Um den Herausforderungen des demografischen Wandels begegnen zu können, kommen in der Pflege zunehmend technische Assistenzsysteme zum Einsatz. Doch vor Einführung dieser bislang wenig bekannten AAL-Systeme (Ambient Assisted Living ) muss das Pflegepersonal in deren Anwendung geschult werden.
Im Rahmen der vorliegenden Arbeit soll daher untersucht werden, ob der Robbenroboter PARO als praktisches Anschauungsmaterial für ein AAL-System in der Weiterbildung für Pflegekräfte dienen kann. Ist sein Einsatz sinnvoll, um einen Zugang zu AAL-Technik im Allgemeinen als auch für wenig technikaffine Menschen herzustellen?
AAL (Ambient Assisted Living ) steht für intelligente Umgebungen, die sich selbstständig, proaktiv und situationsspezifisch den Bedürfnissen und Zielen des Anwenders anpassen, um ihn im täglichen Leben zu unterstützen. Ein maßgeblicher Faktor zur Einführung der AAL-Systeme in Betreuungs- und Pflegeeinrichtungen sowie im häuslichen Umfeld besteht in der Vermittlung von Kenntnissen über ihre Anwendung.
Der Roboter PARO ist ein bereits heute existierendes und vereinzelt in der Betreuung von an Demenz erkrankten Menschen eingesetztes, altersgerechtes AAL-System. Er wurde von Takanori Shibata am National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Japan entwickelt. Es fehlen bislang jedoch Erkenntnisse, ob PARO in der Weiterbildung von Pflegekräften als gutes Beispiel für ein AAL dient und sich somit positiv auf den Erfolg von Schulungen zum Thema AAL in der Pflege auswirken kann.
Zur Untersuchung der Fragestellung wurde eine schriftliche Befragung von Pflegekräften einer Wohneinrichtung für beeinträchtigte Menschen mittels eines eigens dafür entwickelten Fragebogens angewandt. Auf Grundlage der Ergebnisse von 118 Befragungsteilnehmern wurden fünf für die Beantwortung der Fragestellung bedeutsame Hypothesen überprüft.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Ziel der Arbeit
2 Herausforderung – demografischer Wandel
2.1 Einsatzbereiche von AAL
2.1.1 Gesundheit und (ambulante) Pflege
2.1.2 Haushalt und Versorgung
2.1.3 Sicherheit und Privatsphäre
2.1.4 Kommunikation und soziales Umfeld
2.2 Aus- und Weiterbildung
3 PARO der Robbenroboter
3.1 Technische Daten und Eigenschaften von PARO
3.2 Therapie mit PARO
4 Untersuchung zur Eignung von PARO als Lernmaterial und „Türöffner“
4.1 Beschreibung der Methodik
4.2 Das Fokusgruppengespräch
4.2.1 Vorbereitung der Fokusgruppe
4.2.2 Durchführung der Fokusgruppe
4.2.3 Ergebnisse der Fokusgruppe
4.3 Der Fragebogen
4.3.1 Vorbereitung der Fragebogenbefragung
4.3.2 Erstellung des Fragebogens
4.3.3 Durchführung der Fragebogenbefragung
5 Auswertung und Ergebnisse
5.1 Hypothesen
5.2 Beschreibung der Stichprobe
5.3 Technikaffinität
5.4 Überprüfung der Hypothesen
5.5 Ethische Aspekte und Zukunftsvorstellungen
5.6 Betrachtung der Freitextangaben
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit der Robbenroboter PARO als praktisches Anschauungsmaterial in der Weiterbildung von Pflegekräften dienen kann, um den Zugang zur AAL-Technik (Ambient Assisted Living) zu erleichtern – insbesondere für wenig technikaffine Personen.
- Herausforderungen durch den demografischen Wandel in der Pflege
- Grundlagen und Einsatzbereiche von AAL-Systemen
- Die Rolle von PARO als therapeutischer Roboter und Lernobjekt
- Methodische Konzeption einer Fokusgruppe und anschließender Fragebogenbefragung
- Analyse der Akzeptanz und Technikaffinität von Pflegekräften
Auszug aus dem Buch
3.1 Technische Daten und Eigenschaften von PARO
PARO ist die Nachbildung einer circa drei Wochen alten Sattelrobbe. Entwickelt wurde der Robbenroboter von Takanori Shibata am National Institute of Advanced Industrial Science and Technology in Japan (Parorobots 2014).
In der neunten Version (MCR900) hat PARO eine Länge von 57 cm, eine Breite von 36 cm und ein Gewicht von 2,55 kg. Er ist ausgestattet mit einem 32-Bit RISC Prozessor, zwei Mikrofonen zur Geräuschlokalisation, einem Lagesensor und zehn taktilen Sensoren. Zwei Lichtsensoren befinden sich in seiner Nase (Parorobots 2014).
Für seine real wirkenden Bewegungen sind acht Stellmotoren zuständig: zwei im Hals, in den vorderen und hinteren Flossen jeweils einer, zwei in den oberen und unteren Augenlidern, und einer sorgt für die Drehung seiner Augen. Die Anzahl und die Anordnung der Stellmotoren lässt eine Vielzahl von natürlich erscheinenden Bewegungen zu. PARO ist in der Lage, mimische Ausdrücke zu simulieren. Alle Bewegungen können auch in Kombination ausgeführt werden (Parorobots 2014).
Ein Lautsprecher, mit dem Originallaute eines Sattelrobbenbabys abgespielt werden können, befindet sich am Kinn. Der in der neunten Version eingesetzte Akkumulator hat eine maximale Laufzeit von circa 5 Stunden. Es ist aber auch möglich, PARO einzusetzen, wenn er gerade aufgeladen wird. PARO ist außerdem ausgestattet mit einem antibakteriellen und hypoallergenen Kunstfell (Parorobots 2014).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Ziel der Arbeit: Einführung in die Problematik des demografischen Wandels und die Relevanz technischer Assistenzsysteme in der pflegerischen Ausbildung.
2 Herausforderung – demografischer Wandel: Analyse der steigenden Pflegebedarfe und Darstellung der Einsatzgebiete von Ambient Assisted Living (AAL).
3 PARO der Robbenroboter: Detaillierte Vorstellung der technischen Merkmale von PARO sowie seines Einsatzes in der therapeutischen Betreuung.
4 Untersuchung zur Eignung von PARO als Lernmaterial und „Türöffner“: Beschreibung der angewandten Methodik durch Fokusgruppen und quantitative Fragebogenbefragungen.
5 Auswertung und Ergebnisse: Statistische Analyse der Befragungsdaten und Überprüfung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich der Akzeptanz von PARO.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Fazit über die Eignung von PARO als Lehrmittel und Empfehlungen für zukünftige Weiterbildungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
AAL, Ambient Assisted Living, PARO, Robbenroboter, Pflege, Altenpflege, Weiterbildung, Technikaffinität, Demenz, Assistenzsysteme, Sozialrobotik, Fokusgruppe, empirische Untersuchung, Akzeptanz, Technikscheu.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, ob der Robbenroboter PARO als praktisches Lehrmittel dazu beitragen kann, Pflegekräften den Zugang zu modernen technischen Assistenzsystemen (AAL) zu erleichtern.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen den demografischen Wandel in der Pflege, das Konzept von Ambient Assisted Living, die technische Funktionsweise von PARO sowie die pädagogische Gestaltung von Weiterbildungen in Pflegeberufen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, durch eine empirische Erhebung festzustellen, ob PARO als „Türöffner“ fungieren kann, um Vorbehalte gegenüber Technik abzubauen und das Interesse an AAL-Systemen zu steigern.
Welche wissenschaftlichen Methoden wurden angewandt?
Es wurde ein zweistufiges Verfahren gewählt: Zunächst eine qualitative Fokusgruppe mit Pflegepersonal, um relevante Themenfelder zu erschließen, gefolgt von einer quantitativen standardisierten Fragebogenbefragung bei 118 Personen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des demografischen Wandels und AAL-Systeme, die Vorstellung von PARO als Assistenzsystem sowie die detaillierte Beschreibung der empirischen Erhebung und deren Auswertung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind AAL, Technikaffinität, Pflege, Weiterbildung, Robbenroboter (PARO), Akzeptanz und empirische Sozialforschung.
Wie bewerten die befragten Pflegekräfte den Einsatz von PARO?
Die überwiegende Mehrheit der Befragten steht dem Einsatz von PARO sehr positiv gegenüber und sieht in ihm ein geeignetes Anschauungsmaterial, das neugierig auf weitere Technologien macht.
Welche ethischen Bedenken wurden im Rahmen der Untersuchung geäußert?
Vereinzelt wurden Ängste vor dem Verlust der menschlichen Nähe, der Befürchtung von Personaleinsparungen sowie ethische Bedenken bezüglich der Würde des Menschen bei der Nutzung von Robotertechnik thematisiert.
Kann PARO wirklich zur Entlastung des Pflegepersonals beitragen?
Die Studie zeigt, dass eine direkte Entlastung von pflegerischen Aufgaben durch PARO von den meisten Befragten nicht erwartet wird; vielmehr liegt sein Wert in der emotionalen Unterstützung und der Anbahnung von technischer Akzeptanz.
- Arbeit zitieren
- Martin Wild (Autor:in), 2015, Anwendung technischer Assistenzsysteme in der Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318695