Gemeinschaft oder Vereinsamung? Die soziale Kontaktsituation der Bewohner und Bewohnerinnen stationärer Altenhilfe

Eine empirische Erhebung


Hausarbeit, 2014

35 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsbestimmungen
1.1. Lebensphase Alter
1.2. Soziale Kontakte und Soziale Beziehungen in Alteneheimen
1.3. Soziale Isolation und Einsamkeit im Alter
1.4. Das Altenheim

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Aktivitäts- und Disengagementtheorie
2.2. Die Subkulturtheorie
2.3. Die Theorie der sozioemotionalen Selektivität

3. Aktueller Forschungsstand

4. Methodisches Vorgehen
4.1. Beschreibung der Methode
4.2. Beschreibung der Stichprobe
4.3. Aufbau des Fragebogens

5. Auswertung und Darstellung der Ergebnisse

6. Einordnung der Ergebnisse in Theorie und Stand der Forschung

7. Benantwortung der Forschungsfrage

8. Fazit und Schlussfolgerung

Literaturverzeichnis

[Fragebogen ist in dieser Arbeit nicht enthalten!]

Einleitung

Jeder Mensch muss sich damit zurechtfinden, dass er älter wird und muss bestimmte Veränderungen in seinem Leben auf sich nehmen. Der Weg in ein Altenheim ist für viele ältere Menschen eine der wohl schwierigsten Herausforderungen in der gesamten Lebensspanne, denn oft wird der Begriff Altenheim mit negativen Aspekten verbunden. Nur sehr wenige möchten ihren Lebensabend dort verbringen. Oft werden Bedenken geäußert, ob in einer solchen Institution überhaupt die Bedürfnisse der älteren Menschen befriedigt werden könnten. Das Verlassen des gewohnten Umfeldes ist eine der schwierigesten Situationen zu Beginn des Heimeintritts, gerade wenn die älteren Menschen die eigene Familie täglich um sich hatten. Es wird also deutlich, dass mit dem Weg ins Altenheim gerade auch eine Verminderung der sozialen Kontakte entsteht, dass aber auch wiederum neue Kontakte in der neuen Umgebung geknüpft werden können. Das Knüpfen von Kontakten fällt aber besonders alten Menschen aus verschiedenen Gründen schwierig. Laut Untersuchungen des Bundesminsteriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) aus dem Jahre 2002 haben 54% der Altenheimbewohner und Altenheimbewohnerinnen wenig oder überhaupt keinen Kontakt zu anderen Heimbewohner und Heimbewohnerinnen aus anderen Wohnbereichen.1

Wie sieht vor diesem Hintergrund nun also die heutige Kontaktsituation in einem Altenheim aus?

Diese Hausarbeit beschäftgt sich genau mit diesem Thema, der Kontaktsituation in einem Altenheim. Untersucht wird hier die Kontaktsituation zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen und ihren Angehörigen, Freunden und Bekannten, im besonderen Maße aber die Kontaktsituation zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen untereinander. Denn dieser Situation wurde bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Die Kontaktaufnahme zu anderen Bewohnern und Bewohnerinnen ist freiwillig und ist nicht an eine Abhängigkeitsbeziehung gebunden, so wie die Pflegebeziehungen zu den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen. Aus diesem Grund kommt den Kontakten zwischen den Bewohnern und Bewohnerinnen eines Altenheims eine enorme Bedeutung zu.

Vierter Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland. Berlin.

Desweiteren soll in diesem Hinblick untersucht werden, ob die Altenheimbewohner und Altenheimbewohnerinnen ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt haben oder, ob sie sich aufgrund mangelnder Kontakte einsam oder isoliert fühlen. Die Zufriedenheit der Kontaktsituation in einem Altenheim kann anhand der Anzahl der sozialen Kontakte der Bewohner und Bewohnerinnen und deren Beziehungen zu diesen Kontakten, anhand der Besuche, die sie bekommen und anhand der Aktivitäten, die vom einzelnen Bewohner und von der einzelnen Bewohnerin wahrgenommen werden, gemessen werden.

Es stellt sich nun die Frage nach der Relevanz der Thematik. Der chinesische Philosoph Konfuzius sagte, dass das Leben an einem Ort erst dann schön sei, wenn die Menschen, die dort leben, ein gutes Verhältnis zueinander haben. Dies bedeutet, dass soziale Kontakte im Leben eines Menschen von sehr großer Bedeutung sind, da man ohne sie kein glückliches Leben führen kann. Ein Altenheim ist eine Institution, in der verschiedene Menschen, die unterschiedliche Lebenserfahrungen haben und die sich zuvor meistens nie begegnet sind, aufeinandertreffen und zusammen leben müssen. Vor dem Hintergrund, dass soziale Kontake für ein glückliches Leben wichtig sind und dass die Altenheimbewohner und Altenheimbewohnerinnen unterschiedliche Lebenserfahrungen haben, sei es aufgrund der Kultur, Religion oder anderer Faktoren, hat sich für diese Arbeit folgende Frage entwickelt: „Gemeinschaft oder Vereinsamung - Sind Bewohner und Bewohnerinnen stationärer Altenhilfe mit den sozialen Kontakten in ihrem Umfeld zufrieden oder fühlen sie sich einsam und isoliert?" Diese Frage soll am Ende dieser Hausarbeit durch die in der Theorie gefundenen Informationen und die aus der empirischen Erhebung gewonnen Erkenntnisse beantwortet werden.

Bevor diese Hausarbeit sich der Theorie und Erhebungsmethode widmet, wird eine Hypothese formuliert, welche am Ende entweder verifiziert oder falsifiziert werden soll. Die Hypothese dieser Hausarbeit lautet: „Bewohner und Bewohnerinnen in Einrichtungen stationärer Altenhilfe fühlen sich aufgrund mangelnder Kontakte einsam und isoliert."

Zunächst beginnt die Hausarbeit mit wichtigen Grundlagen bzw. Begriffsbestimmungen. Es wird erklärt, was genau unter der Lebensphase Alter verstanden wird (Kapitel 1.1.). Danach wird der Begriff Soziale Kontakte im Alter bestimmt, wobei hier das Augenmerk auf Soziale Beziehungen in Altenheimen gerichtet ist (Kapitel 1.2.). Anschließend wird erklärt, was mit den Begriffen Soziale Isolation und Einsamkeit im Hinblick auf die Lebensphase Alter gemeint ist (Kapitel 1.3). 3

Zuletzt werden die Begriffe Altenheim, Altenhilfe, Sozialer Dienst und die zum Sozialen Dienst gehörenden Aktivitätsangebote definiert (Kapitel 1.4.).

Im theoretischen Teil der Hausarbeit werden Theorien aus der Altersforschung dargestellt. Die Aktivitätstheorie und die Disengagementtheorie, die als zwei der wichtigsten Theorien in der Altersforschung gelten, werden gegenübergestellt. Sie beinhalten Annahmen über das Wechselverhältnis von älteren Menschen und der Gesellschaft und fragen nach befriedigendem und sozial integriertem Altern (Kapitel 2.1.). Angeknüpft an diese Theorien folgt die Subkulturtheorie, die die zuvor beschriebene Disengagementtheorie kritisiert. Sie geht von einem Re- Engagement der älteren Gesellschaft aus (Kapitel 2.2.). Der theoretische Teil endet mit dem Modell der sozioemotionalen Selektivität. Dieses Modell beschreibt die Wichtigkeit sozialer Beziehungen für das subjektive Wohlbefinden (Kapitel 2.3.).

In Kapitel 3 wird auf den Stand der Forschung eingegangen. Hier wird vor allem auf Untersuchungen des BMFSFJ aus dem Jahre 2002 zurückgegriffen, aber auch auf ältere Studien, da es an neueren Studien zu dieser Thematik mangelt. Das Kapitel 4 umfasst den empirischen Teil der Hausarbeit. Zunächst wird die empirische Methode, die für diese Hausarbeit in Betracht gezogen wurde, dargestellt. In diesem Fall ist es die quantitative Methode (Kapitel 4.1.). Danach folgt eine Beschreibung der Stichprobe, in der die Region und die ausgewählten Altenheime im Detail vorgestellt werden und die Durchführung der Befragung kurz erläutert wird (Kapitel 4.2.). Der methodische Teil wird mit der Beschreibung des Aufbaus des Fragebogens abgeschlossen (Kapitel 4.3.).

Die Auswertung und Darstellung der Ergebnisse erfolgt im 5. Kapitel. Hier wird die Zufriedenheit der Bewohner und Bewohnerinnen mit der Kontaktsituaton in ihrem Altenheim dargestellt, beschrieben und ausgewertet.

In Kapitel 6 werden die gewonnen Ergebnisse der Forschung in die Theorie sowie in den Stand der Forschung eingeordnet.

Kapitel 7 beinhaltet die Beantwortung der Forschungsfrage.

Abschließend wird in Kapitel 8 eine Zusammenfassung aus allen erarbeiteten Ergebnisse präsentiert.

1. Begriffsbestimmungen

1.1. Lebensphase Alter

Die Lebensphase Alter ist im gesamten menschlichen Lebenslauf nicht so leicht von einer anderen Lebensphase abzugrenzen, wie beispielsweise die Lebensphase Jugend vom Erwachsenenalter. Wenn ein Mensch alt wird, merkt er, dass eine Rückbildung der körperlichen Substanz stattfindet, indem z.B die Haut dünner wird oder die Knochen weicher werden, doch es gibt keine genaue Einteilung dafür, wann bzw. in welchem Alter diese Reduktionen auftreten.2Das biologisch-medizinische Altern bestimmt also nur im weiten Sinne die Abgrenzung der Lebensphase Alter von einer anderen Lebensphase.

Bis in die 1970er Jahre galt der Eintritt des Ruhestands als Schritt ins Alter, doch heute ist der Ruhestand nicht unbedingt ein Zeichen für die Lebensphase Alter bzw. den Eintritt in die Lebensphase Alter. Dies liegt heutzutage z.B. an den Vorruhestand, der Erwerbsminderung oder auch der Arbeitslosigkeit älterer Arbeitnehmer, sodass Menschen, die aus dem Arbeits- bzw. Erwerbsleben austreten, deutlich jünger sind als die der damaligen Generationen.3Mit den Rentenreformen seit 1992 versucht die Rentenversicherung zwar den Übergang in den Ruhestand auf 65 Jahre zu erweitern und auch die Erhebung der Altersgrenze auf 67 Jahren, die seit dem Jahre 2012 gilt, soll das Erwerbsleben erneut verlängern, doch der Ruhestand setzt nur bedingt die Abgrenzung von früheren Lebensphasen voraus. Einige Menschen, die sich im Ruhestand befinden, sind trotzdem weiter erwerbstätig, indem sie z.B. familial oder auch ehrenamtlich tätig sind und somit einen gesellschaftlich relevanten Beitrag leisten.4

Es gibt wiederum Modelle, die sich nicht am kalendarischen Alter, sondern an den noch vorhandenen körperlichen, psychischen, sozialen und gesellschaftlichen Fähigkeiten des einzelnen Menschen konzentrieren. So entstehen unterschiedliche Alternsformen für Teilgruppen der alten Menschen. Die Lebensphase Alter besteht somit aus verschiedenen Altersgruppen von alten Menschen, die sich in unterschiedlichen Lebenslagen im Alter befinden.5

Die Lebensphase Alter kann also von den früheren Lebensphasen nicht so genau abgegrenzt werden. Dennoch steht fest, dass mit steigendem Alter gesundheitliche und psychische Einschränkungen bestehen, dass soziale Beziehungen abnehmen und dass Isolierung und Hilfebedürftigkeit oft im Vordergrund stehen.

Gesagt werden kann , dass alt derjenge ist, „der in seiner sozialen Umwelt als alter Mensch angesehen wird und gemäß dem bekannten Mechanismus des 'Spiegel-Ich' (lookink-glass-self), sich auch selber als alter Mensch empfindet.6 Jede Lebensphase beinhaltet neue Aufgaben für den Einzelnen, wie beipielsweise in der Lebensphase Jugend das Gewinnen und Besetzen von Berufsrollen. Für ältere Menschen hingegen besteht eine neue Aufgabe darin, dass sie ihre Berufsrolle aufgeben, somit einen Verlust annehmen und mit daraus folgenden Konsequenzen leben müssen.7Somit gehört zur Entwicklungs- und Bildungsaufgabe des alten Menschen, Alterskompetenz zu erlangen. Betagte Menschen stellen sich zudem einige Fragen, wie z.B. die Frage zum persönlichen Verbleiben, entweder in der eigenen Wohnung oder in einem Altenheim oder die Frage zur Gestaltung der Beziehungen zu den Familien der Kinder und ihrer Rollen.8

An fünf Merkmalen kann man die Entwicklung einer neuen Alterskultur festmachen. Zum einen an der Verjüngung. Dies bedeutet, dass ältere Menschen heutzutage zum einen im Hinblick auf ihre Gesundheit, ihren psychophysischen Zustand, ihre Kompetenz und ihre Leistungsfähigeit jünger sind als die damaligen Generationen und zum anderen sich auch jünger fühlen als die damaligen Generationen in ihrem heutigen Alter. Ein weiteres Merkmal ist die Entberuflichung. Damit ist gemeint, dass immer mehr Menschen früher als vorgeschrieben aus dem Berufsleben austreten. Ein drittes Merkmal ist die Feminisierung. In der heutigen Gesellschaft steigt der Frauenanteil bei älteren Menschen ständig, sodass so auch die wirtschaftliche Lage der älteren Frauen deutlich schlechter ist als die der Männer. Die Singularisierung ist ein weiteres Merkmal der Entwicklung einer neuen Altersstruktur. Immer mehr Menschen müssen aufgrund von Scheidungen, Trennungen oder auch aufgrund des Verlustes des Ehepartners alleine leben. Da es in unserer Gesellschaft ein Heiratstabu für ältere Menschen gibt, leben viele Menschen oft bis zu ihrem Tod alleine. Ein fünftes und letztes Merkmal sind die Hochbetagten. Immer mehr ältere Menschen leben heute länger als Menschen in damaligen Generationen.9

1.2. Soziale Kontakte und Soziale Beziehungen in Altenheimen

Menschen sind soziale Wesen und haben das Bedürfnis nach Gruppenzugehörigkeit und Gemeinschaft. Dieses Bedürfnis ist aber je nach Biografie, Erfahrungen und kulturellem Hintergrund verschieden stark ausgeprägt. Auch im hohen Alter ist die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe von großer Bedeutung, denn es ist auch für ältere Menschen wichtig, sich als wertvolles Mitglied eines Ganzen bzw. einer Gruppe zu erleben, soziale Kontakte knüpfen zu können und Sicherheit, Vertrauen, Schutz und Wertschätzung durch andere zu erfahren.10

Eine wichtige Voraussetzung für eine zufriedene Lebensgestaltung im Alter ist also die Einbindung in befriedigende familiäre oder freundschaftliche Beziehungen.11Familie und Partnerschaft sind die wichtigsten Formen sozialer Beziehungen und sozialer Räume im Alter. Die Wertschätzung der Familie bleibt trotz Krisenerscheinungen, wie z.B. steigenden Scheidungszahlen oder die geringere Anzahl an eigenen Kindern, sehr hoch. Die Familie ist das zentrale Handlungsfeld für ältere Menschen, da intrafamiliäre Kontakte unter anderem sehr bedeutend für die soziale Integration und die Lebenszufriedenheit im Alter sind. Bestehen solche familiären Beziehungen nicht, kommt es zu weniger Handlungs- und Kontkaktspielräumen und somit zu sozialen und emotionalen Einschränkungen, sodass in diesem Fall nicht von sozialer und materieller Unterstützung profitiert werden kann.12

Auch Ehe und Partnerschaft, die als engste Lebensformen gesehen werden, sind im höheren Alter sehr wichtig. Es gibt positive aber auch negative Aspekte im partnerschaftlichen Leben zwischen älteren Menschen. So können z.B. gesundheitliche Probleme und Behinderungen eines Partners dazu führen, dass die Paare enger zusammengeführt werden. Zurückgeführt kann dies auf den ausgeglichenen Umfang gegenseitiger sozialer Unterstützung und Vertrauens zwischen den Ehepartnern.13Dennoch gibt es einige Problemfelder in alternden Beziehungen, wie beispielsweise Fragen der Sexualität oder entstehende Abhängigkeiten bei Pfegebedürftigkeit oder Persönlichkeitsveränderungen eines Partners, z.B. durch die Krankheit Demenz.

Wird die Ehe und Partnerschaft durch den Tod eines Partners beendet, so kommt es zur Verwitwung. Aufgrund der höheren Lebenserwartung der Frauen, sind meistens diese von einer Verwitwung betroffen. Sind Männer von einer Verwitwung betroffen, so heiraten diese im Gegensatz zu Frauen wieder häufiger oder leben öfter in nichtehelichen Lebensgemeinschaften zusammen. Die Verwitwung hat gerade für ältere Frauen verschiedenste Folgen. Die durch die Patnerschaft entstandene gemeinsame Beziehungen, können durch den Verlust des Partners aufgehoben werden, sodass es zu einer Einschränkung im sozialen Netzwerk kommt. Der Verlust des Partners kann aber auch eine Chance für die verwitwete Frau sein. Litt der Partner z.B. an einer Krankheit, sodass die Pflege des Partners oder sonstige Partnerschaftsprobleme Hindernisse für soziale Kontakte waren, so können diese reaktiviert oder es können neue Sozialkontakte entwickelt werden.14

Bei Partnerverlust oder bei der Anpassung an den Ruhestand werden außerfamiliäre Sozialbeziehungen zu Freunden, Bekannten, Nachbarn, Vereinsmitgliedern oder Mitgliedern anderer Gruppen ebenfalls besonders bedeutsam, da diese kognitive und emotionale Unterstützungspotenzial aufweisen.15

Menschen, die aufgrund unterschiedlichster Faktoren, wie z.B. aufgrund eines Partnerverlustes oder einer Krankheit, in ein Altenheim ziehen, müssen sich auf neue Sozialbeziehungen einstellen. Die sozialen Beziehungen in Heimen sind von verschiedenen Beziehungsformen bestimmt: Die Beziehungen zum Personal, zu den Mitbewohnern und Mitbewohnerinnen und die Beziehungen zu den Angehörigen, die entweder von außen kommen, oder die mit ihnen im Altenheim wohnen. Soziale Kontakte bei alten Menschen in einem Altenheim bedeuten nicht immer nur Unterstützung und Zuneigung, sondern können auch Konflikte und Belastungen hervorrufen. Die soziale Struktur der Organisation des Heimes wird durch bestimmte Merkmale festgelegt, die wiederum das Verhalten und das Empfinden der älteren Bewohner und Bewohnerinnen beeinflussen.16 So stören z.B. Zwei- oder Mehrbettzimmer die Intims- und Privatsphäre der Bewohner und Bewohnerinnen und bilden somit ungünstige Voraussetzungen der Lebenslage der älteren Menschen, da so Handlungsspielräume eigeengt und soziale Beziehungen erschwert werden. Bewohner und Bewohnerinnen in Heimen halten untereinander relativ wenig Kontakt. Bereits vor dem Eintritt in ein Heim sind die Kommunikations- und Kontaktfähigkeit bei vielen älteren Menschen durch langes Alleinleben verringert worden. Auch das Fehlen der familiären Einbindung ist ein Grund für das Sinken der Kommunikations- und Kontaktfähigkeit. Diese Fähigkeiten können durch den Aufenthalt in einem Altenheim nur in ganz wenigen Fällen wieder aktiviert werden. Heimbewohner und Heimbewohnerinnen fällt es deshalb oft schwer, den Kontakt zu anderen Bewohnern und Bewohnerinnen zu suchen und auf diese zuzugehen. Es wird häufig über die Interessen- und Initiativlosigkeit, den Rückzug und der Egozentriertheit der Mitbewohner und Mitbewohnerinnen geklagt.17Für viele ältere Menschen in einem Altenheim, die kein eigenes Zimmer oder keine eigene Wohnung haben, ist der Umgang mit einem Mitbewohner oder einer Mitbewohnerin im Raum schwer erträglich. Verhaltensweisen, Erkrankungen und Umgangsformen des Zimmerpartners oder der Zimmerpartnerin können Ängste oder auch Aggressionen auslösen. Trotz diesen Erkenntnissen ist die soziale Situation in stationären Einrichtungen der Altenhilfe nicht immer nur von negativen Aspekten bestimmt. Bewohner und Bewohnerinnen in moderneren Altenheimen, die den Übergang in ein Heim eigenständig bestimmt haben und denen ausreichend Intimität und Eigenständigkeit geboten wird, können auch positive Aspekte des Heimes sehen. Diese bestehen darin, dass die Bewohner und Bewohnerinnen durch das Heim neue Kontakte schließen, Aufgaben und Verantwortung übernehmen und an zahlreichen Veranstaltungen teilnehmen können.

[...]


1 Vgl.: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) (2002):

2 Vgl.: Witterstätter, K. (2008): Soziale Hilfen im Alter. Eine Sozialgerontologie für Pflegearbeiten. Freiburg im Breisgau, Lambertus (14. Auflage), S. 30

3 Vgl.: Backes, G.-M./ Clemens, W (2013): Lebensphase Alter. Eine Einführung in die sozialwissenschaftliche Alternsforschung. Weinheim und Basel, Beltz Juventa (4., überarbeitete und erweiterte Auflage, S. 22

4 Vgl.: ebd., S.118

5 Vgl.: Backes, G.-M./ Clemens, W (2013), S. 22 f.

6 Junker, J.-P. (1973): Alter als Exil. Zur gesellschaftliche Ausgrenzung des alten Menschen. Zürich und Köln, Benziger, S. 13

7 Vgl.: Rüberg, R. (1991): Alter - Dimensionen und Aspekte. In: Trapmann, H. Et al. (Hrsg.): Das Alter. Grundfragen, Einzelprobleme, Handlungsansätze. Dortmund, Verlag Modernes Lernen, S. 27

8 Vgl.: Buchka, M. (2012): Das Alter. Heil- und sonderpädagogische Konzepte. Stuttgart, Kohlhammer, S.98 f.

9 Vgl.: Buchka, M. (2012), S. 99

10 Vgl.: Mötzing, G. (2013): Beschäftigung und Aktivitäten mit alten Menschen. München, Elsevier GmbH (3. Auflage), S. 11

11 Vgl.: Stracke-Merte, A. (2003): Soziologie. Der Blick auf soziale Beziehungen. Hannover, Vincentz (3. überarbeitete Auflage), S. 68 f.

12 Vgl.: Backes, G.-M./ Clemens, W. (2013), S. 236

13 Vgl.: Ebd., S. 72

14 Vgl.: Ebd., S. 238

15 Vgl.: Ebd., S. 242

16 Vgl.: Prahl, H.-W./ Schroeter, K.-R. (1996): Soziologie des Alterns. Eine Einführung. Paderborn, Schöningh

17 Vgl.: Ebd.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten

Details

Titel
Gemeinschaft oder Vereinsamung? Die soziale Kontaktsituation der Bewohner und Bewohnerinnen stationärer Altenhilfe
Untertitel
Eine empirische Erhebung
Hochschule
Fachhochschule Dortmund
Note
1,7
Autor
Jahr
2014
Seiten
35
Katalognummer
V318937
ISBN (eBook)
9783668181083
ISBN (Buch)
9783668181090
Dateigröße
621 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gerontologie, Soziale Arbei, Altenhilfe, Alte Menschen, soziale Kontakte, Gemeinschaft, Vereinsamung
Arbeit zitieren
Svenja Hund (Autor), 2014, Gemeinschaft oder Vereinsamung? Die soziale Kontaktsituation der Bewohner und Bewohnerinnen stationärer Altenhilfe, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/318937

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