Die ökonomische Bedeutung von Private Equity in Deutschland


Bachelorarbeit, 2009

40 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziele der Arbeit
1.3 Vorgehen

2. Theoretische Fundierung
2.1 Begriffserklärung
2.2 Formen von Private Equity
2.3 Besonderheiten
2.4 Ökonomische Erklärungsansätze für die Existenz von Private Equity

3. Geschichte und Entwicklung von Private Equity
3.1 Internationale Anfänge
3.2 Entwicklung in Deutschland
3.3 Entwicklung des Marktes und der deutsche Markt im Vergleich

4. Der Beitrag von Private Equity zur deutschen Wirtschaft
4.1 Der Beitrag von Private Equity zur deutschen Wirtschaft anhand ausgesuchten Aspekten
4.1.1 Private Equity als Innovationsfinanzierung
4.1.2 Strukturwandel und technologischer Fortschritt
4.1.3 Der Beitrag von Private Equity zur Verbesserung der Arbeitswelt
4.2 Private Equity als Anlageklasse
4.2.1 Wie funktioniert Private Equity?
4.2.2 Wer investiert in Private Equity?
4.3 Risikofaktoren

5. Herausforderungen und Rahmenbedingungen der Private Equity Branche
5.1 Internationale Aspekte und Forderungen an die Branche
5.2 Imagerelevante Aspekte

6. Aktuelle Entwicklungen, Ausblick und Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Private Equity-Investitionen im Verhältnis zu dem jeweiligen BIP

Anhang 2: Der Private Equity-Finanzierungsprozess

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Der Private Equity-Kreislauf

Abbildung 2: Portfolioentwicklung in Deutschland 1979 - 2004

Abbildung 3: Entwicklung der Eigenkapitalquoten

Abbildung 4: Eigenkapitalquoten deutscher Unternehmen

Abbildung 5: Durchschnittliches Beschäftigungswachstum

Abbildung 6: Historischer Renditevergleich

Abbildung 7: Formen der Beteiligung

Abbildung 8: Investorengruppen

Abbildung 9: Ausfallwahrscheinlichkeit der Anlageformen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung

1.1 Problemstellung

Die Facetten der Investitions- und Finanzierungsinstrumente an den deutschen, erst recht an den internationalen - Märkten sind äußerst vielschichtig, ziehen teilweise sehr lange Entwicklungsphasen hinter sich her und sind heutzutage wenn überhaupt nur noch oberflächlich durchschaubar.

Diese Arbeit beschäftigt sich mit einem ganz bestimmten Teil dieser komplexen Verflechtung, mit einem deutlich jüngeren und wichtigen Baustein aus dem heutigen Kapitalmarkt - Private Equity. Dabei stellt die Untersuchung der ökonomischen Funktion von Private Equity und dessen Untergruppen den zentralen Schwerpunkt dar.

Das frei übersetzte „private Eigenkapital“ lässt (abgeleitet vom „Public Equity“) die Einordnung in die Finanzierungs- und Beteiligungsbranche am Kapitalmarkt bereits vermuten. Allerdings tragen häufige Verwechslungen bzw. Fehldeutungen Unterfor- men, wie z.B. mit Venture Capital gerade an den deutschen Märkten nicht zum besseren Verständnis bei. Ausgehend von dieser Problematik wird klar, warum die Öffentlichkeit die wirtschaftliche Bedeutung von Private Equity nur in geringerem Maße wahrnimmt. Und das, obwohl positive Effekte des Beteiligungsmarktes vor allem bei der Entwick- lung der Beschäftigung, Umsatz und Investitionen sowie bei der Summe des Steuerauf- kommens nicht von der Hand zu weisen sind. Die recht kurze Entwicklung in den deut- schen Märkten wurde anfangs zudem durch völlige Ablehnung gelähmt. Nachvollzieh- bar, bei der Tatsache, dass über dieses Prinzip der Eigenkapitalfinanzierung in Form von Beteiligungen, welche hauptsächlich durch die Diskussion der zu niedrigen Eigen- kapitalquoten in Deutschland entstand, auf keinerlei Erfahrungswerte zurück gegriffen werden konnte. In den Private Equity Pionieren, wie USA und Großbritannien, tauchte das Prinzip Private Equity und Venture Capital das erste Mal Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts auf und revolutionierte dort bereits kurze Zeit später den Beteiligungs- markt grundlegend. Dort wurde Private Equity zum wesentlichen Treiber der Wirt- schaft. Jedoch entwickelte sich diese Form der Beteiligung weltweit sehr unterschied- lich. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts setzte eine Institutionalisierung von Pri- vate Equity in allen entwickelten Ländern ein, womit auch circa 1965 die Entwicklung in Deutschland begann. Trotz dieser sehr jungen Entwicklung, gehört der deutsche Markt heute größenmäßig zur Spitzengruppe der Private Equity Märkte in Europa.

Aus den ersten Überlegungen, resultieren folgende Leitfragen:

- Wie und aus welchen Gründen war Private Equity so schnell von Bedeutung?
- Welche Anreize bewegt Investoren in Private Equity zu investieren?
- Woran lässt sich ein Einfluss auf die deutsche Wirtschaft messen?
- Wie beeinflussen deutsche Rahmenbedingungen die Private Equity-Branche?

1.2 Ziele der Arbeit

Ziel der Arbeit ist es einerseits herauszustellen, welche Auswirkungen Private Equity auf die deutsche Wirtschaft hat und andererseits zu beschreiben mit welchen Rahmen- bedingungen und Herausforderungen die Private Equity Branche konfrontiert wird. Da- von ausgehend wird anhand mehrerer Aspekte gezeigt, dass durch einen Kreislauf i.w.S alle beteiligten Akteure von diesem Beteiligungssystem profitieren können.

1.3 Vorgehen

Begonnen wird mit einer Begriffserklärung, die dazu dient, herauszustellen was Private Equity ist, woran es erkennt wird und in welchen Formen es am Beteiligungsmarkt auftreten kann. Des Weiteren werden die internationalen Anfänge der Private Equity Branche angerissen, um vor dessen Hintergrund die rasche Entwicklung im deutschen Markt zu verdeutlichen. Zudem wird darauf eingegangen, welche Vorteile Private Equity gegenüber herkömmlichen Finanzierungsmethoden hat, um dadurch Gründe für die Nutzung von Private Equity herauszustellen.

Der Kern der Arbeit widmet sich der Fragestellung welchen Beitrag die Private Equity Branche zur Entwicklung der deutschen Wirtschaft leistet. Dazu wird - bezugnehmend auf die finanzielle Komponente sowie Managementkomponente - ein möglicher Ein- fluss auf die Wirtschaft anhand von ausgesuchten Aspekten zunächst diskutiert und an- schließend ein Ergebnis mit verschiedenen Studien und Untersuchungen belegt. Der Unterschied zwischen Private Equity und Venture Capital wird in diesem Teil beson- ders deutlich. Des Weiteren wird in diesem Zusammenhang, nun auch aus Sicht der Investoren und Anleger, Private Equity als Anlageklasse vorgestellt, welche Möglich- keiten einer Beteiligung bestehen und welche Risikofaktoren in der Branche existieren und beachtet werden sollten.

Eine kurze Betrachtung von Rahmenbedingungen der Private Equity Branche, sowie eine Betrachtung aktueller Geschehnisse und Herausforderungen stellt den Abschluss der Arbeit dar.

2. Theoretische Fundierung

2.1 Begriffserklärung

Wie bereits erwähnt liegen international unterschiedliche Verwendungsmöglichkeiten der Begriffe Private Equity und Venture Capital vor. So werden im europäischen Raum Begriffe, wie Private Equity und Venture Capital als Synonym genutzt und oft als gleich dargestellt. Weltweit tendiert man zur Unterscheidung zwischen Venture Capital und Private Equity i.e.S als Untergruppen und Private Equity i.w.S als Überbegriff für diese Art von Beteiligung.1

Der Unterschied zwischen Venture Capital und Private Equity i.e.S liegt im Zeitpunkt der Investition. Während Private Equity, im deutschsprachigen Raum auch als privates Beteiligungskapital bezeichnet, im Schwerpunkt finanzielle Mittel hauptsächlich an etablierte Unternehmen vergibt2, setzt Venture Capital viel früher an. Der Innovations- grad und das Wachstumspotential der oft sehr jungen Unternehmen sind dabei maßgeb- liche Einflussfaktoren auf den Risikofaktor der Beteiligung, der damit deutlich über dem der späteren Investition liegt. Es wird daher auch von Früh- bzw. Spätphasenfinan- zierungen gesprochen. Zielgruppe der Beteiligungsgesellschaften, die für die Vergabe dieser finanziellen Mittel verantwortlich sind, sind unabhängig vom Entwicklungsstand generell nicht börsennotierte Unternehmen. Daher auch die Bezeichnung „außerbörsli- ches Beteiligungskapital“, da der Investor einen Finanztitel (Eigenkapitaltitel oder ei- genkapitalähnlichen Titel) erwirbt, der nicht an organisierten Märkten (wie zum Bei- spiel die Börse) gehandelt wird.3 Die Investition, die nur einen Teil des „Private Equity- Kreislaufes“ darstellt, ist die Folge vom sogenannten Fundraising. Fundraising be- schreibt die unabdingbare Tätigkeit einer Beteiligungsgesellschaft, finanzielle Mittel bei verschiedenen Investoren einzusammeln und in Fonds zu bündeln.4 Ziel eines solchen Fonds ist der gewinnbringende Verkauf der Unternehmensbeteiligungen, wobei einzel- ne Beteiligungen einer üblichen Haltedauer von drei bis sieben Jahren unterliegen.

1 quity- reislauf5

Zusätzlich zu dem finanziellen Mehrwert, der durch die Beteiligungsgesellschaft generiert wird, bietet sich den Unternehmen ein Zusatznutzen in Form von Wissen, KnowHow und Netzwerken (Synergieeffekte, die sich das Unternehmen zu Nutze machen kann), der nicht nur den Marktwert und die Produktivität verbessert. Geldgeber (in der Regel institutionelle Investoren, die normalerweise kein strategisches Interesse am Unternehmen haben), sind typischerweise Banken, Versicherungen, Investment- und Pensionsfonds. Die ebenfalls mögliche Beteiligung von Privatpersonen wird im späteren Verlauf der Arbeit diskutiert.

2.2 Formen von Private Equity

Neben der bereits erläuterten Trennung zwischen Früh- und Spätphasenbeteiligung (auch als Early Stage und Later Stage bekannt) gibt es ein weiteres Kriterium zur Unter- scheidung von Venture Capital und Private Equity i.e.S. Anhand von Minder- bzw. Mehrheitsbeteiligungen lässt sich ebenfalls erkennen um welches Finanzierungsmodell es sich handelt. Venture-Capital-Gesellschaften beschränken sich häufig auf Minder- heitsbeteiligungen, um auf der einen Seite ihr eigenes (erhöhtes) Risiko zu minimieren und auf der anderen Seite eine intakte Anreizstruktur im Unternehmen zu erhalten.6 Um das sicher zu stellen, werden die insgesamt notwendigen Mittel auf mehrere Finanzie- rungsrunden (Stage Financing) verteilt. Das heißt, dass nicht alle Mittel sofort in das Unternehmen fließen, sondern in jeder Runde (Stage) bestimmte Zwischenziele be- stimmt und überprüft werden.

Bei Private Equity i.e.S fällt das Risiko aufgrund der Beteiligung mittels Eigen- oder Mezzaninekapital7 in vorrangig etablierte Unternehmen weitaus geringer aus, da der Risikofaktor besser kalkulierbar und der Unternehmenserfolg besser prognostizierbar ist. Da diese Ziel-Unternehmen in der Regel zudem auf anerkannte Produkte und ein bestehendes Management zurückgreifen können, streben Private Equity Gesellschaften eine Mehrheitsbeteiligung am erworbenen Unternehmen an - sogenannte Buyouts. Eine der Unterformen des Buyouts ist der Leveraged Buyout, der aus einem hohen Fremd- kapitaleinsatz resultiert, welcher wiederum nur bei diesem wesentlich geringeren Risiko zustande kommen kann. Weiterhin wird zwischen Management Buyouts (MBO, Über- nahme unter Beteiligung des vorhandenen Managements), Management Buyins (MBI, Übernahme unter Beteiligung eines externen Managements), Buyin Management Buy- outs (BIMBO, Kombination aus MBO und MBI) und Institutional Buyouts (IBO, Über- nahmen, bei denen lediglich Finanzinvestoren involviert sind) unterschieden.8

2.3 Besonderheiten

Um die ökonomische Bedeutung von Private Equity zu verdeutlichen, ist es von Vorteil, nach Unterschieden zu traditionellen Finanzierungsvarianten zu suchen, welche die Form der außerbörslichen Beteiligung besonders macht. Die Charakterisierung von Besonderheiten wird durch folgende Merkmale deutlich.9

- Private Equity ist risikotragendes Beteiligungskapital bzw. Eigenkapital. Es wird dem Unternehmen auf dem Weg der Außenfinanzierung zur Verfügung gestellt. Da es ohne die üblichen Kreditsicherheiten vergeben wird, trägt es das zusätzlich vorhandene unternehmerische Risiko voll mit.
- Wie bereits kurz dargestellt, wird die Finanzierungsleistung der Private Equity- Gesellschaft durch individuell zusammengestellte Beratungs- und Betreungsbau- steine ergänzt - die Managementkomponente. Diese Unterstützungsfunktion ent- hält einen je nach Bedarf und Entwicklungsstand des Unternehmens zusammenge- stellten Know-How-Transfer durch die Private Equity-Gesellschaft. Das wird da- durch gewährleistet, dass durch den Beteiligungsakt dem Investor bestimmte Kon- troll- und Mitspracherechte in Entscheidungspositionen des Unternehmens zugesprochen werden.

- Die direkten und die indirekten Beteiligungen unterliegen einem langfristigen An- lagehorizont, sind jedoch zeitlich auf durchschnittlich drei bis sieben Jahre be- grenzt.
- Das wiederum belegt, dass die Private Equity-Gesellschaft am langfristigen Wert- zuwachs der finanziell unterstützten Unternehmen interessiert ist, denn der Ge- winn aus den Investitionen wird erst zum Zeitpunkt der Veräußerung der Unter- nehmensanteile realisiert.
- Investoren achten auf konzentrierten Anteilsbesitz, das bedeutet sie halten entwe- der die Mehrheit von Unternehmensanteilen oder zumindest einen nennenswerten Minderheitsanteil. Der Hintergrund liegt vor allem an der Vermeidung von Kon- frontationen mit konkurrierenden Beteiligungsgesellschaften, die ebenfalls an dem Zielunternehmen beteiligt sind.10

Für die ökonomische Bedeutung sollten die aufgezählten Besonderheiten ausreichen, um eine Abgrenzung zu öffentlichem Beteiligungskapital deutlich zu machen.

2.4 Ökonomische Erklärungsansätze für die Existenz von Private Equity

Dieser Abschnitt zeigt Gründe auf, die der Private Equity Branche zu enormem Wach- stum und Etablierung auf dem Finanzierungsmarkt verhalf, um die ökonomische Bedeu- tung von Private Equity (i.w.S) zu verdeutlichen und dessen Entwicklung durchschau- bar zu machen. Mögliche Ursachen für einen Unternehmenskauf bzw. -verkauf sind vielfältig. Sie können z.B. in der Regelung der Unternehmensnachfolge bei familiär geprägten Gesellschaften, dem Verkauf von Konzernanteilen aufgrund strategischer Überlegungen oder einer Restrukturierung bei drohender Insolvenz liegen.11 Als näch- stes stellt sich dir Frage, womit oder wie eine Bevorzugung von Private Equity begon- nen hat.

Genau wie sie einst ein Grund für die Entstehung von Private Equity war, ist sie vor allem heute und in der jüngeren Vergangenheit ein wichtiger Treiber zum wirtschaftlich wichtigen Fortschritt von Private Equity in Deutschland - die Diskussion über zu nied- rige Eigenkapitalquoten von Banken und Unternehmen und deren mangelnde Innovati onskraft. Eine der wichtigsten Aufgaben von Finanzintermediären12 ist der professionel- le Umgang mit Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und anderen Risiken. Diese Problematik wurde bereits 1988 durch die einschlägige Eigenkapitalvereinbarung (Basel I) und in der neuen Baseler Rahmenvereinbarung über die Eigenkapitalempfehlung für Kreditin- stitute (Basel II) auf eine Stärkung der Sicherheit und Solidität des Finanzsystems auf- gegriffen und zu einer Änderung angeregt.13 Doch dies begründet allenfalls den Zwang, weitere Finanzierungsformen neu zu entwickeln und zu gestalten. Trotzdem drängt sich die Frage auf, welche Entscheidungsgrundlagen in einem Unternehmen vorliegen müs- sen, dass diese sich gegen eine traditionelle Finanzierungsform und für Private Equity entscheidetn. Unter Betrachtung des Zusammenspiels von Transaktionskosten, Kon- trollanreizen und asymmetrischer Informationsverteilung versuchen folgende ausge- wählte Erklärungsansätze das Bestehen von Private Equity auf einem in der Realität eher unvollkommenen Kapitalmarkt zu verdeutlichen.

Aus Sicht der Transaktionskosten gibt es im Wesentlichen zwei Argumente für die Eta- blierung von privatem Beteiligungskapital: Zum einen stehen vielen Unternehmen or- ganisierte Kapitalmärkte als Geldquelle nicht zur Verfügung, da die Unternehmensgrö- ße und das benötigte Finanzierungsvolumen oft nicht ausreicht und dadurch bei einem Börsengang (IPO) ein zu großes unternehmerisches Risiko resultiert. Zum anderen wird gerade in jüngerer Zeit diskutiert, ob das Wachstum der Private Equity-Industrie durch Regulierungsarbitrage erklärt werden kann. Das wäre dann der Fall, wenn mit der Bör- seneinführung so hohe Kosten verbunden wären, dass der Kostennachteil zu Gunsten eines Private Equity-Fonds ausfällt. Zwei Aspekte sind ebenfalls bei der Betrachtung der Kontrollanreize von Bedeutung. Erstens sind die Kosten von Informationsbeschaf- fungs- und Kontrollaktivitäten erfahrungsgemäß niedriger, wenn sie zentral, also von einem spezialisierten vermittelnden Akteur, durchgeführt werden. Diese Funktion kann der Private Equity-Fonds erfüllen, dessen Manager durch die organisierten Kapitalmärk- te indirekt ohnehin bereits zu einer solchen Kostenersparnis gezwungen sind. Des Wei- teren ist herauszustellen, dass ein Private Equity-Fonds durch dessen Anreiz- und Ziel- formulierungen „positiven“ Druck auf das Management und Investitionsverhalten des Unternehmens ausübt. Mit dem Ziel langfristiges Wachstum werden weitestgehend au- tomatisch Entscheidungen getroffen, die das Unternehmen dem Beteiligungs- und Un- ternehmensziel dienen. Erleichtert wird das Streben nach diesen Zielen durch Übermitt- lung von Know How, Kontakten und somit potentiellen neuen Kunden, was ohne Frage einen unwahrscheinlichen Mehrwert für Unternehmen darstellt.

Welche Schlussfolgerungen lassen sich nun aus diesen Überlegungen im Hinblick auf den Einfluss von privatem Beteiligungskapital auf eine Volkswirtschaft ziehen? Auf der Grundlage der oben getätigten Überlegungen, muss zunächst einmal deutlich gemacht werden, dass jedes Unternehmen vor der Wahl steht, sich für einen bestimmten Mix von Fremd- und Eigenkapital zu entscheiden. Die optimale Finanzierungsstruktur ist in Ab- hängigkeit der spezifischen Situation so individuell und unterschiedlich wie gleicher- maßen Voraussetzung für ein Bestehen am Kapitalmarkt. Während bestimmte Gruppen von Unternehmen ihre Eigenkapitalbeschaffung auf organisierten Kapitalmärkten vor- nehmen, kann es für andere von Vorteil sein, auf privates Beteiligungskapital zurückzu- greifen. In der Tendenz ist dies um so eher der Fall, je riskanter die zukünftigen Cash- flows, je wertvoller die Wachstumsoptionen und je schwieriger die Kontrolle des Ma- nagements sind. In diesen Fällen kann nach obigen Überlegungen Eigenkapital über Private Equity-Fonds günstiger, d.h. zu niedrigeren Transaktions- und Agencykosten zur Verfügung gestellt werden.14

3. Geschichte und Entwicklung von Private Equity

3.1 Internationale Anfänge

Seit Beginn der Entwicklung wird dem Private Equity-Markt in Deutschland großes Entwicklungs- und Wachstumspotential vorausgesagt. Ob es aber daran liegt, Vorbilder wie den USA nachzuahmen oder an der Nachfrage nach einem alternativen Finanzierungsinstrument, sei dahin gestellt. Die ökonomische Bedeutung fußt allerdings eher auf der Notwendigkeit eines alternativen Finanzierungsinstruments.

Weltweit ist eine sehr unterschiedliche Entwicklung von Venture Capital und Private Equity zu beobachten. Die institutionalisierte Form des Private Equity-Prinzips hat sei- ne Anfänge in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.15 Die heute gebräuchlichen Be- grifflichkeiten waren damals jedoch noch nicht geläufig. Das mag u.a. daran liegen, dass Venture Capital nicht das Resultat eines theoretischen Denkprozesses ist, sondern eher zufällig entstanden ist, um ein bereits bestehendes Phänomen zu beschreiben.

[...]


1 Vgl. Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 13.

2 Vgl. Der Brockhaus, Leipzig - Mannheim, 2008, Band 5, Seite 149, Artikel „Private Equity“.

3 Vgl. Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 14.

4 Vgl. Frohmann/Dahmann, Zur Rolle von Private Equity und Venture Capital in der Wirtschaft, Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Berlin, 2005, Seite 5f.

5 Eigene Darstellung, in Anlehnung an „Private Equity-Circle“, BVK Studie 2005.

6 Vgl. Weitnauer, Handbuch Venture Capital, 2. Aufl., München, 2001 aufgegriffen in: Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 15.

7Mezzanine-Kapital oder Mezzanine-Finanzierungen (abgeleitet aus der Architektur i. S. v. Zwischengeschoss) beschreibt als Sammelbegriff Finanzierungsarten, die in ihren rechtlichen und wirtschaftlichen Ausgestaltungen eine Mischform zwischen Eigen- und Fremdkapital darstellen.

8 Vgl. Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 15f.

9 Vgl. Frohmann/Dahmann, Zur Rolle von Private Equity und Venture Capital in der Wirtschaft, Studie des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften, Berlin, 2005, Seite 8.

10 Vgl. Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 19.

11 Vgl. Dolatschko, Volkswirtschaftliche Auswirkungen von Private Equity, Norderstedt, 2007, Seite 9ff.

12 Ein Intermediär ist ein Vermittler verschiedener Akteure.

13 Vgl. http://www.bundesbank.de/bankenaufsicht/bankenaufsicht_basel.php, Stand 26.10.09.

14 Vgl. Kaserer, Private Equity in Deutschland, 2009, Seite 20ff.

15 Leopold/Frommann/Kühr, Private Equity und Venture Capital, Vahlen, 2003, Seite 217ff.

Ende der Leseprobe aus 40 Seiten

Details

Titel
Die ökonomische Bedeutung von Private Equity in Deutschland
Hochschule
Universität der Bundeswehr München, Neubiberg  (Institut für Controlling, Finanz- und Risikomanagement)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
40
Katalognummer
V318430
ISBN (eBook)
9783668177222
ISBN (Buch)
9783668177239
Dateigröße
745 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bedeutung, private, equity, deutschland
Arbeit zitieren
MSc Sascha Brückner (Autor), 2009, Die ökonomische Bedeutung von Private Equity in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318430

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