Die vorliegende Arbeit entstand 1999 als universitäre Hausarbeit. Der Autor gibt eine Einführung in die qualitative Forschungsmethode "Narratives Interview". Obwohl in zahlreichen wissenschaftlichen Abhandlungen erwähnt, ist diese von Prof. Fritz Schütze in Kassel entwickelte Forschungsmethode, bis dahin nicht umfassend dargestellt worden. Diese Arbeit bietet einen ersten umfassenden Einblick in diese Interviewtechnik und enthält neben Auszügen aus einem vom Autor durchgeführten Interview, auch eine ausführliche Literaturliste. Für Studenten, Biografen und Interviewer ist diese Arbeit ein geeigneter Einstieg in das Thema.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Qualitative Forschung
III. Das narrative Interview
IV. Der Ablauf des narrativen Interviews
V. Die Aufarbeitung des narrativen Interviews
VI. Die Auswertung eines Datentextes
VII. Schlussbemerkung
VIII. Anmerkungen
IX. Weiterführende Literatur
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit gibt eine grundlegende Einführung in die Methode des narrativen Interviews nach Fritz Schütze. Dabei wird erörtert, wie biografisches Material durch freies Erzählen gewonnen, aufbereitet und systematisch analysiert wird, um soziale Wirklichkeit und individuelle Lebensgeschichten verstehen zu können.
- Grundlagen und theoretischer Kontext der qualitativen Forschung
- Methodik und Ablauf des narrativen Interviews
- Techniken der Transkription und Datentext-Aufbereitung
- Systematische Analyseverfahren von Biografien
- Bedeutung der Prozessstrukturen in Lebensläufen
Auszug aus dem Buch
Die Auswertung eines Datentextes
Um einen Datentext auswerten zu können, muss sich der Interviewer erst einmal im Klaren darüber sein, was ein Datentext, bzw. Datensatz eigentlich ist und was in ihm an Information stecken kann. Fritz Schütze nennt hier vier Merkmale:
Datensätze bieten eine lückenlose Reproduzierung von Ereignisverstrickungen und lebensgeschichtlichen Erfahrungsaufschichtungen des Biografieträgers.
Datensätze geben eine Darstellung „innerer Reaktionen“ des Biografieträgers und deren interpretative Verarbeitung in Deutungsmustern.
Durch den Raffungscharakter des Erzählvorganges werden die großen Zusammenhänge des Lebenslaufes herausgearbeitet, markiert und ihre Relevanz aufgezeigt.
Die Sichtbarwerdung von Stümpfen weiterer Erfahrungen, Ereignisse und Entwicklungen, die theoretisch ausgeblendet, verdrängt oder hinter der Schutzwand sekundärer Legitimation verborgen bleiben sollen.
Für Schütze ist das Ziel der biografieanalytischen Forschungsarbeit die Entwicklung eines „Prozessmodells des Lebensablaufs“ des Biografen. Eine Kategorie des theoretischen Modells ist die Kategorie der „Verlaufskurve“. Sie ist das Prinzip des Getriebenwerdens durch sozialstrukturelle und äußerlich-schicksalhafte Bedingungen der Existenz und des Erleidens (konditionelle Verkettung von Ereignissen). Schütze nennt hier Fall- und Steigkurven. Bei einer „Fallkurve“ wird der Biografieträger in seinem Möglichkeitsspielraum (Handlungsaktivitäten; Entwicklung) zunehmend eingeschränkt. Bei der „Steigkurve“ bieten sich dem Biografieträger zunehmend neue Möglichkeitsspielräume durch die Setzung neuer sozialer Positionierungen (Identitätsentfaltung).
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Der Autor schildert seine persönlichen Erfahrungen mit der Methode und verdeutlicht die Zielsetzung, einen besseren Überblick über das narrative Interview zu geben.
II. Qualitative Forschung: Dieses Kapitel bettet das narrative Interview in den historischen und methodischen Kontext der qualitativen Sozialforschung ein.
III. Das narrative Interview: Hier werden die theoretischen Grundlagen und Besonderheiten der Interviewtechnik von Fritz Schütze dargelegt.
IV. Der Ablauf des narrativen Interviews: Der Fokus liegt auf den praktischen Bedingungen und dem eigentlichen Interviewverlauf von der Eingangsfrage bis zur Erzählkoda.
V. Die Aufbereitung des narrativen Interviews: Es wird erklärt, wie das aufgezeichnete Material in einen Datentext übertragen und durch Transkriptionszeichen strukturiert wird.
VI. Die Auswertung eines Datentextes: Dieses Kapitel erläutert die verschiedenen Phasen und theoretischen Kategorien der systematischen Datenanalyse.
VII. Schlussbemerkung: Der Autor reflektiert über die Anziehungskraft der qualitativen Forschung und die therapeutische Relevanz der Methode.
VIII. Anmerkungen: Ein Verzeichnis der in der Arbeit direkt zitierten Literaturquellen.
IX. Weiterführende Literatur: Eine umfangreiche Auflistung weiterführender Werke zur biografieanalytischen Forschung.
Schlüsselwörter
Narratives Interview, Fritz Schütze, Qualitative Sozialforschung, Biografieforschung, Datenanalyse, Verlaufskurve, Transkription, Lebensgeschichte, Prozessmodell, Sequenzanalyse, Deutungsmuster, Stegreiferzählung, Interpretative Sozialforschung, Sozialwesen, Fallanalyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in das narrative Interview als qualitative Forschungsmethode, unter besonderer Berücksichtigung des Ansatzes von Fritz Schütze.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der methodischen Durchführung von Interviews, der technischen Aufbereitung (Transkription) und den verschiedenen Strategien der biografieanalytischen Datenauswertung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, dem Leser einen strukturierten Überblick über die Theorie und Praxis des narrativen Interviews zu verschaffen, um diese Methode in sozialwissenschaftlichen Fallanalysen korrekt anwenden zu können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Fokus liegt explizit auf dem narrativen Interview und der anschließenden systematischen Datenanalyse, wie sie in der interpretativen Sozialforschung üblich ist.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Verortung, die methodischen Abläufe während des Interviews, die notwendige Transkription und die methodischen Schritte der Auswertung von Datentexten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind das narrative Interview, Biografieanalyse, Verlaufskurven und die systematische Datenanalyse nach Fritz Schütze.
Was unterscheidet das narrative Interview von anderen Interviewformen?
Im Gegensatz zu standardisierten oder leitfadengestützten Interviews überlässt der Interviewer dem Befragten weitgehend die Strukturierung des Gesprächs, um eine freie „Stegreiferzählung“ zu ermöglichen.
Welche Rolle spielen „Warum-Fragen“ im Prozess?
Diese Fragen werden erst in der abschließenden Bilanzierungsphase gestellt, um Klärungen zu wiederkehrenden Abläufen zu erhalten und den Erzählvorgang mit einer Selbsteinschätzung abzurunden.
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- M.A. Christian Bruno von Klobuczynski (Author), 1999, Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden. Das narrative Interview nach Fritz Schütze, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31826