Die Märzrevolution 1848 in Berlin. Gescheiterte Revolutionäre?


Hausarbeit, 2015

19 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jubelnde Revolutionäre nach den Barrikadenkämpfen

3. Sicht auf Preußen
3.1. Situation in Europa und Preußen vor der Märzrevolution
3.2. Ursachen der Märzrevolution

4. Blick auf Berlin
4.1. Das Leben der Berliner Bevölkerung
4.2.Verlauf der Märzrevolution
4.2.1. Erste Bewegungen
4.2.2. Der 18. März
4.2.3. Die Folgen der Barrikadenkämpfe

5. Zusammenfassung

6. Anhang

7. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In meiner Hausarbeit möchte ich mich der Frage widmen, ob die Revolutionäre mit der Märzrevolution gescheitert sind. Als Quelle soll mir dabei ein Bild aus der Zeitung 'Die Welt' dienen, auf welches ich ausführlich in der unmittelbaren Analyse eingehen werde und im Folgenden in einen historischen Kontext setze, sodass ich am Ende der Arbeit noch einmal Bezug auf die Quelle nehmen werde. Sie soll den Leser auf das Thema einstimmen, indem sie zeigt, auf welchen Höhepunkt wir zusteuern. Mit Abschluss der Analyse werde ich den Blick zuerst auf Europa und etwas genauer auf Preußen richten, um die Ursachen der Revolution herauszuarbeiten. Daraufhin werde ich die Sicht auf Berlin lenken und als erstes die Lebenssituation der Berliner Bevölkerung vor der Revolution darstellen. Dann komme ich zur Revolution selbst und werde ihren Verlauf in 3 Teile untergliedern. Dabei betrachte ich zunächst die ersten Spannungen unmittelbar vor der Revolution zwischen Bevölkerung und königlichem Heer, um dann genauer auf den Tag des 18. März 1848 und seine blutigen Barrikadenkämpfe einzugehen. Infolgedessen stelle ich die Folgen der Kämpfe heraus und schließe direkt eine komplexe Zusammenfassung an, um die von mir gewählte Fragestellung begründet zu beantworten.

Trotz der facettenreichen Themengebiete, die mir durch das Seminar geboten wurden, hat mich die Märzrevolution mit ihren Ereignissen in Berlin besonders interessiert, da mich die Geschichte Berlin im Allgemeinen sehr fasziniert.

Zur Quellenlage lässt sich sagen, dass es zum Thema 'Revolution 1848/49' zahlreiche Publikationen gibt. Auch Fachtexte sind ausreichend zu finden. Letztlich ergänzen sich die Werke mehr oder weniger gegenseitig. Mir haben vor allem die Werke von Wilfried Löhken, Karl August Varnhagen von Ense und Walter Oschilewski sehr weitergeholfen, da sie einen sehr detaillierten Blick ermöglichten. Aber auch andere Werke, einzusehen im Literaturverzeichnis, haben neue und ergänzende Informationen bereitgestellt.

Der Forschungsstand zeigt allgemein die Meinung, die Revolution wäre mit zusätzlicher Betrachtung der Frankfurter Nationalversammlung und deren Misslingen, gescheitert. Dennoch sollte der Blick auf die Revolution differenzierter sein. Es wird aufgrund des soeben genannten Aspekts zu leicht gesagt, dass alles gescheitert wäre. Die Revolution brachte erstmals den demokratischen Gedanken in die Köpfe des Volkes, aus denen er auch nicht mehr verschwand. Dies bringt mich zu meiner Ausgangsfrage, in der es eben darum geht, ob die Revolutionäre gescheitert sind und nicht etwa die gesamte Revolution.

Mit dem Schreiben der Arbeit und der Komplexität des Themas ergaben sich für mich weitere Fragen, denen man allen gesondert auf den Grund gehen muss oder sie in einer größeren Arbeit vereint. In den Sinn kamen mir dabei Fragen und Problematiken, wie beispielsweise die Veränderung Europas durch Europa und der Rolle in der Welt, die Veränderung der Machtsysteme in Europa und in den deutschen Einzelstaaten bzw. einem späteren Nationalstaat oder aber auch die Frage, welche Bedeutung der 18. März für die heutige Zeit hat und ob man ihm nicht, etwa durch einen Feiertag, eine größere Bedeutung zukommen lassen sollte.

2. Jubelnde Revolutionäre nach den Barrikadenkämpfen

Meine Quelle1 stammt aus einer Ausgabe der Zeitung 'Die Welt' vom 18.3.2008, aus dem Artikel „Warum heute ein nationaler Feiertag sein sollte“ von Michael Cramer, zu finden im Kulturteil. Weder Künstler noch Titel des Werkes sind bekannt.

Das Bild zeigt die Breite Straße in Berlin im heutigen Stadtteil Mitte. Diese führte damals direkt zum Schlossplatz und somit direkt zum Mittelpunkt der Hohenzollernmonarchie. Zu sehen sind die jubelnden Revolutionäre auf dem Schutt zerstörter Sachgegenstände und Opfer nach den blutigen Kämpfen gegen die königlichen Soldaten in der Nacht vom 18. März auf den 19. März in Jahre 1848. Selbst der Anwendung von Waffen trotzten sie und zwangen so die Truppen zur Kapitulation.

Besonders auffällig sind die revolutionären Flaggen, welche nicht die Farben des Königs tragen, sondern die Farben schwarz, rot und gold. Sie stellten die Farben der Freiheit und Einheit dar, wofür sie neben dem demokratischen Ziel auch kämpften.

Dabei fällt auf, dass zwei unterschiedliche Arten der Flaggen vorzufinden sind, in jeweils zwei Ausführungen. Jene, welche den Mittelpunkt des Bildes kennzeichnet und auch am unteren Bildrand zu sehen ist, stellt die Flagge der monarchistischen Revolutionäre dar. Sie standen für eine deutsche Einheit mit einem Monarchen an ihrer Spitze. Die Flaggen, welche am rechten Bildrand zu finden sind, fallen durch ihren Aufbau der 3 Streifen, welche nicht übereinander, sondern nebeneinander angeordnet sind, auf. Erinnern tut diese Struktur stark an die französische Nationalflagge, was der französischen Februarrevolution und ihrer Vorbildfunktion für die Unruhen im gesamten preußischen und deutschsprachigen Gebiet und auch weiten Teilen Westeuropas zuzuschreiben ist. Sie stellt die Flagge der republikanischen Revolutionäre dar, welche eine Republik ganz nach französischem Vorbild anstrebten.

Das Bild steht sinnbildlich für den Höhepunkt eines Machtkampfes zwischen dem preußischen Volk und König Friedrich Wilhelm IV., welcher Friedrich dazu zwang auf das Verfassungsversprechen seines Vaters Friedrich III. einzugehen.

Im Folgenden möchte ich nun darstellen, wie es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte und zudem auch die Folgen der blutigen Nacht des 18. März 1848 herausstellen, um so meine Ausgangsfrage beantworten und meine Quelle in einen historischen Kontext setzen zu können.

3. Sicht auf Preußen

3.1. Situation in Europa und Preu ß en vor der M ä rzrevolution

Das Jahr 1848 brachte in Europa eine Vielzahl von Revolutionen mit sich, welche besonders durch die französische Februarrevolution beflügelt wurden. Betroffen waren beispielsweise auch Italien, Ungarn und Österreich, Polen England und Preußen sowie das gesamte deutsche Gebiet. Obwohl die Märzrevolution in Preußen vor allem durch die Revolutionen in Frankreich und Österreich/Ungarn, durch den Rücktritt Metternichs ausgelöst wurde, hatte sie doch andere Gründe und Ziele.23

Während durch Karl Reichsfreiherr von und zum Stein und Karl August von Hardenberg nach der Existenzkrise der Hohenzollernmonarchie, durch die Niederlage gegen Napoleon zukunftsweisende Neuerungen, wie die Bauernbefreiung, die Beseitigung der Ständeordnung, die städtische Selbstverwaltung, die Gewerbefreiheit und die bürgerliche Gleichberechtigung der Juden gesorgt wurde, blieb es doch erfolglos, Friedrich Wilhelm III. zur Einlösung seines Verfassungsversprechens zu bewegen. Das Verfassungsversprechen, welches wir bereits 1810 im Finanzedikt, 1815 in der Verordnung über die zu bildende Repräsentation des Volkes und im Staatsschuldengesetz von 1820 finden können, ist jener zentrale Grund für die Revolution in Preußen.4 Daraus resultiert das Ziel der Revolutionäre, die Einschränkung der absoluten „Fürstengewalt durch das Hinzutreten volkstümlicher Organe“5.

Es wurde vorerst nicht wie in Frankreich auf eine nationale Demokratie abgezielt, sondern auf eine Teilung der Herrschaft zwischen Monarch und einer Volksvertretung.6

3.2. Ursachen der M ä rzrevolution

Gekennzeichnet wurde der Anfang der 1840'er Jahre durch neue Entwicklungen in der Innen- und Außenpolitik und dem daraus resultierenden industriellen Fortschritt. Kolonien, Welthandel und Flotten rückten immer mehr in das Interesse der Politik und es begann sich allmählich der Imperialismus zu entwickeln.

Man hatte die Befürchtung, dass das deutsche Gebiet aufgrund seiner staatlichen Zersplitterung als Kolonial- und Seemacht zu spät kommen und aufgrund seiner innen- und außenpolitischen Rückständigkeit seinen ökonomischen und sozialen Problemen nicht mehr Herr werden könnte. Somit verstärkte sich der Wille nach Einigkeit und Freiheit, ergänzt durch die Forderung nach Macht- und Weltgeltung. Man war der Auffassung, dass die Ordnungsvorstellungen des Wiener Kongresses nicht mehr griffen und daher die Bildung eines Nationalstaates fundamental für den äußeren Schutz wäre. Gleichzeitig hätte dies die Beendigung der Fürstenherrschaft in den Einzelstaaten bedeutet.7

In Preußen trat 1840 der bürokratische Absolutist Friedrich Wilhelm IV. die Thronfolge als neuer König von Preußen an. Er verfolgte selbst große politische Veränderungen, allerdings unter dem Leitgedanken, Preußen und später einen möglichen Nationalstaat eine christlich-ständesstaatliche Struktur zu geben. Eine moderne Repräsentativverfassung lehnte er strikt ab. Preußen kennzeichnete sich im Vormärz vor allem durch soziale Nöte, fortschreitende Industrialisierung und die damit einhergehende Ausbeutung von Arbeitern. Preußen war, im Gegensatz zur Industriemacht England, weitestgehend agrarisch strukturiert.8 Man traf in dieser Zeit auf ca. 35 Millionen Menschen im deutschen Gebiet, ohne Einrechnung der österreichischen Bundesgebiete. Damit hatte sich die Bevölkerung seit 1815 verdoppelt, was ein Überangebot an Arbeitskräften zur Folge hatte.9

Auf dem Lande brachten Maschinen und neue Düngemethoden zwar steigende Erträge, allerdings auch ein verringertes Arbeitsplatzangebot und demnach auch wachsende Armut. Folglich emigrierten die Menschen ins Ausland oder es zog sie in die Städte. So wurden beispielsweise Berlin, Hamburg, München und Wien erste Großstädte.

Dies hatte zur Folge, dass die Arbeitslosigkeit sprunghaft anstieg und ca. 50% - 60% der Bevölkerung unter dem Existenzminimum lebte. Man spricht zur dieser Zeit vom Pauperismus, also der Verelendung der Menschen. Durch Missernten in den Jahren 1842, 1845 und 1846 wurden zusätzlich Hungersnöte, Massenarbeitslosigkeit, Teurung und Depressionen hervorgerufen und es kam immer wieder zu Revolten.10 11

Die Industrie war für die Kompensation der Lage noch zu schwach entwickelt, schaffte doch lediglich der Eisenbahnbau neue Arbeitsplätze.

[...]


1 Siehe Anhang - A

2 Dieter Langewiesche (Hrsg.): Die deutsche Revolution von 1848/49; S.21 ff.; Darmstadt 1983

3 Manfred Schlenke (Hrsg.): Preußische Geschichte, Eine Bilanz in Daten und Deutungen; S.213 f.; Würzburg 1991

4 Manfred Schlenke (Hrsg.): Preußische Geschichte, Eine Bilanz in Daten und Deutungen; S.200; Würzburg 1991

5 Dieter Langewiesche (Hrsg.): Die deutsche Revolution von 1848/49; S.22 f.; Darmstadt 1983

6 Dieter Langewiesche (Hrsg.): Die deutsche Revolution von 1848/49; S.21 ff.; Darmstadt 1983

7 Wolfgang Neugebauer: Geschichte Preußens; S.103 f.; Hildesheim 2004

8 Wolfgang Neugebauer: Geschichte Preußens; S.103; Hildesheim 2004

9 Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Prof. Dr. Günther Wollstein: Informationen zur politischen Bildung, Revolution von 1848; S. 12f.; Heft 265; 2006

10 Wolfgang Neugebauer: Geschichte Preußens; S.103; Hildesheim 2004

11 Bundeszentrale für politische Bildung (Hrsg.), Prof. Dr. Günther Wollstein: Informationen zur politischen Bildung, Revolution von 1848; S. 12f.; Heft 265; 2006

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Die Märzrevolution 1848 in Berlin. Gescheiterte Revolutionäre?
Hochschule
Universität Potsdam
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
19
Katalognummer
V318932
ISBN (eBook)
9783668180987
ISBN (Buch)
9783668180994
Dateigröße
1712 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Märzrevolution, Märzrevoltuion 1848, Märzrevoltuion Berlin, Berlin 1848, Berlin
Arbeit zitieren
Sebastian Nickel (Autor), 2015, Die Märzrevolution 1848 in Berlin. Gescheiterte Revolutionäre?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318932

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