Sozialer Raum und Sozialraumanalyse. Das SONI-Modell mit dem Schwerpunkt Individuum


Hausarbeit, 2015

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Sozialer Raum und Sozialraumanalyse

3. SONI-Modell
3.1 S – Sozialstruktur
3.2 O – Organisation
3.3 N – Netzwerk

4. I – Individuum
4.1 Heimspiele organisieren
4.2 Familienrat
4.3 Ressourcencheck
4.4 Eco – Mapping
4.5 Genogramme

Literaturverzeichnis

1. Einführung

„Die Felder des SONI-Modells bieten eine Systematisierung, die politisches, zivilgesellschaftliches, steuerungsbezogenes und einzelfallorientiertes professionelles Handeln für das Projekt der Sozialen Arbeit zweckdienlich verknüpft.“

(Früchtel, Cyprian & Budde, 2013, Textbook, S. 47)

Mit diesem Satz beschreiben die Autoren sehr knapp und dennoch sehr gut, was das SONI-Modell ist und für welchen Zweck es eingesetzt wird.

Es existieren 4 Arbeitsfelder – „Sozialstruktur“, „Organisation“, „Netzwerk“ und „Individuum“- diese wurden entwickelt, um die Handlungsfelder der sozialräumlichen Arbeit besser trennen und zur Eignungsprüfung zugänglich zu machen.

Die Arbeitsfelder ergänzen sich gegenseitig und die nachhaltigste und wirkungsvollste Arbeit erzielt man, wenn alle 4 zusammen arbeiten, sie also konstruktiv verbunden werden. Dies ist aber leichter gesagt, als getan, denn der Arbeitsaufwand ist in jedem Bereich unterschiedlich hoch. So ist es nicht verwunderlich dass viele Praxisfelder der Sozialen Arbeit, Teile des SONI-Modells ausblenden und sich auf eins, maximal zwei Felder beschränken.

Bevor ich jedoch näher auf das SONI-Modell und insbesondere auf das Handlungsfeld „Individuum“ eingehen werde, erachte ich es als sinnvoll, zuvor Bemerkungen zum Sozialen Raum und zur Sozialraumorientierung an sich, zu machen.

2. Sozialer Raum und Sozialraumanalyse

Sozialer Raum – was ist das eigentlich?

Ich würde den sozialen Raum als Dimension beschreiben. Nichts was man an vorgegebenen Punkten festmachen kann. Ich bestätige die Auffassung von Früchtel, Budde und Cyprian, dass der Soziale Raum für jeden Menschen unterschiedlich sein kann und ist. Es ist kein vordefinierter Bereich oder Lebensraum, den man eins zu eins auf jeden Menschen übertragen kann. Viel mehr ist das Aussehen, die Gestaltung dieses Raumes abhängig von der eigenen Wahrnehmung, den Interessen und der Einstellung zu der Welt und den in ihr lebenden Menschen. (Früchtel et. al, 2013, Textbook, S.14ff.)

Jedoch sind es auch die folgenden Merkmale, die einen Raum auf ganz unterschiedliche Weise einrichten lassen:

- Materielle Ressourcen
- Wissen
- Rang und Zugehörigkeit
- Einschluss und Ausschluss

(Früchtel et.al, 2013, Textbook, S.213/214)

Die Autoren haben nun verschiedene Aspekte aufgezeigt, aufgrund dieser die individuelle Gestaltung des Sozialen Raumes möglich ist.

Ganz klar genannt werden muss in diesem Zusammenhang das Individuum. Allein das ist schon Anhaltspunkt genug, dass jeder Soziale Raum unterschiedlich sein muss. Bei der Gestaltung zählen Dinge wie die eigene Einstellung, das vorhandene Netzwerk in Form von Familie, Freunden, Nachbarn usw. mit rein.

Weiterhin ist der Soziale Raum ein Ergebnis von Vernetzung und Abgrenzung (Früchtel et.al, 2013, S.15). Dies ist an einem einfachen Beispiel zu erläutern:

Verbringt jemand die meiste Zeit mit engen Freunden, weil er das Wertesystem seiner Familie nicht gut heißt und sich davon deutlich abgrenzen will, nimmt der Soziale Raum eine ganz andere Form an, als der „klassische“, in dem die Familie einen Rückzugsort darstellt.

Eine weitere Rahmenbedingung, die den Sozialen Raum prägen kann, sind die Organisationen, die rund um einen herrschen. Schließt man sich einer Organisation an, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, den eigenen Raum zu gestalten. Organisationen können sich untereinander helfen und zusammen arbeiten. Dadurch werden automatisch neue Soziale Räume geschaffen.

Die Sozialstruktur ist ebenfalls sehr entscheidend.

Grundlegend sind hier die Themen Inklusion und Exklusion. Betreibt eine Einrichtung aktiv Exklusion, also schränkt sie beispielsweise den Rahmen für potenzielle Teilnehmer an Veranstaltungen ein (Zielgruppe), haben bestimmte Menschen überhaupt keine Chance daran teilzunehmen. Sie werden es also nie in ihren Sozialen Raum „aufnehmen“ können. Es muss somit etwas geändert werden an den Strukturen, die eine Inklusion verhindern. (Früchtel et.al, 2013, Textbook, S. 35)

Die sozialräumliche Theorie stellt die Spezialisierung der Praxisfelder in Frage. Und das aus einem, für mich, sehr guten Grund.

Der „Trend“ ging früher eindeutig in die Richtung, dass die Bevölkerung vor „andersartigen“ Menschen, also denen die nicht in das Bild der Gesellschaft passten, geschützt werden müsse.

Aus diesem Grund wurden Psychiatrien und Heime verschiedenster Art (ob für alte Menschen, Menschen mit Behinderungen, Kinder etc.) eröffnet. Der Grundgedanke dahinter war nicht, den Menschen zu helfen oder ihnen ein lebenswerteres Leben zu ermöglichen, sondern schlicht und einfach der Schutz der Gesellschaft.

Fast alle helfenden Berufe waren darauf ausgerichtet, diese andersartigen Menschen auszusondern. Ihnen einen Platz zu geben, wo sie nicht auffielen, sondern mit Menschen zusammen waren, die ebenfalls ihrer Ansicht nach nicht in die Gesellschaft passten. Von Integration war keine Spur (Früchtel et.al, 2013, S.21).

Wolfgang Hinte hat fünf methodische Prinzipien entwickelt, die eben genau dieser Struktur-Merkmale widersprechen und der Kern der Sozialraumtheorie sind:

1. Der Mensch, die Betroffenen, stehen im Vordergrund!

Es geht um ihr Leben, aus diesem Grund sollen Sie selber festlegen können, was sie wollen. Keine Fachkraft soll sich das Recht heraus nehmen, darüber zu entscheiden, was die Betroffenen brauchen.

2. Hilfe zur Selbsthilfe!

Es ist wichtig, den Menschen eine Anleitung zu geben. Jedoch soll so wenig wie möglich für die Betroffenen getan werden. Sie sollen ihren Hilfeprozess selbst steuern können und zu den „ausschlaggebenden Akteuren im Prozess gemacht werden.“ (Früchtel et.al, 2013, S.22)

Dieser Prozess ist sehr wichtig, da durch die Erfolge, die durch die Betroffenen selber erzielt werden, ihr Selbstwertgefühl entwickelt und gestärkt wird. Sie bekommen (wieder) das Gefühl dass sie ihr Leben in den Griff bekommen können.

3. Stärken der Menschen und ihrer Netzwerke!

Die Ressourcen spielen im gesamten Hilfeprozess eine wesentliche Rolle. Wer Jahre lang nur vermeintliche Niederlagen erlebt hat und auf seine Schwächen reduziert wurde, hat keinen Blick mehr für seine Stärken. Es ist also sehr wichtig, diese Stärken zu erkunden und im Hilfeprozess einzusetzen. Jedoch fallen unter diesen Punkt nicht nur die eigenen Stärken, sondern auch die Möglichkeiten die sich im Umfeld der Betroffenen befinden. Darunter können Nachbarschaften, Vereine, aber auch zum Beispiel bestimmte Plätze gehören. Diese herauszufinden und gekonnt einzusetzen, ist das Ziel.

4. Arbeit über die bekannten Grenzen hinaus!

Unter dieses Prinzip fällt der berühmte Blick „über den Tellerrand hinaus“.

Eine wirkungsvolle Behandlung der Betroffenen kann nur erfolgen, wenn Menschen und Institutionen einbezogen werden, die auf den ersten Blick nichts mit dem Fall zu tun haben. Das Zauberwort heißt: Inklusion.

5. Einbeziehung anderer Professionen!

Damit die eben genannten 4 Prinzipien wirken können, ist es notwendig dass eine Zusammenarbeit verschiedener Dienste erfolgt.

Darunter zählen neben Sozialpädagogen vor allem die örtlichen Vereine, Kirchengemeinden, aber auch Verwaltungseinrichtungen und die ansässige Wirtschaft.

(Früchtel et.al, 2013, Textbook, S. 21/22)

Anhand dieser Prinzipien erkennt man gut, dass die Sozialraumorientierung die ursprüngliche Arbeitsweise der Sozialen Arbeit in Frage stellt. Gleichzeitig stellt sie damit die Frage, ob es sinnvoll ist, die Probleme eines Menschen auch allein durch Hilfe nur an ihm, zu bewältigen.

Ich bin ganz klar der Meinung, dass dies nicht die Lösung ist. Der Mensch muss als Ganzheitliches gesehen werden. Es ist niemandem (langfristig) geholfen, nur die Schwächen der Menschen zu betrachten.

Genau aus dieser Kritik hat die Sozialraumorientierung eine neue Theorie erschaffen. Laut Beck handelt es sich hierbei um die reflexive Theorie.

In dieser werden die eben genannten Kritikpunkte aufgenommen und neue Lösungswege erdacht. Dabei werden keine neuen, revolutionären Lösungen entwickelt, sondern vielmehr bestehende, alte Konzepte überdacht und neu kombiniert. Diese Konzepte sind

- Gemeinwesenarbeit
- Empowerment
- Theorie des sozialen Kapitals
- Ansatz der Organisationsentwicklung
- Konzept der neuen Steuerung
- Theorie der Sozialraumorientierung

(Früchtel et.al, 2013, S. 23-25)

Jedes dieser Konzepte einzeln vorzustellen, würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Aus diesem Grund verzichte ich an der Stelle darauf.

Vielmehr möchte ich in diesem Zusammenhang auf das SONI-Modell zu sprechen kommen.

Seit jeher ist es eine Streitfrage, aus welcher Sicht man bei der Behandlung und Beseitigung der Probleme von Menschen, beginnt.

Zum einen gibt existiert der Umweltbezug nach Mary Richmond und später Carol Germain.

Richmond ist der Ansicht, dass Problembewältigung durch eine Anpassung von Menschen und ihrer sozialen Umwelt geschehen kann (Früchtel et.al, 2013, S. 30).

Ziel soll es hierbei sein, die Persönlichkeit des Menschen zu entwickeln.

Sie ist es, die erstmals die wichtigen Ressourcen, die in Nachbarn, Freunden, Vereinen etc. erkannte und verlangte dass diese unbedingt in den Hilfeprozess eingebracht werden müssen.

Germain, Anhängerin der Theorie von Richmond, fügte später hinzu: „Menschen verändern und Umwelten verändern“ (Früchtel et.al, 2013, S. 31). Die Analyse der Umwelt, die den Menschen umgibt, war für sie unausweichlich. So entsteht eine Anpassung der Menschen an die Umwelt, aber auch der Umwelt an die Menschen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sozialer Raum und Sozialraumanalyse. Das SONI-Modell mit dem Schwerpunkt Individuum
Note
2,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V319064
ISBN (eBook)
9783668199569
ISBN (Buch)
9783668199576
Dateigröße
532 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sozialer, raum, sozialraumanalyse, soni-modell, schwerpunkt, individuum
Arbeit zitieren
Elisa Guttschus (Autor), 2015, Sozialer Raum und Sozialraumanalyse. Das SONI-Modell mit dem Schwerpunkt Individuum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319064

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