Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Privatisierung des öffentlichen Gutes Wasser und hat das Ziel, Vor- und Nachteile der Privatisierung von Wasser herauszustellen.
Zunächst wird in Kapitel 2 auf das Wasser im Allgemeinen eingegangen. Dazu gehören das Wasser mit seinen unterschiedlichen Funktionen sowie ein Ausblick über die zukünftige Verfügbarkeit von Wasser. Die Definition von Marktversagen und dessen Ursachen, zu denen die öffentlichen Güter und die natürlichen Monopole zählen, wird in Kapitel 3 beschrieben. In Kapitel 4 liegt das Hauptaugenmerk auf der Privatisierung von Wasser. Im ersten Schritt erfolgt eine Darstellung der Formen der Privatisierung, welche die formelle, die materielle und die funktionale Privatisierung umfasst. Im Anschluss werden die Gründe, die für eine Privatisierung von Wasser sprechen, herausgearbeitet. Diese werden den Gründen, die gegen eine Privatisierung von Wasser sprechen, gegenübergestellt. Kapitel 4.4 zeigt die Privatisierung von Wasser am Beispiel Berlin. Abschließend werden alle Ergebnisse zusammengefasst.
Wasser ist für viele Menschen etwas Selbstverständliches, vergleichbar mit der Luft, die jedes Lebewesen täglich einatmet. Ein Leben ohne Wasser ist kaum vorstellbar. Der Mensch kann ohne Wasser nur wenige Tage überleben. In Deutschland existiert das Privileg, dass Wasser jederzeit zur Verfügung steht. Dafür wurden Wasserversorgungssysteme entwickelt, die es ermöglichen, Wasser im Haushalt jederzeit über den Wasserhahn abrufen zu können. Dieses Wasser stammt weitestgehend aus den kommunalen Wasserbetrieben.
Doch immer häufiger wird die Frage gestellt, ob die Bereitstellung von Wasser privatisiert werden sollte. Bereits in der Vergangenheit wurden einige öffentliche Leistungen privatisiert, wie beispielsweise die Post, die Bahn und die Telekom. Da Wasser ein Bestandteil der Daseinsvorsorge ist, besteht in diesem Zusammenhang ein hoher Bedarf an Diskussionen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wasser im Mittelpunkt unseres Lebens
2.1 Wasser und seine Funktionen
2.2 Wasser - eine knappe Ressource
3 Marktversagen
3.1 Öffentliches Gut
3.2 Natürliches Monopol
4 Privatisierung von Wasser
4.1 Formen der Privatisierung
4.2 Gründe für die Privatisierung von Wasser
4.3 Gründe gegen die Privatisierung von Wasser
4.4 Privatisierung von Wasser am Beispiel Berlin
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht die ökonomische und gesellschaftliche Debatte um die Privatisierung der Wasserversorgung. Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Hintergründe des Marktversagens bei öffentlichen Gütern zu beleuchten und die Vor- und Nachteile einer Privatisierung am Beispiel der Berliner Wasserbetriebe kritisch gegenüberzustellen, um die Eignung der Wasserwirtschaft für private Marktmodelle zu bewerten.
- Grundlagen der Wasserwirtschaft und Wasser als knappe Ressource
- Wirtschaftstheoretische Analyse von Marktversagen, öffentlichen Gütern und natürlichen Monopolen
- Formen der Privatisierung (formell, materiell, funktional)
- Pro- und Contra-Argumente zur Privatisierung der Wasserversorgung
- Fallstudie: Auswirkungen der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe
Auszug aus dem Buch
3.2 Natürliches Monopol
Eine weitere Ursache von Marktversagen ist das natürliche Monopol. Neben der Marktform des Monopols existieren weitere Formen. Diese sind Oligopol und Polypol, welche sich wie das Monopol durch die Zahl der Anbieter und Nachfrager unterscheiden. Beim Monopol versorgt ein einziger Anbieter die Nachfrage des gesamten Marktes.29
Wenn ein einziger Anbieter die gesamte Marktnachfrage zu geringeren Kosten pro Stück anbieten kann als mehrere Anbieter zusammen, spricht man von einem natürlichen Monopol.30 Die Durchschnittskosten für ein einzelnes Unternehmen gehen hierbei zurück und der Produktionsumfang steigt.31
Es stellt sich daher die Frage, warum ein Anbieter im natürlichen Monopol wirkungsvoller agieren kann als mehrere Anbieter zusammen. Im Fall der Wasserversorgung sind die fixen Kosten beim Eintritt in den Markt sehr hoch, während die variablen Kosten gering ausfallen.32 Die Kosten für die komplette Infrastruktur wie zum Beispiel die Wasserleitungen müssten von jedem Anbieter selbst getragen werden. Dadurch kann ein bereits vorhandener Anbieter das Wasser kostengünstiger bereitstellen als mehrere Konkurrenten mit eigener Netzstruktur.33 Hinzu kommt auch noch, dass es sich bei Wasser nicht um ein homogenes Gut handelt, welches aufgrund der unterschiedlichen Herkunft eine andere Beschaffenheit aufweist. Bevor das Wasser aus den unterschiedlichen Regionen durch ein und dasselbe Rohrsystem geführt wird, müsste dieses vorher chemisch aufbereitet werden. Dieses Verfahren ist mit einem gewissen Aufwand verbunden. Die unterschiedliche Beschaffenheit des Wassers birgt zudem die Gefahr, dass die Rohrleitungen beschädigt werden und hohe Instandhaltungskosten als Folgeerscheinung auftreten.34 Daher wird die Wasserwirtschaft auch als „natural monopoly par excellence“ gesehen.35
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung des Wassers als Daseinsvorsorge ein und skizziert das Ziel der Hausarbeit, die Vor- und Nachteile einer Privatisierung anhand theoretischer Modelle und Praxisbeispiele zu untersuchen.
2 Wasser im Mittelpunkt unseres Lebens: Dieses Kapitel erläutert die existenziellen Funktionen des Wassers sowie die zunehmende Problematik der weltweiten Wasserknappheit als Grundlage für die Privatisierungsdebatte.
3 Marktversagen: Es werden die theoretischen ökonomischen Gründe dargelegt, warum die Wasserversorgung bei reinem Marktbetrieb versagt, insbesondere durch die Charakterisierung als öffentliches Gut und natürliches Monopol.
4 Privatisierung von Wasser: Dieses Kapitel analysiert verschiedene Privatisierungsformen sowie die gegensätzlichen Argumente für und gegen die Überführung in private Strukturen, ergänzt durch die Fallstudie Berlin.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass aufgrund der sozialen Relevanz und der Risiken für Infrastruktur und Qualität die Wasserwirtschaft nicht privatisiert werden sollte.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Wasserversorgung, Marktversagen, öffentliches Gut, natürliches Monopol, Daseinsvorsorge, Wasserknappheit, Infrastruktur, Gewinnmaximierung, Berliner Wasserbetriebe, Preiserhöhung, Wasserqualität, Ressourcenschutz, Handelsware, Sozialverträglichkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Thematik der Privatisierung im Bereich der öffentlichen Wasserversorgung und bewertet diese kritisch unter ökonomischen sowie sozialen Gesichtspunkten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Schwerpunkte liegen auf der ökonomischen Theorie des Marktversagens (öffentliche Güter und natürliche Monopole) sowie der praktischen Umsetzung und den Folgen von Privatisierungen in der Wasserwirtschaft.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Vor- und Nachteile einer Wasserprivatisierung herauszuarbeiten und zu begründen, warum eine Privatisierung für dieses lebensnotwendige Gut aus Sicht des Autors problematisch ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse wirtschaftstheoretischer Grundlagen sowie eine Fallstudienbetrachtung (Berlin) und internationale Vergleichsbeispiele, um die Auswirkungen von Privatisierungsmaßnahmen zu evaluieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung von Marktversagen, eine Darstellung der Privatisierungsformen und eine detaillierte Gegenüberstellung von Argumenten für (Effizienz) und gegen (Preisanstiege, Qualitätsverluste) die Privatisierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Privatisierung, öffentliches Gut, natürliches Monopol, Daseinsvorsorge, Wasserknappheit und Gewinnmaximierung.
Warum wird die Wasserwirtschaft als „natürliches Monopol“ eingestuft?
Aufgrund der enorm hohen Fixkosten für die Infrastruktur (Rohrnetze) ist es ökonomisch effizienter, wenn ein einziger Anbieter die Versorgung übernimmt, anstatt dass mehrere Unternehmen konkurrierende Netze aufbauen.
Welche negativen Erfahrungen wurden am Beispiel der Berliner Wasserbetriebe deutlich?
Die Privatisierung führte zu massiven Preissteigerungen, Entlassungen von Mitarbeitern und einem Ausbleiben der versprochenen Infrastrukturinvestitionen durch die privaten Anteilseigner.
- Arbeit zitieren
- Jens Schauenburg (Autor:in), 2016, Die Privatisierung des öffentlichen Gutes Wasser. Vor- und Nachteile, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319106