Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit bei Yogalehrenden. Eine qualitative Erhebung


Hausarbeit, 2014

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Entwicklung der Idee für die Themenstellung
1.2 Theoretischer Hintergrund
1.3 Entwicklung einer gesundheitswissenschaftlichen Fragestellung

2. Methodik
2.1 Begründung des qualitativen Forschungsansatzes
2.2 Design der Studie
2.3 Sample und Zugang zum Feld
2.4 Datenerhebung: Begründung des Ansatzes eines qualitativen Leitfaden-Interviews
2.4 Durchführung der Interviews und Interviewprotokoll
2.5 Transkription der Interviews

3. Ergebnisse
3.1 Datenauswertung
3.2 Ergebnisse
3.3 Interview
3.4 Teilnehmerinnen
3.5 Subjektive Vorstellungen von Krankheit und Gesundheit
3.6 Coping
3.7 Gesundheitshandeln
3.8 Exklusivitätsanspruch von Yoga

4. Diskussion
4.1 Diskussion der Ergebnisse und methodische Reflexion
4.2 Argumentative Interpretationsabsicherung
4.3 Regelgeleitetheit
4.4 Nähe zum Gegenstand
4.5 Kommunikative Validierung
4.6 Triangulation

5. Inhaltsverzeichnis

6. Anhang
6.1 Interviewleitfaden
6.2 Ankerbeispiele zu deduktiven Kategorie

[Hinweis: Interview Transkription nicht enthalten]

1. Einleitung

1.1 Entwicklung der Idee für die Themenstellung

Im Kurs Methoden der qualitativen Gesundheitsforschung im Wintersemester 2013/14 kam es zur Aufgabenstellung eine gesundheitswissenschaftlich relevante qualitative Fragestellung selbstständig zu bearbeiten. Dabei sollte es darum gehen unter Anwendung der qualitativen Methoden Praxiserfahrung in diesem Bereich zu sammeln. Die Kommilitonin Luisa Faller und Ich fanden sich zur Bearbeitung dieser Aufgabenstellung zusammen und entschlossen uns nach entsprechender Beratung eine Fragestellung zu finden, welche mit dem Themenfeld des Yoga zutun hat. Luisa Faller konnte in diesem Gebiet bereits aus der Erfahrung eigener Anwendung schöpfen, während das Thema für mich bis dato potentiell sehr interessant, aber unerschlossen war. Diese Herangehensweise zeigt, dass die Entscheidung für dieses Forschungsfeld mit den lebenspraktischen Interessen des Forschers eng verknüpft ist (Flick, von Kardorff, Keupp, von Rosenstiel, & Wolff, 1995, S. 148)

1.2 Theoretischer Hintergrund

Entlang des Bund Deutscher Yoga-Lehrer (BDY) begann sich Yoga in den 40er Jahren in Deutschland mit unterschiedlicher Dynamik zu verbreiten und erreichte die heutige Popularität (Berufsverband der Yogalehrenden in Deutschland e.V., 2014) Es gibt laut dem Verband rund 5 Millionen Menschen, die in Deutschland regelmäßig Yoga ausüben, während zeitgleich rund 20.000 Lehrende ausgemacht werden können.

Die älteren Texte des ursprünglichen Hatha-Yoga stellen die Praxis als „heilend, gesundheitsförderlich und lebensverlängernd“ dar (Upanişad 2007; zitiert nach Baier 2011). Hierbei sind die ersten Aufzeichnungen zum Yoga bereits rund 5000 Jahre alt. Aus dem traditionellen Verständnis heraus soll es eine Methode darstellen „Körper, Geist und Seele in höchste Harmonie zu bringen“ (Sterzenbach, 2010, S. 13).

In den wissenschaftlichen Disziplinen unterscheidet man Yoga-Studies, welche die Ergründung der geschichtlichen und philosophischen Ursprünge sowie Entwicklungen zum Ziel haben sowie die empirischen Yoga-Studien. Letztere konzentrieren sich auf die medizinische und therapeutische Wirksamkeit von Yoga, wobei rituelle Aspekte weitgehend aus dem Blickfeld genommen werden (Baier, 2011, S. 217). Dabei ist die Wirksamkeit der positiven Folgen von Yoga in verschiedenen Zielgruppen oft empirisch gestützt. So sollen unter anderem Angestellte, Kinder oder Depressive davon profitieren (Schäfer, 2013, S. 2). Es lassen sich hierbei positive Effekte auf körperliche Beschwerden wie Osteoporose und rheumatoide Arthritis (Ward, Stebbings, Cherkin, & Baxter, 2013) oder kardiovaskuläre Probleme (Bandi, et al., 2014) zeigen.

Zudem gibt es empirische Hinweise darauf, dass Yoga hinsichtlich Rückenschmerzen anderen Behandlungsformen sogar überlegen zu sein könnte (Hill, 2013). Auch auf der Ebene des Befindens und der psychischen Zustände gibt es starke Hinweise auf eine positive Wirksamkeit. So ist laut Schäfer von „weniger Anspannung und Unsicherheit, ein klarerer Kopf, mehr Zuversicht und Energie in anstrengenden Situationen“ und einem insgesamt verbesserten Wohlbefinden die Rede (Schäfer, 2013, S.2). Dabei soll die Wirksamkeit von Yoga sogar der Wirksamkeit des Autogenen Trainings überlegen sein (Fuchs, 2010, S. 20).

1.3 Entwicklung einer gesundheitswissenschaftlichen Fragestellung

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Lehrenden des Yoga, um sich dieser Zielgruppe für eine vertiefende qualitative Analyse anzunähern. In der weitergehenden Aushandlung der Aufgabenstellung hat sich für die Autoren die Frage herausgestellt, wie sich die Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit von Yogalehrern gestalten. Es ergab sich die Vorannahme, dass durch die lehrende Tätigkeit, unter dem Eindruck vorrangehend beschriebener potentiell positiver Wirkung auf die Anwender, auch einen Einfluss auf die grundsätzlichen Annahmen und Konzepte gegenüber den Begriffen Gesundheit und Krankheit der betreffenden Personen entsteht. Dieses Spektrum ist angelehnt an das salutogenetische Grundmodell von Antonowsky, welches ein Gesundheitskontinuum mit den beiden Extremen Gesundheit und Krankheit beschreibt (Antonowsky, 1979, S. 184 f.).

Weiter gestaltete sich die Frage, welche Erkenntnisse sich hinsichtlich des persönlichen Gesundheitshandelns gewinnen lassen. Das Gesundheitshandeln fragt nach persönlicher Motivation und Antrieb für ein absichtsvolles Tun in Gesundheitsbelangen, welches aus Sicht des Handelnden subjektiv mit den eigenen Gesundheitsvorstellungen verbunden ist (Faltermeier, 2005, S. 200). Weiter sollte an die Befragten die Frage des Coping bei Stress und Belastungen gerichtet werden. Einerseits, um zu verstehen welche subjektiv empfundenen Anforderungen subjektiv als Stressoren genannt werden, anderseits sollte aus den Antworten generiert werden können, welche Handlungsaktivitäten als Bewältigungsbemühungen eingeleitet werden, um Wohlbefinden wieder herzustellen ( (Faltermeier, 2005, S. 100).

Schließlich sind diese Aspekte wichtig, um Rückschlüsse auf die subjektiven Konzepte und Theorien von Gesundheit und Krankheit (Flick, 1998, S.13 ff.) sowie dem Gesundheitsbewusstsein zu ziehen (Faltermeier, 2005, S. 191 ff.).

Die genannten Punkte sind insbesondere interessant unter Beachtung der genannten philosophischen Grundgedanken und der Nachweise zur Wirksamkeit von Yoga. In diesem Sinne wurde die Fragestellung entwickelt:

Wie sind die subjektiven Vorstellungen von YogalehrerInnen in Bezug auf Gesundheit und Krankheit? (Persönlicher Umgang sowie eigenes Gesundheitshandeln)

Der Fokus auf die subjektiven Vorstellungen sollte verhindern, dass lediglich die Grundgedanken der Yoga-Philosophie in der Rolle Lehrenden beschrieben werden. Die Grundgesamtheit der Yoga-LehrerInnen schließt alle und Schulen des Yoga sowie Geschlechter der befragten Personen ein, da in dieser Sache kein Anlass für eine Trennung oder Wertigkeit unterschiedlicher Ausrichtungen aus Sicht der Forscher gefunden wurde. Gleiches gilt für den Umfang der Erfahrung oder der berufliche Status (Vollzeit oder Nebentätigkeit). Schließlich war auch die Mitgliedschaft in Bund Deutscher Yogalehrenden kein explizites Kriterium, da es Leute ausschließen würde die Ihre Vorerfahrung möglicherweise im Ausland (z.B. Indien) erworben haben, aber trotzdem in Deutschland praktizieren. So waren die genannten Punkte keine Kriterien für die Auswahl bestimmter Lehrer zur späteren Kontaktaufnahme und gelten eher als Einschlusskriterien.

2. Methodik

2.1 Begründung des qualitativen Forschungsansatzes

Die Grundannahme, dass in der qualitativen Forschung das Verstehen des Gegenstands die Auswahl der Methoden bestimmt, soll in dieser Arbeit einen Leitgedanken darstellen (Mayring, 2002, S. 8). Somit ist die quantitative Forschung, in Abgrenzung zur qualitativen Herangehensweise ein starres Verfahren, das in der Regel mit einem festen Methodensatz diverse Gegenstandsgebiete untersucht. Das qualitative Vorgehen impliziert einen Fokus auf Subjekte, der Anspruch der Verallgemeinerbarkeit rückt dabei in den Hintergrund (Mayring, 2002, S. 20 ff.) Ferner kann der qualitative Anspruch des Verstehens auch als Überwindung des quantiativen Positivismus gedeutet werden (Murray & Chamberlain, 1998, S. 292). Somit passt diese Fragestellung sehr gut in die Grundgedanken einer qualitativen Analyse, da bereits durch die Fragestellung der Subjektbezug (subjektive Sichtweisen) vorgegeben wurde. Da wie eingangs gezeigt, die medizinische Wirksamkeit in der Regel mit quantitativen Methoden analysiert wird, können jedoch die Wirkmechanismen der eigentlichen Ursachen einer positiven Wirkung durch die Yogapraxis nicht immer hinlänglich erklärt werden. Das ist insofern interessant, da durch die Wirkweise von Yoga direkte oder indirekte Einflüsse auf die Ansichten der Praktizierenden im Vorfeld vermutet werden konnten.

Der Autor Uwe Flick gibt mit dem Buch „Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit. Überblick und Einleitung.“ (1998) eine Übersicht qualitativer Ergebnisse zu dem Thema anhand verschiedener Zielgruppen. Er unterscheidet die Ergebnisse innerhalb verschiedener Altersgruppen, der Geschlechterspezifik, kultureller Einflüsse und bei Patienten und Angehörigen (Flick, Uwe, 1998). Das spezielle Themenfeld der Yogalehrer konnte hier nicht ausgemacht werden, wodurch sich ein qualitativer Forschungsbedarf ableiten lässt.

2.2 Design der Studie

Der Autor Uwe Flick beschreibt den qualitativen Forschungsprozess als Abfolge von Entscheidungen (Flick, von Kardorff, Keupp, von Rosenstiel, & Wolff, 1995, S. 148). In diesem Sinne soll sich hier für einen Untersuchungsplan oder Design entschieden werden. Dies ist zu Trennen von der Wahl für bestimmte Methoden (Datenerhebung, Datenauswertung).

Als Untersuchungsplan wurde sich hier für die Einzelfallanalyse entschieden (Mayring, 2002, S. 41 ff.). Auch, wenn es dabei verschiedene Terminologien Anwendung finden (Flick, von Kardorff, Keupp, von Rosenstiel, & Wolff, 1995, S. 45) soll sie den „Königsweg“ der interpretativen Sozialforschung darstellen. (Bohnsack, Marotzki, & Meuser, 2003, S. 60) Hierbei stehen die Komplexität des ganzen Falles, der lebensgeschichtliche Hintergrund und die Ganzheit der Person im Blickfeld. Das Interpretieren von Zusammenhängen ist dabei ein wesentlicher Grundgedanke (Mayring, 2002, S. 42). Bei diesem Vorgang ist die verstehende Deutung oder die Erklärung von Zusammenhängen essentiell. Wichtig ist das Prinzip der Wechselbedingtheit, wo angenommen wird, dass „das Einzelne seine Bestimmung nicht aus sich, sondern aus den Gesetzen seiner Beziehung zu anderem erhält“ (Bohnsack, Marotzki, & Meuser, 2003, S. 60). Ferner führen die Autoren aus, dass es darum geht im weitergehenden Fallvergleich zu klären, welches allgemeine „Problem“ den jeweiligen Fällen zugrunde gelegt werden kann. Ein anderer Aspekt der Fallstudien wird von Neumann betont: Das Herausfiltern der Grundzüge der Fallstudien durch intensive Untersuchung von ein oder zwei Fällen, wobei auf verschiedene Faktoren fokussiert wird (Neuman, 2006, S. 40).

Mayring beschreibt dabei den generellen Ablauf der Einzelfallanalyse folgendermaßen (Mayring, 2002, S. 43-44):

1) Formulierung der Fragestellung
2) Falldefinition
3) Bestimmung von spezifischen Methoden
4) Aufbereitung des Materials (Fallzusammenfassung und Fallstrukturierung)
5) Einordnung in den Zusammenhang

Dieser grobe Ablaufplan soll als Orientierung für diese Studie gelten. Weitere Aspekte der allgemeinen Vorgehensweise stellen die Authentizität (weitestgehende Erfassung und Beschreibung des Forschungsgegenstandes durch den Forscher) und Strukturierung (Verstehen aus abstrahierender Perspektive) dar (Flick, von Kardorff, Keupp, von Rosenstiel, & Wolff, 1995, S.148).

2.3 Sample und Zugang zum Feld

In gemeinsamer Besprechung wurde eine Übersicht geschaffen, welche Yoga-Lehrerinnen sich in Flensburg anhand von Internetauftritten aus zugänglich herausstellen. Die eingangs genannten Einschlusskriterien wurden dabei beachtet.

In Vorbereitung des Zugangs zum Feld galt es zu beachten, dass einige Zugeständnisse vom Interviewpartner erwartet werden. So zum Beispiel das Infrage stellen von bisherigen Selbstverständlichkeiten (Wolf, 2012, S. 335). In der Beschreibung dieses Abschnittes wird Interview 1, das vom Autor geführte Interview, im Wesentlichen beschrieben. Es konnte vor Weihnachten ein Interviewtermin, angesetzt auf eine Stunde, telefonisch ausgehandelt können. Beim vereinbarten Treffen stellte sich jedoch heraus, dass die Person auch nach mehrmaligem Kontaktversuch nicht an dem genannten Ort war. Schließlich gab es eine telefonische Rückmeldung, mit einer Entschuldigung und kurzfristiger Absage aufgrund mangelnder verbleibender Zeit. Danach gab es zwei weitere telefonische Kontaktversuche hinsichtlich praktizierender Yogalehrerinnen in Flensburg zur Terminvereinbarung. Dabei wurde versucht bereits konkrete Vorschläge für Termine zu unterbreiten (Hermanns, 2012, S. 362). Doch auch hier, mit jeweiliger Bedenkzeit und terminlichen Schwierigkeiten verknüpft, konnte kein Interview vereinbart werden. Diese Erfahrungen standen im Eindruck der letzten regulären Arbeitswoche im Dezember und ergaben ein Bild eines hohen Termindrucks bei den angesprochenen Personen. Somit erschien die Zumutung, Zeit für Gespräche aufzubringen sehr hoch (ebenda). Schließlich konnten in Neubrandenburg, dem Aufenthaltsort des Autors über die Weihnachtspause, mehrere Internetauftritte von Yogaschulen ausgemacht werden. Hierbei kam es zum telefonischen Kontaktaufnahme, bei dem das grundsätzliche Forschungsanliegen beschrieben wurde. Auch hier zeigte die Yogalehrerin ein grundsätzliches Interesse an der Teilnahme. Allerdings konnte erst nach einem Rückruf ein Termin ausgemacht werden, welcher sich als der 08.01.2014 herausstellte. Die Yogalehrerin war gewillt an diesem Tag innerhalb ihrer eigentlich einstündigen Mittagspause für das Interview bereit zu stehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit bei Yogalehrenden. Eine qualitative Erhebung
Hochschule
Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg)  (Abteilung für Gesundheitspsychologie und Gesundheitsbildung)
Veranstaltung
Praxisprojekte der qualitativen Gesundheitsforschung.
Note
1,7
Autoren
Jahr
2014
Seiten
23
Katalognummer
V318336
ISBN (eBook)
9783668175181
ISBN (Buch)
9783668175198
Dateigröße
687 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitsbewusstsein., Salutogenese, Antonovsky, Yoga, Gesundheitsvorstellungen, qualitatives Interview
Arbeit zitieren
Kevin Kockot (Autor)Luisa Faller (Autor), 2014, Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit bei Yogalehrenden. Eine qualitative Erhebung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318336

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Subjektive Vorstellungen von Gesundheit und Krankheit bei Yogalehrenden. Eine qualitative Erhebung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden