„Ein mächtiger Krüppel“. Die Bedeutung Menuchims für das Schicksal der Familie Singer im Blick auf die verschiedenen Stadien in der Lektüre "Hiob" von Joseph Roth (Deutsch, 12 Grundkurs)


Unterrichtsentwurf, 2015
22 Seiten, Note: 2
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Thema der Unterrichtsreihe

Thema der Unterrichtsstunde

Stundenziel

Teilziele

Tabellarische Darstellung der geplanten Unterrichtsreihe

Verlaufsplan

Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption

Quellenverzeichnis

Anhang

Thema der Unterrichtsreihe:

Erschließung des Romans „Hiob“ von Joseph Roth durch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Leben der jüdischen Familie Singer zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter Berücksichtigung kultureller, sozialer und religiöser Aspekte.

Thema der Unterrichtstunde:

„Ein mächtiger Krüppel“1 - Die Bedeutung der Figur Menuchims für das Schicksal der Familie Singer im Blick auf die verschiedenen Stadien in der Lektüre. (Kindheit – Amerika – Wiederkehr)

Stundenziel:

Die Schülerinnen und Schüler erkennen, dass Menuchim die Schlüsselfigur des Romans „Hiob“ ist und sich seine Bedeutung für die Familie im Verlauf des Romans wandelt.

Teilziele:

1. Die SuS sollten ihre Textanalysekompetenz erweitern, indem sie unterschiedliche Textstellen im Hinblick auf die Bedeutung der Figur Menuchim für die Familie Singer untersuchen.
2. Die SuS sollten ihr Wissen in Bezug auf die Figurenkonstellation erweitern, indem sie den Einfluss Menuchims auf die Familie zu unterschiedlichen Textstellen deuten.
3. Die SuS sollen ihre Sozialkompetenz stärken, indem sie miteinander in einer Gruppe an einem bestimmten gemeinsamen Ergebnis arbeiten.
4. Die SuS erkennen die sich wandelnden Bedeutung Menuchims für die Familie, indem die einzelnen Gruppen ihre Arbeitsergebnisse präsentieren.

Darstellung der Unterrichtsreihe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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Begründung zentraler Aspekte der Unterrichtskonzeption

Legitimiert wird die Auseinandersetzung mit dem Roman „Hiob. Roman eines einfachen Mannes“ durch die Landesvorgaben Nordrhein-Westfalens für das Zentralabitur 2016. Darin ist die Lektüre „Hiob“ als ein inhaltlicher Schwerpunkt im Bereich Umgang mit epischen Texten vorgesehen.2 Auch durch den schulinternen Lehrplan, der die Lektüre ebenfalls für die 12. Klassen vorsieht, ist die Unterrichtsreihe zu begründen.

Das Vorhaben in dieser Stunde, die Bedeutung der Figur Menuchims für die Familie Singer herauszufinden, ist essentiell wichtig für die SuS, da Menuchim eine tragende Rolle in der Entwicklung der Familie und deren Entscheidungen spielt. Um einen Roman gänzlich zu erfassen ist es unabdingbar, alle zentralen Figuren zu untersuchen und auch die Beziehungen der Figuren untereinander mit einzubeziehen. Besonders die Untersuchung der bestehenden Konflikte innerhalb der Familie setzt eine Charakterisierung aller Figuren voraus.

In „Hiob. Roman eines einfachen Mannes“ von Joseph Roth, erschienen im Jahr 1930, wird die Lebensgeschichte Familie Singers, einer ostjüdischen Familie, beschrieben. Die Familie wandert nach vielen Unglücksfällen aus dem russischen Zuchnow nach Amerika aus, um dort einen Neuanfang zu starten. Die Familie besteht aus dem Ehepaar Mendel, Deborah Singer und vier Kindern. Mendel ist streng gläubiger Jude und seine Frau gehört dem Chassidismus an. Der jüngste Sohn Menuchim leidet an Epilepsie und bringt der Familie seit seiner Geburt Leid und Kummer. Als die Familie nach Amerika auswandert, um dort einen Neustart zu versuchen, wird Menuchim in Russland zurückgelassen. In Amerika erleidet die Familie einen Schicksalsschlag nach dem anderen und zerbricht. Deborah vermisst ihren Sohn Menuchim und stirbt bei der Nachricht, dass Sam im Krieg gefallen ist. Mirjam wird geistesgestört und muss in eine Klinik eingeliefert werden. Jonas ist in Russland bei der Armee und Menuchim ist verschollen. Mendel hinterfragt sein Leben, bereut sein Handeln Menuchim zurückgelassen zu haben und sehnt sich zu ihm nach Russland zurück. Nachdem der gläubige Mendel sich auch von Gott abgewandt und mit seinem Leben abgeschlossen hat, erscheint sein ehemals behinderter Sohn als nun berühmter Musiker während des Pessachfests. Der verschollene Sohn lebt und ist nun ein gesunder und angesehener Mann mit eigener Familie. Mendel wendet sich durch dieses Wunder wieder Gott zu und er hat Frieden für sich gefunden.

Menuchim ist somit die Schlüsselfigur in dem Buch.3 Durch seine Geburt bringt er der Familie Sorgen und Leid. Durch weitere Schicksalsschläge zerbricht die Familie letztlich. Am Ende ist er es allerdings der als Erlöser wiederkehrt und Mendel Singer mit Gott vereint.

Schwerpunkt der Stunde ist die Analyse der Figur Menuchims bezüglich ihrer wechselnden Bedeutung für die Familie Singer im Verlauf des Buches. Somit bildet die Analyse der einzelnen Bedeutungen Menuchims für die Familie im jeweiligen Buchabschnitt den Mittelpunkt der Unterrichtsstunde. Der Bedeutungswechsel zeigt sich erst zu Stundenende, wenn die unterschiedlichen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse zusammengeführt haben und ein Gesamtüberblick entstanden ist. Zuvor erarbeitet jede Gruppe lediglich die Bedeutung Menuchims in dem ihnen zugewiesenen Buchabschnitt.

Als Einstieg wird den SuS ein Zitat aus dem ersten Teil des Buches präsentiert. „Menuchim starb nicht, er blieb am Leben, ein mächtiger Krüppel.“4 Dieses Zitat schließt an die Stelle im Buch an, als die Geschwister versucht haben Menuchim zu ertränken. Dieser überlebt überraschend das Vorhaben. Mit Hilfe des stummen Impulses sollen die Schülerinnen und Schüler zunächst motiviert und ihr Vorwissen aktiviert werden und dann erste impulsgeleitete Hypothesen äußern, die an der Tafel gesammelt werden.5 Es erfolgt dadurch zunächst eine Sensibilisierung für die Figur Menuchims und das Interesse wird geweckt. Über ein impulsgeleitetes Unterrichtsgespräch sollen die SuS selbstständig eine problemorientierte Hypothese zur Bedeutung von Menuchim für die Familie formulieren und Vorschläge äußern, wie wir die Bedeutung Menuchims für die Familie untersuchen könnten.

Die Erarbeitungsphase wird in unterschiedlichen Gruppen geschehen. Jeweils zwei Gruppen bearbeiten die gleichen Textstellen.6 Es werden maximal vier SuS in einer Gruppe arbeiten, sodass alle drei Aufgaben von zwei Gruppen bearbeitet werden: eine Gruppe, die ihre Ergebnisse präsentieren wird und eine Kontrollgruppe, die gegebenenfalls ergänzt und korrigiert. Diese Gruppengröße ist die oberste Grenze, da ein effektives Arbeiten in größeren Gruppen oftmals nicht möglich ist, da sich schwächere und unmotivierte SuS gegebenenfalls aus dem Geschehen herausziehen und abschalten würden. Die Gruppen werden durch Ziehen von Spielkarten zufällig gebildet. Damit soll erreicht werden, dass neue Gruppen entstehen und SuS miteinander arbeiten, die sonst nicht viel miteinander zu tun haben, was die Sozialkompetenz fördert. Wenn die SuS die Gruppen selber bilden würden, käme es vermutlich dazu, dass die SuS die gleichen Aufgaben und Rollen einnehmen würden, die sie immer übernehmen. Dies würde dazu führen, dass manche SuS genau wüssten, dass sie sich auf die anderen verlassen können und selbst nur das Nötigste in der Erarbeitungsphase leisten würden. Aus diesen Gründen möchte ich die Gruppenbildung dem Zufall überlassen. Allgemein wurde sich für eine Gruppenarbeit entschieden, da in diesen die Sozialkompetenz und Teamfähigkeit gestärkt und durch den Austausch in der Gruppe kreatives und produktives Arbeiten gefördert wird, vor allem wenn ein gemeinsames Endprodukt (in diesem Fall die Folie) erarbeitet wird.7 Gruppenarbeiten bieten ebenfalls den Vorteil, dass SuS in ihrer Gruppe in einem geschützten Raum sind und somit gegebenenfalls ihre Meinung und Überlegungen freier äußern, als vor dem ganzen Plenum.8 Dieser Umstand ist bei dieser Lerngruppe auch gewährleistet, wenn die Gruppen zufällig zustande kommen. Dadurch wird eine aktivere Mitarbeit erhofft, vor allem von den stilleren SuS. Es soll erreicht werden, dass alle SuS in der Gruppe mitarbeiten und mitdenken. Um dies zu erreichen, wird ebenfalls der Zufall entscheiden wer aus der Gruppe die Folie anschließend dem Plenum präsentiert. Somit muss jeder in der Lage sein das Gruppenergebnis zu präsentieren. Es kann dazu kommen, dass SuS die Ergebnisse präsentieren die eher leistungsschwach sind. Somit könnten die Präsentationen schwächer ausfallen, als im Normalfall, wenn die leistungsstarken SuS präsentieren würden. In diesem Falle könnten die Kontrollgruppen korrigieren und unterstützen.

Jeder gezogenen Spielkarte wird weiterhin eine Aufgabe zugewiesen. So wird es in jeder Gruppe einen SuS geben, die für die Materialbeschaffung zuständig ist, eine SuS, die die Zeit im Auge hat und einen SuS, die die Folie erstellen soll. Diese Methode aus dem kooperativen Lernen verhindert, dass die SuS in altbekannte Rollen verfallen und SuS auch andere Aufgaben innerhalb einer Gruppe übernehmen.9 Die Gruppenarbeit ist nach dem „Think-Pair-Share“- Prinzip aufgebaut.10 Die erste Phase beginnt damit, dass die SuS erst einmal in Einzelarbeit die Textstellen lesen und verstehen, bevor sie in der Gruppe ihre Meinungen äußern und diskutieren. Dieser Dreischritt ist an das Kooperative lernen geknüpft. Somit stellt die Einzelarbeit die Think Phase, die Gruppenarbeit die Pair Phase und die Präsentation die Share Phase dar.11

Die Gliederung in drei Teile (Geburt und Kindheit / Amerika / Wiederkehr) wurde gewählt, da in diesem Dreischritt die Wandlung der Bedeutung Menuchims für die Familie am deutlichsten wird. Die ersten zwei Gruppen arbeiten anhand von zwei Textstellen12 die Bedeutung Menuchims für die Familie Singer bei seiner Geburt und in den Kindertagen heraus. Die dritte und vierte Gruppe analysiert anhand vier kurzer Textstellen13 die Bedeutung Menuchims für die Familie in Amerika. Die letzten zwei Gruppen befassen sich mit drei Textstellen14 zu Menuchims Wiederkehr.15

Die Textstellen werden vorgegeben, da es ohne diese Vorgabe in 45 Minuten nicht möglich wäre, den Charakter Menuchims umfassend zu analysieren, da die SuS zu viel Zeit zur Textstellensuche benötigen würden. Die SuS erarbeiten also zunächst durch ihre Analyse lediglich die Bedeutung Menuchims für ihren Teilbereich des Buches.

Da die Klasse aus sehr heterogenen SuS besteht, die unterschiedlich schnell arbeiten, und auch die Gruppen verschiedene Textstellen bearbeiten, haben alle Gruppen im Sinne der Binnendifferenzierung die Aufgabe, weitere Textstellen aus dem Gedächtnis in ihre kriteriengeleitete Analyse miteinzubeziehen, falls sie die vorherigen Aufgaben schnell gelöst haben sollten. Aus zeitlichen Gründen wird jeweils nur eine Gruppe präsentieren. Als Präsentationsmedium wurde sich für Folienabschnitte entschieden, da bei diesen der Vorteil besteht, Änderungen leicht vornehmen zu können und es kein großen Aufwand ist diese anzufertigen. Eine Visualisierung im Allgemeinen ist ungemein wichtig, da die Ergebnisse so für alle deutlich und zugänglich werden und durch die Overlaytechnik nach und nach ein vollständiges Bild der Entwicklung Menuchims auf Folie entsteht, welches für das Fazit unabdingbar ist. Die zweite Gruppe, die das gleiche Thema behandelt hat, ist die Kontrollgruppe und ergänzt gegebenenfalls die vortragende Gruppe.

[...]


1 Vgl.: Roth, S.18, Z.13f.

2 Vgl.: Roth, S.18, Z.13f.

3 Vgl. Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein-Westfalen: Zentralabitur NRW- Abitur 2016- Deutsch, unter: https://www.standardsicherung.schulministerium.nrw.de/abitur-gost/fach.php?fach=1 (letzter Zugriff 11.03.2015).

4 Vgl.: Wölke, Alexandra: Hiob. Roman eines einfachen Mannes … verstehen. Schöningh Verlag: Paderborn 2012, S. 146.

5 Vgl.: Roth, Joseph: Hiob. Roman eines einfachen Mannes. Schöningh Verlag: Paderborn 2012, S.18f.

6 Vgl.: Zitat und erwartete SuS Äußerungen im Anhang.

7 Vgl.: Textstellen und Arbeitsblätter im Anhang.

8 Vgl.: Bovet, Gislinde / Huwendiek, Volker: Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrerberuf. Cornelsen: Berlin, 2011, S.99f.

9 Vgl.:Meyer, Hilbert: UnterrichtsMethoden II: Praxisband. Cornelsen: Frankfurt am Main, 1989, S.245.

10 Vgl.:Klippert / Huber (2003): Kernkompetenz „Erfolgreiches Arbeiten in Gruppen“. In:Bovet, Gislinde / Huwendiek, Volker [Hrsg.]: Leitfaden Schulpraxis. Pädagogik und Psychologie für den Lehrerberuf. Cornelsen: Berlin, 2011, S.433f.

11 Vgl.: Bönsch, Manfred: Unterrichtsmethoden – kreativ und vielfältig. Basiswissen Pädagogik. Unterrichtskonzepte und –techniken. Baltmannsweiler: Schneider-Verlag Hohengehren 2002, S. 80-83.

12 Vgl.: ebd.

13 Vgl.: Textstellen im Anhang.

14 Vgl.: ebd.

15 Vgl.: ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
„Ein mächtiger Krüppel“. Die Bedeutung Menuchims für das Schicksal der Familie Singer im Blick auf die verschiedenen Stadien in der Lektüre "Hiob" von Joseph Roth (Deutsch, 12 Grundkurs)
Note
2
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V318321
ISBN (eBook)
9783668177130
ISBN (Buch)
9783668177147
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
krüppel, bedeutung, figur, menuchims, schicksal, familie, singer, blick, stadien, lektüre, hiob, joseph, roth, deutsch, grundkurs
Arbeit zitieren
Anonym, 2015, „Ein mächtiger Krüppel“. Die Bedeutung Menuchims für das Schicksal der Familie Singer im Blick auf die verschiedenen Stadien in der Lektüre "Hiob" von Joseph Roth (Deutsch, 12 Grundkurs), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318321

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