Von der Diskriminierung zur Massenvernichtung. Stundenentwurf zur NS-Judenpolitik Klasse 9 Gymnasium


Hausarbeit, 2013
23 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Thema der Stunde und Stoffeinheit
1.1 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit
1.2 Tabellarische Einordnung der Stunde

2. Unterrichtsziele
2.1 Sachkompetenz
2.2 Methodenkompetenz

3. Unterrichtsvoraussetzungen
3.1 Bedingungsanalyse
3.2 Fachwissenschaftliche Analyse
3.3 Didaktisch – Methodisches Konzept der Stunde Zeit

5. Reflexion der gehaltenen Stunde

6. Literatur

7. Anhang

Bildquellen

Textquellen

1. Thema der Stunde und Stoffeinheit

1.1 Stellung der Stunde in der Unterrichtseinheit

Das Thema meiner Stunde ist in die Unterrichtsreihe „Das nationalsozialistische Deutschland 1933-1945“ einzuordnen. Genau genommen in das Themengebiet „Umsetzung der NS-Rassenideologie.[1]

Die Unterrichtsreihe ist mehrdimensional aufgebaut, d.h. es werden verschiedene Bereiche der Geschichte angesprochen: Politik-, Alltags- und Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, etc. Um den SuS[2] eine zeitliche und räumliche Orientierung zu geben und die Bedeutung einer Diktatur im Vergleich zu einer Demokratie sichtbar zu machen, wurde die NS-Machtergreifung an den Anfang der Unterrichtsreihe gestellt. Den SuS wurde bewusst gemacht, mit welchen legalen, aber auch illegalen Maßnahmen die Nationalsozialisten die Weimarer Republik innerhalb kürzester Zeit zugrunde richteten. Es hatte den Vorteil noch einmal das Scheitern der Weimarer Republik mit den SuS zu diskutieren und zu reflektieren. Es kamen im Verlauf der Stunden immer wieder Fragen auf. Insbesondere nach der Schuldfrage der Bevölkerung in der NS-Zeit. Daher wird die NS-Propaganda der NS-Machtergreifung direkt nachgestellt.

Meine Stunde ist in den Bereich „Alltags- und Sozialgeschichte“ einzuordnen. In der vorangegangen Stunde haben die SchülerInnen bereits verschiedene Personengruppen (Frauen, Jugend, Kinder) und deren Alltag im Nationalsozialismus kennen gelernt. Diese Stunde wurde ebenfalls von mir gehalten. Es war eine Mischung aus einem Schülervortrag und Einzelarbeit in Form eines Lernbuffet. Durch das Kennenlernen von verschiedenen Personengruppen im Nationalsozialismus wurden die SuS darauf aufmerksam, dass jede dieser anders von dem NS-Regime behandelt wurde. Daran anknüpfend wurden sie in meiner Stunde erstmalig auf die Gruppierung der Juden und deren Schicksal zur Zeit des Nationalsozialismus aufmerksam gemacht.

Man könnte die Stunde auch später im Verlauf der Unterrichtsreihe halten. Bei der Thematik Vernichtungskrieg kann diese Thematik mit aufgegriffen werden, da diese direkt im Zusammenhang damit steht. Mir war jedoch wichtig, dass die SuS sich früher mit der Thematik auseinandersetzen, da die systematische Verfolgung der jüdischen Bevölkerung direkt nach der Machtergreifung Hitlers ihren Anfang hatte.

1.2 Tabellarische Einordnung der Stunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Unterrichtsziele

2.1 Sachkompetenz

Die SuS kennen wichtige Ereignisse, Entwicklungen und Strukturen aus der Zeit des Nationalsozialismus. Sie können selbstständig Fragestellungen in Darstellungen erkennen, verstehen und auf die eigene Fragestellung beziehen. Des Weiteren können die SuS den Konstruktionscharakter von Geschichte und die Prinzipien historischer Erkenntnis reflektieren. Sie können selbstständig historische Ereignisse und Entwicklungen räumlich und zeitlich einordnen, deren Nach- und Nebeneinander erfassen und darstellen. Weiterhin können die SuS zwischen Quellen und Darstellungen unterscheiden.[3]

2.2 Methodenkompetenz

Die SuS können verschiedene Hypothesen entwickeln und daraus das methodische Vorgehen zur Überprüfung der Hypothesen ableiten und reflektieren. Sie können selbstständig erkenntnisorientiert recherchieren, relevante Informationen sachgerecht auswählen und dabei die Gattungsspezifik der verschiedenen Medien beachten. Weiterhin können die SuS selbständig unterschiedliche Quellenaussagen zu einem Sachverhalt vergleichen und Perspektiven, Wirkungsabsichten und eventuelle Widersprüche analysieren und bewerten. Vor allem können sie ausgehend von der historischen Fragestellung Quellen gezielt auswählen, beschreiben, analysieren und interpretieren.[4]

2.3 Selbst- und Sozialkompetenz

Die SuS können das historische Gewordensein gegenwärtiger Verhältnisse und die Gegenwärtigkeit von Geschichte in der Gesellschaft bewusst wahrnehmen und reflektieren. Sie können die Bedeutung ausgewählter historischer Sachverhalte für die Gegenwart und das eigene Leben untersuchen und reflektieren. Außerdem können die SuS selbstständig das Handeln von Menschen vergangener Zeiten aus dem historischen Kontext heraus erklären und bewerten und triftige Sachurteile ableiten. Weiterhin können sie sich mit fremden Werturteilen auseinandersetzen, dabei eigene Orientierungen und Vorstellungen überprüfen. Die SuS setzen sich mit einer historischen Fragestellung arbeitsteilig auseinander. Sie diskutieren die Ergebnisse gemeinsam im Team und präsentieren Lösungsvorschläge.[5]

3. Unterrichtsvoraussetzungen

3.1 Bedingungsanalyse

Die Klasse 9a, die ich sowohl im Fach Geschichte, als auch im Fach Sozialkunde unterrichtete besteht aus insgesamt 25 Schülern. In der Klasse sind 14 Mädchen und 11 Jungen. Der Geschichtsunterricht findet im Raum 517 statt. Dieser Raum ist sehr gut für den Geschichtsunterricht geeignet. Er ist sehr groß, hell und bietet viele Medien zur Unterrichtsgestaltung. Es gibt einen OH-Projektor, Beamer, Computer und ein TV-Gerät. Des Weiteren besitzt der Raum eine Stereoanlage, diese dient insbesondere bei dem Abspielen von historischen Tonaufzeichnungen. Ich selber habe diese im Rahmen der Unterrichtsstunde zur NS-Propaganda benutzt. Die Klasse hat zwei Stunden Geschichte in der Woche. Montags in der 3. Stunde und Dienstags in der 5. Stunde. Am Montag, also der Tag an dem ich meine zu reflektierende Stunde gehalten habe, liegen die Fächer Geographie und Mathe vor der Geschichtsstunde. Außerdem ist zu erwähnen, dass vor der 3. Stunde eine etwas größere Pause von 15 min ist. In dieser haben die Schüler die Möglichkeiten Frühstück zu machen. Daher, so meine Einschätzung, sind die Schüler oft sehr gut auf den Unterricht konzentriert und haben gute Laune.

Mir hatte nur etwas Sorgen bereitet, dass die Klasse an diesem Tag in der 4. Stunde eine Klassenarbeit in Biologie geschrieben hat. Ich dachte daher, dass bei den Schülern der Fokus darauf liegt und der Geschichtsunterricht in den Hintergrund rückt. Diese Erwartung wurde jedoch nicht bestätigt, die Schüler nahmen sehr aktiv und konzentriert an meiner gehaltenen Stunde teil.

Meinen Erfahrungen nach, befindet sich alle Schüler innerhalb dieser Klasse auf einem sehr guten Leistungs- und Entwicklungsstand im Fach Geschichte. Außerdem kennen die SuS verschiedene historische Methoden. Grund dafür ist meines Erachtens, dass die Lehrerin einen sehr facettenreichen Unterricht durchführt. Es wird viel Gruppen- und Partnerarbeit durchgeführt. Bemerkenswert ist vor allem, dass fast alle SuS der Klasse sehr großes Interesse an Geschichte haben. Dies ist mir in erster Linie durch die aktive Teilnahme am Unterricht aufgefallen, aber auch dadurch, dass die SuS vielen Fragen haben und diese stellen und auch im Plenum diskutieren. Ein großer Vorteil war auch, dass ich die 9a auch in Sozialkunde unterrichtete. Ich konnte dadurch die meisten Schüler sehr gut in Bezug auf Stärken und Schwächen einschätzen.

Es muss trotzdem erwähnt werden, dass nicht alle SuS den gleichen Leistungsstand haben. Was ich aber für völlig normal halte. Es können ja nicht alle sehr gute Leistungen haben. Jedoch ist erwähnenswert, dass keiner auf dem Zeugnis im Fach Geschichte schlechter als „ausreichend“ bewertet wurde. Diese Note ist aber auch eine Ausnahme und kam nur zwei mal vor.

Zum Verhalten der Klasse ist zu sagen, dass ein sehr angenehmes Klima innerhalb dieser herrscht. Die SuS arbeiten zusammen als Team. Es gibt weder Mobbingvorfälle noch andere negative Auffälligkeiten. Natürlich gibt es mal eins oder zwei Ausnahmen. Dies kann aber auch situationsabhängig sein z.B. wenn ein Schüler in der Stunde zuvor eine schlechte Note bekommen hat oder privaten Probleme hat.

Insgesamt schätze ich die Klasse als sehr angenehm ein. Es macht Spaß dort zu unterrichten und man kann verschiedene Methoden austesten.

3.2 Fachwissenschaftliche Analyse

Der Umgang mit der deutschen jüdischen Bevölkerung zur Zeit des Nationalsozialismus wird im Wesentlichen in vier Phasen untergliedert. Die Bezeichnung der Phasen ist unterschiedlich, einig ist man sich aber weitgehend in deren zeitlichen Unterteilung: So wird mehrheitlich für die Zeit von 1933-1935 von einer 1. Phase des „friedlichen Terrors“[6], der „schleichenden Ausschaltung“[7] oder der Diskriminierung und Ausgrenzung gesprochen. Unmittelbar nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler inszenierten NSDAP Funktionäre spontane Proteste und „Juden unerwünscht“-Aktionen und riefen die deutsche Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäfte, Anwaltskanzleien und Arztpraxen auf. Am 7. April 1933 trat das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ in Kraft. Es ermöglichte den Nationalsozialisten, jüdische Beamte aus dem Staatsdienst zu entlassen und ihnen somit die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Von dieser Regelung blieben ehemaligen jüdische Soldaten oder deren Familienverwandte zunächst ausgeschlossen (Frontkämpferprivileg).[8]

Mit dem Erlass der „Nürnberger Gesetze“ am 15. September 1935 begann eine 2. Phase der nationalsozialistischen Judenpolitik. Diese wird auch als Phase der „systematischen Entrechtung der Juden“[9] oder der „Entjudung“[10] bezeichnet. Im „Reichsbürgergesetz“ wurde erstmals definiert, wer als „Jude“ oder „jüdischer Mischling“ galt. Mit dem Gesetz konnten nun auch die ehemaligen jüdischen Frontkämpfer aus dem Staatsdienst entlassen und den Juden jegliche politische Rechte abgesprochen werden. Im „Blutschutzgesetz“ wurden Eheschließungen zwischen Deutschen und Juden verboten und bereits geschlossen Ehen geschieden.[11] Zudem hatten Juden dem Staat gegenüber ihr gesamtes Vermögen anzumelden[12] und mussten sich in ihren Reisepässen als „Juden“ ausweisen.[13]

Ab 1938 wurde der Umgang mit den deutschen Juden wesentlich aggressiver. Erste größere Verhaftungswellen von „vorbestraften“ oder „arbeitsscheuen“ Juden im Sommer 1938 fanden am 9. November 1938, in der s.g. „Reichskristallnacht“, ihren Höhepunkt: Jüdische Synagogen und Friedhöfe wurden zerstört, jüdische Kaufhäuser und Wohnungen geplündert und ca. 30.000 Juden verhaftet und in Konzentrationslager verschleppt. Die entstandenen Schäden in Milliardenhöhe forderte die nationalsozialistische Regierung von den Juden zurück.[14] Ein menschenwürdiges Leben war nach diesem Tag nicht mehr möglich. Kein Jude durfte mehr am Berufsleben teilnehmen.[15] Außerdem mussten alle Juden ihre persönlichen Wertgegenstände dem Staat übergeben und einen „Judenstern“ tragen.[16] Seit 1941 wurde ihnen zudem die Auswanderung aus Deutschland verboten.[17] Die Zeit zwischen 1938-1941 wird deshalb auch als Phase der „systematischen Einschränkung des jüdischen Lebensbereiches“[18] oder der systematischen Verfolgung bezeichnet.

[...]


[1] Vgl.: Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur: Lehrplan für den Erwerb der allgemeinen Hochschulreife, Geschichte 2012, S. 26.

[2] SchülerInnen wird im Folgenden mit „SuS“ abgekürzt.

[3] Vgl.: Lehrplan Geschichte, S. 24-25.

[4] Vgl.: Ebd., S. 25.

[5] Vgl.: Ebd., S.25.

[6] http://www.zum.de/psm/ns/uebers13_ns.php (04.06.2013).

[7] http://www.geschichtskultur-ruhr.de/links/dvlaak.pdf (04.06.2013).

[8] Vgl.„Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933“.

[9] http://www.zum.de/psm/ns/uebers13_ns.php (04.06.2013).

[10] http://www.geschichtskultur-ruhr.de/links/dvlaak.pdf (04.06.2013).

[11] Vgl. „Reichsbürgergesetz“ und „Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom 15. September 1935.

[12] Vgl. „Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 26. April 1938.

[13] Zusätzlich zu ihren Vornamen mussten die männlichen Juden den Namen „Israel“, die weiblichen Juden den Namen „Sara“ tragen und ihre Reisepässe mit einem „J“ markieren lassen.

[14] Vgl. „Verordnung über die Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben“ und „Verordnung über eine Sühneleistung der Juden deutscher Staatsangehörigkeit“ vom 12. November 1938.

[15] Vgl. „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938.

[16] Vgl. „Verordnung über den Einsatz jüdischen Vermögens“ vom 3. Dezember 1938 und „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ vom 1. September 1941.

[17] http://www.ns-archiv.de/verfolgung/auswanderung/auswanderungsverbot.php (07.06..2013).

[18] http://www.zum.de/psm/ns/uebers13_ns.php (04.06.2013).

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Von der Diskriminierung zur Massenvernichtung. Stundenentwurf zur NS-Judenpolitik Klasse 9 Gymnasium
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
23
Katalognummer
V318832
ISBN (eBook)
9783668328983
ISBN (Buch)
9783668328990
Dateigröße
559 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
diskriminierung, massenvernichtung, stundenentwurf, ns-judenpolitik, klasse, gymnasium
Arbeit zitieren
Sascha Weidenbach (Autor), 2013, Von der Diskriminierung zur Massenvernichtung. Stundenentwurf zur NS-Judenpolitik Klasse 9 Gymnasium, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318832

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