sollte idealisiert jeder Mensch gegenüber der Menschheit loyal sein.

Die zweite Phase des Humanismus war der sogenannte „Renaissance-Humanismus“ (14.-16. Jahrhundert) für den Leonardo Bruni in Erinnerung an Cicero das Schlüsselwort „studia humanitatis“ prägte und der trotz vieler gegenläufiger Strömungen auch im Barock und der Aufklärung nachlebte und fortdauerte.3 Man spricht heute von einem gesellschaftlich- kulturellen Umbruch von „Mittelalter“ zur „Neuzeit“, deren Anfang man als „Renaissance“ bezeichnet. Während im Mittelalter der Lebensmittelpunkt der Gesellschaft auf dem Land war, wandelte sich dies in der Renaissance entscheidend, da man aufgrund wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Faktoren den Lebensraum der Menschen nach und nach in die Stadt verlegte.4 In vielen Menschen erwachte im Laufe der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach vielen Jahren der Abhängigkeit und der Gefangenschaft in einem Ständesystem der Wunsch, sich von den geistigen Idealen der letzten Jahrhunderte abzugrenzen und mit dem wirtschaftlichen Fortschritt auch geistig neue Wege zu gehen. Die Renaissance wurde dadurch zur Geburtsstunde der Neuzeit und zog einen endgültigen Schlussstrich unter das Mittelalter. Die großen Denker blickten fortan weiter zurück und entdeckten Ideale der Antike für sich neu (Renaissance = Wiedergeburt). Der Mensch der Renaissance erweitert seinen Blickwinkel und plötzlich rücken das Irdische, die Bedingungen der menschlichen Existenz auf Erden, in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Christlicher Glaube und die Hoffnung auf das Jenseits sind durchaus weiterhin präsent, ersetzen aber nicht länger die Beschäftigung mit der Gegenwart und den vergänglichen, irdischen Phänomen. Seit dieser Zeit prägen Vernunft und Kritik immer stärker unsere Welt.5

1808 wurde der deutsche Terminus „Humanismus“ erstmals als Bildungsinhalt von F.I. Niethammer geprägt, nach dem das Erziehungsziel die traditionelle, allgemeine und geistige Bildung des Menschen darstellte.6 Georg Voigt illustrierte ihn 1859 in seiner Schrift „Die Wiederbelebung des klassischen Altertums oder das erste Jahrhundert des Humanismus“ als Epochenbegriff. Humanismus bezeichnete er demnach als „ … eine geschichtliche Epoche und eine geistige Haltung,…das Streben der Neuzeit nach Humanität am Beispiel der Griechen und Römer…“ und trug somit zur Etablierung des Begriffs bei.

Die dritte Phase des Humanismus stellt der sogenannte „Neuhumanismus“ dar. Dieser auf Deutschland beschränkte Humanismus des 19. Jahrhunderts geht Anfang 1900 in den sogenannten „Dritten Humanismus“ über und erfährt zum ersten Mal in seiner Geschichte Beschädigungen und Missbrauch. Die Ziele und Ideale des Humanismus werden von Faschismus und Nationalsozialismus zertreten. Der Dritte Humanismus will ethisch-politisch sein und den modernen Menschen auf die Anforderungen des Lebens vorbereiten.7

Die traurige Wahrheit über Rassismus, Selektion und Massenvernichtung im Dritten Reich ist heute hinlänglich bekannt und aufgearbeitet worden und führt auch heute noch dazu, dass man den Humanismus durchaus kritisch betrachten muss, denn diese Lebensauffassung und Einstellung kann auch zu Missbrauch und Fehlinterpretationen führen, mit denen man falsches Verhalten unter dem Deckmantel des „heiligen“ Begriffs „Humanismus“ noch rechtfertigen kann. Aber der Dritte Humanismus hatte andere Ziele, wie Werner Jäger 1929 in seiner Schrift „ Die geistige Gegenwart der Antike“ schilderte. Die Bildungsidee von Jäger beruhte auf der Paideia, der Bildungserziehung der Kulturgeschichte der Griechen, die durch das Streben, den Menschen zu formen geprägt war. Somit war das zu bildende Kunstwerk der Mensch selbst.8

1.3. Humanismus in der Gegenwart

Zusammenfassend kann man sagen, dass der Humanismus in seiner Geschichte einige Umformungen und Neuerungen durchlebt hat und doch die wichtigsten Merkmale klassifizierbar sind. Aus Sicht der Humanisten ist jeder Mensch, dem Menschen gleich, was bedeutet, dass alle Menschen den gleichen Wert haben. Dies ist bis heute fester und wohl wichtigster Bestandteil der Menschenrechte. Ebenso sind Individuum und Mensch gleich, weder das eine, noch das andere kann mehr wert sein. Jedes Handeln sollte sich am Glück und Wohlergehen des Individuums und der Gesellschaft orientierten und dazu beitragen. Der Mensch und seine Persönlichkeit müssen respektiert werden, sodass jeder die Möglichkeit hat sich weiterzubilden und seine Persönlichkeit zu entfalten. Die Gesellschaft sollte dazu beitragen, dass der Mensch seine Freiheit ausleben kann. Auf diese Grundideen beziehen sich noch heute viele humanistische Verbände weltweit und verpflichten sich den universalen Menschenrechten. Heute hat die Internationale Humanistische und Ethische Union (IHEU) beratende Funktion bei den Vereinten Nationen und der Europäischen Union. Der Europavertrag von Lissabon aus dem Jahr 2007 betont diese Bedeutung des Humanismus für die Mitgliedsstaaten:

„Schöpfend aus dem kulturellen, religiösen und humanistischen Erbe Europas, aus dem sich die unverletzlichen und unveräußerlichen Rechte des Menschen sowie Freiheit, Demokratie, Gleichheit und Rechtsstaatlichkeit als universelle Werte entwickelt haben…“9

Betrachtet man abschließend all diese Grundgedanken des Humanismus, die sich wie eben aufgezeigt auch heute noch in einem der wichtigsten bestehenden Verträge wiederspiegeln, sollte man glauben, dass der Humanismus heute noch immer lebt. Doch tut er das wirklich? Leben wir tatsächlich in einer vom Humanismus geprägten Welt? Wie erklären sich dann die aktuellen politischen Geschehnisse? Wie kann es sein, dass es in vielen Ländern noch immer keine Demokratie, Meinungsfreiheit oder Rechtstaatlichkeit gibt? Wieso gibt es Organisationen wie den Islamischen Staat, die mit ihrer Brutalität den Humanismus mit Füßen treten? Sind wir Menschen überhaupt dafür gemacht, humanistisch zu leben? Träumen wir nicht viel mehr einer Utopie hinterher, in der eine Welt existiert, in der die Menschenrechte als oberstes Gebot gelten? So schön sich viele Ideen des Humanismus auch lesen, so dankbar wir Cicero auch sein müssen, dass er mit seinem Gedankengut viele Entwicklungen entscheidend beeinflusst hat, so kritisch müssen wir gleichzeitig auch mit der heutigen Gesellschaft und der damit verbundenen Realität sein. Die Frage, warum Humanismus vielleicht schlichtweg gar nicht funktionieren kann, beantwortet Richard Dawkins in seinem Werk „Das egoistische Gen“ auf eine ganz eigene Weise, die ich im Folgenden kritisch reflektieren möchte.

2. Der Autor Richard Dawkins

Bevor ich explizit auf die Theorie des egoistischen Gens von Richard Dawkins eingehe, möchte ich kurz auf den Autor eingehen. Richard Dawkins ist ein britischer Zoologe, theoretischer Biologe, Evolutionsbiologie und Autor populärwissenschaftlicher Literatur. Dawkins ist am 26. März 1941 geboren und gilt bis heute als einer der bedeutendsten Sozialbiologen. Gene sind in seiner Auffassung Objekte der Selektion und mit dieser Ansicht schuf er eine neue Denkweise der Sozialbiologie. Kerngebiet der Sozialbiologie ist die Erforschung des Sozialverhaltens und des Menschen. Wie eingangs bereits erwähnt, möchte ich seine Theorie über das egoistische Gen heranziehen, um die Beständigkeit und die reelle Chance des Humanismus kritisch zu hinterfragen.

[...]


1 Buck, August: Humanismus. Seine europäische Entwicklung in Dokumenten und Darstellungen, Freiburg im Breisgau. 1987, S.23ff

2 Vgl. Humanistisches Selbstverständnis.Humanistischer Verband Deutschlands (Hrsg), Beschlossen in Hannover am 10.11.2001, Berlin 2009

3 Schwarze, Michael (Hrsg.): Der Neue Mensch. Perspektiven der Renaissance, Regensburg 2000, S.21 ff. 2

4 Vgl. Martin, Alfred. Von: Geist und Gesellschaft, Soziologische Skizzen zur Europäischen Kulturgeschichte, Frankfurt 1948, S.16-65

5 Vgl. Schwarze (2000), S. 21ff.

6 Niethammer, F.J.: Der Streit des Philanthropinismus und Humanismus, Jena 1808, S.39

7 Vgl. C. Menze u.a. Artikel „Humanismus / Humanität“, in: Ritter, Joachim / Gründer, Karlfried (Hrsg.): Historisches Wörterbuch der Philosophie, Basel: Schwabe, 1971-2007, Bd. 3, Sp.1217

8 Jaeger, Werner: Antike und Humanismus, in: Hans Oppermann (Hrsg.): Humanismus, Darmstadt 1977, S.25 4

9 Auszug aus dem Europa-Vertrag; Online-Quelle: https://dejure.org/gesetze/EU/Praeambel.html [ Zugriff am 22.03.2015, 11:48 Uhr]

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Ist das egoistische Gen die Antwort auf antihumanistisches Verhalten der Gegenwart?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V318036
ISBN (eBook)
9783668172289
ISBN (Buch)
9783668172296
Dateigröße
732 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
antwort, verhalten, gegenwart
Arbeit zitieren
Janine Simon (Autor:in), 2015, Ist das egoistische Gen die Antwort auf antihumanistisches Verhalten der Gegenwart?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318036

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