Entrepreneurship im Onlinegeschäftswesen. Erfolgsfaktoren und Umsetzung von internetbasierten Unternehmensgründungen

Frühe Unternehmensphasen im Fokus


Masterarbeit, 2016

101 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis ... III

Abbildungsverzeichnis ... IV

1. Einleitung ... 1
1.1 Problemstellung ... 1
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit ... 2

2. Grundlagen des Entrepreneurship bei internetbasierten Gründungen ... 4
2.1 Begriffliche Abgrenzungen ... 4
2.1.1 Entrepreneurship und E-Entrepreneurship ... 4
2.1.2 Unternehmensgründung, Existenzgründung, Start-Up, Intrapreneurship und EVenture ... 7
2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung von onlinebasierten Unternehmensgründungen ... 9

3. Gründungsumfeld für onlinebasierte Geschäftsmodelle ... 11
3.1 Akteure der Unternehmensgründung ... 11
3.1.1 Persönliches Umfeld ... 11
3.1.2 Unternehmerisches Umfeld: Investoren, Acceleratoren, Unterstützer und Berater ... 13
3.2 Internet als Gründungsumfeld ... 17
3.3 Trends und Entwicklungen im Onlinegeschäftswesen ... 21
3.3.1 Mobile ... 21
3.3.2 Sharing Economy ... 23
3.4 Möglichkeiten der internetbasierten Gründung ... 25
3.4.1. Arten der elektronischen Geschäftsbeziehungen und Betätigungsfelder ... 25
3.4.2 Drop Shipping und Imitation als ausgewählte Konzepte für Internet Start-Ups ... 27

4. Vorbereitungs- und Planungsphase für Internet Start-Ups ... 31
4.1 Findung von Geschäftsideen ... 31
4.1.1 Informationsquellen ... 31
4.1.2 Kreativitätstechniken ... 34
4.2 Definition des Geschäftsmodells ... 36
4.3 Evaluierung der Marktsituation für die Geschäftsidee ... 39
4.3.1 Marktanalyse ... 39
4.3.2 Kundenanalyse ... 42
4.4 Wahl der Rechtsform ... 43

5. Ausgewählte Erfolgsfaktoren im E-Business ... 47
5.1 Gründerpersönlichkeit und Team ... 47
5.2 Konsumentenverhalten im Internet verstehen ... 51
5.3 First-Mover ... 54
5.4 Lead User Einbindung und Lean Startup ... 57

6. Erste Umsetzungsschritte der Gründungsidee ... 61
6.1 Businessplan ... 61
6.2 Finanzierung, Kapitalbeschaffung und Förderprogramme ... 64
6.3 Möglichkeiten der Websiteentwicklung ... 68
6.4 Markenaufbau im Internet ... 71
6.5 Onlinemarketing ... 74

7. Vorbereitung von Terminen bei VC-Gesellschaften ... 80
7.1 Unternehmenspräsentation ... 80
7.2 Finanzielle Bewertung des E-Ventures ... 82

Fazit ... 86

Literaturverzeichnis ... V

Internetquellenverzeichnis ... VIII

Fachartikelverzeichnis ... XIII

Abkürzungsverzeichnis

AG ... Aktiengesellschaft
BVK ... Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V.
BMWI ... Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
Bspw. ... Beispielsweise
BtB ... Business to Business
BtC ... Business to Consumer
Et al. ... Et alii, et aliae, et alia (und andere)
EU ... Europäische Union
Ggf. ... Gegebenenfalls
GmbH ... Gesellschaft mit beschränkter Haftung
GuV ... Gewinn- und Verlustrechnung
Hrsg. ... Herausgeber
I.A.a. ... In Anlehnung an
IHK ... Industrie- und Handelskammer
I.H.v. ... In Höhe von
IKT ... Informations- und Kommunikationstechnologie
KG ... Kommanditgesellschaft
LBS ... Location Based Services
MFP ... Minimal funktionsfähiges Produkt
O.Ä. ... Oder Ähnliche(s)
O.J. ... Ohne Jahresangabe
O.V. ... Ohne Verfasserangabe
OHG ... Offene Handelsgesellschaft
OVP ... Online Value Proposition
PaaS ... Platform as a Service
SEA ... Search Engine Advertising
SEO ... Search Engine Optimization
Sog. ... So genannt
VC ... Venture Capital
UG ... Unternehmergesellschaft
USP ... Unique Selling Proposition

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Entrepreneurship als Prozess ... 6
Abbildung 2: The Internet map ... 18
Abbildung 3: Vielfalt elektronischer Geschäftsbeziehungen ... 26
Abbildung 4: Drop Shipping Konzept ... 28
Abbildung 5: Informationsquellen für Start-Ups ... 33
Abbildung 6: Business Model Canvas ... 37
Abbildung 7: Gründungsrelevante Rechtsformen ... 44
Abbildung 8: Lean Startup Modell: Bauen-Messen-Lernen ... 59
Abbildung 9: Externe Finanzierungsquellen von Start-Ups in Deutschland ... 65
Abbildung 10: SEA-Anzeigen bei Google ... 78
Abbildung 11: Argumentationskette in Pitch-Situationen ... 81

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

„Startup-Gründer sind Entrepreneure. Sie suchen nach Marktlücken, entwickeln neue Technologien, kreieren neue Geschäftsmodelle und optimieren Wertschöpfungsketten.“1

Gerade im Onlinegeschäftswesen erlebt die Start-Ups Szene einen regelrechten Gründungsboom. Vor allem im Nebenerwerb verzeichnet Deutschland zweistellige prozentuale Wachstumsraten. Dabei ist der Trend an überregionalen Innovationen ungebrochen und hat sich seit 2009 fast verdreifacht.2 Über alle Altersgruppen hinweg dominiert als wichtigste Gründungsmotivation die Wahrnehmung und Umsetzung einer konkreten Geschäftsidee. Desweiteren sind seit dem Jahr 2012 durch Gründungen ca. 383.000 Vollzeitstellen entstanden.3 Bestärkt wird die anhaltende Gründungsdynamik durch eine stetig steigende Anzahl an Internetnutzern. Über 90% aller deutschen Bürger zwischen zehn und 49 Jahren nutzen es regelmäßig. 2014 lag die tägliche Nutzungsdauer bereits bei 192 Minuten. Immer mehr Lebensbereiche verlagern sich auf dieses Medium. Nutzer informieren sich, kaufen ein, kommunizieren und surfen stetig mehr im Internet.4 Weltweit werden die Entwicklungen im Rahmen der Formation von neuen Unternehmen im Online Geschäftswesen zu einem wirtschaftlichen Schlüsselelement. Mit jedem Start-Up, das als Marktteilnehmer auftritt werden der Wettbewerb und die Wirtschaft stimuliert sowie Marktchancen ergriffen.5

Trotz dieser Erkenntnisse und Entwicklungen erscheint es bis heute verwunderlich, dass viele Gründer im Onlinegeschäftswesen, trotz guter und erfolgversprechender Geschäftsideen, scheitern. Diese hohen Misserfolgsraten sind unter anderem auf unzureichendes Know-how im Bereich Entrepreneurship zurückzuführen.6 Sie beweisen, dass Gründer gerade in frühen Phasen der Unternehmensentwicklung Prioritäten falsch setzen, Marktchancen nicht richtig interpretieren und ihr Geschäftsmodell nicht konsequent an den Bedürfnissen der Zielgruppe ausrichten.

Von besonderer Bedeutung wird somit eine systematische Erschließung des Gründungsumfelds für internetbasierte Geschäftsideen, die Aufdeckung von Trends bzw. Entwicklungen und vor allem eine profunde Erfassung der wichtigsten Aspekte im Rahmen der frühen Ideenfindungs- und Entwicklungsphasen. Potenzielle Unternehmensgründer der Net- Economy sollten Erfolgsfaktoren und erste Umsetzungsschritte einschätzen können.

Auch wenn Fehltritte und falsche Entscheidungen einen unumstritten hohen Lerneffekt bieten, erscheint es erstrebenswert diese vorab zu vermeiden. Insbesondere vor dem Hintergrund der in Deutschland geringen gesellschaftlichen Akzeptanz gegenüber missglückten Gründungen. Während in den USA offen mit dem Scheitern umgegangen wird und sogar sog. Failure Partys zum Erkenntnisaustausch organisiert werden, findet man in Deutschland einen konservativeren Umgang mit Misserfolgen vor.7 Die Situation spiegelt sich auch in der prozentualen Betrachtung wider. Während in Deutschland 39,9% Angst vor dem Nichtgelingen eines Gründungsvorhabens angeben, sind es in den USA lediglich 29,7%.8 In Deutschland werden trotz vieler Förderungs- und oft einfacher Umsetzungsmöglichkeiten potenziell erfolgreiche Geschäftsideen nicht realisiert und Chancen vergeben.

1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit

Gegenstand dieser Masterarbeit ist eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Gründungsumfeld für Start-Ups im Onlinegeschäftswesen. Diskutiert werden Möglichkeiten, Erfolgsfaktoren sowie Planungsaspekte und erste Umsetzungsschritte für internetbasierte Unternehmensgründungen. Ziel der Arbeit ist es dabei, potenziellen zukünftigen Unternehmensgründern detaillierte Einsichten in das Onlinegeschäftswesen zu gewähren um für eigene Gründungsideen zu profitieren und die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Dies geschieht einerseits anhand der theoretischen Ausführung von Gesichtspunkten des EEntrepreneurships, andererseits durch eine praktische Expertenvalidierung9 an ausgewählten Stellen der Arbeit. Entsprechende Teilbereiche werden als Praxiseinschätzung festgehalten. Viele erfolgversprechende onlinebasierte Geschäftsideen werden nicht realisiert, da vor allem zu Beginn Erkenntnisse über erste notwendige Aspekte des Gründungsvorhabens fehlen. Potenziale werden falsch eingeschätzt, Ideen nicht konsequent an den Bedürfnissen der zukünftigen Nutzer ausgerichtet. Bewusst stehen somit die Herausforderungen in frühen Entwicklungsphasen im Fokus.

Nach anfänglichen Begriffsabgrenzungen und der Erfassung der volkswirtschaftlichen Bedeutung von onlinebasierten Unternehmensgründungen in Kapitel 2, wird in Kapitel 3 das nähere Gründungsumfeld betrachtet. Es findet eine genauere Auseinandersetzung mit den in das Gründungsgeschehen involvierten Akteuren, aktuellen Trends und Entwicklungen sowie ausgewählten Start-Up Möglichkeiten statt. Im Rahmen des darauffolgenden Kapitels 4 wird die Vorbereitungs- und Planungsphase für Internet Start-Ups näher beleuchtet. Dies beinhaltet Techniken zur Findung von Geschäftsideen, die Definition des Geschäftsmodells und die Evaluierung der dazugehörigen Marktsituation. In Kapitel 5 werden ausgewählte Erfolgsfaktoren im E-Business, wie die Lead User Einbindung erfasst. Im nächsten Abschnitt der Arbeit werden konkrete erste Umsetzungsschritte aufgezeigt. Dazu gehören das Schreiben eines Businessplans sowie Tätigkeiten zur Websiteentwicklung bzw. zum Markenaufbau und Onlinemarketing. Das siebte und letzte Kapitel soll Gründer auf ausstehende Termine bei potenziellen Risikokapitalgebern vorbereiten und dazu dienen, den Wert des eigenen Start-Ups besser einschätzen zu können. Ein Fazit über die gewonnenen Erkenntnisse schließt die Arbeit ab.

2. Grundlagen des Entrepreneurship bei internetbasierten Gründungen

2.1 Begriffliche Abgrenzungen

Im Folgenden werden zum besseren Verständnis der Thematik die wichtigsten Begriffe voneinander abgegrenzt und kurz erläutert.

2.1.1 Entrepreneurship und E-Entrepreneurship

Es erscheint zunächst sinnvoll den Begriff des Entrepreneurship aufzuschlüsseln, bevor genauer auf das Onlinegeschäftswesen bzw. E-Entrepreneurship eingegangen werden kann. Grundsätzlich fällt auf, dass bis heute keine einheitliche Definition für den Begriff des Entrepreneurship in der Literatur vorzufinden ist.

Etymologisch betrachtet stammt der Begriff aus dem Lateinischen und Französischen und wird gleichgestellt mit etwas in die Hand nehmen bzw. etwas unternehmen. Daher rührt ebenfalls die deutsche Übersetzung Unternehmertum.10 FREILING weist in diesem Zusammenhang jedoch auf die unzureichende Übertragung des Begriffes hin, denn dieser sei lediglich gleichzustellen mit der Ausübung der Unternehmerfunktion innerhalb eines Unternehmens. In diesem Zusammenhang betont er die fehlende proaktive und gestaltende Komponente des Entrepreneurship.11

Neuere Definitionen betrachten das Entrepreneurship meist als einen Prozess, welcher mehrere Phasen beinhaltet. So beschreibt es FUEGLISTALLER als einen „[…] Prozess, der von Individuen initiiert und durchgeführt wird und der dazu dient, unternehmerische Gelegenheiten zu identifizieren, zu evaluieren und zu nutzen.“12 Unternehmerische Gelegenheiten sieht er hierbei als bestimmte Situationen, in welchen neue, marktfähige Produkte oder Dienstleistungen zu einem höheren Preis als die Produktionskosten verkauft werden können.13 Der Prozess beinhaltet entsprechend das Entdecken, Bewerten und Verwerten von Geschäftsgelegenheiten anhand von Unternehmensgründungen bzw. Innovationen. RIPSAS behauptet schon im Jahr 1997, dass ein wesentlicher Bestandteil des innovativen Entrepreneurships das Querdenken, das Hinterfragen von Bestehenden und das Entwickeln von neuen Produkten und Dienstleistungen zur Befriedigung von Kundenbedürfnissen ist.14 Nach DIMOV beginnt das Entrepreneurship zudem mit einer Idee, also einer geistigen Vorstellung zur Lösung eines Problems, die darauffolgend vom Unternehmer in einem rekursiven bzw. iterativen Entwicklungsprozess in eine Geschäftsgelegenheit umgewandelt werden muss.15

Ähnlich stand für SCHUMPETER das Kreieren von Ideen und Schaffen von Innovationen, durch welche Märkte neu geordnet werden, im Vordergrund. Eine Innovation wird hierbei als eine „[…] erstmalige Anwendung einer neuen Problemlösung oder wiederholender Problemlösungstechnik, die darauf gerichtet ist, Unternehmensziele auf neuartige Weise zu erfüllen“16, verstanden. Durch diese sog. schöpferische Zerstörung werden weniger innovative Unternehmen und Produkte vom Markt gedrängt und somit Marktgleichgewichte gestört.17 Durch ihn erlangte der Begriff Entrepreneurship Berühmtheit, auch weil er die herausragende wirtschaftliche Bedeutung für die Entwicklung von Ländern betonte.18 Er wird als einer der bedeutendsten Ökonomen des zwanzigsten Jahrhunderts angesehen, der den Unternehmer19 bzw. Entrepreneur20 als treibende Kraft hinter den Innovationen sieht. Ohne einen starken Charakter, der sich den geplanten Neuerungen annimmt und sie umsetzt, ist auch die beste Idee wenig wert.21

Eine prozessuale, in Phasen eingeteilte Sichtweise auf das Entrepreneurship vertritt auch POTT. Der Prozess beginnt für ihn mit der Erkennungsphase, in welcher das Marktpotenzial einer unternehmerischen Gelegenheit bzw. Geschäftsidee eingeschätzt werden. In der Entwicklungsphase wird die eigentliche Gründung durch verschiedene Analysen und einen Businessplan vorbereitet. In der für ihn letzten Phase erfolgt die Gründung eines Unternehmens und für dessen Wachstum bzw. Stabilisierung wird gesorgt.

Er setzt dabei das Entrepreneurship mit dem Unternehmertum gleich und stellt heraus, dass von der Unternehmensgründung bis hin zum unternehmerischen Handeln alle Facetten einbezogen werden.22

In dieser Arbeit soll das Entrepreneurship im Onlinegeschäftswesen ebenfalls als ein Prozess angesehen werden:

Abbildung 1: Entrepreneurship als Prozess23

[Abbildungen werden in dieser Leseprobe nicht dargestellt]

Für das Entrepreneurship bzw. Unternehmensgründungen in der Net Economy24 definiert KOLLMANN ein eigenes Forschungsfeld, das E-Entrepreneurship. Er rechtfertigt dies durch die höhere Heterogenität sowie Komplexität von Gründungen im Onlinegeschäftswesen im Vergleich zur realen Wirtschaft.25 Unter diesem Begriff versteht er die „[…] Schaffung einer selbständigen und originären rechtlichen Wirtschaftseinheit in der Net Economy, […] innerhalb der die selbständige(n) Gründerperson(en) mit einem spezifischen Online-Angebot (Produkt bzw. Dienstleistung) einen fremden Bedarf decken möchte(n).“26

Der Unterschied der beiden Begriffserklärungen liegt in den zugrundeliegenden Wertschöpfungsprozessen. In der realen Wirtschaft ergeben sich bspw. durch geschaffene Produkte oder angebotene Dienstleistungen Mehrwerte für den Kunden. Das Produkt an sich bietet z.B. eine besonders gute Qualität und steht im Mittelpunkt. Die zum Geschäftsbetrieb verwendeten Informationen, wie das Wissen über Prozessabläufe, Ersatzprodukte etc., ist lediglich ein unterstützender Charakter beizumessen.

Im Onlinegeschäftswesen sind Informationen jedoch eine eigenständige Quelle für Wettbewerbsvorteile und die angebotenen Produkte unterstützen lediglich die elektronische Wertschöpfung. Deutlich wird dies am Beispiel von autoscout24.de. Dem Nutzer wird ein Online Marktplatz für den Handel mit PKW geboten. Die Produkte, in diesem Fall Automobile, schaffen nicht den Wert für den Nutzer, sondern die Überblicks- und Vermittlungsfunktion. Die Wertaktivitäten können somit in der Systematisierung, Sammlung, Auswahl, Verteilung, Kombination oder Zusammenfügung von Informationen liegen. Es geht darum, durch den Einsatz von innovativen Informationstechnologien ein elektronisches Produkt zu schaffen, welches einen Mehrwert für Kunden bietet.27

Da in der vorliegenden Arbeit das Onlinegeschäftswesen im Fokus liegt, soll die deutlich passendere Definition des E-Entrepreneurship als Grundlage für weitere Betrachtungen dienen.

2.1.2 Unternehmensgründung, Existenzgründung, Start-Up, Intrapreneurship und E-Venture

Zur tiefergehenden Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Unternehmensgründungen im Internet sind weitere Begriffserläuterungen notwendig.

Zunächst sind Unternehmensgründungen vom (E-)Entrepreneurship zu unterscheiden. Während Unternehmensgründungen eher als Tätigkeit des Eigentümers in einer von ihm neu geschaffenen und unabhängigen Wirtschaftseinheit gesehen wird, stehen im Entrepreneurship klar die innovativen Prozesse im Vordergrund.28 Das heißt, dass die Unternehmensgründung einen Teil der Umsetzungsphase innerhalb des Entrepreneurship darstellt und umgekehrt eine Unternehmensgründung auch losgelöst von dem entrepreneuriellen Prozess erfolgen kann. Dies ist beispielsweise bei der Gründung einer reinen Verwaltungsgesellschaft der Fall. Ein Unternehmensgründer handelt also zunächst „[…] unabhängig vom Innovationsgrad des zugrunde liegenden Geschäftsmodells.“29

Eine klare Trennung der beiden Begriffe erscheint jedoch im Rahmen dieser Arbeit nicht sinnvoll. Die Begriffe werden oft gleichbedeutend genutzt und auf Erfahrungswerte und Erkenntnisse im Rahmen von Unternehmensgründungen im Onlinegeschäftswesen soll nicht verzichtet werden. Der Unternehmensgründer bzw. Entrepreneur sind die im Zuge der Definitionen handelnden Personen.

Ähnlich verhält es sich mit dem, vor allem in Deutschland oft verwendeten, Begriff der Existenzgründung.30 Die wirkliche Trennschärfe zu anderen, im Kontext des Entrepreneurship verwendeten Begriffe, ist nicht gegeben. Auch bei Existenzgründungen handelt es sich um neu gegründete, junge Unternehmen, die noch nicht fest am Markt etabliert sind. Das Ziel von Existenzgründungen stellt die Selbständigkeit dar. FUEGLISTALLER betont jedoch, dass diese Form der Gründung sich oft an bereits vorhandenen Geschäftsmodellen und –ideen orientiert und somit oft im direkten Verdrängungswettbewerb mit anderen Unternehmen steht. Dem gegenüber steht das Entrepreneurship mehr im Innovationswettbewerb.31

Ein weiterer Begriff, der in aktuellen Medien immer häufiger Verwendung findet ist Start-Ups. Hierbei handelt es sich um neu gegründete, innovative und im Verständnis des Entrepreneurship handelnden Unternehmen.32 Neugründungen mit online basierten Geschäftsmodellen werden in diesem Zuge als Internet-Star-Ups bezeichnet.33

Das Intrapreneurship bzw. Corporate Entrepreneurship ist die Umsetzung und Entwicklung von entrepreneuriellen Vorhaben innerhalb von bereits bestehenden Organisationen um Marktchancen zu nutzen und entsprechende Werte zu schaffen.34 Hier existieren im Vergleich zu nicht aus Unternehmen gestützten Neugründungen und Innovationen zentrale Unterschiede in Bezug auf Gewinn- und Risikoverteilung, Ressourcenverfügbarkeit und der Auswirkung des Scheiterns. Durch den unternehmerischen Ansatz des Intrapreneurship können sich Unternehmen trotz oft starrer Strukturen gegen Start-Ups durchsetzen.35 Dieses eigene Forschungsgebiet Gebiet soll jedoch nicht elementarer Bestandteil dieser Arbeit werden.

Eine zu beobachtende Marktbewegung, die gewissermaßen die Brücke zwischen Intra- und Entrepreneurship schließt, ist die frühe Eingliederung von externen Start-Ups in bestehende Unternehmen. So hat bspw. der Münchener Automobilhersteller BMW erst kürzlich die sog. BMW Startup Garage in den Konzern integriert. Diese sucht und stützt innovative Start-Ups im Automotive Bereich, um somit das Potenzial ohne Umwege nutzen zu können.36

Im Bereich des Onlinegeschäftswesens wurden junge Start-Ups von KOLLMANN unter dem Begriff E-Venture eingeführt.37 Diese sollen im Fokus der Untersuchung stehen. Er zeigt hier vier zentrale Merkmale von E-Ventures auf:

- Gründungstyp: Selbständige, originäre und innovative Gründung innerhalb der Net Economy

- Gründungsumfeld: Ein durch enormes Wachstumspotenzial geprägtes junges Unternehmen, das in Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung des Erfolgs und notwendigen Kapitalbedarfs handelt.

- Gründungsbezug: Das E-Venture baut auf einer Geschäftsidee auf, die innovative Informationstechnologie nutzt und benötigt. Der Wettbewerbsfaktor Information ist dabei erfolgskritisch.

- Gründungsbasis: Das Start-Up definiert sein Geschäftsmodell mit elektronischen Wertschöpfungsprozessen, die der ständigen Weiterentwicklung bedürfen. Die dafür genutzte Plattform zur Kundeninteraktion stellt sich ebenfalls elektronisch dar.

Der Autor leitet daraus eine zentrale Aufgabenstellung für Gründer ab: „Mit welchen Informationen kann ich über welche elektronische Plattform einen Wert für den Kunden erzeugen und wie stelle ich die Attraktivität meines Informationsproduktes im Zeitverlauf so sicher, dass mein innovatives Unternehmen selbständig wachsen kann?“38

Es existieren bspw. etablierte Unterhaltungsplattformen wie spotify.de, Marktplätze wie mobile.de, Onlineshops wie zalando.de oder Kommunikationsplattformen wie facebook.com. Aber immer mehr Start-Ups, die Alternativen für regionalere und spezifischere Zielgruppen anbieten. Avocadostore.de agiert z.B. als Onlinemarktplatz für nachhaltige und faire Mode, getinlope.com bietet eine Alternative zu facebook.com, indem sie Menschen mit gleichartigen Interessen zusammenbringt. Plattformen wie announz.de kombinieren aber auch Marktplätze mit den Vorteilen von sozialen Netzwerken. So können die Nutzer dieser Seite erfahren, was Menschen in ihrer Umgebung verkaufen oder kaufen möchten und miteinander direkt oder in Gruppen bzw. Kommentarfunktionen in Kontakt treten.

2.2 Volkswirtschaftliche Bedeutung von onlinebasierten Unternehmensgründungen

Eine Volkswirtschaft erfährt durch Gründungen neue Impulse. Innovative Unternehmungen ordnen Märkte neu und sorgen dadurch bei Wettbewerbsanbietern für die effizientere Nutzung von Ressourcen.39 Im Idealfall schaffen Gründer nicht nur für sich, sondern auch für andere Personen Arbeitsplätze und treiben den technologischen und wirtschaftlichen Fortschritt voran. Alleine im Jahr 2013 wurden 419.000 vollzeitäquivalente Stellen geschaffen. Die gesamte Wettbewerbsfähigkeit eines Landes wird zudem gestärkt.

2013 stieg die Zahl der Anzahl der Unternehmensgründungen um 12% auf 868.000. Dies ist auf ein deutliches Plus der Nebenerwerbsgründungen zurückzuführen. Hier ergibt sich 2014 eine Existenzgründungsrate, das heißt die Anzahl der Existenzgründungen gemessen an der Gesamtbevölkerung, von 3,1%. Im internationalen Vergleich ist diese Quote Deutschlands durchschnittlich. Die USA und Großbritannien können mit 9,7% bzw. 6,3% jedoch deutlich höhere Existenzgründungraten vorweisen.40 Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass im Onlinegeschäftswesen die Gründungsrate mit 7,2% deutlich höher ist als in der normalen Wirtschaft.41

Zu beobachten ist ergänzend, dass es einen ungebrochenen Trend zu innovativen und überregionalen Marktneuheiten gibt. Seit 2009 hat sich diese Anzahl verdreifacht und ist mit 11% im Jahr 2013 in Deutschland so hoch wie nie zuvor.42 Das Gründungsgeschehen wird mit einem Anteil von 64% von sog. Sologründern dominiert, das heißt Einzelpersonen die Existenzen aufbauen. Dies geschieht mit 70% im Dienstleistungsbereich. Der KFWGründungsmonitor weist desweiteren darauf hin, dass sich bei 84% der Befragten Gründer die Einkommenssituation nach der Gründung nicht verschlechtert bzw. verbessert hat. Allerdings ist hierbei zu berücksichtigen, dass nur Personen befragt wurden, deren Gründungsprojekt zum Zeitpunkt der Befragung noch bestand.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hebt hervor, dass Gründerinnen und Gründer treibende Kraft des wirtschaftlichen Strukturwandels sind. Die selbständige Unternehmertätigkeit verhindert Machtkonzentrationen und trägt damit zur Stabilität der demokratischen Gesellschaftsordnung bei.43

In Anbetracht dessen, dass es im Februar 2015 bereits 56,05 Millionen aktive Internetnutzer ab 10 Jahren in Deutschland gibt, wovon bspw. 73,8% aktiv online Waren und Dienstleistungen einkaufen, lässt die wirtschaftliche Bedeutung von E-Businesses bzw. internetbasierten Gründungen erahnen.44

In der sog. Informations- und Kommunikationstechnologie Branche (IKT), in welcher das Onlinegeschäftswesen angesiedelt ist, wurden 2014 226 Mrd. Euro umgesetzt und über 1.000.000 Menschen beschäftigt.45 Mit über 91.000 Unternehmen und einem weltweiten Umsatzanteil i.H.v. 4,3% nimmt Deutschland mit Platz 4 bzw. 5 eine Vorreiterrolle ein. Innerhalb Deutschland trägt der Sektor ca. 10% zu den Innovationsinvestitionen bei. Die größten Umsatzanteile bei internetbasierten Unternehmen haben dabei der Onlinehandel, Webzugänge, Software aus dem Netz und Onlinewerbung.46

Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sind in der Internetbranche vertreten und junge und neugegründete Start-Ups gelten hier als Innovationstreiber. In diesem Sektor vernachlässigen gerade große Unternehmen Innovationspotenziale.47 In der IKT Branche gibt es jährlich ca. 7.000 Neugründungen. Innerhalb des ersten Jahres werden hier durchschnittlich 3,6 Mitarbeiter beschäftigt. Dies ist deutlich mehr, als in nicht internetbasierten Geschäftsmodellen, mit 0,8 Mitarbeitern.48

3. Gründungsumfeld für onlinebasierte Geschäftsmodelle

Um die Chancen und Risiken von internetbasierten Geschäftsmodellen einschätzen zu können, muss zunächst das relevante Gründungsumfeld betrachtet werden. Unter einem Geschäftsmodell wird dabei die Abstraktion der Funktionsweise eines unternehmerischen Vorhabens verstanden. Im Entrepreneurship ist dieses Modell durch einen hohen Anteil an Innovationen geprägt.49

Im folgenden Kapitel soll den im Sinne des Entrepreneurship handelnden Gründern und Innovatoren ein Gesamteindruck über das Gründungsumfeld für E-Businesses gegeben werden. Zu Beginn werden die an einer Gründung beteiligten Personen und Organisationen aufgezeigt. Anschließend wird der Gründungsstandort Deutschland kurz charakterisiert. Im Anschluss soll die generelle Struktur des Internets und die Charakteristika der Net Economy mit den neuesten Entwicklungen betrachtet werden. Zukunftsthemen und Trends sowie generelle, teils sehr risikoarme Möglichkeiten von internetbasierten Gründungen, schließen das Kapitel ab.

3.1 Akteure der Unternehmensgründung

Neben der eigentlichen Gründungsperson agieren weitere Personen und Organisationen im Rahmen des Entrepreneurship. Dies können Investoren, Berater und Unterstützer in den unterschiedlichsten Ausprägungen sein. Oft spricht man von einem sog. Ecosystem, welches ein Start-Up umgibt.50 Aber auch das direkte persönliche Umfeld, also die Aspekte der vergangenen und gegenwärtigen Lebensbedingungen, sind für die Aufnahme von unternehmerischen Tätigkeiten entscheidend.51

3.1.1 Persönliches Umfeld

POTT betont die besondere Bedeutung des direkten Familienumfeldes.52 Für außenstehende Meinungen könne der zukünftige Gründer oder Entrepreneur zügig den Gehalt der Meinung oder Einschätzung über sein Vorhaben abwerten. Er würde sich erklären, dass die befragte Person bspw. durch Neid oder andere Faktoren voreingenommen ist. Wohingegen Äußerungen von Partnern, Eltern oder Geschwistern sehr hoch bewertet werden. Die Kunst besteht darin, die Informationen möglichst rational zu filtern. Einerseits wird der Gründer im unmittelbaren Familienumfeld die ehrlichsten Meinungen erhalten, andererseits könnten bspw. Eltern zum Zweck und Wohlwollen der Risikovermeidung auch gute, marktreife Ideen als schlechte Vorhaben abwerten. KLANDT weist auf die Tatsache hin, dass Personen, deren Eltern selbständig sind, auch verstärkt den Weg in die berufliche Selbständigkeit suchen.53 Die Thematik ist durch die tägliche Gegenwärtigkeit im stärkeren Bewusstsein. Sie sind mit der Unternehmerrolle vertrauter. Auch die finanziellen Unterstützungsmöglichkeiten des Elternhauses können erheblichen Einfluss auf die Unternehmensgründung haben.

Der Freundes- und Bekanntenkreis ist ebenfalls dem persönlichen Umfeld zuzuordnen. Von engen Freunden können meist ehrliche, manchmal harte Einschätzungen eingeholt werden. Gleichgesinnte interessieren sich evtl. sogar für eine gemeinsame Gründung. KAWASAKI weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass erfolgreiche Unternehmen immer von mindestens zwei Personen ins Leben gerufen werden.54 Bekanntschaften sind bereits dem sog. Netzwerk des Unternehmers zuzuordnen. Hieraus können geschäftliche Partnerschaften oder auch die ersten Kunden werden. Mögliche Barrieren können so mitunter schnell überwunden werden. Dieses soziale Netzwerk hilft Gründern dabei, die Kosten für das Organisieren von bestimmten Ressourcen zu reduzieren. Engpässe können eher vermieden werden.55

Auch wenn die schulische Ausbildung von Gründern in Deutschland durchschnittlich besser ist als bei anderen Berufstätigen, ist diese kein Garant für erfolgreiche Gründungen. Einige empirische Untersuchungen beweisen sogar Gegenteiliges. Jedoch darf nicht außer Acht gelassen werden, dass 75% der Gründer im IKT-Sektor einen Hochschulabschluss haben.56 Anders verhält es sich jedoch mit der beruflichen Erfahrung. Insbesondere einschlägige Berufserfahrung und ausgeprägte betriebswirtschaftliche Kenntnisse sind empirisch betrachtet sehr wichtig für den Erfolg der Unternehmensgründung bzw. Vorantreiben von Innovationen.

Letztlich hat jedoch die gesamte Lebenseinstellung sowie die bisherige berufliche und persönliche Lebenserfahrung und die damit verbundene Zufriedenheit Einfluss auf das Gründungsvorhaben.57

Praxiseinschätzung :

TROPPER bestätigt, dass Gründer, die über keinen unternehmerischen Hintergrund in der Familie verfügen, tendenziell vor größeren Herausforderungen stehen werden. Sind bspw. die Eltern des Gründers mit den Aspekten der Selbständigkeit vertraut, so werden sie ihre Kinder besser stützen und verstehen können. Ebenso wichtig ist ein toleranter Lebenspartner. Der Gründer wird womöglich viel Zeit, Konzentration und Mühe für sein Vorhaben aufwenden, was mit weniger Zeit für das Privatleben einhergehen kann. Von geringerer Bedeutung sei der Bekannten- und Freundeskreis für das Start-Up.

Neben der Ausbildung, die vor allem dem Grundverständnis für unternehmerisches Dasein dient, differenziert er zwischen Business to Consumer (BtC) Märkten und Business to Business (BtB) Märkten. In BtC Märkten, in welchen Lösungen für den Nutzer bzw. Endkunden geschaffen werden Gründer mehr Personen vorfinden, die über profundes Expertenwissen bswp. im Bereich Marketing verfügen. Ein tiefes Produktverständnis, was von Unternehmenskunden oft verlangt wird, ist von geringerer Bedeutung. Im Bereich BtB wird seitens der Kunden oft Branchen- und Berufserfahrung für die gemeinsame Realisierung von Projekten vorausgesetzt.

3.1.2 Unternehmerisches Umfeld: Investoren, Acceleratoren, Unterstützer und Berater

Neben dem persönlichen Umfeld des (Online-)Entrepreneurs spielt selbstverständlich das unternehmerische Umfeld eine große Rolle. Dieses Ecosystem beinhaltet potenzielle Investoren, Unterstützungsleistungen in Form von Beratung oder Gründungsförderung, Inkubatoren und Acceleratoren .58

Da vor allem im Rahmen der Gründungs- und Anfangsphase eines Start-Ups finanzielle Ressourcen sehr begrenzt sind, ist es in den meisten Fällen notwendig, Gelder von Investoren zu akquirieren.59 Investoren können dabei bspw. klassische Beteiligungsgesellschaften, Crowdfundingplattformen oder auch sog. Business Angels, das heißt informelle, private Investoren.

KOLLMANN erklärt, dass gerade zu Beginn kaum Sicherheiten seitens des Start-Ups geboten werden können, weshalb es wichtiger sei, die Eigenkapitallücke zu schließen und zu versuchen mit weniger Fremdkapital zu agieren. Beteiligungsgesellschaften führen Unternehmen mit sog. Venture Capital (VC) vollhaftendes, risikobehaftetes Eigenkapital von außen zu. Investoren versuchen mit Hilfe des Erwerbs von Unternehmensanteilen und den späteren Verkauf dieser Anteile eine Wertsteigerung und somit möglichst hohe Rendite zu erzielen. Gleichzeitig stehen sie aber oft beratend zur Seite und verfügen meist über ein professionelles unternehmerisches Netzwerk, zu welchem die Gründer Zugang erhalten. 2014 wurden nach Angaben des Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) 650 Millionen Euro in 712 Unternehmen investiert. Der Investitionsanteil, der dem Onlinegeschäftswesen zuzuordnen ist, beträgt 18%.60 Informelles Beteiligungskapital von den ca. 5000 deutschen Business Angels und von Inkubatoren ist in dieser Statistik leider nicht erfasst.

In ganz Deutschland gibt es Beteiligungsgesellschaften, die in onlinebasierte Geschäftsmodelle bzw. Start-Ups investieren wollen.61 Nach den ersten erfolgreichen Unternehmensverkäufen im E-Business Bereich sind aber auch ehemalige Gründer oft bereit als Investoren Start-Ups zu unterstützen. So bspw. die Samwer Brüder, die zalando.de, eine der erfolgreichsten Onlineversandhandelsgesellschaften, gegründet haben. Entsprechend ist aktuell ein starker Anstieg bei Investments in E-Ventures zu beobachten. In den Ballungsräumen Berlin, München, Köln und Hamburg befindet sich der Großteil der Beteiligungsgesellschaften.62

Eine weitere, sehr populäre und mediengestützte Frühphasen Kapitalbeschaffung kann über sog. Crowdfunding Plattformen, ebenfalls E-Ventures das als Marktplatz agiert, stattfinden.63 Hierbei handelt es sich um „[…] ein gemeinsames Streben von Menschen, die sich zusammentun und Geld über das Internet einsammeln, um in Vorhaben anderer Menschen bzw. Organisationen zu investieren oder sie zu unterstützen“. Investoren können Gelder in unterschiedlichem, teils sehr niedrigem, Volumen bereitstellen. Dies kann als Anteilswert geschehen, wodurch an Wertsteigerungen und Gewinnen partizipiert werden kann. Da keine direkten Unternehmensanteile erworben werden, handelt es sich hierbei um sog. Mezzanine Kapital. Es hat Eigenkapitalcharakter, ist jedoch dem Fremdkapital zuzuordnen. Eine Plattform dafür ist bspw. seedmatch.de.

Es gibt weitere Arten des Crowdfunding:

- Gelder werden für bestimmte Zeiträume gegen Verzinsung verliehen (z.B. lendico.de). Ein Rückzahlungsanspruch besteht, im Gegensatz zur Mezzaninefinanzierung, auch im Falle des Misserfolges.

- Investitionen gegen materielle Werte, wie die Unterstützung für die Produktion eines Kinofilms. Geldgeber erhalten bspw. T-Shirts, Postkarten oder Promotionsflächen bei Ausstellungen. (z.B. kickstarter.com, startnext.com)

- Spendenbasiertes Crowdfunding. Somit Investments ohne Gegenleistung. (z.B. betterplace.org)

Wenn sich Start-Ups gegen Crowdfunding entscheiden, ist es für sie relativ schwierig einzuschätzen, welcher Investor zu ihnen passt. Das Münchener Unternehmen Venturate AG (venturate.de) bietet für diese Problematik eine Vermittlungsplattform. Sie bringt Businessideen bzw. Start-Ups der Internetbranche mit geeigneten Investoren, Förderprogrammen und Beratern zusammen.64

Zuletzt hat aber auch bspw. die Commerzbank eine eigene Venture Capital Gesellschaft gegründet, um sich „[…] einen besseren Zugang zu Innovationen und Trends im Finanzsektor[…]“65 zu verschaffen.66 Immer mehr etablierte, größere Unternehmen und Banken wollen durch VC Investitionen direkt an Innovationen partizipieren.

Ein Vorgehen, das auch bei den zu Beginn des Kapitels erwähnten Acceleratoren und Inkubatoren zu beobachten ist. Unter den beiden Begriffen verbergen sich ähnliche Konzepte, die auch in der Literatur uneinheitlich verwendet werden. JACOBSEN versteht unter einem Inkubator schlicht einen Zusammenschluss von Venture Capital Gebern, Business Angels und anderen professionellen Gründungsförderern, die für Start-Ups eine vorteilhafte Umgebung abbilden.67 Es handelt sich somit um Institutionen, die Start-Ups über gewisse Zeiträume mit Unterstützungsleistungen wie Coaching, Bereitstellung von Arbeitsplätzen und teilweise Kapital in ihrer Entwicklung beschleunigen (Englisch = to accelerate, beschleunigen). Ein Inkubator geht noch ganzheitlicher vor und schafft ein holistisches Umfeld für den Aufbau von innovativen Geschäftsideen und stellt die dafür notwendigen Ressourcen zur Verfügung.68 Die unterschiedlichen Akteure der Acceleratoren und Inkubatoren treten jedoch zu versetzten Zeiträumen des Entrepreneurships auf. Während bspw. Business Angels sehr früh finanziell und beratend Start-Ups unterstützen, steigen VC Gesellschaften zu deutlich späteren Zeitpunkten in junge Unternehmen ein.69 Dies kommt jedoch auf die genaue organisatorische Ausprägung solcher Unterstützungsinstitutionen an.

Im Gegenzug erhalten diese Einrichtungen, die oft aus größeren Konzernen gegründet werden, z.B. Unternehmensanteile und partizipieren an der Wertsteigerung.70 Wichtiger jedoch ist vielen Unternehmen, dass sie möglichst früh Zugriff auf neue Geschäftsideen erhalten, um wettbewerbsfähiger zu werden und Ideen, die sich zu Konkurrenten entwickeln könnten, zu erkennen.71 Es werden durch Start-Ups Synergien mit bestehenden Kerngeschäften gesucht. Strategische und schnell verfügbare Anknüpfungspunkte für die eigene Unternehmensentwicklung stehen im Fokus. Konzerne sind aufgrund von teils starren Strukturen oft nicht in der Lage, flexibel und unbürokratisch zu agieren. Die Deutsche Telekom (Hub:raum), Commerzbank (Start-up-Treibhaus), ImmobilienScout24 (youisnow) oder Microsoft (Microsoft Center) sind nur einige Beispiele von unternehmenseigenen Inkubatoren. Aktuell ist ein regelrechter Boom in dem Aufbau solcher Institutionen zu beobachten.72 Vor der Auswahl sollte unbedingt kritisch betrachtet werden über welche Erfahrung und Infrastruktur der Inkubator verfügt und ob es ein konzerngestützter oder doch eigenständiger Inkubator ist. Gründer von internetbasierten Geschäftsmodellen sollten sich vor der Zusammenarbeit mit Konzerninkubatoren über den eigenen Wertbeitrag, den sie leisten können, bewusst sein. Sie bieten oft wichtige Kontakte in die Digitalszene, Werte und Fähigkeiten wie Eigenverantwortung und Kreativität sind mehr denn je gefragt.73

[…]


1 Ripsas, S. et al. (2014) S. 4
2 Vgl. Metzger (2014) KFW-Gründungsmonitor, S. 1, Internetquelle: www.kfw.de
3 Vgl. o.V. (2013) Gründerland Deutschland: Zahlen und Fakten, Internetquelle: www.bmwi.de, S. 11-18
4 Vgl. o.V. (2014) Internetnutzung in Deutschland, Internetquelle: www.statista.de, S. 13-19
5 Vgl. Kollmann et al. (2015) S. 2894
6 Vgl. Omar et al. (2010) S. 59
7 Vgl. Tönnesmann (2012) S. 86
8 Vgl. Singer et al. (2014) Global Entrepreneurship Monitor 2014, S. 30-33, Internetquelle: www.gemconsortium.org
9 Für diese Einschätzung agiert Manfred Tropper als Experte. Er ist Gründer und Geschäftsführer der mantro.net GmbH, einer ganzheitlichen Innovations- und Digitalisierungsberatung sowie Mitgründer der Start-Ups GradList GbR, SocialSalesHub GmbH und fleetster GmbH & Co. KG.
10 Vgl. Fallgatter (2013), S. 12
11 Vgl. Freiling (2006), S. 21
12 Fueglistaller et al. (2012), S. 21
13 Vgl. Fueglistaller et al. (2012), S. 30
14 Vgl. Ripsas (1997) S. 71
15 Vgl. Dimov (2007), 713ff.
16 Fueglistaller et al. (2012), S. 131
17 Vgl. Fallgatter (2013), S. 19, Vgl. Fueglistaller et al. (2012), S. 23
18 Vgl. Fueglistaller et al. (2012), S. 25
19 Der Verzicht auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise dient lediglich der Lesefreundlichkeit, jedoch sind stets Frauen und Männer gleichermaßen mit einbezogen.
20 Laut KIRZNER liegt die Kerneigenschaft eines Entrepreneurs im Entdecken von Vorhandenem. Dieser erkennt Potenziale bestehender Produkte und Dienstleistungen und ist in der Lage daraus neue, innovative Geschäftsideen zu entwickeln. Es geht nicht um das Erfinden, sondern die Kombination und neuartige Nutzung bzw. Verbesserung von Vorhandenem. Vgl. , Chong (1986), S. 36
21 Vgl. Śledzik, 89 ff.
22 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Pott, Pott (2012), S. 3 ff.
23 Quelle: Eigene Darstellung
24 Als Net Economy wird nach KOLLMANN der von elektronischen Datennetzen wirtschaftlich genutzte Bereich verstanden. Somit handelt es sich um eine digitale Netzwerkökonomie, die über „[…] verschiedene elektronische Plattformen die direkte oder indirekte Abwicklung oder Beeinflussung von Informations- Kommunikations- und Transaktionsprozessen erlaubt.“ Kollmann (2014), S. 6
25 Vgl. Kollmann (2014), S. 10-11
26 Kollmann (2014), S. 11
27 Vgl. Kollmann (2014), S. 7-9
28 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Lahn (2015), S. 26-30
29 Lahn (2015), S. 30
30 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Pott (2012), S. 3
31 Vgl. Fueglistaller et al. (2012), S. 23
32 Vgl. Pott, Pott (2012), S. 3
33 Vgl. Brüne (2009), S. 144
34 Vgl. Parker (2011), S. 19-34
35 ENGELEN et al. bieten eine detaillierte Differenzierung der Begriffe. Vgl. Engelen et al. (2015), S. 21ff.
36 Vgl. Hofmann (2015) BWM eröffnet Startup-Garage, Internetquelle: www.gründerszene.de
37 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Kollmann (2014), S. 10-11
38 Kollmann (2014), S. 11
39 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Metzger (2014) KFW-Gründungsmonitor, S. 1-12, Internetquelle: www.kfw.de
40 Vgl. Singer et al. (2014) Global Entrepreneurship Monitor 2014, S. 35-37, Internetquelle: www.gemconsortium.org
41 Vgl. Weber (2014) Monitoring-Report Digitale Wirtschaft 2014, S. 6ff., Internetquelle: www.bmwi.de
42 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Metzger (2014) KFW-Gründungsmonitor, S. 1-12, Internetquelle: www.kfw.de
43 Vgl. o.V. (2015) Existenzgründung, Internetquelle: www.bmwi.de
44 Vgl. o.V. (2015) Die aktuelle Studie internet facts, Internetquelle: www.agof.de
45 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Weber (2014) Monitoring-Report Digitale Wirtschaft 2014, S.6 ff., Internetquelle: www.bmwi.de
46 Vgl. o.V. (2013) Umsätze der Internetwirtschaft in Deutschland, Internetquelle: www.statista.de
47 Vgl. Kollmann (2014), Vorwort
48 Vgl. Weber (2014) Monitoring-Report Digitale Wirtschaft 2014, S. 6 ff., Internetquelle: www.bmwi.de,
49 Vgl. Lahne (2015), S. 18
50 Vgl. Kollmann (2014), S. 99-104
51 Vgl. Klandt (2006), S. 29-33
52 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Pott et al. (2012) S. 17-19
53 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Klandt (2006), S. 29-33
54 Vgl. Kawasaki (2014), S. 10
55 Vgl. Manimala et al. (2015), S. 175
56 Vgl. Kollmann (2014), S. 92
57 Im späteren Verlauf der Arbeit wird genauer auf erfolgskritische Einstellungen und Charaktereigenschaften von Gründungspersönlichkeiten eingegangen.
58 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Kollmann (2014), S. 92-104
59 In Kapitel 6.2 werden die weitere Finanzierungs- und Kapitalbeschaffungsmöglichkeiten vorgestellt.
60 Vgl. o.V. (2014) BVK Statistik, S. 8, Internetquelle: www.bvkap.de
61 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Kollmann (2014), S. 97-98
62 Auf deutsche-startups.de und gründerszene.de befinden sich Zusammenstellungen der Investoren.
63 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Schramm et al. (2014), S. 6-7
64 Vgl. o.V. (2015) Für Start-ups, Internetquelle: www.venturate.com
65 O.V. (2014) VEC Venture Capital Magazin, S. 10
66 Vgl. o.V. (2014) VEC Venture Capital Magazin, S. 6-13
67 Vgl. Jacobsen (2006), S. 97
68 Vgl. Kollmann (2014), S. 101-103
69 Vgl. Gaida (2011), S. 29-30
70 Vgl. Kollman (2014), S. 102
71 Vgl. hierzu und zum Folgenden: Voß (2014), S. 58
72 Allgemeine Übersichten und teilweise Vergleiche von Inkubatoren befinden sich bspw. auf: http://www.fuer-gruender.de/blog/2014/01/inkubatoren-reichmann/, http://www.deutschestartups. de/2014/07/07/deutschland-deine-brutkaesten-ein-grosser-ueberblick/, http://www.deutschestartups. de/2012/03/26/neue-kapitalgeber-und-inkubatoren/
73 Vgl. Pelzer et al. (2014), S. 82

Ende der Leseprobe aus 101 Seiten

Details

Titel
Entrepreneurship im Onlinegeschäftswesen. Erfolgsfaktoren und Umsetzung von internetbasierten Unternehmensgründungen
Untertitel
Frühe Unternehmensphasen im Fokus
Hochschule
Hochschule München
Note
1,5
Autor
Jahr
2016
Seiten
101
Katalognummer
V319069
ISBN (eBook)
9783668184787
ISBN (Buch)
9783668184794
Dateigröße
1288 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
entrepreneurship, onlinegeschäftswesen, möglichkeiten, erfolgsfaktoren, planungs-, umsetzungsschritte, unternehmensgründungen, frühe, unternehmensphasen, fokus
Arbeit zitieren
M.Sc. Betriebswirtschaft - Marketing Management Simon Vogt (Autor), 2016, Entrepreneurship im Onlinegeschäftswesen. Erfolgsfaktoren und Umsetzung von internetbasierten Unternehmensgründungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319069

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