Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation. Grundlagen der Diskursgemeinschaft


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2010
19 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation unter Fachleuten
1.1. Die Wissenschaftliche Gemeinschaft als normierende Instanz
1.1.1. Was ist wissenschaftliches Wissen?
1.1.2. Die wissenschaftliche Sprache
1.1.3. Wissenschaftliche Schreibtraditionen
1.2. Die Grundlagen der Konversation innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft
1.2.1. Schreiben als Prozess innerhalb der Diskursgemeinschaft
1.2.2. Die Bezugnahme auf fremde Gedanken

EXKURS: Plagiat: Bestimmung, Grundlage und Gefahren

2. Zum Prozess der Wissenskonstruktion: am Beispiel von einigen Auszügen

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Als Ziel jeder wissenschaftlichen Praxis bezeichnet die Wissenskonstruktion einen Prozess, der sich zyklisch und ständig in verschiedenen Diskursgemeinschaften vollzieht. Sie ist jedoch nicht nur Produkt eines bestimmten wissenschaftlichen Vorgangs, der sich im Forschungskreislauf zusammenfassen lässt oder allgemeiner wissenschaftlicher Normen. Auf sie wirken zugleich auch bestimmte Regeln und Traditionen, die in den verschiedenen Diskursgemeinschaften fest etabliert sind. Diese zwei Grundparameter, darunter verstanden allgemeine wissenschaftliche Normen und Regeln innerhalb jeder Diskursgemeinschaft bestimmen das Schreiben und das Argumentieren als dessen wesentliche Praxis. Da Wissen beim Argumentieren konstruiert und beim Schreiben vollzogen wird, erweist es sich als besonders zentral, am Beispiel einiger argumentativer Auszüge, verschiedene Prozesse und Verfahrensweisen der Wissenskonstruktion darzustellen.

1.Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation unter Fachleuten

Die Konversation unter Fachleuten erfordert eine Übereinstimmung in den Diskussionsgrundlagen. Das betrifft die Grundannahmen bzw. die während des wissenschaftlichen Schreibens zu beachtenden Regeln, die die Rahmenbedingungen für das Gelingen einer wissenschaftlichen Kommunikation bestimmen; denn das Schreiben in diesem Kontext erscheint als Konversationsmittel und zugleich als Wortergreifung einer an der Diskussion beteiligten Person. Teilnahme an der wissenschaftlichen Debatte in einer bestimmten Disziplin setzt voraus, dass „ die komplexe[n] Argumentations-, Denk-, und Sprachformen [dieser Gemeinschaft durch die Mitglieder angewendet werden].[1] Bezug nehmend auf Texte und Sprache ihrer Disziplin entwickeln die Diskursgemeinschaften Normen.

1.1. Die Wissenschaftliche Gemeinschaft als normierende Instanz

Otto Kruse bestimmt die wissenschaftliche Gemeinschaft als „ Gruppen, die bei der Produktion von Wissen miteinander interagieren.“[2] Diese Interaktion erfolgt also nicht auf beliebige Grundlagen, sondern sie erwartet von jedem in diesem Bereich bzw. in diese Disziplin eingesetzten Forschenden, dass er oder sie bestimmte Kenntnisse darüber hat oder haben, was ein wissenschaftliches Wissen und eine wissenschaftliche Sprache ausmacht, wie und auf welche Schreibtraditionen Bezug genommen werden darf. Dies hängt damit zusammen; dass Diskursgemeinschaften voneinander durch bestimmte Vorstellungen unterscheiden: „ in Diskursgemeinschaften existieren feste Vorstellungen, wie Wissen konstruiert, mit welchen Argumenten es begründet werden kann und was dem Wissen Autorität verleiht.“[3] Davon ausgehend werden „Kriterien aufgestellt, welche Aussage überhaupt zu einem Wissensgebiet […] gehören und welche nichtzugelassen sind[4]

1.1.1. Was ist wissenschaftliches Wissen?

Obwohl es eine Vielfalt von Wissensbereichen gibt, gilt die Bestimmung von wissenschaftlichem Wissen als ein gemeinsamer Ausgangspunkt. Sie lässt sich klarer durch die Abgrenzung vom Alltagswissen ans Licht bringen. In Anlehnung an Otto Kruse liegt

„der wichtigste Unterschied zwischen wissenschaftlichem und alltäglichem Wissen […] darin, dass die Wissenschaften die Begründetheit und Begründbarkeit des Wissens selbst zum Thema machen. Wissenschaftliches Vorgehen ist nicht einfach darauf bedacht, sicheres Wissen zu erzeugen, sondern befasst sich auch immer mit der Frage, was das ist und wie man entscheiden kann, ob es sicher ist. Neben den inhaltlichen gibt es deshalb auch zwangsläufig methodologische und erkenntnistheoretische Erwägungen in wissenschaftlichen Arbeiten“ S. 62

Davon ausgehend verweist das wissenschaftliche Wissen auf jenes Wissen, das nach klar begründeten Kriterien geordnet und systematisiert wird. Es nimmt Distanz von dem Alltagswissen und zieht die Mehrdeutigkeiten von Sachverhalten in Betracht, um sie besser zu organisieren. Von dieser systematischen Organisation kommen Erkenntnisse zustande. Rödiger Voss zufolge ist die „ Trennung von Wissen und Person[5] eine Garantie dafür, dass die Wissenschaftlichkeitsstrenge respektiert wird. Aber alles hängt von dem Umgang mit der Sprache ab, da ein Grundelement in der wissenschaftlichen Konversation die Sprache ist.

1.1.2. Die wissenschaftliche Sprache

Es ist von vorneherein notwendig, darauf hinzuweisen, dass die Produktion von Wissen meistens durch Sprache erfolgt. In dieser Hinsicht wird der Umgang mit ihr eine Herausforderung, die die Forschenden annehmen sollen. In den von Rödiger Voss aufgezählten Ansprüchen an eine Wissenschaft[6] hängen die Objektivität, die Genauigkeit und die Vollständigkeit mit den Ansprüchen an eine wissenschaftliche Sprache zusammen. „ Objektivität bedeutet, dass der Forschende eine möglichst neutrale und analysierende Position zur wissenschaftlichen Thematik einnimmt. Die Forschung bzw. Erkenntnisgewinnung sollte auch für Dritte nachvollziehbar sein[7] Die wissenschaftliche Sprache soll auch eindeutig und verständlich sein. Mit anderen Worten: die dabei verwendeten Fachbegriffe müssen definiert werden, damit ihre Mehrdeutigkeiten eindeutig werden. Jedes Mal, dass ein komplexer Begriff angewandt wird, soll sofort auf seine kontextbedingte Bedeutung hingewiesen werden, denn sie hängt von der Disziplin und der Diskursgemeinschaft ab. Die Aneignung dieser Begriffe wird in dieser Hinsicht zur Aufgabe der Forschenden. Darüber hinaus ist die wissenschaftliche Sprache oft durch ihre Komplexität(Begriffe, Satzstruktur) gekennzeichnet. Dies hängt mit dem, komplex zu untersuchenden Objekt und mit dem Willen zusammen, die Vereinfachung von komplexen Objekten bzw. die Vereinseitigung von vielseitigen Objekten zu vermeiden.

1.1.3. Wissenschaftliche Schreibtraditionen

Von vornherein muss unterstrichen werden, dass die besonderen Eigenschaften von Forschungsgemeinschaften die Einheitlichkeit und die Verständigung zwischen Mitgliedern dieser Gemeinschaft sind. Trotzdem muss anerkannt werden, dass es in diesen Diskursgemeinschaften bestimmte Schreibtraditionen gibt, die je nach den Forschern unterschiedlich im Prozess des wissenschaftlichen Schreibens verwendet und sogar auch beachtet werden. Unter diesen Schreibtraditionen sind nicht nur das MLA style Sheet (verstanden als Modern Language Association) sondern auch das APA style Sheet (verstanden als American Psychological Association). An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass es im Bereich der Literaturwissenschaft hier besonders strikte Regeln gibt, „ die von den bereits genannten Modern Language Association als weltweit größte Vereinigung von Literaturwissenschaftlern in Form eines Handbuches veröffentlicht sind.“[8]

In neueren wissenschaftlichen Arbeiten werden also in dieser Perspektive Quellen bevorzugt nach den angloamerikanischen Zitierschema der Modern Language Association (MLA) angegeben: „ Man fügt unmittelbar hinter dem Zitat eine Kurzbeschreibung der Quelle in runden Klammern ein. Eine Quelle besteht aus folgenden drei Teilen: 1. Verfassernamen 2. Erscheinungsjahr 3. Seitenangaben “.[9] Beispiel:

Jede Methode muss folgende Anforderungen erfüllen, um sich als wissenschaftlich zu qualifizieren: Gültigkeit, Verlässlichkeit und Objektivitä t“ (Yomb May, 2010, S.14)

An dieser Stelle muss positiv hervorgehoben werden, dass diese Zitierweise der der von Rödiger Voss geprägten Zitierweise Harvard Regel entspricht, wobei eine Verfasserangabe, Erscheinungsjahr und Seite in diesem Fall direkt nach dem Zitat in Klammern gesetzt erfolgt.[10]

Des Weiteren gibt es das sogenannte American Psychological Association (APA), wobei „ eine hochgestellte Zahl oder ein hochgestelltes Zeichen am Ende des Zitats auf eine Fuß- oder Endnote verweist, in der dann die Quelle genannt wird.“[11] In dieser Perspektive greifen wir noch auf das oben verwendete Beispiel zurück. So sieht es aus:

„Jede Methode muss folgende Anforderungen erfüllen, um sich als wissenschaftlich zu qualifizieren: Gültigkeit, Verlässlichkeit und Objektivität.“[12]

Dabei wird klar, dass diese Zitierweise der der Chicago Regel ähnelt.

[...]


[1] Otto Kruse, keine Angst vor dem leeren Blatt : ohne Schreibblockaden durchs Studium, 12. Auflage, Frankfurt/New York, Campusverlag, 2007, S.61

[2] Ebd. S.64

[3] Ebd. S. 65

[4] Benedikt Jeβing und Ralph Köhnen : Einführung in die neuere deutsche Literaturwissenschaft, Stuttgart/Weimar, Metzler Verlag, 2007, S. 328

[5] Rödiger Voss, wissenschaftliches Arbeiten … leicht verständlich, Stuttgart, Lucius et Lucius Verlag GmbH, 2010, S.15

[6] Ebenda, S.12-13

[7] Ebenda. S.13

[8] Mario Klarer, Einführung in die Grundlagen der Literaturwissenschaft : Theorien, Gattungen, Arbeitstechniken, WBG(wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt, 2011, S.100

[9] Yomb May, wissenschaftliches Arbeiten : Eine Anleitung zu Techniken und Schriftform, Philipp Reclam Jun, Stuttgart, 2010, S. 61

[10] Vgl. Rödiger Voss, wissenschaftliches Arbeiten… Leicht verständlich, Lucius Lucius Verlag GmbH, Stuttgart, 2010, S.84

[11] Ebd. S. 84

[12] Yomb May, S.14

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation. Grundlagen der Diskursgemeinschaft
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V318915
ISBN (eBook)
9783668192966
ISBN (Buch)
9783668192973
Dateigröße
708 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wissenschaftliches Schreiben, Diskurskonstruktion, Zitieren, plagiat
Arbeit zitieren
Floriant Telesport Soh Mbe (Autor), 2010, Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation. Grundlagen der Diskursgemeinschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318915

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wissenschaftliches Schreiben als geregelte Konversation. Grundlagen der Diskursgemeinschaft


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden