Erziehungsstile im Verlauf der Zeit. Ein historischer Überblick


Hausarbeit, 2015

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Einblick in die Geschichte der Erziehung

Die verschiedenen Erziehungsstile
Autokratischer Erziehungsstil
Autoritärer Erziehungsstil
Autoritativer Erziehungsstil
Demokratischer Erziehungsstil
Laissez-faire Erziehungsstil
Überbehüteter Erziehungsstil
Permissiver Erziehungsstil
Vernachlässigender Erziehungsstil

Darstellung verschiedener Formen der Erziehungsstilforschung

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wer sich intensiver mit der Thematik der Erziehung, die neben der Bildung die zweite Disziplin der Pädagogik darstellt, beschäftigt, der wird sich früher oder später u. a. mit Fragen wie: Was ist Erziehung überhaupt? Wie ist Erziehung entstanden? Welchen Zweck erfüllt Erziehung? Wer sind erziehende Personen? Worin unterscheiden sich die verschiedenen Erziehungsstile? auseinandersetzen.

Für ein besseres Verständnis des Themenschwerpunktes dieser Hausarbeit soll gleich zu Beginn die erste Frage beantwortet, sowie der Begriff Erziehungsstil näher erläutert werden.

So kann der Erziehungsbegriff z. B. als eine intentionale Anwendung von Gedanken, welche jene inneren Zustände, die das Handeln von Personen steuern, gemäß inhaltlich festgelegter Grundsätze beeinflussen soll, ausgelegt werden (vgl. Prange 2009, S. 209). Eine andere Begriffserklärung bezeichnet Erziehung dagegen als eine signitive Wechselbeziehung zwischen Handlungspartnern, deren Sinn die Weitergabe von, für das gesellschaftliche Miteinander relevantem, Wissen ist (vgl. Koller 2014, S. 61). Demnach möchte, laut der ersten, von Wolfgang Brezinka stammenden Interpretation, durch Erziehung auf der psychischen Ebene etwas Definites erreicht werden, bspw. dass der Edukand eine wertneutrale Haltung erhält, im Gegensatz dazu wird bei der zweiten, auf der von Friedrich W. Krons Überlegungen basierenden, Erziehung als Mittel beschrieben, durch das zwar bestimmtes Wissen bereitgestellt, bspw. dass es für ein und dasselbe Ziel verschiedene Lösungswege gibt, aber es in letzter Instanz dem Edukanden überlassen wird, wie er dieses für sich verarbeitet (vgl. Koller 2014, S. 66).

Unabhängig von den divergierenden Auffassungen, wie der Erziehungsbegriff zu verstehen ist, können im Bereich der Materie Erziehung unterschiedliche Erziehungsstile voneinander differenziert werden. Sie präzisieren jeweils, zum einen, welche bestimmten Wertvorstellungen bei der Erziehung eminent sind, zum anderen, wie konsequent diese weiterzugeben versucht werden. Sie setzten sich ergo aus dem bewussten und unbewussten Handeln der erziehenden Person zusammen. D. h. außer, dass die Erzieherin die Ziele, die sie durch die Erziehung erreichen möchte, festlegen und zu verfolgen versuchen muss, sie diese im Rahmen ihrer Möglichkeiten auch selbst praktizieren sollte (vgl. Fuhrer 2005, S. 236).

Unabhängig davon, dass die individuelle Erziehung ad hominem geschehen sollte, gibt es auch als allgemein erstrebenswert erachtete Erziehungsziele. In der über 2000 Jahre alten jüdisch-christlichen Kultur war das Gehorsam (vgl. Largo 2010, S. 47). Im 21. Jahrhundert gilt Autonomie als solch ein übergeordnetes Erziehungsziel. Schon vor etwa einem viertel Jahrtausend vertrat Kant die Überzeugung, dass nur eine autonome Person moralisch wertvoll handeln kann. Er zählt zu jenen Philosophen die Autonomie als Schlüssel für ein gutes Leben betrachteten. Damit dieses Ziel erreicht werden kann, muss dem Kind die Kompetenz des kritischen Denkens mediiert werden. Diese kann es erlangen, wenn ihm erstens: der Zugang zu einem umfangreichen Maße an Informationen ermöglicht wird, zweitens: es diese lernen und verinnerlichen kann, sowie drittens: ihm die Option gegeben wird sich mit verschiedenen religiösen und moralischen Ansichten, unter kontrollierbaren Bedingungen jedoch ohne Druck ausgesetzt zu sein, zu beschäftigen (vgl. Brighouse 2006, S. 14f, S. 23f).

Außerdem wird heutzutage die Förderung der Integrität des Kindes als Erziehungsziel in den Fokus genommen. Durch sie soll dem Kind ein mentales und sozial gesundes Aufwachsen gewährleistet werden (vgl. Juul & Jensen 2004, S. 41f). Integrität wird in diesem Kontext als Unversehrtheit oder Vollständigkeit eines Menschen, aber auch als:„[...] Fähigkeit zu selbstständigem, ehrlichem Handeln im Einklang mit den eigenen moralischen Prinzipien [...]“ (Jul & Jensen 2004, S. 42) definiert. Außer, dass die Bedeutung von Integrität folglich mit der des Autonomiebegriffs konvergiert, stehen die beiden Erziehungsziele so gesehen mindestens in Reziprozität zueinander. Denn nur eine integre Person ist kompetent dafür gänzlich autonom zu leben, und wenn ein Mensch integer sein möchte, braucht er die Möglichkeit, durchweg autonom handeln zu können.

Ebenso wie die verbleibenden anfangs gestellten Fragen, soll im Folgenden beantwortet werden, welche Erziehungsstile und Formen der Erziehungsstilforschung existieren, sowie abschließend hinterfragt werden, inwieweit Autonomie heutzutage realisierbar ist.

Einblick in die Geschichte der Erziehung

Erziehung in seiner ursprünglichen Form gibt es schon genau so lange wie Menschen, die sich um das Wohl ihrer Nachkommen kümmern, indem sie ihm aus Erfahrung und Erkenntnis gewonnene Richtlinien des Über- und Miteinanderlebens tradieren, ohne dabei Raum für Zweifel oder Kritik zu lassen. In der griechischen Antike zwischen 800 und 300 v. Chr. hat sich das Verständnis von Erziehung weiterentwickelt und der Zögling wurde weniger als ein Nachahmer bestimmter Verhaltensweisen, als eine Person verstanden, die von einem Edukator gezielt unterstützt werden sollte, durch Selbsttätigkeit die Vollendung seines Wesens zu erreichen.

Während diese individuelle Art der Erziehung lediglich dem Adel vorbehalten war, lehrten etwa 400 v. Chr. die Sophisten, die „Lehrer der Weisheit“ und eigentlichen Urheber der höheren Bildung sowie des höheren Schulwesens der weiteren 2000 Jahre, als Wanderlehrer, auch das Volk (vgl. Reble 2009, S. 28).

Sie wollten ihren Schülern dabei vor allen Dingen die Rhetorik näher bringen, da ihrer Ansicht nach kein objektives, sondern lediglich ein Recht des Stärkeren existiere, welches dieser durch seine Redekunst wahren könne (vgl. Waschkuhn 2003, S. 3f).

Nachdem die Sophisten durch die öffentliche Verbreitung von Wissen, Erziehung dafür eingesetzt haben zumindest teilweise gleichberechtigte Bildungschancen innerhalb der Gesellschaft zu ermöglichen, sorgte Sokrates im gleichen Zeitraum, mit dem Gedanken der Mensch solle sich von seinen bisherigen Bindungen befreien und künftig autonom den Verlauf seines Lebens bestimmen, für eine weitere Novellierung des Suppositums, inwieweit Erziehung, unabhängig von der sozialen Stellung, Einfluss auf das Leben des Individuums nehmen kann.

Sein Schüler Platon verfolgte dessen Gedankengut und erweiterte ihn durch das Postulat Erziehung solle verstaatlicht, sowie den Menschen in dem Umfang zugänglich gemacht werden, der benötigt wird, um sie für ihre jeweiligen Aufgaben zu befähigen.

Aristoteles, der von Platon unterrichtet wurde, betonte, dass diese Art der Hilfestellung jedoch nicht ohne die Einwilligung der zu lehrenden Person erfolgen solle, da die Gefahr bestünde, dass diese ansonsten nur oberflächlich bestmöglichst ausgebildet werden, und von ihrem inneren Lebenssinn abgelenkt werden würde.

Die Stoiker hingegen waren der Meinung, dass genau dies nicht der Zweck von Erziehung sein sollte. Sie wollten den von der Natur getrennten Menschen durch Erziehung umkehren und ihn vordergründig davor bewahren, dass er aufgrund oktroyierter Bedürfnisse sein selbstständiges Denken oder seine Urteilskraft aufgibt. Eine Umkehrung konnte ihnen zufolge nur erreicht werden, insofern der Mensch sich von seinen Leidenschaften befreien konnte, und in der Lage war sich vor negativen Einflüssen jeglicher Art zu schützen.

Neben der Antike des alten Griechenlands hat auch das Christentum das heutige Verständnis von Erziehung maßgeblich mitbestimmt. Hervorzuheben ist, dass der Mensch hier ganzheitlich mit Körper und Seele wahrgenommen und analog zu den Stoikern davon ausgegangen wird, dass der Mensch einer Umkehrung bedarf. Allerdings ist diese bei den Christen nicht wegen der verderblichen Umwelt, sondern generell von Nöten, da der Mensch bereits durch seine Geburt eine Untat begangen hat. Der Christ Augustinus beschreibt Erziehung als Selbstgestaltung durch Einsicht, Wahl und Entscheidung, wobei die Lehrperson bei dieser Theorie in erster Linie durch, den jedem Menschen innewohnenden, Christus versinnbildlicht wird (vgl. Böhm 2010, S. 11f, S. 20, S. 26ff, S. 31ff).

Im Mittelalter wurde nun versucht, die erzieherischen Elemente der griechischen Antike mit denen des Christentums zu vereinen. Während die schulische Bildung dazu dienen sollte, für die Berufswelt auszubilden, war die kirchliche Bildung für die Findung der göttlichen Ruhe in der Seelenwelt zuständig. Als Ziel galt es ein ergebenes, gläubiges, christlich vollkommenes, aktives Mitglied der religiös-kirchlichen Gemeinde zu schaffen und dieses auf das Gottesreich vorzubereiten (vgl. Reble 2009, S. 59ff). Die Aussage: „Zum Menschen wird man nicht durch Geburt, sondern durch Erziehung und Bildung.“, von Erasmus von Rotterdam fasst lapidar die Quintessenz des Anspruchs, den man im Zeitalter der Renaissance an Erziehung stellte, in einem Satz zusammen. In anderen Worten formuliert sollte sie, ähnlich der Idee der Erlösung durch Christus, die „Neuwerdung“ einer Person realisieren. In der Praxis hieß das, dass Erziehung sie auf rhetorischem und enzyklopädischem Weg „[...] durch Beispiele, Bilder, Erfahrungen gelebten Lebens und durch den argumentativen Dialog zu vernünftigem und freiem Handeln führen [...]“ sollte.

Der schweizerische Reformator Ulrich Zwingli schrieb der Erziehung stattdessen eine funktionale Bedeutung zu. Durch seine Feststellung: alle erziehen allezeit alle, relativierte er eine Äußerung von Martin Luther, laut der die Intention jemanden erziehen zu wollen ein Ausdruck von Dünkelhaftigkeit sei. Für solch ein Weltbild wie Luther es besaß, könnten Menschen wie der Pastor August Hermann Francke, der die Einstellung hatte, Kinder und Jugendliche sollten ununterbrochen beaufsichtigt sowie von jeglicher Untätigkeit, zu der ihm nach u. a. auch Spiele, Musik und Theater zählten, abgehalten werden, verantwortlich gemacht werden (vgl. Böhm 2010, S. 45ff). Dessen Ruf nach Monitoring wurde erhört und im deutschsprachigen Raum zeitnah, durch die Etablierung von Elementarschulen, obgleich nur in dem Zeitraum, in welchen sich die zu Erziehenden in den Schulen befanden, auch durchgeführt.

[...]

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Details

Titel
Erziehungsstile im Verlauf der Zeit. Ein historischer Überblick
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Theoretische und begriffliche Grundlagen der Erziehungswissenschaft, ihre Teildisziplinen und Handlungsfelder
Autor
Jahr
2015
Seiten
17
Katalognummer
V318343
ISBN (eBook)
9783668174962
ISBN (Buch)
9783668174979
Dateigröße
392 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erziehung, Geschichte der Erziehung, Erziehungsstile, Formen der Erziehungsstilforschung
Arbeit zitieren
Jana Bauer (Autor), 2015, Erziehungsstile im Verlauf der Zeit. Ein historischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318343

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