Die Darstellung des kategorischen Imperativs Immanuel Kants


Seminararbeit, 2004
23 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Immanuel Kant

2 Die kritische Methode Kants
2.1 Idee einer "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten"

3 Die Ableitung des kategorischen Imperativs
3.1 Der gute Wille
3.2 Pflicht
3.3 Achtung
3.4 Suche nach dem Sittengesetz
3.4.1 Hypothetische Imperative
3.4.1.1 Imperative der Geschicklichkeit
3.4.1.2 Imperative der Klugheit
3.4.2 Kategorische Imperative

4 Der kategorische Imperativ
4.1 Das erste Prinzip: Erste und zweite Formel des kategorischen Imperativs
4.1.1 Vollkommene und unvollkommene Pflichten
4.2 Das zweite Prinzip: Dritte Formel des kategorischen Imperativs
4.3 Das dritte Prinzip: Vierte und fünfte Formel des kategorischen Imperativs
4.3.1 Das Reich der Zwecke
4.3.2 Relativer und Innerer Wert einer Handlung
4.4 Verschiedenheit der drei Prinzipien und Praxisbezug

Schluss

Quelle

Literatur

Einleitung

In dieser Hausarbeit wird der kategorische Imperativ Immanuel Kants, wie er in seiner Schrift „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ beschrieben wird, dargestellt. Dazu wird zunächst zum besseren Verständnis um die Person Immanuel Kant sein Lebenslauf kurz skizziert und auf seine veröffentlichten Werke verwiesen.

Im Fokus wird die konzeptionelle Verfassung des kategorischen Imperativs stehen, weshalb zunächst die kritische Methode Kants erläutert wird, die einen wichtigen Aspekt im Verstehenskontext zum Gesamtwerk Kants darstellt, um im weiteren Verlauf über die Darstellung und Bedeutung des Guten Willens, der Pflicht und die Achtung im Werk einzugehen. Auf die beiden möglichen Formen des Imperativs wird eingegangen und im Anschluss werden die fünf Formeln des kategorischen Imperativs im einzelnen konkret dargestellt. Zum Teil durch Beispiele und auch durch Kant-Zitate soll der Sinnzusammenhang transparent gemacht werden. Es soll gezeigt werden, wie Kant den kategorischen Imperativ zur Überprüfung auf einen möglichen sittlichen Gehalt von Handlungen angewendet sehen will. Diese Arbeit zeigt die Herleitung, Darstellung und Interpretation des kategorischen Imperativs gemäß seiner fünf Formeln.

Diese Hausarbeit wurde unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Birnbacher im Wintersemester 2003/2004 erstellt. Als Textgrundlage wurde hauptsächlich das Buch „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, nach der Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Berlin 1902 ff.), herangezogen.

1 Immanuel Kant

Immanuel Kant wird am 22. April 1724 im ostpreußischen Königsberg geboren[1], wo er auch am 12. Februar 1804 stirbt. Seine Eltern Anna Regina Reuter und der Sattlermeister Johann George Kant taufen ihn auf den Namen Emanuel, der später aber von ihm selbst auf Immanuel geändert wird. Er ist das vierte in der Reihe von insgesamt 12 Kindern[2]. Seine Jugend verbringt er in einer strenggläubigen Umgebung, die dem Luthertum zuzurechnen ist. 1732 wird Kant auf dem Gymnasium Collegium Fridericanum eingeschult, wo ihm eine strenge, pietistische[3] Erziehung zuteil wird, die bis 1740, das Jahr seiner Entlassung, andauert[4]. Im gleichen Jahr wird Kant Student an der Universität in Königsberg und studiert zunächst Theologie, dann aber schon bald Naturwissenschaft, Mathematik und Philosophie[5] (letzteres beim Wolff-Schüler Knutzen).

Am 17. April 1755 promoviert er zum Doktor der Philosophie mit einer naturwissenschaftlichen Abhandlung „über das Feuer“ und habilitiert am 27. September mit der Arbeit „Eine neue Beleuchtung der ersten Prinzipien der metaphysischen Erkenntnis“[6]. In den darauf folgenden 15 Jahren ist er als Hauslehrer, Unter-Bibliothekar und Schriftsteller tätig. Kant bewirbt sich in dieser Zeit mehrmals vergeblich um eine Professur an der Königsberger Universität. Er hegt die Hoffnung, doch eines Tages dort eine Anstellung zu bekommen, weshalb er auch Angebote bezüglich einer Professur aus Erlangen und Jena ausschlägt. Im Jahre 1770 schließlich wird seine Geduld belohnt und er erhält eine ordentliche Professur für Logik und Metaphysik an der Königsberger Universität. Neben Philosophie lehrt er zudem erfolgreich in Geographie und philosophisch-psychologischer Anthropologie.

Kant verlässt seine Heimatstadt Königsberg nur allzu selten, die Provinz Königsberg zu Lebzeiten niemals. Seine Kenntnisse schöpft Kant aus intensiver Lektüre und genauester Beobachtungsgabe über Inhalt und Hintergründe der Werke. Die Schriften von Hume und Rousseau wirken nachhaltig auf seine Denkweise. Kant bleibt unverheiratet, pflegt doch aber einen regen geselligen Verkehr mit zahlreichen Personen aus verschiedenen Kreisen, vor allem aber aus dem Umfeld der Universität. Kants zunehmende kritische Haltung zur Religion, die in der Veröffentlichung des Werkes „Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ gipfelt, stößt beim Preußenkönig Friedrich Wilhelm II. auf wenig Gegenliebe. So wird Kant 1794 durch eine königliche Kabinettsorder wegen „Einstellung und Herabwürdigung mancher Haupt- und Grundlehren der Heiligen Schrift und des Christentums“ verwarnt[7]. Kant will provozieren, riskiert aber mit seinen Äußerungen diesbezüglich in dieser Zeit seinen Lehrstuhl.

Er schafft mit seinen Werken die Voraussetzung für den Deutschen Idealismus und ist zudem Begründer des Kritizismus und der Transzendentalphilosophie. Man unterscheidet gemeinhin den „vorkritischen“ vom „kritischen“ Kant[8].

Nachfolgende Werke werden der vorkritischen Periode zugerechnet:[9]

1. Allgemeine Naturgeschichte und Theorie des Himmels (1755)
2. Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes (1762)
3. Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen (1764)
4. Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik (1766)
5. De mundi sensibilis atque intelligibilis forma et principiis (1770)
Zu der kritischen Periode Kants zählt man hingegen folgende Werke:[10]
1. Kritik der reinen Vernunft (1781, umgearbeitete 2. Auflage 1787)
2. Prolegomena zu einer jeden künftigen Metaphysik, die als Wissenschaft wird auftreten können (1783)
3. Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785)
4. Metaphysische Anfangsgründe der Naturwissenschaft (1786)
5. Kritik der praktischen Vernunft (1788)
6. Kritik der Urteilskraft (1790)
7. Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (1793)
8. Zum ewigen Frieden (1795)
9. Metaphysik der Sitten (1797)
10. Der Streit der Fakultäten (1798)

Weitere Veröffentlichungen Kants aus der nachkritischen Zeit:[11]

- Veröffentlichungen über Logik, Pädagogik, Physische Geographie, pragmatische Anthropologie (Charakterologie)
- Opus Postumum (erst 1938 veröffentlicht)

In der vorkritischen Zeit hält Kant an der Wissenschaft und Philosophie der Aufklärung fest. Die Schriften und Lehren von Newton, Leibniz, Wolff beeinflussen ihn sehr, stehen sie doch für die rationalistische Denkweise. Nicht zuletzt durch Rousseau lernt er zwar die irrationale Seite der Philosophie kennen und schätzen, bleibt aber doch vornehmlich in seinen Schriften der rationalistischen Auffassung treu[12].

Kant erlebt seine Kopernikanische Wende, als die Lehre David Humes über den Kausalsatz[13] ihn aus seinen dogmatischen Schlummer befreit[14]. Die Wandlung zum kritischen Kant mündet schließlich mit der Veröffentlichung der „Kritik der reinen Vernunft“ im Jahre 1781.

2 Die kritische Methode Kants

Schon in seiner Schrift „Kritik der reinen Vernunft“ von 1781 lautet die zentrale Frage Kants: „Wie ist menschliche Erkenntnis möglich?“. Die Kritik Kants bezieht sich in diesem Zusammenhang nur auf das reine Erkenntnisvermögen des Menschen, ein Vermögen, das auf jedwede empirische Erfahrung verzichtet. (In seiner „Kritik der praktischen Vernunft“ von 1788 schließlich stellt er die Frage, ob reine Vernunft nun zur Bestimmung des Willens ausreiche oder ob nur eine empirisch-bedingte Vernunft dies leisten könne). In seiner Vorrede zur "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" geht Kant auf zwei Formen der Vernunfterkenntnis ein. Die materiale Vernunfterkenntnis betrachtet irgendein Objekt, während die formale sich bloß mit den Formen des Verstandes beschäftigt. So fordert er eine reine Philosophie, eine Metaphysik der Sitten, welche die Prinzipien a priori erkennt. Er ist der Meinung, dass die Verbindlichkeit einer Moral in der reinen Vernunft zu suchen ist und nicht in der bloß zufälligen Natur des Menschen, nicht in irgend etwas, das empirisch ist.

So ist er in der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" der Ansicht, dass moralische Vernunfterkenntnis ihre Wurzeln a priori hat und wendet zur genaueren Untersuchung seiner These eine Methode an, die mehrere Ebenen der moralischen Vernunfterkenntnis zu unterscheiden versucht[15]. Es ist eine Methode, von der er annimmt , “...dass sie die schicklichste sei, wenn man vom gemeinen Erkenntnisse zur Bestimmung des obersten Princips desselben analytisch und wiederum zurück von der Prüfung dieses Princips und den Quellen desselben zur gemeinsamen Erkenntnis, darin sein Gebrauch angetroffen wird, synthetisch den Weg nehmen will“ [16] .

So gestaltet sich sein Werk in einen analytischen und einen begründenden Teil. Im analytischen Teil, wozu Kant den ersten („Übergang von der gemeinen sittlichen Vernunfterkenntnis zur philosophischen“) als auch den zweiten Abschnitt („Übergang von der populären Moralphilosophie zur Metaphysik der Sitten“) des Werks zählt[17], beschäftigt er sich mit den Begriffen der Sittlichkeit und deren Bedeutung. Es geht in dieser Phase noch nicht um die Frage, ob es moralische Gesetze gibt, die für uns Bedeutung haben können, sondern vielmehr darum, wie Moral inhaltlich beschaffen sein sollte[18]. Es geht ihm in dieser Phase um die „[...] Aufsuchung und Festsetzung des obersten Princips der Moralität [...]“ [19] . Im dritten Abschnitt der "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" schließlich wird von Kant die Möglichkeit und Wahrheit der in den beiden vorangegangenen Abschnitten behandelten Begriffe der Moral erörtert. Er unternimmt in diesem bedeutungstheoretischen Teil den Versuch einer Festsetzung des kategorischen Imperativs[20]. Er will zeigen, warum wir moralisch handeln sollen, wenn wir moralisch handeln können. Insofern ist der dritte Teil des Werks als synthetisch anzusehen, als der kategorische Imperativ als ein synthetischer Satz a priori verstanden wird.

Kants Methode liegt schließlich darin, verschiedene Ebenen der Vernunfterkenntnis, beginnend von der gemeinen, sittlichen, zu unterscheiden und innerhalb dieser Ebenen zunächst die Begriffe der Moral zu zergliedern um letztendlich darauf aufbauend zu erklären, warum wir moralisch handeln sollen.

[...]


[1] Vgl. Vorländer, Karl, „Immanuel Kant. Der Mann und das Werk“, Fourier Verlag, Wiesbaden 2003, S. 16.

[2] Vgl. Schischkoff, Georgi, „Philosophisches Wörterbuch“, 22. Auflage, Alfred Körner Verlag, Stuttgart 1991, S. 368.

[3] Pietismus: protestantische Glaubensbewegung. »[Man misstraut] dem Wissen und setzt dafür auf das Herz, das Gemüt, den inneren Menschen, die Gnade und sieht nur darin die echte Religion«.Siehe: Hirschberger, Johann, „Geschichte der Philosophie“, Band II, Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 1980, S. 258.

[4] Vgl. Vorländer, Karl, S. 32.

[5] Vgl. Friedlein, Curt, „Geschichte der Philosophie“, Erich Schmidt Verlag, Berlin 1992, S. 223.

[6] Vgl. Vorländer, Karl, S. 75 f.

[7] Vgl. Schischkoff, Georgi, S. 368.

[8] Ebda.

[9] Vgl. Friedlein, Curt, S. 223 f.

[10] Ebda.

[11] Vgl. Schischkoff, Georgi, S. 368.

[12] Vgl. Hirschberger, Johann, S. 271.

[13] „Es ist keine Notwendigkeit zu sehen, wenn zwei Geschehnisse mit der Relation Ursache – Wirkung verbunden werden. Nur aus dem Begriff einer Ursache kann die Wirkung nicht abgeleitet werden“. Vgl. Hirschberger, Johann, S. 232 f.

[14] Vgl. Hirschberger, Johann, S. 272.

[15] Vgl. Schönecker, Dieter und Wood, Allen W., „Kants »Grundlegung zur Metaphysik der Sitten« Ein einführender Kommentar“, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2002. S. 14.

[16] Kant, Immanuel, „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“, in: Toman, Rolf (Herausgeber), „Kritik der praktischen Vernunft und andere kritische Schriften“, Werke III, Könemann Verlagsgesellschaft, Köln 1995. (Text und Seitenzählung in dieser Ausgabe sind gemäß den gesammelten Schriften Kants verfasst, herausgegeben von der Preußischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 1902/10). S. 392. Auf dieses Werk wird in der Folge mit „Kant – GMS" und der Angabe der Seitenzahl verwiesen.

[17] Vgl. Kant - GMS, S. 445.

[18] Vgl. Schönecker, Dieter und Wood, Allen W., S. 12.

[19] Kant – GMS S. 392.

[20] Vgl. Schönecker, Dieter und Wood, Allen W., S. 12.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung des kategorischen Imperativs Immanuel Kants
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Philosophische Fakultät)
Veranstaltung
Vorlesung Ethik
Note
2,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
23
Katalognummer
V31840
ISBN (eBook)
9783638327329
ISBN (Buch)
9783638651479
Dateigröße
1680 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit zeigt die Herleitung, Darstellung und Interpretation des kategorischen Imperativs gemäß seiner fünf Formeln.[..] Als Textgrundlage wurde hauptsächlich das Buch 'Grundlegung zur Metaphysik der Sitten', nach der Ausgabe der Preußischen Akademie der Wissenschaften (Berlin 1902 ff.), herangezogen.
Schlagworte
Darstellung, Imperativs, Immanuel, Kants, Vorlesung, Ethik
Arbeit zitieren
B.A. Guido Üffing (Autor), 2004, Die Darstellung des kategorischen Imperativs Immanuel Kants, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31840

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