Die Amerikanisierung deutscher Wahlkampagnen


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Hinführung zur zentralen Fragestellung

2. Begriffe und Erklärungsansätze
2.1 Modernisierungstheorie
2.2 Diffusionstheorie

3. Indikatoren für Amerikanisierung
3.1 Personalisierung als amerikanische Wahlkampfstrategie
3.2 Professionalisierung der amerikanischen Wahlkampagnen
3.3 Mediatisierung von amerikanischen Wahlkampagnen

4. Der deutsche Bundestagswahlkampf 2002.
4.1 Personalisierung im deutschen Wahlkampf
4.2 Professionalisierung im deutschen Wahlkampf
4.3 Mediatisierung im deutschen Wahlkampf

5. Vergleich der Wahlkampfführung zwischen BRD und USA
5.1 Vergleich der Personalisierung
5.2 Vergleich der Professionalisierung
5.3 Vergleich der Mediatisierung

6. Fazit und Schlussbemerkung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Herausarbeitung der Fragestellung

Bereits seit mehr als einem Jahrzehnt sind in Deutschland stetige Veränderungen im Wahlkampfverhalten zu beobachten. Spätestens seit der Rekrutierung von Wahlkampfexperten (Spin Doctors) und der 2002 vorgenommenen Einführung des TV - Duells zwischen den Spitzenkandidaten der beiden stärksten Parteien, sieht man einen Umbruch in der Wahlkampfführung in Deutschland. Diese ist nicht nur auf Bundesebene zu beobachten, sondern auch innerhalb der Länder und der Kommunen. So machte aktuell CDU Generalsekretär Peter Tauber bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2015 unter Anderem „einen rein personalisierten Wahlkampf der SPD“1 für eines der schlechtesten Wahlergebnis der CDU in Hamburg verantwortlich. Anlässlich solcher Thematisierungen von Amerikanisierungsindizien durch die Parteien selbst, soll sich diese Hausarbeit mit dem Grad der Amerikanisierung des Deutschen Wahlkampfs befassen. Da die Bundestagswahlkämpfe wohl als die relevantesten Wahlkämpfe für die Parteien bezeichnet werden können, wird sich die Analyse auf die Bundestags-Wahlkampfkampagnen beschränken. Die Frage, die dieser Arbeit zu Grunde liegt lautet daher wie folgt:

Was versteht man unter dem Begriff der Amerikanisierung und in wie weit ist eine Tendenz der Amerikanisierung in deutschen Bundestagswahlkampagnen feststellbar?

Zur Bearbeitung dieser Frage wird zunächst die These der Amerikanisierung begrifflich erläutert, indem die in der Literatur gängigen Erklärungsmodelle kurz vorgestellt werden. Somit kann eine Anzahl an Indikatoren festgelegt werden, die charakteristisch für den amerikanischen Wahlkampf gelten. Daraufhin untersucht der Hauptteil der Arbeit die Ausprägung und das Auftreten dieser Indikatoren in deutschen Wahlkampagnen. Für einen angemessenen, aber dennoch repräsentativen Rahmen werden hierfür die Wahlkampagnen der beiden Spitzenkandidaten von CDU/ CSU und SPD für der Bundestagswahl im Jahr 2002 untersucht. Dieses Jahr ist in soweit relevant, da mit der Einführung des deutschen Ablegers des TV-Duells 2002 die Stimmen lauter wurden, die dem deutschen Wahlkampf eine immer stärker werdende Kopie des angeblich inhaltsarmen US-Wahlkampfes vorwerfen.2 USA und BRD sollen somit verglichen werden, um unterschiedliche Ausprägungen der Indikatoren im Wahlkampf aufzeigen zu können und somit den Grad einer möglichen Amerikanisierung einschätzen zu können. Die Arbeit endet mit der Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse und einer kritischen Beurteilung der anfangs dargestellten Erklärungsansätze unter der Berücksichtigung aller gewonnen Erkenntnisse.

2. Begriffe und Erklärungsansätze

Zur Klärung der Forschungsfrage ist zunächst eine theoretische Fundierung notwendig. Hierfür werden im folgenden die in der Literatur am stärksten diskutierten Erklärungsansätze vorgestellt. Die Veränderung des deutschen Wahlkampfs wird in der Literatur durch zwei gängige Modelle beschrieben: Die Modernisierungstheorie und die Amerikanisierungs- bzw. Diffusionstheorie.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Quelle: Plasser, Fritz (2003) S. 37

2.1 Die Modernisierungstheorie

Die Vertreter der Modernisierungstheorie gehen von einem fortschreitenden sozialen Wandel innerhalb einer Gesellschaft aus. Dieser erfordert somit eine stetige Weiterentwicklung der Wahlkampfstrategien der Parteien in einer sich ständig verändernden politischen Realität. Die Wahlkampfmethoden in den USA können als am weitesten Fortgeschritten angesehen werden. Modernisierungstheoretiker sehen jedoch die Angleichung des deutschen Wahlkampfs an den amerikanischen eher als „verzögerte Adaption an die gesellschaftlich-soziale Modernisierung und die erhöhte Bedeutung der Massenmedien“.3 Die USA sind somit eher als Pionier in einer global auftretenden Entwicklung zu verstehen. Auch das veränderte Wahlverhalten der Wähler in einer modernen Zeit sehen Modernisierungstheoretiker als Grund für die Art der Wahlkampfveränderung. Durch die immer stärker auftretende Loslösung von traditionellen Bindungen der Wähler an soziale Milieus, ist eine Steigung in der Anzahl der Wechselwähler zu beobachten. Die Gesellschaft spaltet sich stärker auf als früher und es entstehen Gruppen mit verschiedenem Wertmaßstab, die dann als politisch instabiler gelten.4 Peter Radunski beschreibt den modernen Wähler als unberechenbarer, wechselhafter, enthaltungsbereiter und emotionaler. Somit sind bei Wahlen Stimmungsschwankungen des Wählers von entscheidendem Einfluss auf das Wahlergebnis.5 Jedoch sind auch Parteien und Medien einem stetigen Wandel ausgesetzt, wobei sich die verschiedenen Akteure hier gegenseitig beeinflussen. Modernisierungstheoretiker sehen die Modernisierung der Wahlkämpfe in einer stetigen Modernisierungsbewegung in der Gesellschaft, der Politik, und den Medien, die durch eine ständige gegenseitige Beeinflussung geprägt ist. Im Gegensatz zur Amerikanisierungstheorie begründet die Modernisierungstheorie die Orientierung politischer Akteure an den amerikanischen Wahlkampf einfach durch die Vorreiterrolle der USA.6

2.2 Die Diffusionstheorie

Unter dem Begriff der Amerikanisierung wird von Vertretern der Diffusionstheorie grundsätzlich eine Tendenz zur Verwendung und Übernahme amerikanischer Wahlkampfmethoden verstanden. Fritz Plasser beschreibt den den Begriff der Amerikanisierung aus diffusionstheoretischer Sicht als einen einseitigen Konvergenzprozess. „Zentrale Parameter der Handlungslogik politischer Kommuni- kationsakteure in Westeuropa nähern sich aus dieser Sicht der kommunikativen Prozesslogik in den USA an. Das Ergebnis ist eine gerichtete (einseitige) Konvergenz zwischen amerikanischer und europäischer Wahlkommunikation, bei der unabhängig von institutionellen Restriktionen der politischen Wettbewerbssituation europäische Kommunikationsakteure zentrale Axiome und strategische Parameter der Handlungslogik US- Amerikanischer Akteure übernehmen.“7 Als Beispiel für diese Erklärung der Adaption von amerikanischen Strategien nennt er die Kommuni- kationsplanung an der Logik des Politischen Marketings.8 Neben dem Modell der Adaption beschreibt Plasser auch eine abgeschwächte Version der Übernahme von Wahlkampfmethoden. Beim sog. „Shopping Model“ werden lediglich einzelne Techniken oder Organisationsmethoden des amerikanischen Wahlkampfs importiert. Dies erfolgt jedoch unter Berücksichtigung von länderspezifischen Besonderheiten und an den politischen Wettbewerb des jeweiligen Staats angepasst.9

3. Indikatoren für Amerikanisierung

Im folgenden werden nun eine Reihe von Amerikanisierungsindikatoren festgelegt, anhand deren im nächsten Schritt der Wahlkampf in Deutschland auf den Grad der Amerikanisierung geprüft werden soll. In der Politikwissenschaft wurden mehr oder weniger drei wesentliche Indikatoren für Amerikanisierung festgelegt, die in der Vergangenheit in in starker Ausprägung beobachtbar waren. Diese umfassen sowohl organisatorische Elemente als auch jene auf kommunikativer Ebene. Die zentralen Elemente des amerikanischen Wahlkampfs sind vor allem durch Personalisierung Professionalisierung und Mediatisierung gekennzeichnet.10

3.1 Personalisierung als amerikanische Wahlkampfstrategie

Beim Prinzip der Personalisierung wird besonders die Stellung des Spitzenkandidats einer Partei hervorgehoben. Der Wahlkampf wird speziell auf diese in der Öffentlichkeit besonders beliebte Person zugeschnitten, so dass die Partei hierbei verstärkt in den Hintergrund rückt. In Amerika ist das Prinzip der Personalisierung spätestens seit den achtziger Jahren mit Ronald Reagan Usus in der Wahlkampfpolitik. Es ergeben sich aber auch neue Anforderungen an die Politiker, da sie durch Personalisierungsstrategien permanent in der Öffentlichkeit stehen.

[...]


1 http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-62907.html, min. 01:40

2 vgl. http://journalistik-journal.lookingintomedia.com/?p=151 3

3 Kuhn, Yvonne (2007): Professionalisierung deutscher Wahlkämpfe?: Wahlkampagnen seit 1953. Hamburg: Springer- Verlag S. 7

4 vgl. Holtz-Bacha, Christina (2002): Massenmedien und Wahlen: Die Professionalisierung der Kampagnen. Aus Politik und Zeitgeschichte: B15±16/2002 S. 26

5 vgl. Radunski, Peter (1996): Politisches Kommunikationsmanagement. Die Amerikanisierung der Wahlkämpfe. In: Bertelsmann Stiftung (Hrsg.): Politik überzeugend vermitteln. Wahlkampfstrategien in Deutschland und den USA. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, S. 35

6 vgl. Donges, Patrick (2002): Amerikanisierung, Professionalisierung, Modernisierung? In: Klaus Kamps (Hrsg.): Trans-Atlantik - Trans-Portabel? Die Amerikanisierungsthese in der politischen Kommunikation. Wiesbaden: VS- Verlag für Sozialwissenschaften, S. 36

7 Plasser, Fritz (2000): Amerikanisierung der Wahlkommunikation in Westeuropa: Diskussions- und Forschungsstand. Wiesbaden: VS- Verlag für Sozialwissenschaften, S. 50.

8 vgl. ebd. S. 50

9 vgl. Plasser Fritz/ Scheucher, Christian (1999): Is There a European Style of Political Marketing? In: Bruce I. Newman (Hrsg.): Handbook of Senft, Christian political Marketing: Thousand Oaks, S. 105

10 vgl. Jarren, Ottfried/ Donges, Patrick (2011): Politische Kommunikation in der Mediengesellschaft: Eine Einführung. Wiesbaden, VS- Verlag S. 224 ff.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Die Amerikanisierung deutscher Wahlkampagnen
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg  (Politikwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die politische Soziologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V318424
ISBN (eBook)
9783668176959
ISBN (Buch)
9783668176966
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlkampagne, Amerikanisierung, personalisierung
Arbeit zitieren
Lukas Metzler (Autor), 2015, Die Amerikanisierung deutscher Wahlkampagnen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318424

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