In dieser Arbeit wird der Community Reinforcement Approach inhaltlich dargestellt. Grundlegende Details werden anhand des Assessments und des Abstinenz-Kontos beschrieben. Die Behandlung im Rahmen des CRA wird anhand der medikamentösen Behandlung, des Behandlungsplans und des Skills Trainings dargestellt. Die Rückfallprävention, die Paartherapie, die Arbeitsberatung und die Beratung im sozialen und Freizeitbereich werden als spezielle Bereiche der Behandlung nach dem CRA vorgestellt.
Der verhaltenstherapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach (CRA) zur Behandlung von Alkohol- und Drogenabhängigkeit wurde in den 1970er Jahren von George Hunt und Nathan Azrin in den USA entwickelt. Maßgeblich beteiligt an der weiteren Entwicklung waren Robert Meyers und Jane Ellen Smith. Im Jahre 1995 brachten sie das Buch „Clinical Guide to Alcohol Treatment: The Community Reinforcement Approach“ heraus. Seit 2007 gibt es dieses Werk mit dem Titel „CRA-Manual zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit – Erfolgreicher behandeln durch positive Verstärkung im sozialen Bereich“ in deutscher Übersetzung. Wolfgang Lange, Martin Reker und Stephanie Kunz sind für die Übersetzung bzw. für die Überarbeitung des CRA-Manuals verantwortlich. In der 4. Auflage liegt es seit dem Jahre 2011 vor. Dieses aktuelle Werk wird einen hohen Stellenwert einnehmen, denn es wurde darüber hinaus auf dem deutschen Markt kaum weitere Literatur zu diesem Thema verfasst. Auch für spezielle Patientengruppen, z.B. wohnungslose Menschen oder Familien, wurde der CRA weiterentwickelt.
In Deutschland wurde das Konzept des CRA erstmals auf der „10. International Conference on Treatment of Addictive Behaviours“ im Jahre 2004 in Heidelberg von Meyers und Smith vorgestellt. Fachleute aus Bielefeld kamen mit dem Ansatz des CRA im Jahre 2005 in Berührung als John Gardin, einer der amerikanischen Hauptvertreter des CRA, das Konzept auf einem Workshop vorstellte. Das CRA-Manual dient der Ausbildung, die seit dem Jahre 2010 durch den Verein für gemeindeorientierte Psychotherapie e.V. veranstaltet wird, als Arbeitsgrundlage. Im Manual werden alle notwendigen Arbeitsmaterialien für die Behandlung beschrieben.
Inhaltsverzeichnis
1 Der therapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach
2 Was ist der Community Reinforcement Approach?
2.1 Assessment
2.2 Abstinenz-Konto
3 Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach
3.1 Medikamentöse Behandlung
3.2 Behandlungsplan
3.3 Skills Training
4 Spezielle Bereiche in der Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach
4.1 Rückfallprävention
4.2 Paartherapie
4.3 Arbeitsberatung
4.4 Beratung im sozialen und Freizeitbereich
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Community Reinforcement Approach (CRA) als ein wirksames verhaltenstherapeutisches Konzept zur Behandlung von Alkohol- und Drogenabhängigkeit. Im Zentrum steht dabei die Analyse, wie dieses Verfahren unter Berücksichtigung der sozialen Dimension von Gesundheit in das deutsche Suchthilfesystem integriert werden kann, um eine effektive, lösungsorientierte und sozialraumbezogene Hilfe zu gewährleisten.
- Wissenschaftliche Grundlagen und Ursprung des Community Reinforcement Approach.
- Kernkomponenten des CRA, insbesondere Assessment, Abstinenz-Konto und Skills Training.
- Spezifische Anwendungsbereiche wie Rückfallprävention, Paartherapie und Arbeitsberatung.
- Verknüpfung des CRA-Konzepts mit den Methoden und Zielen der Sozialen Arbeit.
- Herausforderungen und Potenziale bei der Implementierung in die deutsche Suchthilfelandschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Medikamentöse Behandlung
Die Einnahme des Medikaments Disulfiram (Antabus) ist nur ein optionaler Teil der Behandlung, der einige Patienten darin unterstützen kann, ein abstinentes Leben zu führen (vgl. Meyers und Smith 2011, S. 78). Ungeklärt ist momentan, ob und in welchen Mengen dieses Medikament in Zukunft verschrieben werden kann, da es in Deutschland nicht mehr zugelassen ist (vgl. Leggemann 2011, S. 1-5).
Disulfiram soll den Patienten vom Alkoholkonsum abschrecken, denn beim Konsum und gleichzeitiger Einnahme des Medikaments kommt es zur Disulfiram-Alkohol-Reaktion (DAR) (vgl. Meyers und Smith 2011, S. 78). Der Patient erfährt schon bei geringen Mengen Alkohol extrem unangenehme Nebenwirkungen, die es ihm unmöglich machen, angenehme Konsequenzen des Konsums zu erleben (vgl. Mutschler, Diehl und Kiefer 2008 und vgl. Haasen u.a. 2010 zit. n. vgl. Meyers und Smith 2011, S. 78). Der aversive Effekt von Disulfiram hält bis zu zwei Wochen nach der letzten Einnahme an und schützt so vor spontanen Rückfällen. Für Patienten, die wiederholt erfolglos versucht haben, den Alkoholkonsum einzustellen und im Falle eines fortgesetzten Konsums ernsthafte Folgen zu erwarten haben, aber auch für Patienten, die sehr impulsiv trinken und viele Trigger aufweisen, kann die Behandlung durch Disulfiram sinnvoll sein. (Vgl. Meyers und Smith 2011, S. 78, 80f., 233)
Beim Einsatz von Disulfiram kann eine nahestehende Person eine wichtige Rolle spielen. Der CRA nennt diese Person Antabus-Coach. Dieser Coach hat keine strafende, sondern eine unterstützende Funktion und trägt nicht die Verantwortung für die Genesung des Patienten. (Vgl. Meyers und Smith 2011, S. 95, 97f.) Der Antabus-Coach gibt dem Patienten auf bestimmte Weise täglich zur selben Zeit die im Wasser aufgelöste Tablette und lobt ihn für seine Bemühungen, abstinent zu leben. Der Patient dankt dem Coach für seine Unterstützung. Es geht um eine positive Atmosphäre bei der Einnahme des Medikaments. Die Vergabeprozedur des Medikaments wird ritualisiert und im Beisein des Therapeuten im Rollenspiel geübt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der therapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des CRA in den USA und dessen Einführung sowie Bekanntheit in Deutschland.
2 Was ist der Community Reinforcement Approach?: Es wird das theoretische Grundkonzept des CRA als verhaltenstherapeutischer, verstärkungsbasierter und lebensweltorientierter Ansatz dargestellt.
2.1 Assessment: Dieses Unterkapitel beschreibt die Bedeutung der psychosozialen Einschätzung mittels Interviews und Fragebögen für die Behandlungsplanung.
2.2 Abstinenz-Konto: Hier wird das Konzept des "Sobriety Sampling" erklärt, das eine realistische und schrittweise Annäherung an die Abstinenz ermöglicht.
3 Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach: Der Fokus liegt auf der praktischen Umsetzung, inklusive der medikamentösen Unterstützung, der Erstellung eines Behandlungsplans und des Fertigkeitentrainings.
3.1 Medikamentöse Behandlung: Dieses Kapitel behandelt den optionalen Einsatz von Disulfiram zur Rückfallprävention unter Einbeziehung eines "Antabus-Coaches".
3.2 Behandlungsplan: Hier wird dargelegt, wie mittels der Zufriedenheitsskala individuelle Ziele erarbeitet und in einen konkreten Behandlungsplan integriert werden.
3.3 Skills Training: Dieses Kapitel beschreibt das Training von Kommunikations-, Problemlöse- und Ablehnungsfertigkeiten zur Stärkung der Bewältigungskompetenzen.
4 Spezielle Bereiche in der Behandlung nach dem Community Reinforcement Approach: Hier werden ergänzende therapeutische Interventionen für spezifische Lebensbereiche vorgestellt.
4.1 Rückfallprävention: Fokus auf der Analyse von Risikosituationen und dem Aufbau von Verhaltensketten zur frühzeitigen Vermeidung von Rückfällen.
4.2 Paartherapie: Darstellung, wie die Einbeziehung des Partners die Behandlungszuversicht erhöhen und als starke Ressource wirken kann.
4.3 Arbeitsberatung: Erläuterung der Bedeutung von beruflicher Integration und wie das Finden von Arbeit als positiver Verstärker fungiert.
4.4 Beratung im sozialen und Freizeitbereich: Dieses Kapitel thematisiert die Förderung alkoholfreier Sozialkontakte und Freizeitaktivitäten zur Stabilisierung der Abstinenz.
5 Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der theoretischen Erkenntnisse und Reflexion der Schnittmengen zwischen CRA und Sozialer Arbeit.
Schlüsselwörter
Community Reinforcement Approach, CRA, Suchttherapie, Alkoholabhängigkeit, Verhaltenstherapie, Soziale Arbeit, Positive Verstärkung, Rückfallprävention, Abstinenz, Lebensweltorientierung, Empowerment, Case Management, Skills Training, Suchthilfe, Counseling.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Einordnung und der praktischen Anwendung des Community Reinforcement Approach (CRA) als ein ressourcenorientiertes Verfahren zur Suchtbehandlung innerhalb der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die verhaltenstherapeutischen Grundlagen des CRA, der Aufbau eines abstinenzfördernden sozialen Umfelds sowie die Verknüpfung dieser Ansätze mit Methoden der Sozialpädagogik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie der CRA in das deutsche Suchthilfesystem integriert werden kann, um durch eine stärkere Lebenswelt- und Ressourcenorientierung die Effektivität der Hilfen zu verbessern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse wissenschaftlicher Publikationen und Manuale zum Community Reinforcement Approach basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die konkreten Module des CRA (Assessment, Abstinenz-Konto, Skills Training) sowie spezielle Anwendungsbereiche wie Paartherapie und Arbeitsberatung detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind CRA, Suchttherapie, Positive Verstärkung, Lebensweltorientierung und Soziale Arbeit.
Warum spielt die Einbeziehung eines "Antabus-Coaches" eine Rolle?
Der Coach bietet eine unterstützende, nicht strafende Funktion bei der Einnahme des Medikaments, was dazu beiträgt, eine positive Atmosphäre zu schaffen und die Motivation des Patienten zu stärken.
Welche Rolle spielt die "Verhaltensanalyse" im CRA-Assessment?
Sie dient dazu, spezifische externe und interne Trigger für den Alkoholkonsum zu identifizieren, um darauf basierend alternative Verhaltensmuster zu entwickeln und zu etablieren.
Was versteht man unter "Schnittstellenproblemen" im Suchthilfesystem?
Damit sind die oft mangelnde Vernetzung und die inhaltliche, wirtschaftliche sowie trägerbezogene Trennung der verschiedenen Institutionen gemeint, die durch Case Management und CRA-Counseling abgemildert werden sollen.
- Quote paper
- Dörthe Badenschier (Author), 2011, Der therapeutische Ansatz des Community Reinforcement Approach bei der Behandlung von Alkoholabhängigkeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318902