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Friedrich Nietzsche und der Buddhismus. Wie urteilt er über die buddhistische Lehre in "Antichrist"? Gibt es Parallelen zwischen seiner Philosophie und dem Buddhismus?

Titel: Friedrich Nietzsche und der Buddhismus. Wie urteilt er über die buddhistische Lehre in "Antichrist"? Gibt es Parallelen zwischen seiner Philosophie und dem Buddhismus?

Hausarbeit , 2014 , 16 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Ansgar Ruppert (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 19. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Welcher Gedanke mag sich hinter Nietzches poetischem Ausdruck „offenes Meer“ verbergen? Ein von Friedrich Nietzsche (1844-1900), dem „Umwerter aller Werte“, proklamiertes, neues Moralsystem, welches die ressentimentgeladenen und lebensverneinende Moral des Christentums für immer hinter sich lassen möchte? Womöglich aber auch eine europäische Form des Buddhismus, dessen spiritueller Zielpunkt Nirwana ja vielfach mit der Metapher des ruhigen Meeres umschrieben wird.

Im Folgenden soll diesen Fragestellungen nachgespürt werden. Außerdem sollen Bezüge zwischen dem Buddhismus und der Philosophie Nietzsches herausgearbeitet werden, Auch wenn diese aufgrund der für Nietzsche charakteristischen Doppeldeutigkeiten und konsequenten Vermeidung eines „so ist es“ nicht klar beantwortet werden können.

Brennpunkt dieser vergleichenden Betrachtung bildet das 1988 verfasste Spätwerk „Der Antichtist. Fluch auf das Christenthum“, einer der schärfsten Angriffe auf das Christentum und die Staatskirche, die im 19. Jahrhundert verfasst wurden. Diese Schrift, die gegen das Christentum den Vorwurf erhebt eine ideologische Zurechtfälschung der Wirklichkeit in Form einer sittlichen Weltordnung zu sein und die Menschheit durch Mechanismen des Mitleidens dem Nihilismus entgegen zutreiben, soll einleitend in ihren wesentlichen Grundzügen dargestellt werden.

Auf Grundlage des Hintergrundwissens des Autors über den Buddhismus werden anschließend die Kernaussagen über diese Religion zusammengetragen und in Hinblick auf ihrer argumentative Komposition näher untersucht. Geht es Nietzsche hierbei um eine ehrliche Auseinandersetzung mit einer ihm fremden Religion oder instrumentalisiert er fragmentarisches Wissen um seinen antichristlichen Argumenten (die auch als unterschwellige Hetze gegen das Judentum gedeutet werden können und daher aus einer kritischen Distanz betrachtet werden müssen) mehr Schlagkräftigkeit zu verleihen?

Von Nietzsche unternommene Fehlinterpretationen der buddhistischen Lehre werden aufgedeckt aber auch grundlegende, einer oberflächlichen Betrachtung oftmals verlustig gehenden gemeinsamen Schnittmengen beiden Denksystemen dargestellt.

„In der Tat, wir Philosophen und ‚freien Geister‘ fühlen uns bei der Nachricht, daß der ‚alte Gott‘ tot ist, wie von einer Morgenröthe angestrahlt; [...] endlich dürfen unsere Schiffe wieder ausfahren [...] das Meer, unser Meer liegt wieder offen da, vielleicht gab es noch niemals ein so ‚offenes Meer‘“.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Leitthemen des Antichristen

3.) Nietzsches Kontakt mir der buddhistischen Lehre

4.) Nietzsches Urteil über den Buddhismus im Antichrist

4.1) Das leidvolle Dasein

4.2) Der Buddhist als „später“ Mensch

4.3) Nietzsches Argumentationsstrategie

5.) Fehlinterpretationen

5.1) Der Begriff „Leiden“

5.2) Der Begriff „Nirwana“

6.) Versteckte Parallelen zwischen Nietzsches Philosophie und dem Buddhismus

6.1) Die ewige Wiederkehr des Gleichen und die Samsara-Lehre

6.2) Die Idee vom Übermenschen und Buddha

7.) Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalenten Bezüge zwischen der Philosophie Friedrich Nietzsches, insbesondere seinem Spätwerk "Der Antichrist", und dem Buddhismus, wobei die Forschungsfrage darauf fokussiert, inwieweit Nietzsche den Buddhismus instrumentalisiert oder tatsächlich eine inhaltliche Wesensverwandtschaft besteht.

  • Analyse des christlich-buddhistischen Spannungsverhältnisses bei Nietzsche
  • Rezeption buddhistischer Lehren durch Nietzsche im 19. Jahrhundert
  • Untersuchung von Fehlinterpretationen zentraler Begriffe wie "Leiden" und "Nirwana"
  • Vergleich philosophischer Konzepte: Ewige Wiederkunft vs. Samsara-Lehre
  • Gegenüberstellung des Übermenschen-Ideals und des Buddha-Bildes

Auszug aus dem Buch

4.1) Das leidvolle Dasein

„Mit meiner Verurtheilung des Christenthums möchte ich kein Unrecht gegen eine ver wandte Religion begangen haben, die der Zahl der Bekenner nach sogar überwiegt, gegen den Buddhismus. Beide gehören als nihilistische Religionen zusammen, sie sind décadence-Religionen, beide sind von einander in der merkwürdigsten Weise getrennt.“ In dieser Aussage spiegelt sich das von Nietzsche entworfenen, grundlegende argumentative Spannungsverhältnis zwischen Christentum und Buddhismus wieder. Beide sind ihrem Wesen nach weltverneinend und daher von einem moralischen Verfall durchzogen.

Die Weltverneinung beider Religionen kann anhand der Fokussierung auf eine tranzendentale Sphäre („Paradies“ oder „Nirwana“ bzw. „Paranirvana“) und die Leidhaftigkeit des Daseins festgemacht werden. Nach Nietzsches liegt der entscheidende Vorteil des Buddhismus in der Bekämpfung des Leidens: „Der Buddhismus ist die einzige eigentliche positivistische Religion, [...] er sagt nicht mehr „Kampf gegen die Sünde“ sondern, ganz der Wirklichkeit recht gebend, „Kampf gegen das Leiden“. In diesem Sinne besitzt der Buddhismus eine aktive Komponente, die sich sowohl auf des Handeln und als auch auf das Denken bezieht.

Zusammenfassung der Kapitel

1.) Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, wie Nietzsche den Buddhismus in Relation zu seiner radikalen Christentumskritik wahrnimmt und welche Rolle dabei seine spezifische Quellenlage spielt.

2.) Leitthemen des Antichristen: Dieses Kapitel analysiert Nietzsches scharfe Kritik an der christlichen Moral, die er als "Todfeindschaft gegen die Realität" und als System des Mitleids denunziert.

3.) Nietzsches Kontakt mir der buddhistischen Lehre: Hier wird dargelegt, über welche zeitgenössischen indologischen Sekundärquellen Nietzsche sein Wissen über den Buddhismus erwarb, wobei seine Prägung durch Schopenhauer eine zentrale Rolle spielt.

4.) Nietzsches Urteil über den Buddhismus im Antichrist: Das Kapitel untersucht die ambivalente Bewertung des Buddhismus durch Nietzsche, der ihn zwar einerseits als Nihilismus-Variante ablehnt, andererseits aber positiv als "Kampf gegen das Leiden" hervorhebt.

5.) Fehlinterpretationen: Es wird analysiert, wie Nietzsche aufgrund seiner eurozentrischen Perspektive die buddhistischen Schlüsselbegriffe "Leiden" und "Nirwana" grundlegend missverstand.

6.) Versteckte Parallelen zwischen Nietzsches Philosophie und dem Buddhismus: Dieses Kapitel arbeitet inhaltliche Schnittmengen heraus, insbesondere zwischen dem Gedanken der ewigen Wiederkunft und der Samsara-Lehre sowie zwischen dem Übermenschen und der Figur Buddhas.

7.) Resümee: Das Resümee zieht das Fazit, dass trotz Nietzsches Fehlinterpretationen eine Wesensverwandtschaft der Kerngedanken besteht und hinterfragt seine eigene Position kritisch.

Schlüsselwörter

Nietzsche, Buddhismus, Der Antichrist, Nihilismus, Mitleiden, Amor fati, Übermensch, Nirwana, Samsara, Schopenhauer, christliche Moral, Leid, Philosophie, Religionswissenschaft, Décadence

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Auseinandersetzung Friedrich Nietzsches mit dem Buddhismus im Kontext seines Werkes "Der Antichrist" und prüft, ob seine Urteile auf fundiertem Wissen oder auf einseitigen Interpretationen beruhen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Felder sind die Christentumskritik Nietzsches, die Rezeption fernöstlicher Philosophie im 19. Jahrhundert, das Konzept der Sinnlosigkeit sowie der Vergleich von Nietzsches Übermenschen-Konzept mit der buddhistischen Erleuchtungsfigur.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, herauszufinden, ob Nietzsche den Buddhismus als ehrliche philosophische Alternative betrachtete oder ob er ihn primär instrumentalisiert, um seine antichristliche Argumentation zu stützen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine vergleichende literaturwissenschaftliche und religionsphilosophische Abhandlung, die auf der Analyse von Nietzsches Primärtexten und der kritischen Reflexion seiner zeitgenössischen Quellen basiert.

Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Leitthemen des "Antichristen", die Untersuchung von Nietzsches Kontakt zur buddhistischen Lehre, die Analyse von Fehlinterpretationen (Leiden/Nirwana) und die Herausarbeitung von Parallelen in der Denksystematik.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Nihilismus, Amor fati, Übermensch, Leidhaftigkeit, Ressentiment und die transkulturelle Perspektive auf Nietzsches Denken charakterisiert.

Inwiefern hat Schopenhauer Nietzsches Sicht auf den Buddhismus beeinflusst?

Schopenhauer prägte Nietzsche maßgeblich durch seine Interpretation des Buddhismus als nihilistische Weltverneinung, eine Sichtweise, die Nietzsche teilweise übernahm, bevor er eine eigene, von Schopenhauers Pessimismus abweichende Position entwickelte.

Wie unterscheidet sich der Begriff "Leiden" bei Nietzsche von der buddhistischen Lehre?

Während Nietzsche "Leiden" bei den Buddhisten fälschlicherweise als generelle Lebensverneinung deutet, versteht der Buddhismus Leiden als überwindbaren Prozess der Leidensentstehung durch die "Vier Edlen Wahrheiten", was Nietzsche nur teilweise korrekt erfasst.

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Details

Titel
Friedrich Nietzsche und der Buddhismus. Wie urteilt er über die buddhistische Lehre in "Antichrist"? Gibt es Parallelen zwischen seiner Philosophie und dem Buddhismus?
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Philosophie)
Note
1,0
Autor
Ansgar Ruppert (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2014
Seiten
16
Katalognummer
V318745
ISBN (eBook)
9783668178809
ISBN (Buch)
9783668178816
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nietzsche Antichrist Buddhismus
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ansgar Ruppert (Autor:in), 2014, Friedrich Nietzsche und der Buddhismus. Wie urteilt er über die buddhistische Lehre in "Antichrist"? Gibt es Parallelen zwischen seiner Philosophie und dem Buddhismus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318745
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Leseprobe aus  16  Seiten
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