Diese Facharbeit befasst sich mit dem Thema Jugendwerkhöfe in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Noch heute leiden Betroffene an den Spätfolgen ihres Aufenthaltes in einem Jugendwerkhof. Dennoch gibt es Befürworter für die Grundprinzipien eines Jugendwerkhofes. Viele Machenschaften der Staatssicherheit und des Staates der ehemaligen DDR sind inzwischen hinreichend bekannt, dieses Thema jedoch leider heute nur noch sehr wenigen, weshalb ich mich näher damit befasst habe. Bei der Erstellung meiner Facharbeit sind auch Schwierigkeiten aufgetreten.
Trotz des recht umfangreichen Angebots an wissenschaftlichem Material, Umfragen und Literatur hätte ich beispielsweise gern selbst Betroffene dazu befragt, um persönliche und individuelle Sichtweisen, Erlebnisse und Geschichten von ehemaligen Insassen von Jugendwerkhöfen nicht nur aus Büchern zu erfahren, sondern ein „Stück Geschichte“ auch persönlich zu erleben. Es war mir jedoch nicht möglich, trotz intensiver Bemühungen, solche ausfindig zu machen. Warum die Betroffenen schweigen, darauf werde ich in dieser Arbeit noch eingehen. Das Ziel dieser Facharbeit besteht darin, die Thematik "Jugendwerkhöfe in der DDR" möglichst objektiv zu beleuchten.
Dabei sollen sowohl Argumente gegen als auch für Jugendwerkhöfe aufgezeigt und kritisch hinterfragt werden. Zu Beginn dieser Arbeit werde ich eine ausführliche Definition der Jugendwerkhöfe formulieren und auch auf deren geschichtliche Entwicklung eingehen. Weiterhin sollen Prinzipien und Zielenäher erläutert und der Alltag in einem Jugendwerkhof beschrieben werden. In einem abschließenden Fazit werden die Auswirkungen solcher Anstalten dargestellt. Hier wird auch zusammenfassend eine kritische Auseinandersetzung mit dieser Thematik vorgenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Die Jugendwerkhöfe in der DDR- eine Definition
2. Geschichte der Jugendwerkhöfe
3. Die Einweisung in einen Jugendwerkhof der DDR
4. Prinzipien und Ziele der Erziehung in Jugendwerkhöfen
5. Der Alltag im Jugendwerkhof
6. Der geschlossene Jugendwerkhof
7. Pro und Kontra von Jugendwerkhöfen
8. Auswirkungen der Jugendwerkhöfe - Ein kritisches Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Facharbeit verfolgt das Ziel, das System der Jugendwerkhöfe in der DDR objektiv zu beleuchten, die erzieherischen Prinzipien sowie den Alltag kritisch zu hinterfragen und die langfristigen Auswirkungen auf die Betroffenen aufzuzeigen.
- Historische Entwicklung und Einweisungspraxis in Jugendwerkhöfe
- Pädagogische Grundsätze und sozialistische Erziehungsziele
- Strukturen des Alltags und militärisch geprägte Disziplinierung
- Die Sonderrolle des Geschlossenen Jugendwerkhofs Torgau
- Langzeitfolgen für ehemalige Insassen und kritische Aufarbeitung
Auszug aus dem Buch
6. Der geschlossene Jugendwerkhof
Während des Bestehens des Geschlossenen Jugendwerkhofes in Torgau unter der Leitung von Margot Honecker vom 1. Mai 1964 bis zum 11. November 1989 wurden über 4.000 Jugendliche im Alter zwischen 14 und 18 Jahren zur „Anbahnung eines Umerziehungsprozesses“ eingewiesen, die in anderen staatlichen Erziehungseinrichtungen negativ aufgefallen waren. Doch hatten sie weder Straftaten begangen noch gab es eine richterliche Anordnung für die Einweisung. Sie waren anders: rebellischer und unangepasster und passten einfach nicht ins sozialistische System. Durch eiserne Disziplin und Drill sollten eine Veränderung ihres Verhaltens bewirkt werden, vor allem aber die Bereitschaft, sich dem Sozialismus unterzuordnen.
Der Geschlossene Jugendwerkhof Torgau glich mit seinen 5 Meter hohen Mauern, den Wachtürmen, dem Stacheldraht und Glasscherben, den Diensthunden und den vergitterten Fenstern schon äußerlich einem Gefängnis. Der Gebäudekomplex wurde 1901 erbaut und später mehrfach verändert. Tatsächlich hat aber dieses Gebäude bis zur Übernahme durch die Jugendhilfe auch als Gefängnis beziehungsweise der Verwaltungstrakt als Gerichtsgebäude gedient. In den Gebäuden befanden sich vergitterte Aufenthalts- und Schlafräume, Produktionsstätten sowie Arrest- und Dunkelzellen.
Die Aufgabe des Jugendwerkhofes Torgau bestand darin, die Bereitschaft der Insassen zu erzeugen, sich widerspruchslos allen zukünftigen Maßnahmen der Umerziehung unterzuordnen. Der ehemalige Leiter Horst Kretzschmar beschrieb dies als „Anbahnung der Umerziehungsbereitschaft“. Militärischer Drill, ein rigides Strafsystem, monotone körperliche Arbeit und ideologische Schulung sollten jenen Jugendlichen den Willen sich zu widersetzen nehmen. Infolge der unerträglichen Lebensverhältnisse, gezielten Demütigungen und körperlichen Misshandlungen kam es zu einer Reihe von Selbstmorden und Selbstverstümmelungen, deren Anzahl bis heute nicht endgültig festgestellt werden konnte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die Jugendwerkhöfe in der DDR- eine Definition: Das Kapitel definiert den Begriff der Jugendwerkhöfe als Erziehungseinrichtungen zur Umerziehung von Jugendlichen durch Arbeit und sozialistische Ideologie.
2. Geschichte der Jugendwerkhöfe: Der Abschnitt skizziert die Entwicklung der Einrichtungen von der Nachkriegszeit bis zur Auflösung 1990, inklusive der verschiedenen Typisierungen und Pilotprojekte.
3. Die Einweisung in einen Jugendwerkhof der DDR: Hier werden die rechtlichen Grundlagen und die vielfältigen, oft willkürlichen Gründe für eine Einweisung von Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren erläutert.
4. Prinzipien und Ziele der Erziehung in Jugendwerkhöfen: Das Kapitel analysiert die erzieherischen Schwerpunkte, insbesondere die kollektive Erziehung und die Anpassung an sozialistische Normen nach dem Vorbild Makarenkos.
5. Der Alltag im Jugendwerkhof: Diese Sektion beschreibt den militärisch geprägten Tagesablauf, der durch produktive Arbeit, Ausbildung und wehrpolitische Schulung streng reglementiert war.
6. Der geschlossene Jugendwerkhof: Das Kapitel fokussiert auf die besonderen Haftbedingungen und die menschenunwürdigen Zustände im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau.
7. Pro und Kontra von Jugendwerkhöfen: Es erfolgt eine kritische Abwägung zwischen den offiziellen sozialpädagogischen Zielen und der realen, gewaltgeprägten Praxis in den Heimen.
8. Auswirkungen der Jugendwerkhöfe - Ein kritisches Fazit: Das Kapitel reflektiert die physischen und psychischen Langzeitschäden der ehemaligen Insassen und zieht ein vernichtendes Resümee über die menschenrechtsverletzende Erziehungspraxis.
Schlüsselwörter
DDR, Jugendwerkhof, Umerziehung, Torgau, Sozialismus, Heimerziehung, Disziplinierung, Zwangsarbeit, Jugendhilfe, Menschenrechte, Pädagogik, DDR-Geschichte, Repression, Spezialheime, politische Erziehung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Facharbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das System der Jugendwerkhöfe in der DDR als staatliche Erziehungseinrichtungen, die darauf abzielten, als „schwererziehbar“ geltende Jugendliche an das sozialistische System anzupassen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die historische Entwicklung, die Einweisungsgründe, die pädagogischen Prinzipien, den täglichen Drill und die langfristigen Folgen für die betroffenen Kinder und Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist eine objektive, kritische Auseinandersetzung mit der Praxis der Jugendwerkhöfe, um sowohl deren offizielle Ziele als auch die tatsächlichen Auswirkungen auf die Insassen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Facharbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, wobei auf historische Dokumente, Zeitzeugenberichte und wissenschaftliche Sekundärliteratur zurückgegriffen wurde.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Erziehungsziele, den Alltag, die Rolle der Arbeit sowie die extremen Zustände im geschlossenen Jugendwerkhof Torgau.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind DDR, Umerziehung, Jugendwerkhof, Zwangsarbeit, politische Repression und Menschenrechtsverletzungen.
Was war das Besondere am Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau?
Torgau fungierte als geschlossene Anstalt für Jugendliche, die in anderen Heimen „negativ aufgefallen“ waren, und setzte auf militärischen Drill, Isolationshaft und psychische Zermürbung zur Brechung des Willens.
Warum wird die Arbeit als „kritische Auseinandersetzung“ bezeichnet?
Weil der Autor die offizielle pädagogische Rhetorik der DDR-Führung kontrastiert mit der grausamen Realität, die viele ehemalige Insassen bis heute körperlich und psychisch gezeichnet hat.
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- Leonard Beelitz (Author), 2016, „Schlimmer als Knast“. Jugendwerkhöfe in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318053