Im Rahmen dieser Hausarbeit werde ich der Fragestellung nachgehen, ob der „Kieler Leseaufbau“ auch für die Lesekompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund ein effektives Förderprogramm darstellt.
Zuerst werde ich mich mit der Entwicklung der Lesekompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund beschäftigen. Dabei werde ich mich auf Einflussfaktoren und migrationsbedingte Verzögerungen beziehen. Zudem werde ich auf das phonetische Problem, das diese Kinder zu überwinden haben, beziehen. Anschließend werde ich die Leseförderung von Kindern mit Migrationshintergrund thematisieren. Dieses Kapitel beginnt allgemein mit den generellen Maßnahmen und wird dann durch die Auseinandersetzung mit der Förderung der phonologischen Bewusstheit spezifiziert. Ich habe mich auf sprachlicher Ebene bewusst ausschließlich auf die phonologische Bewusstheit bezogen, da diese durch den „Kieler Leseaufbau“ gefördert wird.
Im zweiten Teil werde ich das Förderprogramm „Kieler Leseaufbau“ vorstellen. Leider war es nicht möglich eine eigene empirische Studie durchzuführen, daher wird in dieser Hausarbeit ein Design für eine Studie erstellt, so dass sie jederzeit durchgeführt werden könnte. Diese Studie soll die Wirksamkeit des „Kieler Leseaufbaus“ bei Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund überprüfen. Dies wird der letzte Teil der Hausarbeit sein. Abschließend werde ich in einem Fazit meine Ergebnisse zusammenfassen und verdeutlichen, inwiefern sich meine zu Beginn gestellte Frage beantworten lässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entwicklung der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
2.1. Einflussfaktoren auf die Lese- und Schreibentwicklung
2.2. Migrationsbedingte Lernverzögerungen im Lesen und Schreiben
2.3. Das phonetische Problem
3. Leseförderung mit Migrantenkindern
3.1. Generelle Maßnahmen zur Förderung sprachlicher Kompetenzen
3.2. Förderung der phonologischen Bewusstheit
4. Förderkonzept Kieler Leseaufbau
4.1. Einleitung
4.2. Aufbau
4.3. Material
5. Vorschläge für eine empirische Forschungsarbeit zum Nachweis der Anwendbarkeit des Kieler Leseaufbaus für Kinder mit Migrationshintergrund
5.1. Einleitung
5.2. Methode
5.2.1. Stichprobe
5.2.2. Untersuchungsverfahren
5.3. Durchführung
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob der "Kieler Leseaufbau" ein effektives Förderprogramm für die Lesekompetenz von Kindern mit Migrationshintergrund darstellen kann, indem sie theoretische Grundlagen analysiert und ein Forschungsdesign für einen empirischen Nachweis erstellt.
- Entwicklung der Lesekompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund
- Herausforderungen durch das phonetische Problem und die Erstsprache
- Methoden der Leseförderung und Bedeutung der phonologischen Bewusstheit
- Struktur, Aufbau und Prinzipien des "Kieler Leseaufbaus"
- Design einer empirischen Studie zur Wirksamkeitsüberprüfung
Auszug aus dem Buch
2.3. Das phonetische Problem
Erstens wird davon ausgegangen, dass Kinder mit Deutsch als Zweitsprache ein phonetisches Problem zu bewältigen haben. Jedes Modell der Lese- und Schreibentwicklung geht von der Annahme aus, dass es für Kinder unabdingbar ist, dass sie in ihrer Lese- und Schreibentwicklung die Beziehung zwischen Buchstaben und Lauten erlernen müssen. Damit ein Kind diese Beziehung erlernen kann, muss es die Fähigkeit erlernen, den Lautstrom gesprochener Sprache synthetisieren zu können, was sich phonologische Bewusstheit nennt. Mit diesem Wissen lässt sich leicht nachvollziehen, warum viele Kinder mit Migrationshintergrund Probleme in ihrer Lese- und Schreibentwicklung haben. Das liegt daran, dass sie das Lesen und Schreiben erst mit Lauten erlernen müssen, die ihnen zum größten Teil fremd sind. Die Studie von Belke ist einige der wenigen, die die phonetischen Unterschiede verschiedener Sprachen untersucht. In seiner Studie findet er mittels Fallanalysen heraus, dass die Rechtschreibentwicklung von Kindern mit Migrationshintergrund durch das phonetische Wissen der Muttersprache gestört werden kann. Fehler werden dabei als Interferenzen gewertet. Das soll heißen, man geht davon aus, dass sich sprachliches Wissen von der ersten auf die zweite Sprache überträgt. Die Erstsprache prägt die Kinder dadurch, dass ihre phonetische Struktur auch dann noch aktiv bleibt, wenn die Zweitsprache bereits erfolgreich erworben wurde.
Demnach werden Kinder im Kindergarten oder bei der Einschulung mit der Zweitsprache konfrontiert, die sich phonetisch deutlich von ihrer Erstsprache unterscheidet. Auf dieser Ebene gelingt es zwar vielen Kindern die deutsche Sprache zu adaptieren, jedoch ist die Aufgabe, die fremden Laute aus der neuen Sprache zu synthetisieren und dann Buchstaben zuzuordnen, mit Sicherheit anspruchsvoll. Kinder hingegen, die nachdem sie in ihrer Erstsprache lesen und schreiben können, eine Fremdsprache lernen, haben die Möglichkeit Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den Graphem-Phonem-Korrespondenzen der Erst- und Zweitsprache zu erkennen. Kinder, die erst in ihrer Zweitsprache schreiben und lesen lernen, haben diese Möglichkeit nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die Bedeutung der Lesekompetenz für den schulischen Erfolg und führt in die Fragestellung ein, ob der Kieler Leseaufbau für Kinder mit Migrationshintergrund geeignet ist.
2. Entwicklung der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Dieser Abschnitt analysiert Einflussfaktoren auf die Leseentwicklung und thematisiert migrationsbedingte Lernverzögerungen sowie phonetische Herausforderungen beim Zweitspracherwerb.
3. Leseförderung mit Migrantenkindern: Es werden generelle pädagogische Maßnahmen sowie die spezifische Bedeutung der Förderung der phonologischen Bewusstheit für diese Zielgruppe diskutiert.
4. Förderkonzept Kieler Leseaufbau: Das Kapitel stellt die Entstehung, die methodischen Prinzipien, den 14-stufigen Aufbau und das begleitende Material des Förderprogramms vor.
5. Vorschläge für eine empirische Forschungsarbeit zum Nachweis der Anwendbarkeit des Kieler Leseaufbaus für Kinder mit Migrationshintergrund: Hier wird ein konkretes Design für eine Studie entwickelt, um die Wirksamkeit des Programms bei Kindern mit Migrationshintergrund wissenschaftlich zu überprüfen.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der Erkenntnisse und einer Reflexion über die Notwendigkeit individueller Förderung basierend auf der Lernausgangslage.
Schlüsselwörter
Kieler Leseaufbau, Lesekompetenz, Migrationshintergrund, Leseförderung, phonologische Bewusstheit, Zweitspracherwerb, Lese- und Schreibentwicklung, Lernverzögerungen, Fehleranalyse, Graphem-Phonem-Korrespondenz, Sprachförderung, Alphabetisierung, Förderdiagnostik, empirische Studie, Lese-Rechtschreibschwäche.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Effektivität des "Kieler Leseaufbaus" als Förderprogramm zur Verbesserung der Lesekompetenz bei Kindern mit Migrationshintergrund.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Lese- und Schreibentwicklung bei Zweitsprachlernern, die Herausforderungen der phonologischen Bewusstheit und die methodische Konzeption des Kieler Leseaufbaus.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, auf Basis der theoretischen Forschung ein Studiendesign zu entwickeln, das die Anwendbarkeit und Wirksamkeit des Förderprogramms bei Kindern mit Migrationshintergrund überprüfen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse und entwickelt daraus ein methodisches Konzept für eine zukünftige empirische Forschungsstudie.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit den Einflussfaktoren auf die Lesekompetenz, dem phonetischen Problem, allgemeinen Fördermaßnahmen und einer detaillierten Vorstellung des Kieler Leseaufbaus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen zählen Kieler Leseaufbau, Lesekompetenz, Migrationshintergrund, phonologische Bewusstheit und Zweitspracherwerb.
Warum stellt die phonologische Struktur des Deutschen für Migrantenkinder ein Problem dar?
Da diese Kinder oft erst Laute erlernen müssen, die ihnen aus ihrer Muttersprache fremd sind, fällt ihnen das Synthetisieren der Laute und das Zuordnen zu Buchstaben im Deutschen schwerer.
Welche Rolle spielt die Erstsprache beim Erlernen des Lesens im Deutschen?
Die phonetische Struktur der Erstsprache bleibt häufig aktiv und kann durch Interferenzen die Rechtschreibentwicklung und den Erwerb der Graphem-Phonem-Korrespondenz im Deutschen stören.
Was unterscheidet das im Buch entworfene Studiendesign von der Standardanwendung des Kieler Leseaufbaus?
Das Design schlägt vor, für die Evaluation nicht die standardmäßigen "Diagnostischen Bilderlisten" zu verwenden, sondern auf international anerkanntere Testinstrumente wie den Salzburger Lese- und Rechtschreibtest zurückzugreifen.
- Arbeit zitieren
- Nathalie Fiore (Autor:in), 2015, Der "Kieler Leseaufbau" als Förderkonzept für Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318289