Das Experiment in der Erziehungswissenschaft. Die Notwendigkeit der Kontrolle von Fehlerquellen unter der besonderen Berücksichtigung des Versuchsleitereffektes


Hausarbeit, 2004
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Das Experiment
2.1 Begriffsannäherung
2.2 Die Eigenschaften und Schwierigkeiten des Experimentes
2.3 Die Geschichte des Experimentes in der Erziehungswissenschaft
2.4 Verschiedene Formen und Funktionen des Experiments

3. (Mögliche) Fehlerquellen der experimentellen Forschung
3.1 Die Entstehung von Fehlerquellen
3.2 Klassifikation der experimentellen Fehler
3.3 Verschiedene Kontrolltechniken der Fehlerquellen

4. Der Versuchsleitereffekt
4.1 Der Versuchsleiter als Störquelle
4.2 Möglichkeiten der Kontrolle der Versuchsleitereffekte

5. Fazit

1. Einleitung

Unter dem Begriff „Wissenschaft“ kann das menschliche Wissen und Forschen summiert werden, soweit dieses nachvollziehbar begründet, d.h. mit Hilfe anerkannter Methoden entstanden ist, und systematisch gesammelt wurde bzw. wird. Dabei bedeutet Wissenschaft sowohl das Forschen selbst als auch die Ergebnisse des Forschens (die Erkenntnisse) und schließt, im weiteren Sinne, die sich damit befassenden Institutionen ein.[1]

Eine bestimmte Wissenschaft, z.B. die Erziehungswissenschaft, beschäftigt sich dabei mit der „Analyse und Reflexion des Gegenstandbereiches dieser Wissenschaft“, z.B. der Erziehung, unter Zugrundelegung bestimmter Kriterien und Standards, die diese als hilfreich für die „Analyse und Systematisierung dieses ausgewählter Aspekte von Realität entwickelt hat.“ Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Forschungen entstehen aufgrund eines Forschungsprozesses, der durch einen „Satz überprüfbarer Regeln und Instrumente“ charakterisiert ist. Wissenschaftliche Aussagen müssen also auf der Grundlage bestimmter Methoden entstanden sein, und sind damit kontrollier- und prinzipiell „überholbar.“ Jede Wissenschaft benutzt dazu diejenigen Forschungsmethoden, die sich in ihrem jeweiligen Bereich als am „gebräuchlichsten und am meisten bewährt“ erwiesen haben.[2]

Methoden können also als ein „spezielles System von Regeln“ aufgefasst werden, „das die Tätigkeit bei der Erlangung neuer Erkenntnisse und der praktischen Umgestaltung der Wirklichkeit organisiert“. Sie sind somit Mittel, um „Realität zu erfassen und zu schaffen“, und führen zweitens zu Aussagen, „die auf bestimmten Stichproben von Objekten, von Räumen und Zeiten beruhen.“[3]

Im wesentlichen sind, nach Roth, sind in der Erziehungswissenschaft drei Forschungsmethoden zu identifizieren: die geisteswissenschaftliche, die empirische und die ethnografische. Alle anderen Methoden lassen sich diesen, obwohl sie eine „eigene Spezifität“ besitzen, zuordnen.

In der Erziehungswissenschaft kann die empirische Forschungsmethode, trotz mancherlei Einschränkung und Kritik, als eine angemessene Methode, sowohl für die Grundlagenforschung wie auch für die praxisbezogene Forschung betrachtet werden. Besonders in den 60er und 70er Jahren des 20 Jahrhunderts waren die empirischen Methoden hoch angesehen. Ihr „quantifizierender Aspekt“ wird dabei häufig in sowohl primär geisteswissenschaftlichen wie primär ethnografischen Forschungsprojekten herangezogen.[4]

Neben dem Interview, der schriftlichen Befragung, der Gruppendiskussion, der Soziometrie, der Beobachtung, der Inhaltsanalyse, usw., ist das Experiment eine Methode der empirischen (Sozial)Forschung.

In dieser Hausarbeit möchte ich zwei Ziele verfolgen. Erstens möchte ich im ersten Teil der Frage nachgehen, was genau unter einem Experiment zu verstehen ist, welche Eigenschaften es auszeichnen, welche verschiedenen Formen es gibt, und welchen Stellenwert es in der Erziehungswissenschaft einnimmt.

Des Weiteren soll im nächsten Teil die Problematik von möglichen Fehlerquellen der experimentellen Forschung dargestellt werden. Ich will der Frage nachgehen, wie und welche Fehler während eines Experimentes entstehen (können) und warum es nötig ist diese zu kontrollieren und welche Kontrolltechniken es dazu gibt.

Im letzten Teil werde ich dann exemplarisch auf den „Versuchsleitereffekt“ als Fehlerquelle eingehen. Die Entstehung dieses Effekte und adäquate Kontrollmöglichkeiten sollen hier ausführlicher behandelt werden.

2. Das Experiment

2.1 Begriffsannäherung

Unter einem Experiment kann ein „planmäßig und wiederholbar hervorgerufener Vorgang“ verstanden werden, „bei dem beobachtet wird, in welcher Weise sich unter Konstanthaltung anderer Bedingungen mindestens eine abhängige Variable ändert, nachdem mindestens eine unabhängige Variable geändert worden ist.“[5] (In der Literatur sind, neben dieser Definition von Klauer, noch viele weitere Fassungen aufzufinden, z.B. von Zimmermann (1937) oder Greenwood (1967), usw., die den Begriff entweder ähnlich, weiter oder enger fassen, hier allerdings, aus inhaltlichen Gründen, nicht berücksichtigt werden können.)

Ein Experiment dient der Überprüfung einer vor dem Experiment aufgestellten Hypothese, deren Variablen präzise definiert sein müssen. Die Zahl der unabhängigen und abhängigen Variablen und „ihre vermutete Beziehung“ bestimmen die „Wahl des Untersuchungsplans (design) und seine statistische Auswertung.“[6] Wichtig ist dabei die genaue Unterscheidung zwischen den abhängigen (dependent) und unabhängigen (independent) Variablen, welche sich aus den inhaltlichen Überlegungen der Hypothese(n) ergeben.[7]

Durch die Tatsache, dass der Versuchsleiter in einem Experiment die Bedingungen variiert, unter den(en) die abhängige Variable beobachtet wird, und durch den Versuch, die Einwirkung(en) anderer Faktoren auf die abhängige Variable auszuschalten, grenzt sich das Experiment gegenüber anderen Methoden der empirischen Sozialforschung ab.[8]

Friedrichs bezeichnet das Experiment als die „exakteste Form wissenschaftlicher Forschung“ und summiert folgende Vorteile:

1. Die Kontrolle aller zur Hypothesenprüfung bedeutsamen Variablen.
2. Die Manipulation der Versuchsbedingungen, um den Einfluss einer oder mehrer unabhängiger Variablen auf eine abhängige Variable festzustellen (Kausalanalyse).
3. Die Messung der Art des Zusammenhangs zwischen zwei Variablen.[9]

Dem Experiment, respektive dem Laborexperiment, wird gegenüber anderen Methoden der Sozialforschung (wie Beobachtung, Interview oder Feldstudie) der Vorteil zugesprochen Ursache-Wirkungs-Beziehungen kausal erklären zu können.[10] Bei der Erforschung von Kausalzusammenhängen im Bereich von Unterricht und Forschung kann sie als die „exakteste, anspruchvollste, aber auch aufwendigste Forschungsanordnung“[11] betrachtet werden.

Klauer schränkt allerdings die kausalen Interpretation der experimentellen Ergebnisse ein. Die in einem Experiment nachgewiesenen Wenn-Dann-Beziehungen (Kovariationen) „dürfen nicht einfach kausal erklärt werden“, da nie ausgeschlossen werden kann, dass „der kausal wirksame Faktor im Experiment überhaupt nicht direkt erfasst worden ist, sondern nur indirekt, nämlich [...] mit dem experimentell variierten Merkmal korreliert.“[12]

2.2 Die Eigenschaften und Schwierigkeiten des Experimentes

Die wichtigsten Eigenschaften des Experiments können aus der Definition von Klauer abgeleitet werden. Dieser stellt drei Anforderungen an das Experiment: Die Planmäßigkeit, die Wiederholbarkeit und die Variierbarkeit. Diese drei Punkte führen zugleich zu wichtigen Schwierigkeiten in der experimentellen Forschung.

Die Planmäßigkeit betont den durch den Versuchsleiter planmäßig ausgelösten Beginn und Verlauf des Vorgangs. Diesem muss ein Versuchsplan zugrunde liegen, der gewährleistet, dass die Veränderungen bei der abhängigen Variable in Zusammenhang stehen mit Veränderungen bei der unabhängigen Variable. Ebenso stellt ein Versuchsleiter im Experiment die „Bedingungsvariation und Bedingungskonstanz“ selbst her. Diese Planmäßigkeit führt zugleich zu dem Kritikpunkt der „Künstlichkeit“ des Experiments, da dieses „willkürlich“ gesetzt und damit ungleich einem „natürlichen“ Vorgang sei. „Experimentell gewonnene Ergebnisse“ dürften, konsequenterweise, „nicht auf außerexperimentelle Situationen verallgemeinert werden.“[13] Die hier aufgeworfene Frage der Generalisierbarkeit bzw. Repräsentativität der Ergebnisse ist eine Schwierigkeit, die nicht nur das Experiment betrifft, sie ergibt sich auch bei anderen empirischen Forschungsmethoden, bei denen von einer „künstlich“ hergestellten Stichprobe auf Aussagen die gesamte Grundgesamtheit betreffend geschlossen werden soll.

Eine weitere Eigenschaft des Experiments ist die Wiederholbarkeit. Die Bedingungen, die für das jeweilige Experiment entscheidend sind, müssen wiederholbar und reproduzierbar sein. Dieses dient wesentlich der Nachprüfbarkeit der Ergebnisse. Da jedes reale Geschehen prinzipiell einmalig ist, ist dieser Forderung, selbst in den Naturwissenschaften, schwer nachzukommen. Die Möglichkeit „zu einer in jeglichen Hinsicht gleichen Wiederholung“ ist also nicht gemeint. Gefordert werden kann allerdings die Konstanthaltung der Bedingungen, welche der Versuchsplan bzw. der Hypothese zugrunde liegen, innerhalb gewisser Toleranzen. In der Pädagogik (und Psychologie) haben sich zu diesem Zweck eine Vielzahl von Techniken herausgebildet, „die die Wiederholbarkeit der Bedingungskonstellation gewährleisten, die Gegenstand der Untersuchung sind.“[14] Vor allem das Verfahren der Parallelisierung und Randomisierung sind hier anwendbar. (Vgl. Kapitel 3.3)

Erst das Merkmal der Variierbarkeit unterscheidet das Experiment von nichtexperimentellen Maßnahmen. In Experimenten wird mindestens eine Bedingung planmäßig variiert, um festzustellen, ob sich mit dieser auch die Ergebnisse ändern. Eine Schwierigkeit der Experimentes ist es also festzustellen, wo „bestimmte Bedingungen zumindest in gewissen Grenzen konstant gehalten und andere Bedingungen variiert werden können.“[15] Nur wenn dieses möglich ist, ist überhaupt ein (sinnvolles) Experiment durchzuführen.

[...]


[1] Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003.

[2] Vgl.: Roth, L.: Forschungsmethoden der Erziehungswissenschaft, a.a.O., S.32.

[3] Friedrichs, J.: Methoden der empirischen Sozialforschung, a.a.O., S.189.

[4] Vgl.: Roth, L.: Forschungsmethoden der Erziehungswissenschaft, a.a.O., S.35.

[5] Klauer, K. J.: Das Experiment in der pädagogischen Forschung, a.a.O., S.30.

[6] Vgl.: Friedrichs, J., a.a.O., S.342.

[7] Vgl.: ebd., S.95.

[8] Vgl.: Bredenkamp, J.: Experiment und Feldexperiment, a.a.O., S.335.

[9] Vgl.: Friedrichs, J., a.a.O., S.334.

[10] Vgl.: Benning, E.; Frey, D.: Experiment, a.a.O., S.366.

[11] Roth, L.: Forschungsmethoden der Erziehungswissenschaft, a.a.O., S. 47.

[12] Klauer, K.J.: Das Experiment in der pädagogischen Forschung, S.41.

[13] Klauer, K. J.: Das Experiment in der pädagogischen Forschung, a.a.O., S.31.

[14] Ebd., S.35.

[15] Ebd., S.39.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Experiment in der Erziehungswissenschaft. Die Notwendigkeit der Kontrolle von Fehlerquellen unter der besonderen Berücksichtigung des Versuchsleitereffektes
Hochschule
Universität Trier
Note
1,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
22
Katalognummer
V31859
ISBN (eBook)
9783638327473
ISBN (Buch)
9783656865018
Dateigröße
602 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Experiment, Erziehungswissenschaft, Notwendigkeit, Kontrolle, Fehlerquellen, Berücksichtigung, Versuchsleitereffektes
Arbeit zitieren
Alexander Hecker (Autor), 2004, Das Experiment in der Erziehungswissenschaft. Die Notwendigkeit der Kontrolle von Fehlerquellen unter der besonderen Berücksichtigung des Versuchsleitereffektes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/31859

Kommentare

  • Gast am 5.4.2005

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    Inhaltlich interessant.
    Mängel liegen in der Rechtschreibung (mindestens zwei Rechtschreibfehler pro Seite) und Grammatik. Teilweise reichen die Schwächen bis zur Sinnentstellung.
    Die Fußnoten sind formal fehlerhaft.
    Als thematische Einführung nützlich.

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