Intelligent Design contra Darwins Evolutionstheorie. „Darwins gefährliches Erbe“ von Daniel Dennett


Hausarbeit, 2007

8 Seiten, Note: 2,5

Anonym


Leseprobe

2
Einf
ü
hrung
Nachdem auch in den Medien angeregt durch die hessische Kulturministerin Karin Wolff die
Diskussion darüber entfacht ist, ob im Biologieunterricht neben der Evolutionstheorie von
Charles Darwin auch die Schöpfungsgeschichte über die Entstehung des Lebens aus der Bibel
unterrichtet werden soll oder nicht, dachte ich, dass diese Debatte sich als Thema sehr gut für
meine Hausarbeit eignen würde.
Ausgehend von dem Buch ,,Darwins gefährliches Erbe"
1
, das von dem amerikanischen Philo-
sophen und Wissenschaftstheoretiker, Daniel Dennett, geschrieben wurde, befasse ich mich mit
der Frage, ob Gott durch den Darwinismus überflüssig wird oder nicht. Ferner widme ich meine
Aufmerksamkeit der schon seit langer Zeit geführten Debatte über die Entstehung des Lebens
­ ob durch einen intelligenten Designer oder durch die natürliche Selektion.
Zum Schluss werde ich dem Leser zusammenfassend meine eigene Meinung präsentieren.
I. Intelligent Design
Intelligent Design (ID) wird von manchen als Alternative zur Evolutionstheorie, bei der das
Leben auf der Erde durch die schöpferische Kraft eines intelligenten Akteurs entstanden ist,
verstanden.
Glaubt man den Umfragen der Zeitschrift DER SPIEGEL,
2
gehen 120 Millionen Einwohner in
den USA davon aus, dass ein höheres Wesen oder Gott in irgendeiner Weise an der Erschaffung
des Menschen beteiligt gewesen ist. Nach Angaben des Kasseler Evolutionsbiologen Ulrich
Kutschera bekennen sich hierzulande 1,3 Millionen Menschen zu einem übermenschlichen
Schöpfer
3
. Diese Zahlen mögen das Nachdenken darüber, ob Intelligent Design tatsächlich als
Alternative zur Evolutionstheorie zu betrachten ist, rechtfertigen. Dieser Frage soll im Folgen-
den nachgegangen werden.
Die Befürworter der ID-Theorie sind einerseits bemüht, mit zweckdienlichen Argumenten plau-
sibel darzulegen, inwiefern es notwendig erscheint, einen intelligenten Designer als Ursprung
1
Vgl. Dennett, Daniel C.: Darwins gefährliches Erbe. Die Evolution und der Sinn des Lebens. 1. Aufl.
Hamburg: Hoffmann und Campe, 1997
2
Vgl. SPIEGEL ONLINE: http:// www.spiegel.de/wissenschaft/m
...
.391542,00.html (Interview vom 26.
Dezember 2005 / Stand: 18. September 2007)
3
Vgl. WIRTSCHAFTSWOCHE, Nr. 32 / 06. August 2007, S. 77

3
des Lebens anzunehmen. Andererseits suchen sie Widersprüche im Darwinschen evolutionären
Weltbild, um dadurch ihre eigene Theorie zu stützen. Im Rahmen der Beweisführung pro Exis-
tenz einer außerweltlichen Intelligenz wird auf verschiedene Merkmale aufmerksam gemacht,
die den Schluss auf einen intelligenten Designer implizieren sollen.
Im Großen und Ganzen beschränken sich die Hauptargumente auf zwei Argumentationsstränge:
Zum einen bestreiten ID-Theoretiker, wie z. B. der Mathematiker William Dembski, einer der
bekanntesten ID-Befürworter, dass derartig komplexe Wesen, wie der Mensch, durch eine
Reihe von zufälligen Mutations- und Selektionsprozessen entstanden sein können. Begründend
wird angeführt, dass bei solch komplexen Lebewesen, wie sie existieren, davon ausgegangen
werden muss, dass nur eine Intelligenz fähig ist, diese zu kreieren. Untermauert wird dieses
Argument mit einem Vergleich zwischen einem materiellen, aber ebenfalls komplexen Artefakt
und dem Lebewesen. Ebenso wie nicht bezweifelt werden kann, dass z. B. eine Uhr von einem
intelligenten Lebewesen geschaffen worden ist, müsse angenommen werden, dass etwas weit-
aus Komplexeres, nämlich ein Lebewesen wie der Mensch, ebenfalls von einem intelligenten
Wesen geschaffen worden sein müsse.
Das Argument der spezifizierten Komplexität, oder auch komplex-spezifizierte Information
(CSI) soll erklären, dass eine komplexe Form nur mit sehr geringer Wahrscheinlichkeit durch
Zufall entstehen kann. Jedes Wesen zeigt demnach spezifisch komplexe Muster, welche nur auf
einen intelligenten Designer schließen lassen können. Zur Stärkung dieses Arguments unter-
nimmt Dembski Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die eine Evolution ausschließen.
Das zweite Argument pro ID ist die so genannte nichtreduzierbare Komplexität von Systemen,
die einer der führenden ID-Theoretiker, Prof. Michael Behe, in die Diskussion einführte. Dem-
nach setzt sich ein komplexes System aus mehreren zusammenwirkenden Teilen zusammen,
die jedes für sich zu einer Basisfunktion des Systems beitragen. Fällt nur ein Teil des Systems
aus oder hört auf zu funktionieren, ist das gesamte System gestört.
Dieses Argument soll zum einen den Ursprung von Leben explizieren, zum andern vor allem
Darwin widerlegen. Den Ursprung des Lebens durch einen intelligenten Akteur meint dieses
Argument zu beweisen, denn dieser ist der einzige, der komplexe Systeme in ihrer Vollkom-
menheit schaffen kann.
Wichtiger scheint aber an diesem Argument, die scheinbare Widerlegung der Evolution: Denn,
wenn es sich gemeinschaftlich organisierende Systeme gibt, deren Funktion beim Ausfallen
eines Teiles ganzheitlich gestört wird, scheint es unmöglich, dass durch Evolution, also durch

4
die natürliche Selektion, allmählich ein komplexes System entstanden sein kann. Eine Entwick-
lung im Sinne der Evolution müsse ausgeschlossen werden, da sich nicht funktionierende, also
funktionslose Systeme nicht evolutionär weiterentwickeln könnten.
II. Dennetts Gegenthese
Was setzt Daniel Dennett in seinem oben genannten Buch dieser Argumentation entgegen? Im
siebten Kapitel geht er genau auf dieses Thema ein. Er verweist auf Dentons Wahrscheinlich-
keitsrechnung und räumt ein, dass es bei der Entstehung der ersten Zelle wegen der Komplexität
dieser kein Zufall im Spiel gewesen sein kann.
4
Trotz dieses Eingeständnisses übernimmt Dennett die von ihm als spekulativ und umstritten
empfundene Theorie über die Gestaltungsarbeit der ersten DNA von Graham Cairns-Smith,
,,einfach weil an ihr die grundlegende darwinistische Vorgehensweise so hervorragend deutlich
wird."
5
Dieses Um-jeden-Preis-Zurechtlegen, das in einer sehr ausführlichen Beschreibung versucht,
die einzelnen Bausteine der DNA aneinander zu legen, endet damit, dass Dennett sich erneut
die immer noch unbeantwortete Frage, wie das Ganze angefangen hat, stellen muss.
6
Sowohl das Glücksturnier, bei dem die verschiedenen Bausteine ,,blind", d. h. ,,durch einen
historischen Zufall".
7
zum Sieger werden, als auch der Geschicklichkeitswettbewerb, bei dem
es um das Können geht, geben meiner Meinung nach keine aufschlussreiche Erklärung dafür,
wie aus den Proteinen und den damit gehörenden Nucleotidketten die ersten selbst verdoppeln-
den Pionierzellen ­ von Dennett Makros genannt ­ hervorgehen. Für mich stellt diese Theorie
nur eine der möglichen Annahmen, eine Art Gedankenexperiment, wie es dazu kommen
könnte, dar.
Dennett meint, dass alles von den algorithmischen Prozessen selbst in Gang kommt. Er beruft
sich auf die natürliche Selektion ­ einen geistlosen, mechanischen Vorgang, - den man angeb-
lich auch auf andere Gebiete wie z. B. Kultur und Moral anwenden kann. Genau darin liegt ja
4
Dennett
S. 208
5
Dennett
S. 215
6
Dennett
S. 219
7
Dennett
S. 219

5
Darwins gefährliches Erbe, dass alle Früchte der Evolution sich als algorithmische Produkte
erklären lassen, so Dennett.
Der amerikanische Biophilosoph bestreitet zwar die Existenz der Seele nicht, erklärt sie und
den Geist jedoch auf eine materialistische Art und Weise. So sagt er in einem Interview: ,,Yes,
we have a soul, but it is made up of lots of tiny robots".
8
Die Menschen betrachtet er als Summe von Makros: ,,Sie stammen nicht nur von Makros ab,
sondern Sie bestehen auch daraus."
9
Welche Rolle, wenn überhaupt, räumt Dennett Gott ein? Am Beispiel eines Life-Spiels analo-
gisiert er das Leben und macht deutlich, dass Gott der Schöpfer sich zuerst in Gott den Gesetz-
geber und dann in Gott den Gesetzfinder verwandelt.
10
In seinem Interview fügt er allerdings
hinzu, dass Gott sogar diese Rolle aberkannt wird, er ist ,,just the master of ceremonies".
11
III. Die Auseinandersetzung
Noch ein Argument pro Intelligent Design spricht der so genannte ,,Ökophilosoph" und der
persönliche Berater von Papst Benedikt dem XVI., Robert Spaemann, in seinem Interview
,,Fantastische Annahmen"
12
an. Er ist der Meinung, dass die in der Evolutionsgeschichte statt-
gefundenen Sprünge ­ von Biologen Fulgurationen oder Emergenzen genannt - mit Darwins
Lehre von richtungsloser Mutation und der natürlichen Selektion allein nicht erklärbar sind. Zu
diesen Sprüngen gehören unter anderem das zielgerichtete Handeln, das Auftauchen von Be-
wusstsein oder von Sprache.
Auch Dennett beschäftigt sich mit diesen Fragen und ist davon überzeugt, dass all die, die sich
in solchen Fällen nach einem Himmelshaken ­ so etwas wie einer göttlichen Vorsehung ­ seh-
nen, einen sehr großen Fehler begehen.
8
Vgl. SPIEGEL ONLINE: http:// www.spiegel.de/wissenschaft/m...391542,00.html (Interview vom 26.
Dezember 2005 / Stand: 18. September 2007)
9
Dennett
S. 283
1
0
Dennett
S. 242
1
1
Vgl
.
SPIEGEL ONLINE: http:// www.spiegel.de/wissenschaft/m...391542,00.html (Interview vom 26.
Dezember 2005 / Stand: 18. September 2007)
1
2
Vgl. WIRTSCHAFTSWOCHE, Nr. 32 / 06. August 2007, S. 79
Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Intelligent Design contra Darwins Evolutionstheorie. „Darwins gefährliches Erbe“ von Daniel Dennett
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Philosophie)
Veranstaltung
Daniel Dennett: „Darwin’s Dangerous Idea“
Note
2,5
Jahr
2007
Seiten
8
Katalognummer
V318370
ISBN (eBook)
9783668198746
ISBN (Buch)
9783668198753
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
intelligent, design, darwins, evolutionstheorie, erbe, daniel, dennett
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Intelligent Design contra Darwins Evolutionstheorie. „Darwins gefährliches Erbe“ von Daniel Dennett, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318370

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