Der Einstieg Microsofts in den Markt für Mobiltelefon-Betriebssysteme aus der Perspektive der Netzwerkökonomik


Seminararbeit, 2003

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kompatibilität zwischen den Systemen und indirekte Netzwerkeffekte
2.1 Kompatibilität, Komplementarität und „Smartphones“
2.2 Inkompatibilität, Kompatibilität und partielle Kompatibilität
2.3 Das Softwareangebot und der Nutzen eines Betriebssystems
2.4 Wirkung der Variation des Kompatibilitätsgrades
2.5 Einfluss der partiellen Kompatibilität auf den Wettbewerb zwischen Microsoft und Nokia-Symbian

3. Netzwerkgröße und Netzwerkstärke
3.1 Indirekte Netzwerkeffekte und Netzwerkgröße
3.2 Start-Up-Problem und kritische Masse
3. 3 Die Netzwerkgrößen bei Microsoft und Nokia-Symbian
3.4 Die Netzwerkstärken von Microsoft und Nokia-Symbian

4. Strategische Unternehmensnetzwerke

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zu Beginn des Jahres 2003 wird der Markt für Mobiltelefone von der Firma Nokia mit einem Anteil von ca. 38 Prozent dominiert. Daneben gibt es eine Reihe von weiteren etablierten Hardware-Produzenten wie Siemens, Motorola und SonyEricsson, die für einen intensiven Wettbewerb im Hardwaresegment sorgen.

Sogar ca. 80 Prozent Anteil hat Nokia über das Symbian-Konsortium an dem Markt für Mobiltelefon-Betriebssysteme, die mit der Einführung der dritten Mobilfunkgeneration UMTS eine stark wachsende Bedeutung erlangen werden. Zwar besitzt Nokia als Miteigentümer nicht die Kapitalmehrheit an Symbian, jedoch ist das Unternehmen mit Abstand der größte Kunde und steuert dadurch indirekt die Softwareentwicklung (Ancarani und Shankar 2002, S. 18). Die vorherrschende Stellung von Nokia-Symbian in diesem Markt wird nun durch die weltweit führende Softwarefirma Microsoft in mehreren Ländern gleichzeitig angegriffen. Dabei setzt Microsoft auf die Bildung von Allianzen mit nationalen Telefonnetzbetreibern. So hat das Unternehmen zum Beispiel zusammen mit der Mobilfunktochter der Deutschen Telekom die Einführung eines neuen Mobiltelefons („Windows Smartphone“) angekündigt, das auf der Grundlage eines proprietären Betriebssystems die Mobiltelefonie mit klassischen PC-Funktionen verbinden soll. Dabei werden zentrale, miteinander kompatible Microsoft-Anwendungsprogramme unterstützt. Zusätzlich wird den Nutzern der Zugang zum Microsoft Network (MSN) eröffnet, zu dem ein E-Mail-Dienst und ein Echtzeit-Messaging-Service gehören. Die Kundenbasis des internationalen Microsoft Network umfasst derzeit 300 Millionen Kunden.

Die Seminararbeit wird sich mit ausgewählten Aspekten der Wettbewerbssituation aus der Perspektive der Netzwerkökonomik beschäftigen.

Auf der Basis theoretischer Betrachtungen werden folgenden Fragestellungen behandelt, um einen Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Analyse des Wettbewerbs zwischen den zwei Mobiltelefonbetriebssystemen zu ermöglichen :

(1) Welche Rolle spielt die Kompatibilität zwischen den Systemen? Welche Bedeutung haben die installierte Basis und die damit verbundenen Netzwerkeffekte?
(2) Wie beeinflussen die jeweiligen Netzwerkgrößen bzw. Netzwerkstärken den zukünftigen Wettbewerb der Betriebssysteme?
(3) Welche Konsequenzen hat der Aufbau strategischer Unternehmensnetzwerke für den Wettbewerb und für die Durchsetzung eines Standards für Smartphone-Betriebssysteme?

2. Kompatibilität zwischen den Systemen und indirekte Netzwerkeffekte

2.1 Kompatibilität, Komplementarität und „Smartphones“

Zwei Güter werden als „kompatibel“ bezeichnet, wenn sie über Schnittstellen verfügen, die ein sinnvolles Zusammenfügen und Zusammenarbeiten ermöglichen. Ein Netzwerk bilden die Güter, wenn sie miteinander kompatibel und zueinander komplementär sind und somit als System funktionieren (Martiensen 2002, S. 3). „Komplementär“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass die Güter nur gemeinsam einen Nutzen stiften.

„Smartphones“ integrieren als technische Geräte Kommunikations- und Datennetzwerke. Dabei sind sie als Mobiltelefone in einem Kommunikationsnetzwerk horizontal komplementäre Komponenten, die auf dieser Ebene einen hohen Grad an Kompatibilität aufweisen und somit die Zusammenarbeit der Geräte ermöglichen. Der Nutzen eines Mobiltelefons steigt dabei, je größer die Zahl der im Netz verwendeten Mobiltelefone ist. Diese Form der Konsumexternalität wird als direkter Netzwerkeffekt in einem realen Netz aus physischen Gütern bezeichnet.

Gleichzeitig hat sich das „Smartphone“ aufgrund des technischen Fortschritts und gestiegener Interoperabilität durch den Einsatz von Betriebssystemen zu einem Hard-/Softwaresystem entwickelt. Innerhalb dieses Systems besteht grundsätzlich eine vertikale Komplementarität sowohl zwischen der Hardware und dem Betriebssystem als auch zwischen dem Betriebssystem und der Anwendersoftware. Im Falle eines „Smartphones“ sind die Hardware und das Betriebssystem allerdings vielmehr als eine Einheit anzusehen, da ein Austausch des Betriebssystems zumindest heute technisch noch nicht möglich ist. Der Nutzen des Betriebssystems steigt dabei jedoch nicht direkt, sobald eine zusätzliche Einheit verwendet wird. Allerdings kommt es aufgrund des Anstiegs der Zahl der verwendeten Betriebssystemeinheiten zu einem ausgeweiteten und vielfältigeren Anwendersoftwareangebot, das den Nutzen des Betriebssystems erhöht. Voraussetzung ist die Kompatibilität der Anwendungssoftware zu der jeweiligen Hardwareeinheit. Somit steigt der Nutzen eines Betriebssystems indirekt, wenn die Zahl der verwendeten Betriebssystemeinheiten zunimmt. Dieser Effekt wird als indirekter Netzwerkeffekt in einem virtuellen Netz bezeichnet. Das virtuelle Netz besteht in diesem Fall aus den Nutzern eines bestimmten Smartphones mit fest installiertem Betriebssystem.

Smartphones sind, gemäß der vorangegangenen Betrachtung, in ihrer Funktion als Mobiltelefone Bestandteil eines horizontalen Netzwerkes und gleichzeitig als Hard-/Softwaresystem Bestandteil eines vertikalen Netzwerkes. Es handelt sich dementsprechend um ein komplexes, gemischtes Netz (Köster 1998, S.6).

Innerhalb der horizontal weitestgehend kompatiblen Mobilfunknetzwerke findet der Wettbewerb vor allem zwischen einem Oligopol aus Mobilfunknetzbetreibern statt, während im komplementären Hardwaresegment eine intensive Konkurrenz zwischen einigen etablierten Hardware-Produzenten besteht, die vor allem auf produktspezifischen Merkmalen wie Design oder Benutzerfreundlichkeit beruht. Der Mobilfunkmarkt erscheint dabei nach nahezu abgeschlossenen Aufbau der Mobilfunknetze bei gegenwärtig stark sinkenden Wachstumsraten relativ gesättigt. Smartphones setzen nun auf diesen existierenden Kommunikationsnetzen auf und sorgen für eine Verknüpfung mit bestehenden Datennetzen.

Da sich der Wettbewerb zwischen Microsoft und Nokia-Symbian im Segment der Smartphones vor allem auf der Ebene der Mobiltelefon-Betriebssysteme abspielt, wird sich die Seminararbeit im Folgenden auf den Wettbewerb zwischen den beiden Betriebssystemen konzentrieren, wobei die Netzwerke aus den jeweiligen Nutzern der Systeme bestehen. Die jeweiligen parallel nutzbaren horizontalen Mobilfunknetzwerke dürfen allerdings aufgrund der großen installierten Basis und des daraus resultierenden zusätzlichen Nutzens in der weiteren Betrachtung in Bezug auf die Netzwerkgrößen nicht außer Acht gelassen werden.

2.2 Inkompatibilität, Kompatibilität und partielle Kompatibilität

Eine große Bedeutung für den Wettbewerb zweier Softwaresysteme hat der Grad der Kompatibilität zwischen den Systemen. In der wissenschaftlichen Literatur stehen dabei zumeist die beiden Fälle der vollen Kompatibilität oder der Inkompatibilität im Vordergrund (z.B. Matutes und Regibeau 1988, Katz und Shapiro 1992, Church und Gandal 1992, Economides 1996). Im vorliegenden Fall des Wettbewerbs zwischen Microsoft und dem von Nokia dominierten Symbian-Konsortium besteht zwischen den beiden konkurrierenden Mobiltelefon-Betriebssystemen jedoch weder eine volle Kompatibilität noch eine Inkompatibilität, sondern eine partielle Kompatibilität. Wegen der weiten Verbreitung der Microsoft Office – Anwendungssoftwarefamilie wurden von den Entwicklern des Symbian OS (Operating System) frühzeitig Konverter für die wichtigsten Microsoft Datei-Standards integriert. Eine volle Kompatibilität auf Datei-Ebene könnte allerdings nur mit erheblichem Aufwand durch einen Experten, nicht aber von einem Durchschnittskonsumenten herbeigeführt werden. Insbesondere in dem Bereich weitergehender Funktionalitäten, die den Nutzen der Microsoft-Anwendungssoftware in Verbindung mit einem Microsoft-Betriebssystem steigern, kann nur noch von einer sehr geringen Kompatibilität ausgegangen werden. Umgekehrt hat Microsoft bei der Entwicklung des Microsoft Smartphone OS aufgrund der starken Marktposition der Microsoft Office-Softwarefamilie im PC-Bereich vor allem auf die Kompatibilität zu eigenen Produkten geachtet. Die unter dem Symbian-Betriebssystem nutzbare Programmiersprache Java wird beispielsweise nicht unterstützt (Ancarani und Shankar 2003, S. 14). Somit ist die in Java entwickelte Symbian-Anwendungssoftware nicht kompatibel zu dem Microsoft Smartphone-Betriebssystem.

2.3 Das Softwareangebot und der Nutzen eines Betriebssystems

Im Wettbewerb der Systeme sind nun aus Sicht der Konsumenten, neben den gegenwärtigen und zukünftigen Kosten, vor allem der gegenwärtige und zukünftige Nutzen eines Systems wesentliche Gründe in Bezug auf die Entscheidung für eines der beiden Systeme. Die folgenden Betrachtungen konzentrieren sich dabei auf die Entscheidung der Konsumenten aufgrund von Nutzenüberlegungen, da sich gegenwärtig die direkten Kosten der Betriebssysteme nicht wesentlich unterscheiden und auch keine stark unterschiedlichen Preisstrategien erkennbar sind. Dies kann sich natürlich in Zukunft ändern. Weitere analytische Überlegungen vor dem Hintergrund des Kompatibilitätsgrades können leider aufgrund des Umfangs der Seminararbeit nicht ausführlich behandelt werden. Interessante Ansätze und Ergebnisse ergeben sich hier beispielsweise bei der Analyse der Intensität des Preiswettbewerbs (Economides 1989), der Produktvielfalt (Economides 1996) und der Anreize zur Einführung von Adaptern/Konvertern (Farrell und Saloner 1992). Weiterhin entstehen je nach Kompatibilitätsgrad unterschiedliche Szenarien in Bezug auf die privaten und sozialen Kosten der Kompatibilität vor dem Hintergrund der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt (Perrot 1993).

Der Nutzen eines Betriebssystems hängt hauptsächlich von der Verfügbarkeit und Vielfalt der kompatiblen Anwendungssoftware ab (Church und Gandal 1993, S. 240; Economides 2000, S. 195; Shy 2001, S. 52). Je größer das Angebot und die Vielfalt kompatibler Anwendungssoftware ist, desto höher ist der Nutzen des Betriebssystems. Nun steigt mit wachsenden Verkaufszahlen des Betriebssystems der Gewinn der Softwarehersteller, die kompatible Anwendungssoftware nun profitabler entwickeln. Dies führt wiederum zu einer steigenden Vielfalt und zu einem größeren Angebot an Software. Diese positiven Rückkoppelungseffekte führen über den erhöhten Nutzen des Betriebssystems zu einer erhöhten Zahlungsbereitschaft der Konsumenten. Dieser Zusammenhang beschreibt den indirekten Netzwerkeffekt des zusätzlichen Verkaufs eines Betriebssystems. In der wissenschaftlichen Literatur wird dieser Zusammenhang auch unter der Bezeichnung „supporting services approach“ angeführt und analysiert (Chou und Shy 1993; Shy 2001, S. 52 ff.), da das Anwendungssoftwareangebot in den meisten Fällen eine unterstützende Dienst- oder Produktleistung von Softwareproduzenten für Hardwarebesitzer ist. Im Rahmen dieses Ansatzes setzt die Analyse direkt bei der Größe und Vielfalt des Softwareangebotes an, durch das der Konsument bzw. Betriebssystembesitzer seinen Nutzen erhöht. Der zu erwartende indirekte Netzwerkeffekt aufgrund des zusätzlichen Verkaufs eines Betriebssystems wird bei der Entscheidung des Konsumenten nicht berücksichtigt. Der Konsument legt den Wert des Betriebssystems im Wesentlichen aufgrund des Preises und der Größe und Vielfalt des Softwareangebotes fest. Zwar weicht der „supporting services approach“ von dem ursprünglichen Ansatz der Analyse des indirekten Netzwerkeffektes ab, indem eine bestimmte Präferenz des Konsumenten in den Mittelpunkt gestellt wird, jedoch zeigt die Realität, dass die Existenz eines großen Softwareangebotes zumeist einhergeht mit einer hohen Nutzeranzahl eines bestimmten Betriebssystems. Diese hohe positive Korrelation verbindet somit den „supporting services approach“ mit dem Ansatz des indirekten Netzwerkeffektes. Im Rahmen des „supporting services approach“ steht nun im folgenden Abschnitt die Analyse der partiellen Kompatibilität zweier Betriebssysteme für das Softwareangebot im Vordergrund (Shy 2001, S. 62-65).

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Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Der Einstieg Microsofts in den Markt für Mobiltelefon-Betriebssysteme aus der Perspektive der Netzwerkökonomik
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
28
Katalognummer
V31804
ISBN (eBook)
9783638327039
Dateigröße
634 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Einstieg, Microsofts, Markt, Mobiltelefon-Betriebssysteme, Perspektive, Netzwerkökonomik
Arbeit zitieren
Rolf Heußen (Autor), 2003, Der Einstieg Microsofts in den Markt für Mobiltelefon-Betriebssysteme aus der Perspektive der Netzwerkökonomik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31804

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