Rezension und Analyse zentraler Elemente von Oka Rusminis Roman "Erdentanz"


Hausarbeit, 2013
13 Seiten, Note: 2,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Inhaltliche Zusammenfassung

Schreibstil und Struktur

Das balinesische Kastensystem

Erotik

Die balinesische Kultur und der Westen

Fazit

Bibliographie

Einleitung

Die folgende Ausarbeitung beschäftigt sich mit dem Roman Erdentanz (Originaltitel: Tarian Bumi) von Oka Rusmini und zielt auf eine Bewertung der Lektüre ab, nachdem einige zentrale Elemente des Romans analysiert wurde.

Oka Rusmini wurde am 11. Juli im Jahre 1967 in Jakarta geboren, hat aber balinesische Eltern und verbrachte auch einen Großteil ihres Lebens auf dieser Insel[1]. Rusmini hat bereits mehrere Werke im Bereich der Romane, Dichtungen und Kurzgeschichten veröffentlicht und hat für ihre Werke nationale sowie auch internationale Anerkennung erhalten[2]. Des Weiteren ist sie mit dem aus Ostjava stammenden Dichter Arif B. Prasetyo verheiratet, was Rusminis Familie aufgrund der ethnischen Herkunft und Religionszugehörigkeit ihres Mannes derart enttäuschte, dass Rusmini von ihnen enterbt wurde[3]. Diese von ihr am eigenen Leib erfahrene Thematik der balinesischen Heirat nach bestimmten gesellschaftlichen und vor allem auch religiösen Regeln macht die Autorin auch in ihrem Roman Erdentanz zum Thema.

Der Aufbau dieser Arbeit lässt sich wie folgt darstellen:

In einem ersten Schritt wird eine knappe inhaltliche Zusammenfassung der Lektüre geliefert, woraufhin im nächsten Teil der Schreibstil und die Struktur analysiert werden. Im Anschluss folgt eine Darstellung des balinesischen Kastensystems, wobei ebenfalls kurz auf den Glauben und das Adat-Recht eingegangen wird. Daraufhin setzt sich die Arbeit mit dem Aspekt der Erotik und des weiblichen sexuellen Verlangens auseinander. Es folgt ein weiterer Teil, der die Aussage der Autorin bezüglich des Verhältnisses zwischen der balinesischen Kultur und den Einflüssen des Westens beziehungsweise des Tourismus darzustellen versucht. In einem letzten Schritt schließt die Ausarbeitung mit einer Zusammenfassung.

Inhaltliche Zusammenfassung

Der Roman Erdentanz befasst sich mit dem Leben balinesischer Frauen über vier Generation, nämlich Ida Ayu Telaga, ihre Tochter Luh Sari, ihre Mutter Luh Sekar, später Jero Kenanga genannt und ihre beiden Großmütter Luh Dalem und Ida Ayu Sagra Pidada. Nichtsdestotrotz stellt Telaga den zentralsten Charakter dar und die gesamte Handlung wird größtenteils auch aus ihrer Perspektive erzählt.

Luh Sekar wird in eine Sudra-Familie geboren und gehört somit der niedrigsten Kaste in der balinesischen Gesellschaft an, weswegen sie von klein auf das Ziel verfolgt einen Brahmanen zu heiraten um der Armut zu entkommen und einen gesellschaftlichen Aufstieg zu erreichen. Letzten Endes gelingt ihr auch die Umsetzung ihres Plans durch die Heirat mit Ngurah Pidada. Allerdings stellt sich dieser als schlechter Ehemann heraus, der nur wenig Interesse an Frau und Kind zeigt und nach einigen Jahren der Ehe tot in einem Bordell aufgefunden wird. Kenanga bleibt nur noch ihre Tochter Telaga und konzentriert sich voll und ganz darauf ihr die Werte und Regeln des Adels zu vermitteln.

Telaga kann sich allerdings absolut nicht mit all den Regeln und Verpflichtungen anfreunden und legt auch keinen Wert darauf einen adeligen Mann zu heiraten, denn für sie steht eine Heirat aus Liebe an erster Stelle. Bereits als jugendliches Mädchen verliebt sie sich in den Maler Wayan Sasmitha, der genau wie Telagas Mutter aus der untersten Sudra-Kaste stammt. Nach mehreren Jahren der Unterdrückung der beidseitigen Liebe können die beiden nicht länger widerstehen und kündigen ihre Hochzeit an, woraufhin Telaga für ihre Mutter gestorben ist und auch ihre neue Schwiegermutter Luh Gumbreg ist alles andere als erfreut, da sie befürchtet diese Hochzeit, die keine Konformität mit den Regeln und Werten des Kastensystems aufweist, bringe Unglück über ihre Familie. Nichtsdestotrotz heiraten die beiden, zeugen Luh Sari und sind sehr glücklich bis Wayan nach sechs Jahren Ehe an einem Herzversagen stirbt. Bereits während ihrer Ehe hat Telaga mit dem sozialen Abstieg und der Armut zu kämpfen und hinzukommt, dass sie von ihrer Schwiegermutter und Schwägerin kaum respektiert wird. Nach Wayans Ableben möchte Luh Gumbreg endgültig das Unglück von ihrer Familie abwenden und bittet daher ihre Schwiegertochter sich von ihrem Griya, also dem Wohnort und den Tempelstätten ihres Brahmana Clans offiziell zu verabschieden und eine Patiwangi-Zeremonie durchzuführen, die eine Transformation zu einer Frau der niedrigsten Kaste bedeutet[4]. Letzten Endes schließt der Roman mit der Durchführung dieser erniedrigenden Zeremonie.

Schreibstil und Struktur

Im Großen und Ganzen lässt sich sagen, dass es sich bei dem Werk Erdentanz um eine gelungene Übersetzung der Originalversion Tarian Bumi handelt. Der Roman lässt sich auf Deutsch durchweg gut lesen und es gibt relativ wenige Sätze, die aufgrund einer eigenartigen Struktur ins Auge fallen. Nichtsdestotrotz treten einige wenige unwesentliche Rechtschreibfehler auf, wie zum Beispiel „Dieses Gefühl verstärkte sich noch durch das gemeine Verhalten ihre beiden Schwestern“[5] oder „Lass den Leute ihre Geschichten über mein wildes Lieben“[6]. Des Weiteren gibt es recht häufig Abschnitte, wie „Du bist gemein. Du antwortest herablassend. […] Du bist die einzige Frau, die mich versteht. Ich habe dich sehr gern, Kenten“[7], in denen die simple und recht kurze Satzstruktur auffällig erscheint. An anderen Stellen erscheinen insbesondere die Dialoge künstlich „Ich möchte dieses Tanzkostüm tragen, Kenten. […] Ich mag diese Krone. Erst recht die Champaca-Blüte, die sie verziert. Sie hält ewig, denn sie ist aus Holz geschnitzt. Der Joged ist ein unterhaltender Tanz, Kenten“[8]. Weiterhin ist auffällig, dass einige Szenen, wie zum Beispiel „[Im Schoß seiner Mutter] ließ [das Mädchen] seine Beine hin und her baumeln und küsste ungestüm die Wange der Frau. […] Beim Anblick ihrer Tochter war Telaga versucht, ihr fest in die runden Bäckchen zu kneifen und so lange an ihrem schmalen, wohlgeformten Näschen zu ziehen, bis es rot würde“[9] etwas kitschig wirken. Nichtsdestotrotz wird dieser Schreibstil in der Regel nicht als störend empfunden, sodass der Roman als flüssige und aufgrund der simplen Sprache auch als eine relativ einfache Lektüre wahrgenommen wird.

Die Handlung von Erdentanz ist nicht chronologisch aufgebaut, sondern macht häufig Sprünge in die Vergangenheit oder lässt Charaktere wie aus dem Nichts auftauchen um einen weiteren kurzen Ausflug in die balinesische Gesellschaft unternehmen zu können. Eine solche Episode lässt sich in der Szene finden als Telaga und Wayan seiner Familie von der geplanten Hochzeit erzählen, bis Wayans Schwester in Gedanken abdriftet und die Autorin vier Seiten dem Charakter Luh Kendran widmet, eine Frau, die ihr Erscheinungsbild durch Tätowierungen und Operationen verändert hat um den Männern zu gefallen und einer Stadtfrau ähnlich zu sehen[10]. Besonders zu Beginn der Lektüre wirken auch die Sprünge in die Vergangenheit etwas verwirrend für den Leser, denn innerhalb der ersten 15 Seiten existieren Szenen von Telaga mit ihrer Tochter in der Gegenwart, von Telagas Schwägerin Luh Sadri einige Jahre in der Vergangenheit, von Telagas Kinderzeit, vom Kennenlernen und der Ehe ihrer Großeltern und vom Tod ihres Vaters[11]. Diese anfängliche Schwierigkeit beim Verfolgen der Handlung löst sich aber recht schnell und der von Oka Rusmini gewählte Aufbau mit Sprüngen in die Vergangenheit und dem Auftauchen neuer Charaktere macht die Handlung sogar noch interessanter, da immer mehr Facetten des balinesischen Gesellschaftssystems zum Vorschein kommen. Dem Leser ist häufig bewusst, dass gewisse Charaktere oder Geschichten nicht von besonderer Wichtigkeit für die Handlung sind, sondern von der Autorin lediglich eingebaut wurden um eine genauere Darstellung der Gesellschaft zu erzielen. Zusätzlich gelingt es der Autorin bereits in der etwas verwirrenden Anfangsphase Spannung zu kreieren, denn der Satz „Wenn die Kleine doch nur wüsste, um wen es sich bei dem Mann handelte, dessen Aufmerksamkeit sie so eifrig zu erregen versuchte“[12] wird erst mal nicht aufgeklärt und macht den Leser folglich neugierig. Des Weiteren wird das Interesse des Lesers dadurch geweckt, dass die erste Szene in der Gegenwart spielt und die Autorin im Anschluss die verschiedenen Geschichten der Frauen thematisiert, bis man wieder in der Gegenwart angekommen ist und die Ausgangssituation von Telaga nachvollziehen kann.

[...]


[1] Monika Arnez, „Kunst, Kosmos, Kaste. Weibliche Körperinszenierungen, Tanz und Aspekte der Bewahrung balinesischer Kultur in Oka Rusminis Tarian Bumi“, Austrian Journal of South-East Asian Studies 1(1), 2008, 32

[2] Arnez, „Kunst, Kosmos, Kaste.“, 32

[3] Oka Rusmini, Erdentanz (Horlemann, 2007), 149

[4] Arnez, „Kunst, Kosmos, Kaste.“, 34-35

[5] Rusmini, Erdentanz, 47

[6] Rusmini, Erdentanz, 78

[7] Rusmini, Erdentanz, 27

[8] Rusmini, Erdentanz, 33

[9] Rusmini, Erdentanz, 8

[10] Rusmini, Erdentanz, 113 - 116

[11] Rusmini, Erdentanz, 7 - 21

[12] Rusmini, Erdentanz, 8

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Rezension und Analyse zentraler Elemente von Oka Rusminis Roman "Erdentanz"
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Ostasiatische Philologien)
Note
2,0
Jahr
2013
Seiten
13
Katalognummer
V319011
ISBN (eBook)
9783668181663
ISBN (Buch)
9783668181670
Dateigröße
450 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
rezension, analyse, elemente, rusminis, roman, erdentanz
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Rezension und Analyse zentraler Elemente von Oka Rusminis Roman "Erdentanz", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319011

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