Im Zuge meines Studiums und der Veranstaltung "Gesellschafts- und erziehungswissenschaftliche Grundlagen der Sozialen Arbeit" habe ich mich der Frage zugewandt, ob es einen Zusammenhang zwischen der Diagnose "Schizophrenie" und frühkindlichen traumatischen Erfahrungen gibt.
Darauf gebracht hat mich der Praxisfall "Anna", den ich während meiner beruflichen Tätigkeit als angehende Sozialarbeiterin erlebt habe: Anna (Name geändert) schilderte mir in einem Gespräch ihre Situation: Sie hört seit einiger Zeit regelmäßig Stimmen, hat aufgrund dessen Albträume und kann seit Beginn dieser Symptome nur noch mit Licht einschlafen. Ihr Zustand wurde so schlimm, dass sie in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Nach Beendigung des stationären Aufenthaltes ging es für sie weiter in eine Einrichtung der stationären Kinder- und Jugendhilfe, in der wir dann in Kontakt kamen. Im Gespräch erzählte sie mir, dass ihr Vater sie in der Kindheit seelisch misshandelt hat. Die Stimmen, welche sie hört, geben Worte wieder, die auch ihr Vater damals benutzt hat...
Nach dieser Schilderung habe ich mich mit der Fragestellung auseinandergesetzt, ob es zwischen frühkindlicher Erfahrung und aktueller Symptomatik tatsächlich einen Zusammenhang gibt. Und hat Anna wirklich Schizophrenie?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Trauma
2.1 Definition
2.2 Traumatische Zange
2.3 Hirnforschung
2.4 Auswirkungen/Symptomatik eines Traumas (gem. ICD-10)
2.4.1 Unmittelbar
2.4.2 Kurzfristig
2.4.3 Langfristig
2.5 Schutz- und Risikofaktoren
2.6 Begleitdiagnosen
3. Schizophrenie
3.1 Definition
3.2 Betroffene
3.3 Symptomatik
3.3.1 Störung der Denkabläufe
3.3.2 Wahn
3.3.3 Halluzination
3.3.4 Ich-Störung
3.3.5 Störung der Gefühlswelt / Affektstörung
3.3.6 Ambivalenz und Autismus
3.3.7 Störung der Bewegung und des Antriebs (katatone Symptome)
3.4 Negative und produktive Symptome
3.5 Diagnostik (gem. ICD-10)
3.6 Verlauf
3.7 Ursachenforschung
3.8 Hirnforschung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand eines Fallbeispiels einer Jugendlichen in der stationären Kinder- und Jugendhilfe, ob ein kausaler Zusammenhang zwischen frühkindlichen traumatischen Erfahrungen und dem späteren Ausbruch einer Schizophrenie besteht.
- Neurobiologische Grundlagen von Traumata und deren Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung
- Klinische Symptomatik und Diagnostik der Schizophrenie nach ICD-10
- Vergleichende Analyse der Symptome von posttraumatischen Belastungsstörungen und Schizophrenie
- Rolle der Hirnforschung bei der Untersuchung kognitiver Störungen
- Multifaktorielle Ursachenforschung unter Berücksichtigung von Schutz- und Risikofaktoren
Auszug aus dem Buch
2.2 Traumatische Zange
Zuletzt genannter Vorgang wird als „traumatische Zange“ bezeichnet. In einer Extremsituation wie beispielsweise einer sexuellen Misshandlung wird das Gehirn, laut Huber (2009: 40 – 44), mit aversiven Reizen überflutet. Es erkennt diese Situation als Lebensbe- bzw. Annihilationsdrohung. Die bildlich gesehene Zange wird nun deutlich, indem wir zwei Möglichkeiten haben, das Trauma bzw. die Situation doch noch abzuwenden oder zu mildern: Fight or Flight. Auf der einen Seite der Kampf (Fight) – bleiben wir beim Beispiel der sexuellen Misshandlung, versucht das Opfer vermutlich, die/den TäterIn abzuwehren, durch „um-sich-schlagen“, treten, etc. Auf der anderen Seite steht die Flucht (Flight) – hier wird das Opfer versuchen, wegzulaufen. Ist beides nicht möglich, „schnappt die Zange zu“. Was danach folgt, nennt sich „Freeze“ und „Fragment“: Freeze bedeutet wörtlich übersetzt „einfrieren“ und meint die psychische Lähmung. Massen an freigesetzten Endorphinen und Noradrenalinen führen zu einer „Blockierung“ – das Opfer erstarrt und entfremdet sich vom Geschehen. Fragment meint wiederum die Fragmentierung, d. h. die Zersplitterung, der Erfahrung. Das führt dazu, dass die erlebten Geschehnisse nicht mehr „[…] zusammenhängend wahrgenommen und erinnert werden […]“ können (Huber 2009: 43).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Praxisfalls „Anna“ und Formulierung der Forschungsfrage nach dem Zusammenhang zwischen frühkindlichem Trauma und Schizophrenie.
2. Trauma: Theoretische Herleitung des Trauma-Begriffs, der physiologischen Prozesse der „traumatischen Zange“ und der Auswirkungen auf die Hirnentwicklung sowie Klassifikation nach ICD-10.
3. Schizophrenie: Detaillierte Darstellung der Schizophrenie, ihrer Symptomatik, der diagnostischen Kriterien gemäß ICD-10, unterschiedlicher Verlaufsformen sowie der aktuellen Ursachen- und Hirnforschung.
4. Fazit: Synthese der Ergebnisse, die Gemeinsamkeiten der Hirnregionen (limbisches System) bei Trauma und Schizophrenie aufzeigt und die Hypothese eines verlaufsorientierten Zusammenhangs diskutiert.
Schlüsselwörter
Trauma, Schizophrenie, frühkindliche Erfahrung, Hirnforschung, ICD-10, limbische System, PTBS, psychische Störung, Symptomatik, Ursachenforschung, Entwicklungstrauma, psychotische Störung, Gedächtnisforschung, Resilienz, Diagnose.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob schizophrene Erkrankungen eine Folge von in der Kindheit erlittenen Traumata sein können, illustriert durch einen spezifischen Fall aus der stationären Jugendhilfe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die neurobiologischen Folgen von Traumata, die Symptomatik der Schizophrenie und die wissenschaftliche Diskussion über einen potenziellen Zusammenhang beider Krankheitsbilder.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Forschungsfrage, ob ein Zusammenhang zwischen frühkindlichen traumatischen Erfahrungen und späterer Schizophrenie existiert, unter Einbeziehung neurologischer Erkenntnisse.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Einzelfallauswertung, um theoretische Konzepte der Psychiatrie und Psychotraumatologie auf einen praktischen Fall anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Erläuterung der Traumafolgestörungen, die detaillierte Beschreibung schizophrener Symptome und Diagnostik sowie die Darstellung relevanter Ergebnisse aus der Hirnforschung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Trauma, Schizophrenie, ICD-10, limbische System, PTBS und Hirnforschung.
Wie erklärt die Autorin den „traumatischen Zangen“-Effekt?
Die „traumatische Zange“ beschreibt den Zustand, in dem eine Person weder kämpfen noch fliehen kann (Fight or Flight), was zu psychischer Lähmung (Freeze) und einer fragmentierten Erinnerungsbildung führt.
Welche Bedeutung hat das limbische System bei beiden Störungsbildern?
Das limbische System, insbesondere Hippocampus und Amygdala, spielt sowohl bei der Verarbeitung traumatischer Erlebnisse als auch bei der Schizophrenie eine zentrale Rolle, wenngleich die Ausprägung der Störung in der Reizverarbeitung unterschiedlich ist.
- Arbeit zitieren
- Christin Brune (Autor:in), 2016, Schizophrenie als Folge frühkindlicher traumatischer Erfahrungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318771