Die maurische Kultur und Gesellschaft. Inwiefern wird dem Orient in Madame de Lafayettes "Zayde" ein negatives Bild zugeschrieben?

Darstellung im zweiten Teil von "Zayde"


Hausarbeit, 2013

13 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die maurische Kultur und Gesellschaft
2.1 Orientalisches Dekor
2.2 Frau und Mann in der maurischen Gesellschaft
2.3 Islamdarstellungen
2.4 Handlungselemente

3. Fazit

4. Bibliographie

1. Einleitung

Die folgende Arbeit setzt sich mit der Darstellung des Orients im Zweiten Teil von Mme de Lafayettes Zayde auseinander. Dieser Roman wurde im Jahr 1670 veröffentlicht und in vielerlei Hinsicht von dem spanischen Roman „Les Guerres Civiles de Grenade“ von Perez de Hita beeinflusst[1]. Zur damaligen Zeit erfuhr die Gattung des Romans von einem Großteil der Literaturkritiker nur Ablehnung, weswegen sich viele Autoren für ihre Werke schämten und diese unter einem anderen Namen veröffentlichten, wie es auch bei Zayde der Fall war[2]. Im Laufe der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde dann zunehmend der Einfluss der spanischen Novelle auf den Roman stärker, sodass „so etwas wie eine 'klassische', d.h. soweit wie nur möglich der 'doctrine classique' folgende Erzählform“ entstehen konnte[3]. Literaturgeschichtlich ist das Werk folglich während der Epoche der französischen Klassik veröffentlicht worden.

Die elementare Frage dieser Hausarbeit lautet: Inwiefern wird dem Orient in Madame de Lafayettes Zayde ein negatives Bild zugeschrieben? Mit dieser Frage setzt sich der Hauptteil Die maurische Kultur und Gesellschaft in vier Unterpunkten auseinander. Der erste Teil Orientalisches Dekor beschreibt anhand von Beispielen den Reichtum und luxuriösen Lebensstil der Mauren und analysiert dessen Bedeutung im Kontext der Orientdarstellung. Im Anschluss folgt Frau und Mann in der maurischen Gesellschaft um die Rollen der Geschlechter sowie ihr Verhältnis untereinander aufzuzeigen. Danach folgt das Kapitel Islamdarstellung um das von der Autorin gezeichnete Bild dieser Religion darzustellen. Zuletzt endet der Hauptteil mit dem Punkt Handlungselemente. In diesem Teil wird der Verlauf der Handlung unter dem Gesichtspunkt der unterlegenen Stellung des Orients betrachtet. Der letzte Schritt dieser Ausarbeitung ist ein Fazit, bei dem unter Berücksichtigung von allen behandelten Aspekten ein abschließendes Urteil bezüglich der Darstellung des Orients im zweiten Teil von Zayde gegeben wird.

2. Die maurische Kultur und Gesellschaft

2.1 Orientalisches Dekor

Das reiche orientalische Dekor wird dem Leser vor allem in der von Mulzimann erzählten „Histoire d'Alamir, Prince de Tarse“ vor Augen geführt. Zahlreiche Beschreibungen von Festen und Zeremonien verdeutlichen, welch luxuriöses Leben die Mauren genießen. Zu Beginn von Alamirs Geschichte wird ein jährlich stattfindendes Fest erwähnt, das von Mulzimann wie folgt dargestellt wird:

la coutume a établi de se faire des présents magnifiques pendant cette fête ; et l'on ne voit dans les rues que des esclaves chargés de tout ce qu'il y a de plus rare. […] [Alamir] lui donna des parfums d'Arabie, qui étaient si rares, qu'il n'y avait que ce Prince qui en eût. Et il les envoya avec tous les ornements qui pouvaient les rendre agréables. [4]

Mme de Lafayette beschreibt ein Fest, das nichts als Prunk und Pracht verkörpert. Dem Leser fällt es schwer, sich überhaupt vorzustellen, dass es einen Feiertag gibt, an dem die Straßen voll von Sklaven sind, die die schönsten und seltensten Geschenke transportieren. Der Reichtum der Mauren wird weiterhin dadurch hervorgehoben, dass Alamir sein kostbares und wertvoll verziertes Parfüm, das ausschließlich er besitzt, gleich an zwei Frauen verschenkt, die letzten Endes nicht mehr für ihn sind, als ein Liebesabenteuer. Für Alamir ist im Allgemeinen kein Preis zu hoch, wenn es darum geht, das Herz einer Frau zu erobern und so kommt es, dass er Eigentümer des Hauses wird, das gegenüber von Elsiberys Zimmer liegt, nur um mit ihr in Kontakt treten zu können[5]. Abgesehen von dem zuvor beschriebenen prunkvollen arabischen Fest, verkörpert auch die Szene, in der Alamir in das Bad der Frauen einbricht, den luxuriösen Lebensstil im Orient:

Les bains sont des Palais magnifiques ; les femmes y vont trois ou quatre fois la semaine : elles prennent plaisir à faire paraître leur magnificence, en faisant marcher devant et après elles un nombre infini d'esclaves, qui portent toutes les choses qui leur sont nécessaires. L'entrée de ces maisons est défendue aux hommes sur peine de la vie. [6]

Mme de Lafayette kreiert ein sehr eindrucksvolles Bild in den Köpfen ihrer Leser, denn sie beschreibt einen Palast, der ausschließlich dafür dient, dass die Frauen ihr Bad nehmen und sich in ihrer vollen Pracht präsentieren können. Diese Vorstellung wird noch zusätzlich verstärkt, wenn man bedenkt, dass diese schönen Frauen von einer riesigen Anzahl an Sklaven bedient werden. Die Autorin gewährt dem Leser somit einen kurzen Einblick in die prunkvolle Welt der Reichen und Privilegierten[7]. Hierbei wird die normale Bevölkerung ganz gezielt außen vorgelassen, da sie schlichtweg nicht in die von Mme de Lafayette kreierte Welt passt. Außerdem erscheint dieser Ort als sehr geheimnisvoll, da allen Männern der Zutritt verboten ist und bei Nichteinhaltung sogar die Todesstrafe droht. Auf diese Weise lassen sich die orientalischen Bäder für das weibliche Geschlecht sogar mit der Metapher der verbotenen Frucht in Verbindung bringen.

Des Weiteren hebt das Porträt von Consalve in einem typisch arabischen Kostüm die pure Schönheit des orientalischen Dekors hervor, denn auch der Maler hat sich nur aus ästhetischen Gründen dafür entschieden, es zu malen. In Verbindung mit dem spanischen Helden wird allerdings die Glaubwürdigkeit des Kostüms untergraben, das ursprünglich Ruhm und Autorität der arabischen Adeligen repräsentieren sollte. Von Consalve getragen verliert das Gewand jedoch seine Bedeutung und repräsentiert nichts weiter als eine hübsche Hülle.

In der „Histoire d'Alamir, Prince de Tarse“ wird der Leser folglich in eine fremde Welt entführt. Die vielen Szenen auf den Festen und in den Palästen oder Bädern ist für die europäische Kultur gänzlich unbekannt, wodurch eine Darstellung des Orients entsteht, die von nichts als Luxus und Feierlichkeiten geprägt ist. Auf diese Weise wird beim Leser der Eindruck geweckt, dass ein Fest unmittelbar auf das Nächste folgt und die Mauren keine andere Lebensaufgabe haben, als zu feiern[8]. Inwiefern diese Darstellung noch etwas mit der Realität zu tun hat, ist eher fragwürdig und so handelt es sich hierbei vielmehr um ein Konstrukt des Orients, das von und für die westliche Vorstellungskraft geschaffen wurde[9]. Auch wenn diese Darstellung nicht dem tatsächlichen Bild des Orients entspricht, so führt sie dennoch zu einer Entfremdung seitens des Lesers, da dieser Reichtum und Überschuss an Prunk keine Identifikationsmöglichkeit bietet. Aufgrund dessen wird der Orient als anders und fremd wahrgenommen.

[...]


[1] Achours, Christiane (1967): „Tradition française et influence hispano-mauresque dans Zaïde de Madame de Lafayette“. In: Cahiers algériens de littérature comparée 2, S. 38

[2] Rieger, Dietmar (1985) : „Einleitung“. In: Ders. (Hg.): Die französische Erzählkunst des 17. Jahrhunderts. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, S. 3

[3] Ebd.: S. 4 - 5

[4] Lafayette, Mme de (2006): „Zayde“. Paris: Flammarion, S. 205

[5] Ebd.: S. 217

[6] Ebd.: S. 209

[7] Stone, Harriet (1990): „Reading the Orient: Lafayette’s Zaïde”. In: Romanic Review 2, S. 145

[8] Achour 1967: S. 55

[9] Stone 1990: S. 146

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die maurische Kultur und Gesellschaft. Inwiefern wird dem Orient in Madame de Lafayettes "Zayde" ein negatives Bild zugeschrieben?
Untertitel
Darstellung im zweiten Teil von "Zayde"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V319005
ISBN (eBook)
9783668181946
ISBN (Buch)
9783668181953
Dateigröße
459 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zayde, Madame de Lafayette, Orient
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Die maurische Kultur und Gesellschaft. Inwiefern wird dem Orient in Madame de Lafayettes "Zayde" ein negatives Bild zugeschrieben?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319005

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