Ein Humanist auf Reisen. Inwiefern spiegelt sich die humanistische Haltung von Michel de Montaigne in seiner Art zu reisen wider?

Grundzüge des Humanismus, Reisemotive und Schreibstil des Reisetagebuchs


Hausarbeit, 2014

14 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Montaigne im Kontext des Humanismus

3. Montaignes Reisemotive

4. Schreibstil

5. Ein Humanist auf Reisen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Michel de Montaigne wurde am 28. Februar 1533 auf dem Schloss Montaigne im Südwesten Frankreichs geboren. Sein Vater Pierre Eyquem de Montaigne war ein wohlhabender Schlossherr mit adliger Abstammung und seine Mutter Antoinette Louppes de Villeneuve kam aus einem vermögenden jüdisch-portugiesischen Elternhaus. Nach seiner Schulausbildung fügte sich der junge Montaigne dem Wunsch seines Vaters, begann ein Jurastudium und wurde schließlich Parlamentsrat in Bordeaux.[1]

Montaigne lebte in der Epoche der Renaissance, in der sich auch die humanistische Geisteshaltung entwickelte. Diese Strömung ging mit der Loslösung von der strengen Führung der katholischen Kirche, der Orientierung an der griechisch-römischen Antike und der Fokussierung auf die Individualität des Menschen einher.[2]

Montaigne ist vor allem durch sein Werk Les Essais bekannt geworden, das im Jahre 1580 veröffentlicht wurde. Dieser Arbeit hat er es zu verdanken, dass er bis heute als Erfinder der gleichnamigen literarischen Gattung gilt. Nachdem er sich viele Jahre seinen Essays gewidmet hatte, trat er am 12. Juni 1580 eine Reise an, die über siebzehn Monate dauerte und ihn über die Schweiz und Deutschland bis nach Italien führte.[3] Im Laufe der Reise verfasste zuerst ein anonym gebliebener Sekretär und später Montaigne selbst ein Reisetagebuch, das der Öffentlichkeit fast 200 Jahre vorenthalten blieb. Erst im Jahre 1770 wurde das Originalmanuskript im Schloss Montaigne entdeckt und vier Jahre später veröffentlicht.[4]

Die vorliegende Arbeit untersucht Montaignes Reise im Hinblick auf den humanistischen Kontext. In einer kurzen Einführung werden daher die Grundzüge dieser Geisteshaltung und Montaignes humanistische Bildung angeschnitten. Anschließend werden sämtliche Motive erörtert, die Montaigne zum Antritt dieser Reise bewegt haben. Daraufhin erfolgt eine kurze Darstellung des Schreibstils des Reisetagebuchs. Im Mittelpunkt der Hausarbeit steht allerdings folgende Frage: Inwiefern hat sich Montaignes humanistische Haltung in seiner Art zu reisen widergespiegelt? Abschließend endet die Arbeit mit einem Fazit.

2. Montaigne im Kontext des Humanismus

Unter dem Begriff Humanismus versteht man eine Bildungsbewegung mit italienischem Ursprung. Dort entwickelte sich der sogenannte Frühhumanismus, in dessen Zentrum Francesco Petrarca stand. Später verbreitete sich dieses Gedankengut allerdings auch außerhalb Italiens, sodass es zur Entstehung des europäischen Humanismus kam, dessen Blütezeit in etwa von 1470 bis 1530 andauerte.[5]

Kennzeichnend für den Humanismus waren die Zweifel an der Autorität der Kirche. Dies darf allerdings nicht mit dem Glauben an Gott gleichgestellt werden, denn die europäischen Humanisten sahen sich nach wie vor als Anhänger des Christentums. Sie forderten lediglich eine innere Umgestaltung der Kirche und wollten dabei eine gewisse Rolle spielen. Folglich beabsichtigten sie eine Modifikation der christlichen Religion in Verbindung mit den humanistischen Idealen.[6]

Zu diesem Gedankengut zählte vor allem die intensive Beschäftigung mit dem Menschen an sich. Während der Fokus im düsteren Mittelalter noch bei Gott lag, so sollten fortan der individuelle Geist und die Würde des Menschen sowie sein Verhältnis zu Gott, seiner Umwelt und seinen Mitmenschen im Mittelpunkt stehen. Um sich mit dem Geist des Menschen bestmöglich beschäftigen zu können, legte man von nun an größeren Wert auf den Aspekt der Bildung.[7]

Ein weiteres bedeutendes Element war die Rückbesinnung auf die Antike. Im Sinne der Renaissance zielte auch der Humanismus auf eine Wiedergeburt ab, allerdings in Form der Rückkehr auf das klassische Wissen und Denken der Antike. Hervorzuheben ist aber, dass es sich um keine Reproduktion dieser Epoche handelte, sondern um eine Verbindung von alten und neuen Erkenntnissen.[8]

Bei der Auseinandersetzung mit Montaignes Werken lassen sich diese humanistischen Elemente erkennen. Seine Essays sind voller Zitate aus antiken Schriften und so zeigt sich, dass er aus humanistischer Perspektive äußerst gebildet war. Natürlich greift Montaigne auch auf Schriften aus anderen Epochen zurück, aber der Großteil stammt aus dem klassischen Altertum. Diese Quellen geben Montaigne häufig einen Anstoß, um sich mit bestimmten Themen zu beschäftigen. Weiterhin ist anzumerken, dass er die antiken Schriften nicht als unfehlbar ansieht und durchaus Kritik äußert. Sein Vorgehen entspricht daher voll und ganz den Idealen des Humanismus, sodass zwar eine Orientierung am klassischen Altertum, aber keine unreflektierte Imitation stattfindet.[9] Zuletzt soll nicht unerwähnt bleiben, dass auch das Verfassen von Essays ein Musterbeispiel für den humanistischen Denkprozess ist, da eine persönliche und somit individuelle Auseinandersetzung mit einem ausgewählten Thema erfolgt. Diese Argumente zeigen, in welchem Maße sich die humanistischen Ideale in Montaignes Werken wiederfinden.

3. Montaignes Reisemotive

Montaigne hatte zahlreiche Beweggründe für eine Reise nach Italien, doch sein schlechter Gesundheitszustand war vermutlich von besonderer Bedeutung. Er litt an einer Nierensteinerkrankung, die viele schmerzhafte Symptome mit sich brachte. Um sein Leiden zu verringern, besuchte er einige Thermalbäder in den Pyrenäen, aber eine Heilung blieb aus. Nichtsdestotrotz bemerkte er, dass der Besuch solcher Bäder durchaus eine positive Wirkung hatte, denn es kam zu einer Linderung der Schmerzen, er bekam wieder Appetit, seine Verdauung wurde angeregt und er fasste neuen Lebensmut. Vermutlich waren es diese positiven Erfahrungen, die in ihm den Wunsch weckten, weitere Bäder aufzusuchen und so entschied er sich für die damals berühmtesten europäischen Bäder in Plombières, Baden und Lucca. Die Auswahl dieser Orte bestimmte in etwa seine Reiseroute.[10]

Für Montaigne war sogar das Reisen an sich bereits Grund genug, um eine Reise anzutreten, denn dies bereitete ihm großes Vergnügen.[11] Er war ein äußerst neugieriger Mensch und verspürte einen starken Drang, das Fremde mit eigenen Augen kennenzulernen.

„c’était la faim extrême de voir cette ville. Il disait qu’il n’eût su arrêter ni à Rome, ni ailleurs en Italie, en repos, sans avoir reconnu Venise; et pour cet effet s’était détourné de chemin.“[12]

Hervorzuheben ist außerdem, dass er den Erzählungen anderer Reisender nicht traute und seine Neugier nur gestillt werden konnte, wenn er sich ein eigenes Bild machen konnte.

„M. de Montaigne disait qu’il s’était toute sa vie méfié du jugement d’autrui sur le discours des commodités des pays étrangers, chacun ne sachant goûter que selon l’ordonnance de sa coutume de l’usage de son village, et avait fait fort peu d’état des avertissements que les voyageurs lui donnaient“[13]

[...]


[1] vgl. Mathias Jung, Montaigne : das Leben als Meisterstück (Lahnstein: emu-Verlags- und Vertriebs-GmbH, 2004), 17–18.

[2] vgl. Jung, Montaigne – Das Leben als Meisterstück, 27-29.

[3] vgl. Hermann Wiedemann, Montaigne und andere Reisende der Renaissance : drei Reisetagebücher im Vergleich (Trier : Wissenschaftlicher Verlag Trier, 1999), 65.

[4] vgl. Antoine Calvet, Montaigne, „Michel de. Journal de voyage. Partie en italien.“, Kritikon Litterarum Vol. 41 Issue 1/2 (2014): 8.

[5] vgl. Günther Böhme, Bildungsgeschichte des europäischen Humanismus (Darmstadt : Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986), 1.

[6] vgl. Böhme, Bildungsgeschichte des europäischen Humanismus, 1.

[7] vgl. Böhme, Bildungsgeschichte des europäischen Humanismus, 10.

[8] vgl. Böhme, Bildungsgeschichte des europäischen Humanismus, 9-10.

[9] vgl. Hugo Friedrich, Montaigne (Tübingen : Francke, 1993), 36-38.

[10] vgl. Wiedemann, Montaigne und andere Reisende der Renaissance, 66-67.

[11] vgl. Wiedemann, Montaigne und andere Reisende der Renaissance, 67.

[12] Michel Eyquem de Montaigne, Journal de voyage (Paris : Gallimard, 1983), 165.

[13] Montaigne, Journal de voyage, 145.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Ein Humanist auf Reisen. Inwiefern spiegelt sich die humanistische Haltung von Michel de Montaigne in seiner Art zu reisen wider?
Untertitel
Grundzüge des Humanismus, Reisemotive und Schreibstil des Reisetagebuchs
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Institut für Romanische Sprachen und Literaturen)
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
14
Katalognummer
V319012
ISBN (eBook)
9783668181465
ISBN (Buch)
9783668181472
Dateigröße
411 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Michel de Montaigne, Humanismus
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Ein Humanist auf Reisen. Inwiefern spiegelt sich die humanistische Haltung von Michel de Montaigne in seiner Art zu reisen wider?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319012

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