Polyphem, Galatea und Acis. Interpretation von Ovids "Metamorphosen" XIII 740-897


Hausarbeit, 2009

18 Seiten, Note: 3


Leseprobe

Inhalt

A. Einleitung

B Polyphem, Galatea und Acis: Ovids Metamorphosen XIII 740-897
1. Klärung der auftretenden Hauptcharaktere und Vorkommen bei anderen antiken Schriftstellern
2. Scylla und Galatea
3. Die Erzählung der Galatea (750-897)
3.1. Kurze inhaltliche Zusammenfassung der Erzählung Galateas (750-788)
3.2. Das Lied des verliebten Polyphem
3.3. Der Tod des Acis und dessen Verwandlung
4. Interpretation der vorliegenden Geschichte
5. Fazit

C. Schluss

Literaturverzeichnis

A. Einleitung

In den Jahren 1-8 n. Chr. schrieb Ovid sein umfangreichstes Werk, die Metamorphosen. Dieser Sagenzyklus umfasst 15 Bücher zwischen 700 und 900 Verse pro Buch. Für diese Arbeit ist v.a. das 13. Buch von Interesse. Inhaltlich setzt der Beginn der Irrfahrt des Aeneas eine neue geschlossene Erzählung in Bewegung, die allgemein als die kleine Aeneis bekannt ist. Es setzt mit dem Streit um Achills Waffen ein, der bereits getötet wurde aber dennoch Streit provoziert[1]. Im weiteren Verlauf des Buches verlässt Aeneas Troja und begibt sich auf die Reise gen Rom. Auf dieser Reise kommt er u.a. nach Karthago und nach Sizilien, bevor seine Reise im 14. Buch bei Latium endet. An diese Szene schließt eine zweiteilig aufgegliederte Scylla-Passage von den Versen 705-968 an, die das 13. Buch in sich abschließt. Inzwischen dieser Scylla-Episode schiebt sich eine in sich thematisch abgegrenzte Erzählung über Galatea und Polyphem ein.

Diese Geschichte von der Liebe des Ungeheuers Polyphems zur schönen Galatea ist die erste selbstständige Geschichte, die mehr als 150 Verse fasst. Sie scheint zwar abhängig von der Scylla-Episode zu sein, da fingiert wird, dass Galatea ihr jenes erzählt, aber ansonsten ist sie in sich unabhängig. Daher ist die Galateaerzählung ein an und für sich unabhängiger thematischer Block, der isoliert vom restlichen Buch und auch von den vorher und nachher folgenden Scylla-Stücken losgelöst betrachtet werden kann.

Im weiteren Verlauf dieser Arbeit soll die Geschichte von Polyphem und Galatea (Met XIII 740-897) interpretiert werden. Auch die griechischen Vorbilder für diese Episode sollen genannt werden.

B Polyphem, Galatea und Acis: Ovids Metamorphosen XIII 740-897

1. Klärung der auftretenden Hauptcharaktere und Vorkommen bei anderen antiken Schriftstellern

Eine Hauptperson in dieser Episode stellt Galatea dar. Sie wird vom Ungeheuer Polylphem umworben. Ihr Name wird wohl vom griechischen Wort für ‚Milch‘ (γαλα)[2] aber auch für die Meeresstille (γαληνη)[3] abgeleitet. Sie jedoch liebte den schönen Acis und hasst den Kyklopen Polyphem eben aus diesem Grund, weil er sie andauernd umwirbt und sie keinerlei Interesse an ihm hat.

Acis wird von Ovid als schöner Jüngling mit erstem Flaum seit seinem 16. Geburtstag geschildert. Die Liebe zwischen Acis und Galatea scheint auf Gegenseitigkeit zu beruhen.[4] Jedoch wird die Liebe immer vom Kyklopen gestört, da dieser gegen den Willen Galateas, die Frau umschwärmt und sich einbildet, sie liebe ihn ebenso. Acis sei „Fauno nymphaque Symaethide cretus“[5] und stellte den Stolz der Familie dar.

Die eigentliche Hauptperson der Passage ist der schon oft genannte Kyklop Polyphem, ein Sohn des Poseidon. Er ist ein Ungeheuer mit einem Auge, der in einer Höhle wohnt und letztendlich von Odysseus geblendet wird, sodass er sein Augenlicht verliert.[6]

Im Großen und Ganzen kann man festhalten, dass die Personen sich gänzlich um die schöne Galatea ranken und zanken. Polyphem ist der tragische Held dieser Geschichte, da er andauernd von Galatea verschmäht wird und seine Liebe somit nicht auskosten kann. Unklar in dieser Geschichte ist, ob hinter den Personen, die, wie gezeigt auch in anderen antiken Schriften belegt sind, historische Personen stecken oder ob es nur fiktiv von Ovid rezipiert wurde. Dieser Frage wird in dieser Arbeit nicht näher nachgegangen.

Allerdings ist das Motiv der unerfüllten Liebe des Polyphem auch bei anderen Schriftstellern bearbeitet worden. Als Beispiel hierfür ist Theokrit zu nennen, der in den Idyllien den verliebten Kyklopen aufgreift und sein Liebesgedicht von Hirten singen lässt. Hier wird die These deutlich, dass Gesang und Dichtung als Mittel gegen die Liebe dienen kann. Polyphem bezwingt seine Liebesqualen durch ein selbst gedichtetes Lied.[7]

Ferner findet sich eine Parallelstelle bei Vergils Eklogen. Hier übersetzt er einige Verse aus dem 11. Idyllion des Theokrit und lässt das Lied des Kyklopen imitieren.[8] Jedoch ist bisher bei allen anderen antiken Werken, außer Ovids Metamorphosen, auffällig, dass es nur zwei handelnde Hauptpersonen gibt, nämlich Galatea und Polyphem. Nur Ovid setzt in seinem Werk noch Acis als Rivalen Polyphems ein.

Die ganze Geschichte, v.a. Ovids Darstellung, hat erstaunliche Parallelen zu den römischen Liebeselegien sei es von Tibull oder Properz. Ein Verehrer betet eine Dame an und hofft auf Erwiderung der Liebe, jedoch vergeblich. Im Normalfall wird der Verehrer verschmäht und bleibt vor der gefühllosen Tür stehen.[9]

Auch Polyphem bekommt zu keiner Zeit auch nur den Hauch einer Gegenliebe von Galatea, sodass Polyphem wieder in sein altes Raster verfällt und blutrünstig und gewalttätig wird.[10]

2. Scylla und Galatea

Ovids Schilderung der Geschichte von Polyphem und Galatea wird durch einen kurzen Dialog zwischen Scylla und Galatea eingeleitet. Galatea schildert ihr Schicksal und stellte es als Pendant dem der Scylla gegenüber. Scylla habe im Gegensatz zu Galatea wenigstens keine wilden Verehrer[11]. Hier wird erstmals indirekt auf Polyphem angespielt, da dieser ihn im weiteren Verlauf mit dem Wörtchen „inmitis“[12] bezeichnet wird. Galatea grenzt sich sichtlich von Scylla ab, da sie Scylla mit „te“[13] anspricht und sich mit dem scharfen Gegensatz „at mihi“[14] klar abgrenzt. Die Tränen, die im weiteren Verlauf bei Galatea hervorquellen machen die Szenerie menschlicher[15], da sie Galatea am weitersprechen hindern und somit das Mitgefühl Scyllas erweckt, die danach die ganze Wahrheit erfahren will. Die Nereide berichtet hierauf die Geschichte von der Liebe des Polyphem und die grausame Ermordung von Acis durch den Kyklopen.

3. Die Erzählung der Galatea (750-897)

3.1. Kurze inhaltliche Zusammenfassung der Erzählung Galateas (750-788)

Sie beginnt mit der Abstammung des Acis, den sie über alles liebt. Er ist der Sohn des Faunus und einer Nymphe. Er stelle für die Eltern eine große Freude[16] dar. Hier erscheint der oft bei den Metamorphosen genutzte Topos der Schönheit eines jungen Liebenden.[17] Es wird geschildert, dass Acis seitdem er 16 ist einen zarten Bartwuchs besitzt. Desweiteren liebt Galatea diesen Jüngling sehr. Ovid vergleicht die Liebe zu Acis mit dem Hass gegenüber Polyphem.[18]

[...]


[1] Vgl. Anderson, W. S. (Hg.), P. Ovidii Nasonis Metamorphoses, Leipzig 1977, Met XIII, 1-398; (alle Textstellen werden hieraus zitiert und künftig mit ‚Met XIII‘ etc. abgekürzt).

[2] Vgl. Bömer, F., Publius Ovidius Naso. Metamorphosen. Kommentar. Buch XII-XII, Heidelberg 1982, 407.

[3] Vgl. Dörrie, H., Die schöne Galatea. Eine Gestalt am Rande des griechischen Mythos in antiker und neuzeitlicher Sicht, München 1968, 7.

[4] Vgl. Met, XIII,750-755.

[5] Ebd., 750.

[6] Vgl. Homer, Odyssee IX, 105-564.

[7] Vgl. Dörrie, H., Die schöne Galatea, 30.

[8] Vgl. ebd.

[9] Vgl. Tibull, Properz, Liebeselegien.

[10] Vgl. Met XIII, 864f.

[11] Vgl. ebd., 740.

[12] Ebd., 759.

[13] Ebd., 740.

[14] Ebd., 742.

[15] Vgl. Bömer, 405.

[16] Vgl. Met XIII, 751f.

[17] Vgl. Bömer, 411.

[18] Vgl. Met XIII, 756f.

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Details

Titel
Polyphem, Galatea und Acis. Interpretation von Ovids "Metamorphosen" XIII 740-897
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (alte Philologie)
Note
3
Autor
Jahr
2009
Seiten
18
Katalognummer
V319059
ISBN (eBook)
9783668183346
ISBN (Buch)
9783668183353
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
polyphem, galatea, acis, interpretation, ovids, metamorphosen, xiii
Arbeit zitieren
Florian Pitzer (Autor), 2009, Polyphem, Galatea und Acis. Interpretation von Ovids "Metamorphosen" XIII 740-897, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319059

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