Das didaktische Prinzip „Konfliktorientierung“ im Politikunterricht. Wie wird es umgesetzt?


Hausarbeit, 2011

16 Seiten

Elias Bern (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 . Einleitung

2. Konfliktorientierung
2.1 Konflikttheorie
2.2 Die Umsetzung der Konfliktorientierung im Unterricht
2.3 Konfliktorientierung vs. Handlungsorientierung

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1 . Einleitung

Das Hauptthema dieser Hausarbeit ist die Beantwortung der Frage, „Wie wird das didaktische Prinzip der ‚Konfliktorientierung‘ im Politikunterricht umgesetzt“.

Es soll gezeigt werden, wie das Prinzip der Konfliktorientierung im Unterricht angewandt wird und welche Faktoren für die Umsetzung mitbestimmend sind. Dabei gehen wir von der Annahme von Gisecke aus, dass „die Fähigkeit gelernt werden muss, sich im Sinne des allgemeinen Fortschritts an Demokratisierung und der Durchsetzung der eigenen Interessen in manifesten (subjektive) Konflikten zu engagieren und diese möglichst auf die latenten (objektive) zurückführen.“1

Es geht also um die Bildung der Vorstellungs- und Urteilsfähigkeit im Politikunterricht. Die Definition nach Giesecke besagt uns, dass das didaktische Prinzip ‚Konfliktorientierung’ die Schüler dazu animieren soll eine kritische Denkweise zu verschaffen.

Das Konzept soll fassbare Anregungen für den Unterricht zukommen lassen - anhand realer oder simulativer Konfliktbehandlungen.

Zu diesem Zweck geht es in der schriftlichen Ausarbeitung gezielt um die Konflikttheorie und ihre Umsetzung im Unterricht. Zu Beginn werde ich mich mit dem Ursprung der Konflikttheorie (Konfliktorientierung) befassen. Folglich stelle ich die Umsetzung der Konfliktorientierung für den Unterricht in den Fokus meiner Betrachtungen. Um dies genauer zu veranschaulichen, folgt eine Darstellung eines fiktiven Unterrichtsbeispiels. Zum Schluss runde ich meine Ausarbeitung mit einem Fazit ab.

2. Konfliktorientierung

2.1 Konflikttheorie

In diesem Kapitel möchte ich klarstellen, weshalb soziale Konflikte in der Gesellschaft und in der Schule durchaus notwendig und sinnvoll sind.

Eine Definition des Begriffs „Konflikt“ verschafft uns hierbei zunächst einen Überblick.

„Der Begriff Konflikt enthält nach Giesecke einen Sachverhalt der politischen Wirklichkeit, der geeignet ist, eine Vorstellung von Politik im Horizont des Alltagsbewusstseins zu vermitteln. Giesecke versteht Konflikt als eine Definition des Politischen. Mit Politik meint er demnach den Prozess der Auseinandersetzung um Streitfragen in der Gesellschaft bei offenem Ausgang.“[1]

Um die Ausgangsfrage beantworten zu können, ist es von Wichtigkeit die Aufgaben und Zielsetzungen des didaktischen Prinzips festzustellen, damit man die Umsetzung der Konfliktorientierung nach bestimmten Richtlinien analysieren kann.

Etwa ab 1920 wurden die staatlichen Lehrpläne in Richtlinien umgewandelt. Darin kam nun die stärker gewordenen Mitbestimmung des Lehrers zum Ausdruck. Von dieser Zeit an wurde die Unterrichtsmethode dem Lehrer praktisch freigestellt.

Somit wurde den Lehrer ermöglicht den Unterrichtsstoff anhand unterschiedlicher Methoden zu lehren.

Da ein Schüler einen Großteil seiner Erziehung und Weiterentwicklung in der Schule verbringt, besteht eine große Verantwortung für die Lehrer/Pädagogen. Das Hauptaugenmerk der politischen Bildung ist es, den Schülern bzw. Bürgern Demokratie zu lehren. Demnach besteht das Ziel darin, einen „mündigen Bürger“3 zu erziehen.

„Ziel politischen Lernens ist es, dass die jungen Menschen die Werte und Institutionen ihrer Gesellschaft verstehen und die Bereitschaft entwickeln, sie frei und selbstverantwortlich anzuerkennen, sich für sie einzusetzen oder aber Veränderungen anzustreben. Heranwachsende müssen die Fähigkeiten entwickeln, sowohl tradierte Vorstellungen und Weltorientierungen für das eigene Verhalten verbindlich zu machen, als sich auch gegebenenfalls bewusst davon zu lösen. Sie sollten in die Lage gesetzt werden, am Prozess der politischen Willensbildung, Vertretung und Durchsetzung von Interessen teilzunehmen.“4 (RPU-NRW)

Dies ist ein Auszug aus den Richtlinien für den Politikunterricht in Nordrhein-Westfalen. Im Jahre 2001 erfolgte dagegen eine Rahmenvorgabe, welche die Qualifikationen in Kompetenzen änderte. Die Kompetenzen stellen dabei die Anforderungen für einen fächerübergreifenden Unterricht. Heutzutage dienen die fächerübergreifenden Kompetenzen für die Messung der TIMMS- und PISA-Studie, auf die ich im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit noch zurückkommen werde.

Die Richtlinien legen drei Kompetenzen fest, welche im Politikunterrichtet angestrebt werden müssen. Zum einen ist dies die politische Urteilskompetenz, die für eine eigene Urteilsbildung in Bezug auf Politik bei den Schülern sorgen soll. Die zweite Kompetenz spricht die politische Handlungskompetenz an. Hierbei sollen essentielle Eigenschaften eieinander, weil sie voneinander abhängig sind. Deshalb ist ‚Demokratie-Lernen‘ ein Teil der Allgemeinbildung und der prnes aktiven Bürgers gelehrt werden, die für das Auftreten in der Öffentlichkeit erforderlich sind. Die letzte Vorgabe ist die der methodischen Kompetenz. Sie ist für die ansprechende Gestaltung des individuellen Lernens notwendig.

„Das gleiche Recht auf Teilhabe, unabhängig von der unterschiedlichen Nutzung dieses Rechts, bindet der Bürger anivaten Beliebigkeit zu überlassen.“5

Von dieser Aufgabenstellung her leitet sich die Notwendigkeit der Konflikte im Unterricht ab. Es gibt unterschiedliche Wege, ein Thema der Politik zu bearbeiten, und diese Wege stellen jeweils auch differenzierte Lernprozesse dar. Es ist nicht ein und dasselbe, wenn wir eine Fragestellung als Konflikt oder als Fall bearbeiten. Alle Lernmethoden erzielen am Ende unterschiedliche Lernergebnisse.

Nach Dahrendorf steht das Gleichgewicht reibungslosen Funktionierens von Gesellschaften mit sozialen Konflikten in Verbindung.6 Dahrendorf besagt in seiner These nämlich, dass die kontinuierliche Aufgabe sozialer Konflikte darin besteht, die Veränderungen in der Globalisierung aufrechtzuerhalten und zu fördern. Die autoritären Erzieher können hier ein Grund dafür sein, dass Kinder ihre Ängste verdrängen – dies ist eine weithin bekannte Tatsache. Folglich können wir auch behaupten, dass diktatorische Regime die Konflikte ihrer Gesellschaft unterdrücken. Es ist somit ein Zeichen der Demokratie, wenn man sich mit Konflikte beschäftigt. Die Konfliktorientierung ähnelt einem biologischen Lebenszyklus. Durch die ständige Problemlösung entstehen auch immer neue Probleme, welche gelöst werden müssen. Denn die Lösung eines Problem ist nie zu hundert Prozent gültig, sie erreicht maximal ein Stadium der Verifizierung, d.h. es besteht immer die Gefahr, dass die Lösung falsifiziert oder widerlegt wird.

Hermann Giesecke war der erste Didaktiker, der die Effektivität der Konflikte für den Schulunterricht bemerkte. Er hatte nämlich festgestellt, dass die Konflikte das Interesse der Jugendlichen anregen, wenn sie mit diesen in Konfrontation geraten. Er erkannte schnell, dass der Kontakt mit Konflikten zur eigenen Meinungsbildung führen kann. Um es genauer zu sagen, die Schüler sollen lediglich ihre Meinungen bedenken und gegebenenfalls korrigieren. Die aktive Teilnahme am Problem lösenden Denken erhöht die Bereitschaft sich zum selbstständigen Bürger zu entfalten. Das Besondere am Konfliktansatz ist, dass aktuelle Themen im Schulunterricht behandelt werden, die die Schüler in ihrem Leben außerhalb des Unterrichts tatsächlich betreffen. Die Schüler können ihre Alltagserlebnisse bzw. ihr Wissen mit dem Unterrichtsstoff leichter verknüpfen. Man stellt sich aber die Frage, wie es möglich ist, dass der Konflikt den Unterricht regiert und dadurch den Wissenserwerb provoziert.

„Vier Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit Konflikte ihren sozialen Sinn entfalten:

1. Konflikte müssen als unvermeidlich, als berechtigt, sogar als sinnvoll anerkannt werden.
2. Jeder Eingriff von außen in die Austragung von Konflikten muss sich auf die Form beschränken.
3. Auseinandersetzungen müssen in verbindlicher Weise kanalisiert sein, z.B. müssen die Konfliktgruppen organisiert und damit verhandlungsfähig sein.
4. Die Konfliktparteien müssen sich auf Spielregeln einigen, wie sie ihre Konflikte austragen wollen.“7

Hermann Giesecke listet dazu die Konfliktanalyse in elf Kategorien (Konflikt, Konkretheit, Macht, Recht, Interesse, Solidarität, Mitbestimmung, Funktionszusammenhang, Ideologie, Geschichtlichkeit, Menschenwürde) auf. Diese werden vor der Anwendung in Leitfragen verwandelt. Das soll nun nicht bedeuten, dass alle elf Kategorien in jeder Bearbeitung von Konflikten im Unterricht vorkommen müssen. Die Ausarbeitung erleichtert es den Schülern lediglich, das Problem schneller zu orten. So kann man im Voraus klären, welche Bereiche man auslassen bzw. beachten muss. Sie sind so genannte pädagogische Hilfsmittel.

Im nächsten Bereich werde ich untersuchen, ob die so genannten pädagogischen Hilfsmittel für den Aufbau eines Unterrichts sinnvoll sind.

[...]


1 Giesecke, Didaktik der politischen Bildung, 1972, S.144

[1] Gagel, Geschichte der politischen Bildung in der BRD 1945-1989/90, 2005, S.159

3 Reinhardt, Politikdidaktik, 2005, S.17

4 Reinhardt, Politikdidaktik, 2005, S. 19

5 Reinhardt: Politikdidaktik, 2005, S.17

6 Dahrendorf, Ralf: Homo Sociologicus, Ein Versuch zur Geschichte, Bedeutung und Kritik der Kategorie der sozialen Rolle, 10. Auflage 1971, S. 32

7 Reinhardt, Politikdidaktik, 2005, S.227f

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Das didaktische Prinzip „Konfliktorientierung“ im Politikunterricht. Wie wird es umgesetzt?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen  (Polititkwissenschaften)
Veranstaltung
Theorien und Modelle sozialwissenschaftlichen Unterrichts
Autor
Jahr
2011
Seiten
16
Katalognummer
V318751
ISBN (eBook)
9783668179042
ISBN (Buch)
9783668179059
Dateigröße
669 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Konflikttheorie, Konfliktorientierung, Politikdidaktik, Politikwissenschaften
Arbeit zitieren
Elias Bern (Autor), 2011, Das didaktische Prinzip „Konfliktorientierung“ im Politikunterricht. Wie wird es umgesetzt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318751

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