Die Bedeutung von Medien für die Vermittlung von Bildung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2016

19 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Bildungstheorie von Humboldt

3. Welt und Sprache bei Humboldt

4. Wort und Schrift als Medium der Welt

5. Was sind Medien - Was ermöglichen sie uns?
5.1 Medien im Unterricht
5.2. Kompetenzen in einer Welt mit neuen Medien

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bildungstheorie und Medienpädagogik sind Bereiche, die sich bisher als getrennte „Theoriefelder“ verstehen. Neue Medien und Technologien, schreibt Werner Sesink, waren und sind für die Bildungstheoretiker bisher immer ein Randthema gewesen, mit welchem man sich nur ab und zu beschäftigt. Medienpädagogik hingegen nähme Bildungstheorie höchstens als eine Art Hintergrund in Anspruch. Beide Seiten verstehen Bildung jedoch als betroffen durch die Entwicklungen der Massenmedien und neuen Technologien. Bildung muss auf diese Entwicklungen und dadurch entstandenen Veränderungen in unserer Gesellschaft antworten. Die verschiedenen Sichtweisen und Reaktionen auf die neuen Medien wechseln von einem Gefühl der Gefährdung unseres Bildungs-, ja sogar unseres Wirklichkeitsbegriffs, bis hin zu einer positiven Herausforderung und Möglichkeit für Schule und Unterricht (vgl., Sesink, 2008, S. 13-14).Die positive Haltung zu den Möglichkeiten der neuen Medien soll auch in dieser Arbeit im Rahmen der Möglichkeiten für die Vermittlung von Bildung vertreten werden. Jedoch soll auch das weitere Verständnis von Bildung und Medien betrachtet werden, welches Werner Sesink vertritt, nämlich, dass „Bildung nicht lediglich betroffen, sondern aktiv und fundamental beteiligt ist an jenen Entwicklungen im Bereich der Medien, auf die sie nun antworten soll“ ( ebd., S. 14). In der folgenden Arbeit wird versucht werden, den möglichen oder auch bereits existierenden „Brückenschlag“ zwischen Bildung und Medien aufzuzeigen, sowie die mögliche Bedeutung der Medien an sich für das Lehren und Lernen. Da bereits Humboldt in seiner Bildungstheorie von einem Medium spricht, soll mit seiner Theorie als Grundlage begonnen werden.

2. Die Bildungstheorie von Humboldt

Der Bildungsbegriff gewinnt im Laufe des 18. Jahrhunderts an Gestalt. Seine Wurzeln reichen zurück bis ins 14. Jahrhundert (vgl., hier und im Folgenden, Koller, 2012, S. 73). In dieser Zeit spekuliert der Mystiker Meister, Philosoph und Theologe Eckart von Hochheim über die Gottesebenbildlichkeit des Menschen. Grundlage für seine Spekulation war folgende Bibelstelle: „Gott schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn“ (1. Mose 1, 27). Auffällig ist das Wort Bild, welches etymologisch mit dem Wort der Bildung verwandt ist. Bis zum 18 Jahrhundert wird der Begriff daher auch für das äußerliche Erscheinungsbild gebraucht. Im Laufe des 18. Jahrhunderts löst sich der Begriff langsam von seinen „theologischen Wurzeln“ und bezieht sich nicht mehr nur noch auf die äußere Gestalt, sondern auf die „Entwicklung der gesamten Person“. Wilhelm von Humboldt (1767-1835) definierte einen Bildungsbegriff der die „höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ beschreibt (vgl., Humboldt 1792/1980, S. 64):

„Der wahre Zweck des Menschen - nicht der welchen die wechselnde Neigung, sondern welchen die ewig unveränderliche Natur ihm vorschreibt- ist die höchste und proportionirlichste Bildung seiner Kräfte zu einem Ganzen“ (ebd.).

Diese Formulierung von Humboldt lässt sich nach Koller in vier „Bestimmungen zerlegen“. Bildung solle nach Humboldt „erstens Bildung von Kräften“ sein, zweiten „höchste“ und drittens „proportionirlichste Entfaltung dieser Kräfte“, die schließlich im vierten Schritt zu einem „Ganzen“ zusammengeführt werden sollen. Im Mittelpunkt steht bei Humboldt immer der Mensch selbst:

„Im Mittelpunkt aller besonderen Arten der Thätigkeit nemllich steht der Mensch, der ohne alle, auf irgend etwas Einzelnes gerichtete Absicht, nur die Kräfte seiner Natur stärken und erhöhen, seinem Wesen Werth und Dauer verschaffen will.“ (Humboldt 1793/1980, S. 235)

Der Mensch soll seine ihm innewohnenden Möglichkeiten möglichst umfassend verwirklichen, um durch „die Spuren des lebendigen Wirkens, die wir zurücklassen, einen so grossen Inhalt, als möglich, zu verschaffen (vgl., ebd.). Durch den Mensch als Mittelpunkt wird Humboldts Position als „Neuhumanismus“ bezeichnet. Die Silbe „Neu“, so Koller, soll dabei deutlich machen, dass es sich um „eine Anknüpfung“ an den Humanismus der Renaissance handelt (vgl., hier und im Folgenden, Koller, 2012, S. 75f). In Bezug auf die „proportionirlichste Bildung“ sollen die Kräfte, wie Wahrnehmungsfähigkeit, Phantasie und Verstand, „ausgewogen“ und in einem „richtigen Verhältnis zueinander entwickelt werden“, um schließlich zu einem Ganzen zu verschmelzen. Humboldt stellt hiermit die höchst möglichen Ansprüche an jeden Menschen, um ein „würdiger Repräsentant seiner Gattung zu werden“, und legt uns damit eine große Verantwortung und Aufgabe auf (vgl., ebd., S. 78). Wie wir diese Aufgabe erfüllen können, sieht Humboldt in einem gesellschaftlichen Kontext. Nur Im Vergleich mit anderen Charakteren können wir uns, „als ein Ganzes zu höherer Vollkommenheit fortschreitend denken.“ (Humboldt 1960 - 1981, Bd. I, S. 417) Bildung, so interpretiert Koller, ist nach Humboldt somit kein individueller Prozess, sondern ein gesellschaftlicher Vorgang welcher auf die Vielfalt der Individuen angewiesen ist (vgl., Koller, 2012, S. 79). Somit haben alle Menschen ein Recht auf Bildung und sie sollte nicht nur einzelnen privilegierten zugänglich sein. Bereits an dieser Stelle zeigt sich ein Anspruch von Bildung, der mit den heutigen neuen Medien gut in Einklang zu bringen ist. Das Internet ermöglicht Menschen Bildung und Zugang zu Informationen, die sie ohne diese Technik vielleicht nie erhalten hätten. Sei es in den Slums von Afrika oder in einem peruanischen Bergdorf (vgl., Zukunftsstiftung Entwicklung, Peru: Leben in Aktion, 2016). Bildung entsteht nun nicht aus sich selbst heraus, sondern der Mensch steht, nach Humboldt, in einer freien „Wechselwirkung von Ich und Welt“ (vgl., Koller, 2012, S. 80). In seiner „Theorie der Bildung“ heisst es:

„Da jedoch die blosse Kraft einen Gegenstand braucht, an dem sie sich üben (…) könne, so bedarf auch der Mensch einer Welt ausser sich.“ (Humboldt, 1793/1980, S. 235)

Der Mensch benötigt also eine „Welt“, oder im pädagogischen Sinne einen Gegenstand oder ein Thema, mit welchem er arbeiten und sich selbst weiter entwickeln kann. Diese „Sache“ oder dieser „Gegenstand“ an dem man sich bildet, lässt sich im Sinne des „Didaktischen Dreiecks“ verwenden: (vgl., Menck, 2006, S.38).

Koller verwendet in einer ähnlichen Darstellung andere Begriffe. So ordnet er das Dreieck mit den Begriffen Institution, Pädagoginnen und Zielgruppe an. Dabei weist er darauf hin, dass man häufig vorkommende Begriffe der Erziehungswissenschaft einer dieser drei „Instanzen“ zuordnen könne. So zum Beispiel die Kindheit der Zielgruppe oder das Erziehungsziel den Pädagoginnen. Auffällig ist bei Koller, dass innerhalb des Dreiecks das Wort „Interaktion“ zu finden ist, was auf die Vernetzung der einzelnen „Instanzen“ hinweist (vgl., Koller, 2006, S. 19). Ein weiterer wichtiger Aspekt, welcher bei Humboldt im Vordergrund steht, ist der Begriff der Freiheit. In einer Zeit in welcher bestimmte Berufe nur dem Adel vorbehalten waren und preußische Bauern der Leibeigenschaft unterlagen, und ohne die Zustimmung ihres Grundherren weder Wohnort noch Arbeitsplatz wechseln oder eine Ehe schließen durften, fordert Humboldt „bürgerliche Freiheitsrechte“ und einen freien Zugang zu Bildung und „Welt“ (vgl., Koller, 2012, S.81). Dieses Ideal wollte Humboldt auch für die schulische Bildung verwirklichen. Während seiner kurzen Amtszeit (1809-1810) als Leiter für „Kultus und Unterricht im preußischen Innenministerium“, entwickelte er eine aufeinander aufbauende Schulform (Elementar, Bürgerschule und Universität), die allen Kindern, egal welcher Herkunft, zugänglich sein, und eine möglichst „umfassende Allgemeinbildung in allen dafür als notwendig angesehenen Fächern“ vermitteln sollte (vgl., hier und im Folgenden, ebd., S. 82f). Auf diese Weise wäre der Weg zu einer „Entfaltung der Kräfte“ geebnet gewesen. Jedoch wurden diese Pläne zu Humboldts Lebzeiten nicht realisiert. Trotz aller Freiheit und Gleichheit in Humboldts Bildungstheorie, war seine Vorstellung der schulischen Bildung mit ökonomischen Bedingungen verknüpft. Die Kinder sollten die Schule so lange besuchen können, wie ihre Eltern es ermöglichen konnten. Ein Problem, welches Humboldt scheinbar als nicht gravierend empfand, und somit auch keinen Lösungsvorschlag anbot. Erst ab 1888 wurde in Preußen der unentgeltliche Schulbesuch eingeführt.

3. Welt und Sprache bei Humboldt

An dieser Stelle soll noch einmal auf den Begriff der „Welt“ bei Humboldt eingegangen werden. Koller betont, dass die „Welt“ nicht als rein materielle Umwelt zu verstehen sei, sondern als „Nicht - Ich“. Der sich bildende Mensch benötigt, so Humboldt, den „freien und alltäglichen Umgang in engeren und weiteren Verbindungen: in der Ehe, der Freundschaft, kleineren und grösseren gesellschaftlichen Cirkeln“ (vgl., Humboldt 1960 - 81, Bd. I, S. 343). Dazu gehören auch kulturelle Objekte wie Bücher oder Kunstwerke (vgl., Koller, S. 83). Humboldt fordert also für eine „umfassende Entwicklung aller Kräfte“ eine höchst „abwechslungsreiche Umgebung durch die möglichst alle Kräfte angesprochen werden“ (vgl., ebd, S. 84). Eine Ansicht die sich bis heute durchgesetzt hat. Auch heute herrscht die Ansicht vor, dass der Mensch durch seine Umwelt geprägt wird, beispielsweise ein Mensch sich im Rahmen seines sich ihm gebotenen Umfeldes positiv oder auch negativ entwickeln kann. Leider spielen auch heute die ökonomische Bedingungen der Familie, sowie auch deren Bildungshintergrund eine Rolle. Das „soziale und kulturelle Kapital“ welches jedes Kind seitens seiner Familie ab den ersten Lebenstagen erhält, prägt für ein ganzes Leben. Bücher, Museen, Musik und Lieder sind nicht in allen Familien selbstverständlich und werden teilweise erst im Kindergarten kennengelernt. Auf diese Weise bestätigt sich wieder der Bildungsgedanke von Humboldt, welcher Bildung allen zugänglich machen wollte, um eben jenes Fehlen von sozialem und kulturellem Kapital abzufangen (vlg., Rauschenbach, 2007, S. 450). Als ein entscheidendes Medium in der Wechselwirkung zwischen Mensch und „Nicht-ich“, sieht Humboldt die Sprache. Koller schreibt dazu:

„Den Kern seiner Sprachphilosophie macht dabei eine Konzeption von Sprache aus, in der diese als Vermittlerin sowohl zwischen Ich und Welt als auch zwischen Ich und Du aufgefasst wird.“ (Koller, 2012, S.85)

Sprache ist für Humboldt, so Koller, wie ein Organ, welches das Hervorbringen von Gedanken überhaupt erst möglich macht. Bemerkenswert daran ist, dass Humboldt die Meinung vertrat, jeder Sprache mit ihrem eigenen Lautsystem, Wortschatz und ihrer eigenen Grammatik wohne eine eigene Ansicht der Welt inne. Dies beinhalte auch eine untrennbare Verbindung zwischen dem Sprecher und seiner Vorstellungs- und Empfindungswelt. Humboldt machte besonders die Verschiedenheit der Sprachen zur Grundlage seiner Forschung. Es ging ihm demnach nicht um die Sprache an sich, sondern um den „Plural“ (vgl., ebd.). Durch die Vielzahl der Sprachen und der Ansicht, dass jeder eine eigene Weltanschauung innewohne, ging Humboldt von einer „Verschiedenheit der Weltansichten“ aus (vgl., Humboldt, 1960-1981, Bd III, S. 20). Sprachen fungierten für ihn als das Medium von Bildung (vgl., Koller, 2012, S.84). Durch das Erlernen einer neuen Sprache und deren Kultur, schauen wir über unseren Tellerrand hinaus und bilden uns dadurch weiter. Durch die Auseinandersetzung im Dialog mit unserem Gegenüber, lernen wir ebenfalls. An dieser Stelle kann zu den Dialogen des Sokrates verwiesen werden, der von nichts mehr überzeugt war, als dass sich der Mensch durch den Dialog und die Auseinandersetzung bildet und das „Wahre“ findet (vgl., Schleiermacher,2013). Die Sprache und Redekunst an sich war bereits im antiken Griechenland das Medium von Bildung und wird von Humboldt in ähnlicher Weise wieder aufgegriffen, auch wenn er ihm Rahmen der Vielzahl der Sprachen und der damit verbundenen Weltanschauungen etwas andere Wege beschreitet. Sprache, sowohl gesprochen als auch geschrieben, ist auch heute noch das Medium, um zwischen dem Ich und dem „Nicht-Ich“ zu vermitteln. Die Technik hat unsere Wege der Vermittlung beschleunigt und neue Welten eröffnet.

4. Wort und Schrift als Medium der Welt

„Am Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ ( Joh. 1.1)

Die Bibel galt viele Jahrhunderte als Inbegriff von Gehorsam und Bildung. „Die Schrift“ wurde von Gelehrten verlesen, so dass alle „das Wort“ vernehmen und ihm folgeleisten konnten. Durch die Entstehung des Buchdrucks und der Massenalphabetisierung, lernten Menschen ihre Welt selbst zu entdecken, zu hinterfragen und zu gestalten. Das Medium der Sprache emanzipierte sich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Bedeutung von Medien für die Vermittlung von Bildung
Hochschule
Technische Universität Darmstadt  (Institut für Pädagogik und Berufspädagogik)
Note
1,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V318702
ISBN (eBook)
9783668178861
ISBN (Buch)
9783668178878
Dateigröße
583 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Hausarbeit zur Erlangung der Modulprüfung in Didaktik der Grundwissenschaften für Lehramt an Gymnasien
Schlagworte
Medien, Bildung, Sesink, Medienpädagogik, Bildungstheorie, Humboldt
Arbeit zitieren
M.A. Claudia Gottschalk (Autor), 2016, Die Bedeutung von Medien für die Vermittlung von Bildung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318702

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