Das Saturnalienfest. Ursprung und Ablauf eines römischen Festes


Bachelorarbeit, 2012
42 Seiten

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Forschungen über antike Feste

3. Der römische Kalender im Überblick
3.1. Verschiedene Kalender
3.2. Aufbau im Überblick
3.3. Der Monat Dezember
3.4. Die Bezeichnung „EN“ bzw. „NP“

4. Die römischen Festcharaktere
4.1. Die Familienfeste
4.2. Die Bauernfeste
4.3. Die militärischen Feste
4.4. Antike Autoren

5. Das Saturnalienfest
5.1. Ablauf
5.1.1. Das öffentliche Fest
5.1.2. Die private Feier
5.2. Ursprung
5.2.1. Die Herrschaft des Ianus
5.2.2. Herkules‘ Zorn
5.2.3. Die Pelasger
5.3. Der Gott Saturn
5.4. Der Tempel des Saturns
5.5. Kronos und Kronien
5.6. Verbreitung und Nachleben

6. Ähnliche Feste
6.1. Das Fest der Ganymeda
6.2. Compitalia
6.3. Matronalia und Matr(on)alia
6.4. Nonae Caprotinae
6.5. Kalendae Ianuariae
6.6. Floralia
6.7. Lupercalia

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Der Großteil der Griechen und besonders Athen feiert dem Saturn

Heilige Feste, die stets bei ihnen Cronia heißen.

Und so begehen sie den Tag: Auf dem Land und in den Städten feiern alle

Fröhlich mit Schmausereien, und jeder bedient seine Sklaven.

So auch wir Römer, und wir haben von dort auch die Sitte

Überkommen, dass an diesem Tag Sklaven und Herren gemeinsam speisen.“

Mit diesen angeführten Sätzen berichtet Lucius Accius in seinen „Annalen“ (Frg. 3 M) über das Saturnalienfest in der Stadt Rom was seiner Meinung nach sogar älter sein soll, als die Gründung der Stadt selbst.[1]

Feiern, heute sehr beliebt bei Jung und Alt, wobei die Jugend heutzutage mehr das Wörter „Party machen“ dafür benutzen wird, aber der Sinn, ausgelassenes Trinken und tanzen, dahinter bleibt wohl der gleiche. Tanzen und Trinken bei Festen war bereits zu antiken Zeiten ein wichtiger Bestandteil eines jeden Festes, wobei man dazu sagen muss, dass dafür ein großer Teil der Tage im Kalender dafür vorgesehen war. Wie schon in den vorangegangenen Sätzen angesprochen, handelt es sich beim Saturnalienfest, was mit den Kronia gleichzusetzen ist, um ein sehr altes und natürlich allseits beliebtes Fest. Allgemein ist bekannt, dass das Feiern bei den Römern einen sehr hohen Stellenwert einnahm, da man darin mit Sicherheit einen Grund dafür sah, den Alltag ruhen zu lassen und seine Sorgen zu vergessen.

In folgender Arbeit wird nun „Das Saturnalienfest“ in Rom thematisiert. Dabei soll das Werk Saturnalia von Macrobius eine Hilfestellung, mittels einiger von mir ausgewählter Zitaten daraus, geben. Im Werk Saturnalia wird nämlich ausgiebig über Ursprung und Herkunft der Sitten, sowie auch über Götter und vieles mehr, unter ehrenhaften Personen diskutiert. Des Weiteren habe ich bei meiner Arbeit ausgiebige Fachliteratur verwendet, deren Titel im Literaturverzeichnis aufgeführt werden.

Im Verlauf der Arbeit soll zu Beginn ein Überblick über den Kalender zur Römerzeit gegeben werden, der auch die einzelnen Festlichkeiten vermerkt hatte. Über die Forschungsarbeit wird in groben Zügen im nächsten Punkt berichtet, wobei auch ein Teil der griechischen Literatur angeführt wird. Danach wird in kurzen Schritten auf die einzelnen Festcharaktere eingegangen werden, wobei Familienfeste, Bauernfeste und militärische Feierlichkeiten angeführt werden. Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit dem eigentlichen Hauptthema der Arbeit, und zwar dem Saturnalienfest. Hieraus soll geklärt werden, wie ein Tagesablauf der Saturnalia, sowohl in der Öffentlichkeit, als auch im privaten Kreise, abgelaufen ist, woher das Fest stammt und von wem es eingeführt wurde. Noch dazu werden Angaben zum Gott Saturn, dem das Fest gewidmet war, und seinem Sitz in Rom gemacht. Als letzten Punkt des Kapitels werde ich noch kurz auf die Kronien in Griechenland eingehen, sowie auf die Verbreitung und das Nachleben der Saturnalien im Laufe der Zeit. Im letzten Kapitel sollen einzelne Festlichkeiten aufgelistet werden, die den Anschein haben, den Saturnalien in ihren Ritualen zu ähneln, wobei ich mir erlaubt habe, selbst über die Ähnlichkeit Gedanken zu machen und diese natürlich mit eingefügt habe.

2. Forschungen über antike Feste

Viele Forscher beschäftigten sich in den [2] letzten Jahrzehnten mit dem Thema Feste feiern. Erschienen sind dabei Werke, die darüber sprechen, wie gewisse Feste und deren Entwicklung in historischen Zeitaltern, wie Antike oder Mittelalter, in verschiedenen Ländern ausgesehen haben mochten.

Ob antike Feste eine Art Funktion der Erinnerung bilden sollten, wurde von den Altertumswissenschaftlern erst relativ spät erforscht. Dies soll damit zusammenhängen, dass die griechisch-römische Welt lange Zeit ausschließlich unter religionswissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet wurde. Frühe Werke berichten darüber, dass der ursprüngliche, religiöse Sinn griechischer Feste in klassischer Zeit bereits vergessen war. Es ist zu erwähnen, dass Martin Nilsson und Ludwig Deubner jene Forscher waren, die dennoch versuchten, den religiösen Charakter der Feste zu rekonstruieren[3]. Diese Grundannahmen finden sich auch im Werk von Herbert W. Parke über die kalenderförmige Darstellung attischer Feste wieder[4]. Ein weiteres Werk, das vielversprechend klingt entwarf Robertson mit dem Titel „Festival and Legends: The Formation of Greek Cities in the Light of Public Ritual“. Sie legte es quellenkritisch an und betrachtete Feste, in denen Ereignisse und Gestalten der Vergangenheit thematisiert wurden, um nachzuweisen, dass die kultische Form der Kommemoration zu einer Verzerrung der Erinnerung an das tatsächlich Geschehene führte[5].

Zu dieser Zeit kam es in der Forschung über griechische Rituale also zu einer grundlegenden Neuorientierung, welche unter anderem auch Walter Burkerts zu verdanken ist. Dieser kombinierte Konzepte der funktionalistischen Soziologie mit psychoanalytischen und verhaltensbiologischen Ansätzen und betonte die gruppendynamischen, integrativen und formierenden Wirkungen von Ritualen, während er ihrer Orientierungsleistung weniger Betrachtung schenkte[6]. Zu Beginn der 1990er Jahre legte Angelos Chaniotis die erste Studie über griechische Feste, die unter den modernen Fragestellungen interpretiert wurde, vor[7].

All dies gilt ebenso für die Erforschung der römischen Feste, welche lange an einem Dekadenzmodell festhielt. Auch G. Wissowas und K. Lattes Denkansätze waren davon betroffen. Ein weiteres wichtiges Werk zur Erforschung römischer Feste, stellt auch das Werk „Festivals and Ceremonies oft the Roman Republic“, was von Scullard geschrieben wurde und eine Fortsetzung und Aktualisierung des Standartwerkes von W. W. Fowler ist[8]. Die Betrachtung von religiösen Bräuchen als Teil eines sozialen Systems, welches einem steten Wandel unterlag, hat sich erst in einem Werk in den 1990er Jahren durchgesetzt. M. Beard, J. North und S. Price haben nämlich ein Handbuch verfasst, dass den Namen „Religions of Rome“ trägt und im deutschsprachigen Raum durch J. Rüpke den Durchbruch schaffte[9]. Dadurch gab es zusätzliche Impulse, die den Blick auch auf die Erinnerungsfunktion von Festen lenkte. K. J. Hölkeskamp wies mit diesem Wissen 2005 in seinem Werk explizit auf den engen Zusammenhang zwischen Kollektiverinnerung und Ritualen hin, was er auch in seinen Arbeiten belegte[10].

Was auffallend erscheint, ist, dass den Feste der römischen Kaiserzeit eher wenig Interesse zugesprochen wird, von den stadtrömischen Zirkusspielen abgesehen, aber es wurden doch einige Grundlagenarbeiten dafür geschrieben. Dabei hatte man die ausschweifend großen Kaiserfeste und ihre Rezeption in den Provinzen rekonstruiert und erschloss dabei durch genaue Textinterpretationen neue Quellen für den Festkalender der römischen Armee und für die Festkultur griechischer Städte in der Kaiserzeit. Man hatte auch die Jahreskalender und Festverzeichnisse des antike Italiens, sowie auch die Akten der stadtrömischen Arvalbrüderschaft in Neuausgaben vorgelegt. S. Price deutete dabei im Jahr 1984 den Kaiserkult erstmals als symbolischen Gabentausch zwischen provinzialen Eliten und dem Kaiser[11]. Dabei haben eben provinziale Eliten dem Kaiser göttliche Ehren zukommen lassen und erhielten im Gegenzug dafür Anerkennung ihrer eigenen Machtposition.

3. Der römische Kalender im Überblick

3.1. Verschiedene Kalender

Die Aufgabe eines römischen Kalenders war es, das Maß für die gesellschaftliche Zeit zu setzen und dabei besondere Vorkommnisse zu markieren. Deswegen bildet ein Kalender auch die Grundlage für eine Chronik. Diese sind auch besser bekannt als lunisolare Kalender, da die Monate nach dem Mondzyklus berechnet wurden, das Jahr hingegen nach dem Sonnenumlauf. Heute weiß man deswegen bestens Bescheid über die antiken römischen Kalender, da man auf Grund der literarischen Quellen und teils auch erhaltenen Fragmenten alter Kalender einen guten Einblick in das System bekommt. Mehr als vierzig alte Fasti, die in Stein gemeißelt wurden, hat man noch finden können. Die ältesten enthalten dabei die Einteilung des Jahres und der Jahreszeiten nach Monaten, die von Varro als Mondperioden dargestellt wurden. Der prächtigste und zugleich auch größte Kalender darunter wird Fasti Praenestini genannt. Er war halbkreisförmig aufgestellt, wobei seine Höhe beinah 2 m betrug und die Breite etwa 5,5 m. Am besten sind die Monate Januar, März, April und Dezember erhalten. Er ist wahrscheinlich in den Jahren 6 bis 9 n. Chr. entstanden und weist viele Fehler bei der schriftlichen Ausführung auf. Vermerkt sind die Nundinalbuchstaben, Tagescharaktere und gegebenenfalls auch Festkürzel. Des Weiteren sind auch die Gesamtsummen der Tage für jeden einzelnen Monat im Kalender vermerkt worden. Alle weiteren, bis auf einen einzigen, stammen aus der Zeit des Augustus oder Tiberius. Diese Ausnahme stellen dabei die Fasti Antiates Maiores, die man 1915 fand, dar. Der Kalender stammt aus Antium und datierte nach Degrassi in die Zeit zwischen 67 und 55 v. Chr.[12], womit er der einzige vorjulianische Kalender der Republik wäre. Mit den Aufzeichnungen begann man wahrscheinlich bereits im Jahre 170 v. Chr. Der Kalender besteht aus Stuck, auf welchem man rote und schwarze Buchstaben malte. Vermerkt sind darin sakrale Feste, um die sich die „Geschichte“ der frühen Republik lagert, religiöse Zeremonien, deren Aitiologien Licht weit zurück in eine ferne Vergangenheit warfen, aber auch die dies atri. Im magistratischen Teil findet man die eponymen Konsulare und in der Regel in jedem fünften Jahr in roter Farbe die Zensoren, wobei die noch erhaltenen Namen vom Zeitraum zwischen 164 und 84 v. Chr. reichen. Diese Einordnung der Gedenk- und Festtage im Jahresverlauf lies den Kalender als eine Art öffentliche Jahreschronik erscheinen, mit der der Bürgerschaft jedes Jahr aufs Neue die Geschichte vor Augen geführt werden soll.[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Fasti Antiates Maiores

Viele Kalender stammen direkt aus Rom oder aus der näheren Umgebung. Einen Kalender fand man sogar auf Sizilien, womit bewiesen wäre, dass Abschriften des Julianischen Kalenders nicht nur in Italien, sondern auch in den Provinzen angefertigt wurden. Zwei spätere Kalender fand man auf, die die Form eines Manuskriptes aufweisen. Dabei handelt es sich um die Kalender des Philocalus aus dem Jahre 354 n. Chr. und des Polemius Silvius aus dem Jahre 448 n. Chr. Man fand auch zwei Bauernmanachen auf Bronzewürfel, die die landwirtschaftlichen Arbeiten, die zu machen waren, jeden Monat aufführen. Diese waren auch mit sternkundlichen Informationen verbunden. Kalenderkenntnis war ursprünglich nur Priestern vorbehalten, welche auch für die genaue Einhaltung der Termine verantwortlich waren. Cn. Flavius soll aber im Jahr 304 v. Chr. auf ein Verzeichnis der dies fasti und nefasti, sowie eine Zusammenstellung bei Gericht üblicher Prozessformen auf dem Forum ausgestellt haben. Somit konnte sich jeder darüber informieren, wann genau Rechtsangelegenheiten abgehandelt werden konnten. Durch die Aufnahme der Feste in den Kalender wurden jene kanonisch und kehrten somit jedes Jahr wieder ein[14]. Vier Jahre später wurden dann die Priester- und Augurenkollegien für die Plebejer geöffnet, womit der Zugang zum Kalender immer weiter verbreitet wurde. Konsul M. Fulvius Nobilior stellte im Jahr 189 v. Chr. einen Kalender mit zusätzlichen Bemerkungen auf den Mauern des Herculestempels und der Musen auf. Der Gelehrte Verrius Flaccus, der in augusteischer Zeit lebte, entwickelte danach einen Kalender mit Eintragungen, den er auf dem Forum von Praeneste aufstellte, wobei auch Teile im Praenestischen Kalender erhalten sind. Jedenfalls steht fest, dass die in Großbuchstaben eingetragenen Feste älter als die Zusätze der in Kleinbuchstaben stehenden sind. Viele von diesen Festen sind in der Tat so alt, dass sie bis in die archaische Zeit zurückreichen. Einen Teil der alten Feste, so auch das Saturnalienfest, wurde jedes Jahr aufs Neue gern gefeiert. Andere Feste gerieten aber mit der Zeit teilweise in Vergessenheit und erstarrten in republikanischer Zeit oft vollkommen.[15]

3.2. Aufbau im Überblick

Wie nun ein Kalender im Detail aussieht, möchte ich unter diesem Punkt, an Hand des julianischen Kalenders, in kurzen Zügen erläutern. Den ältesten funktionierenden Kalender schrieb Cicero in einem seiner Werke (Cic. De legibus II 29) Numa Pompilius zu. Bevor der Kalender des Numa gültig wurde, gab es einen Kalender, der auf zehn Monaten basierte und somit 304 Tage aufwies. Dieser begann nicht wie heutzutage mit dem Januar, sondern mit dem Monat März. Numa ließ die Monate Januar und Februar hinzufügen und so hatte das Jahr 355 Tage. Alle Tage wurden von ihm entweder als Festtage, die den Göttern geweiht waren, Werktage, die den Menschen überlassen waren oder unterbrochene Tage, die sowohl für Götter als auch Menschen waren, genannt. Im Einzelnen betrachtet bedeutet dies, dass die Monate März, Mai, Juli und Oktober 31 Tage enthielten und alle übrigen, bis auf Februar, der mit 28 Tagen die wenigsten hatte, 29 Tage aufwiesen. Problem war nur, dass einige Korrekturen von Nöten waren, wenn das Jahr mit dem Sonnenjahr übereinstimmen sollte und deshalb wurden Schaltmonate eingeführt. Es wurden 22 oder 23 Tage, die Mercedonius oder Intercalarius genannt wurden, dazwischengeschaltet. Dies sollte eigentlich die Aufgabe der Pontifices sein, die ihre Aufgabe nicht immer optimal ausführten und so kam es dazu, dass des Öfteren Kalender- und Sonnenjahr nicht übereinstimmten.[16]

Macrob. Sat. 1.16,2 (über die Einführung des Numa-Kalenders):

„Numa ut in menses annum, ita, in dies, mensem quemque distribuit, diesque omnes aut festos aut profestos aut intercisos vocavit. Festi dis dicati sunt, profesti hominibus ob administrandam rem privatam publicamque concessi, intercisi deorum hominumque communes sunt.”[17]

Mit der Zeit schrie es nach einer Kalenderreform, die schließlich durch Julius Caesar mit Hilfe des Astronomen Sosigenes im Jahre 46 v. Chr. unternommen wurde. Am 1. Januar 45 v. Chr. trat dieser neue Kalender dann in Kraft und dieser gilt bis heute noch, denn beigefügt wurden nur wenige Änderungen. Auf dem Lande jedoch hielt man sich, auch nach der Kalenderreform, an den wohlbekannten Bauernkalender. Dennoch muss man dazu sagen, dass die Monatstage bei den Römern nach einem ganz anderen Prinzip gezählt wurden, denn bei ihnen wurden die Monate nicht durchlaufend der Reihe nach gezählt, sondern jeder Monat hatte drei Fixpunkte. Diese Fixpunkte wurden Kalenden (1. Tag im Monat), Nonen (5. oder 7. Tag im Monat) und Iden (13. oder 15. Tag im Monat) genannt. Andere Tage wurden angegeben, indem man von diesen drei Fixpunkten die Tage zählte, z.B. 2 Tage vor den Kalenden. Zu den jeweiligen Fixpunkten wurden besondere Zeremonien durchgeführt, wobei z.B. wartete ein Priester an den Kalenden, die der Juno geweiht waren, solange, bis der Neumond erschien und meldete dies sogleich dem Rex Sacrorum. Darauf brachte man ein gemeinsames Opfer dar und der Oberpriester rief das Volk in der Curia Calabra auf dem Kapitol zusammen, auf der er dann das Datum der Nonen verkündete. Währenddessen opferte die Frau des Rex Sacrorum der Juno ein Schwein oder ein Lamm in der Regia. Sobald die Nonen herankamen, begaben sich die Leute, die auf dem Land lebten in die Stadt, in der der Rex von der Burg des Kapitols aus die Feiertage (feriae) des Monats verkündete. Eben durch diesen Kalender erhielten die Feiertage feste Daten, soweit sie nicht ihren alten Charakter als bewegliche Feiertage behalten hatten. Der jeweilige Tagescharakter stand in abgekürzter Form (C, F, N, NP, EN, FP) neben dem jeweiligen Tag (zur näheren Erläuterung von NP und EN siehe 2.4.). Auch die Markttage waren für einen Römer wichtig, denn dort verkauften die Bauern ihre Produkte an die städtische Bevölkerung. Dieser Markt fand jeden achten Tag statt und auch nundinae bezeichnet wird. Die Zeit zwischen den nundinae Terminen nannte man nundinum. Die Kalender waren deswegen in einem periodisch wiederkehrenden Zyklus mit den Buchstaben A bis H markiert. Die nundinae genannten Tage wurden ab dem 1. Jh. v. Chr. dies fasti, sodass alle geschäftlichen Arbeiten ruhten. Vielleicht wollte man somit die Siebentage-Woche in Rom einläuten, die bereits in Babylonien bekannt war. Das früheste Zeugnis einer Siebentage-Woche stammt aus augusteischer Zeit aus dem Land der Sabiner. Ab der Kaiserzeit setzte sich diese endgültig durch. Einige Tage erhielten auch Namen von gewissen Planeten, wie Saturn, Sonne, Mond, Mars, Merkur, Jupiter und Venus. Nicht, dass dies bereits genügen würde, so unterschied man auch noch weitere Tage. So gab es z.B. Tage speziell für Gerichtsverfahren oder für politische Angelegenheiten, Volksversammlungstage und gemischte, die gleichermaßen für Götter und Menschen waren. Betrachtet man nun die einzelnen Tagesstunden, so wird man feststellen, dass es bei den Römern nicht wie heutzutage die 60-Minuten Stunde gab, obwohl ein Tag bei ihnen 24 Stunden betrug. Bei den Römern hatte nämlich eine Tagestunde nicht die gleiche Länge wie eine Nachtstunde. Dies änderte sich je nach Monat, aber die Mitternachtsstunde blieb jeden Tag die sechste Stunde der Nacht und die Mittagstunde blieb immer die sechste Stunde des Tages.[18]

Allbekannt ist, dass die Römer sehr abergläubisch waren und sie deswegen schwarze Tage (dies atri) einführten. Diese folgten jeweils auf die Kalenden, Nonen und Iden eines jeden Monats. Es war dabei verboten, etwas Neues zu beginnen, sowie Kultfeiern durchzuführen. Aber nicht nur diese 36 Tage wurden als schwarze Tage angesehen, sondern auch jeder vierte Tag vor den Kalenden, Nonen und Iden, was auf verschiedene geschichtliche Ereignisse zurückgeht, wie z.B. eine Niederlage bei einer Schlacht auf Seiten der Römer. Es wurde auch nicht empfohlen an den Kalenden, Nonen oder Iden zu heiraten, weil die darauffolgenden Tage für Bräute als Start in die Ehe für ungünstig angesehen wurden. Noch dazu war man eine Zeit lang überzeugt, dass das ganze Jahr schlecht verlaufen würde, wenn die Kalenden des Januars oder die Nonen irgendeines Monats mit den nunidnae zusammenfielen. Warum man so dachte, lässt sich daraus erschließen, dass bei einer solchen Konstellation öffentliche Unruhen entstanden sind.[19]

3.3. Der Monat Dezember

Im Dezember fanden keine öffentlichen Spiele statt, aber dennoch sind im römischen Kalender sechs Feste eingetragen, über die man aber nur wenige Kenntnisse besitzt. Den römischen Bauern war es wohlmöglich erlaubt, an einigen von ihnen teilzunehmen, da sie in diesem Monat weniger durch ihre alltäglichen Tätigkeit, nämlich der Feldarbeit, beansprucht wurden. Sie mussten aber in diesem Monat die Weingärten düngen, Bohnen säen und auch Oliven pflücken. Der Monat selbst stand unter dem besonderen Schutz der Vesta. Varro verweist auf härtere Arbeiten, wie z.B., dass neue Gräben angelegt werden mussten und alte gesäubert gehören, sowie auch Wein- und Obstgärten gelichtet werden sollten. Noch dazu sollten Lilien und Krokusse gesetzt werden (Varro R.R. 1.35).[20]

Die bereits vorhin erwähnten Feste im Dezember wären das Agonium Indigeti am 11. Dezember, die Consualia am 15. Dezember, die Saturnalia am 17. Dezember, die Opalia am 19. Dezember, die Angeronalia bzw. Divinalia am 21. Dezember und zu guter Letzt noch die Larentalia am 23. Dezember.[21]

3.4. Die Bezeichnung „EN“ bzw. „NP“

Im alten Kalender waren Ankündigungen religiöser[22] Feste, wie bereits erklärt, in Großbuchstaben gekennzeichnet. Das Saturnalienfest am 17. Dezember, wie auch viele andere Feste, wird im römischen Festkalender mit den Buchstaben „EN“ bzw. „NP“. markiert. Ursprünglich trugen die Saturnalien im Kalender die Bezeichnung „EN“, aber nach der julianischen Kalenderreform wechselte die Bezeichnung zu „NP“.

Beide Abkürzungen gehören zu den am häufigsten vorkommenden im Kalender, wobei ich im Zuge meiner Arbeit nur auf beide zu sprechen kommen werde, da, wie bereits erwähnt, das Saturnalienfest diese beiden Abkürzungen aufweist.

[...]


[1] Ambrosius 2008, 45f. 1,7,36-37.

[2] Vgl. Beck-Wiemer 2009, 18;23-.

[3] Nilsson 1906 u. Deubner 1932 in: Beck-Wiemer 2009, 23.

[4] Parke 1977 in: Beck-Wiemer 2009, 23.

[5] Robertson 1992 in: Beck-Wiemer 2009, 23.

[6] Burkert 1977, 382-402 in: Beck-Wiemer 2009, 23.

[7] Chaniotis 1991 in: Beck-Wiemer 2009, 24.

[8] Scullard 1981 u. Fowler 1899/1908 in: Beck-Wiemer 2009, 24.

[9] Beard-North-Price 1998 u. Rüpke 2001 in: Beck-Wiemer 2009, 24.

[10] Hölkeskamp 2005 in: Beck-Wiemer 2009, 25.

[11] Price 1984, bes. 65-88 in: Beck-Wiemer 2009, 25.

[12] Degrassi 1963, 28 in: Rüpke 1995, 44; Scullard datiert den Kalender in die Zeit zwischen 84 und 46 v. Chr., was aber dennoch noch die vorjulianische Zeit wäre in Scullard 1985, 68.

[13] Vgl. Scullard 1985, 61-68; Rüpke 1995, 43. 114-117; André 1994, 124. König 1991, 75; Beck-Wiemer 2009, 35f.

[14] Vgl. Beck-Wiemer 2009, 35.

[15] Vgl. Scullard 1985, 68-71.

[16] Vgl. König 1991, 75; Scullard 1985, 61f.; André 1994, 124; Macrobius 2008, 72 1.15,2.

[17] Vgl. Macrobius 1970, 74.

[18] Vgl. Scullard 1981, 60-64; König 1991, 75f.; André 1994, 124-126.

[19] Vgl. Scullard 1981, 67.

[20] Vgl. ebd. 279.

[21] Vgl. König 1991, 71-74.

[22] Vgl. Scullard 1981, 64-66; König 1991, 77f.; Christ 1876, 177.

Ende der Leseprobe aus 42 Seiten

Details

Titel
Das Saturnalienfest. Ursprung und Ablauf eines römischen Festes
Autor
Jahr
2012
Seiten
42
Katalognummer
V318762
ISBN (eBook)
9783668179264
ISBN (Buch)
9783668179271
Dateigröße
686 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Saturnalien, Fest, Antike, Alte Geschichte, Kalender, Saturn
Arbeit zitieren
Jessica Schnugg (Autor), 2012, Das Saturnalienfest. Ursprung und Ablauf eines römischen Festes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318762

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