Gründe für die Einbalsamierung im Alten Ägypten. Untersuchung mit den Thesen Jan Assmanns


Seminararbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1

Lisa Gebauer (Autor:in)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. DerTodimaltägyptischenKontext

3. DieEinbalsamierung
3.1 DieEinbalsamierunglautHerodot
3.2 DieOsirisBLegende
3.3 DieRituale

4.Fazit

5.Bibliographie

5.1 Quellen
5.2 Literatur

1. Einleitung

„Zuerst ziehen sie mit einem gekrümmten Eisendraht das Gehirn durch die Nasenlöcher heraus, genauer gesagt, nur einen Teil davon; den Rest beseitigen sie, indem sie auflösende Flüssigkeiten eingießen. Danach schneiden sie mit einem scharfen aithiopischen Stein den Leib in den Weichen auf und nehmen das ganze Innere heraus. Es wird mit Palmwein gereinigt und mit zerriebenen Spezereien durchspült.(86)“1

Dies schreibt der griechische Schriftsteller Herodot, der um 450 v. Chr. das Land Ägypten bereiste und schriftliche Eindrücke der verschiedenen Begebenheiten festhielt. Ein Teil der Aufzeichnungen stellt der altägyptische Totenkult dar, der in dieser ausführlichen Form nur von Herodot festgehalten wurde. Er lässt das Land als exotisch und zur griechischen Kultur diskrepant erscheinen.2 Herodot beschreibt in seinen Aufzeichnungen drei Arten der Mumifizierung, die im Laufe der modernen Geschichte des Öfteren untersucht wurden. Während die heutige Forschung hauptsächlich Kenntnisse von den Mumien selbst erhält, die mit Hilfe der modernen Untersuchungsmöglichkeiten bis auf das kleinste Detail analysiert werden können, haben sich ältere Historiker noch mit den Kenntnissen von den Geschichtsschreibern Herodot aber auch Diodor zufrieden geben müssen. Wichtig zu erwähnen ist an dieser Stelle, dass man mit den Aufzeichnungen nicht arbeiten kann, wenn man sie nicht kritisch hinterfragt. Die Historiker sind sich einig, dass Herodot und Diodor ihre Kenntnisse nicht aus eigenen Untersuchungen der Mumien erlangt haben, sondern sie eher nach „Hören und Sagen“ aufgeschrieben haben.3 Trotzdem handelt es sich bei diesen Schriftstücken um wichtige Quellen des Prozesses des Einbalsamierens.

Die folgende Arbeit wird sich Herodots Aufzeichnungen bedienen, um die Umstände der Mumifizierung genauer zu beschreiben. Dass das Einbalsamieren nicht nur eine banale „Erfindung“ der Ägypter war, zeigen die bekannten Mumiengräber, die man beispielsweise in Bahariyya gefunden hat. Durch die mit der Zeit immer aufwändiger gebauten Gräber und die unterschiedlichsten Grabbeigaben kann man neben der Einbalsamierung der Leichen erkennen, dass es den Ägyptern in dieser Zeit sehr wichtig war, einige Voraussetzungen für das Weiterleben nach dem Tod zu schaffen.4 Mit der vorliegenden Arbeit wird der Versuch gestartet, Gründe für die Einbalsamierung zu finden, die neben den Mythen auch in gesellschaftlichen und räumlichen Erscheinungen zu suchen sind. Des Weiteren soll der Prozess der Einbalsamierung, wie ihn Herodot beschrieben hat, auf diese Gründe bezogen, analysiert werden.

Einer der wichtigsten Ägyptologen der modernen Zeit ist Jan Assmann, welcher sämtliche Artikel und einige bedeutende Werke über die altägyptische Welt schrieb. Wenn man sich mit der Totenwelt der Ägypter beschäftigen will, kommt man ohne einen Blick auf seine Bücher nicht aus. Die nun folgende Arbeit bezieht sich deshalb hauptsächlich auf seine Thesen.

2. Der Tod im altägyptischen Kontext

Eine kennzeichnende Erscheinung in der altägyptischen Geschichte ist die „elysische Welt“, die von den Ägyptern mit verschiedenen Begriffen, wie zum Beispiel „Westen“, „Haus des Osiris“ oder „Binsengefilde“, benannt wird.5 Die unterschiedlichen Bezeichnungen lassen darauf schließen, dass an diese Welt nicht nur in einem Teil Ägyptens geglaubt wurde. Nach dem Tod, so meinten die alten Ägypter, käme man von der Lebenswelt in die Todeswelt. Von dieser Todeswelt, in welcher man ein Schattendasein führe, erhoffte man sich, in das Elysium erlöst zu werden. Dort gelte man dann als vom Tode gerettet und könne ein neues, ewiges Leben beginnen.6 Wenn man sich die Kulturen ansieht, welche zur selben Zeit ebenfalls einen Glauben an das Leben nach dem Tod hatten, kann man das besagte Elysium nicht finden. Dort war das Endziel mit der Todeswelt erreicht. Der Glaube an ein Elysium veränderte sich im Laufe der Zeit, so war es im Alten Reich nur für den König zu erreichen, während es mit dem Untergang des Alten Reiches für alle Menschen zu erreichen war.7

Der Tod im altägyptischen Kontext ist, wie beinahe in jeder Kultur, auch sehr stark vom Rang des Toten abhängig. Wenn man das ägyptische Wort für Mumie übersetzt, stellt man fest, dass es „Adel“ oder „Würde“ bedeutet.8 Wie bereits erwähnt, war das Einbalsamieren zunächst nur den Herrschern möglich. Ein „normaler Bürger“ hatte nicht das nötige Kapital um Einbalsamierer, Priester und Spieler für die Rituale zu finanzieren. So zeigt auch Herodot vom Kapital abhängige Varianten der Mumifizierung auf, näheres dazu im nächsten Abschnitt. Die ärmere Schicht tröstete sich mit dem Gedanken, dass das jenseitige Leben nicht von der Grabausstattung, sondern vom ehrenhaften Leben abhing.9 Die armen Ägypter wurden nach ihrem Tod auf ein Holzbrett oder eine Sisalmatte gelegt und im Wüstensand vergraben.10 Herodot schreibt in den Historien folgendes:

„Wenn von den Leuten im Haus einer verstorben ist, der der Rede wert war, reibt sich das ganze Frauengeschlecht aus diesem Haus den Kopf und auch das Gesicht mit Lehm ein. (85)“11

Daran kann man erkennen, dass auch Herodot eine „Ranggesellschaft“ erkannt haben muss. Nur nach jenen, die der Rede wert waren, wurde getrauert.

Doch auch für jene Ägypter, die einiges an Reichtum besaßen, tritt ein Leben im Diesseits in eine andere Rolle. Man sah es nicht für notwendig, auf Erden kostspielig zu leben, da man nach dem Tod in eine Welt kommt, in der man auch finanziell abgesichert sein sollte.12 Die Ägypter investierten somit beinahe alles, was ihnen zur Verfügung stand, in das Leben nach dem Tod. Damit verbunden ist die Tugend und Gerechtigkeit zu Lebzeiten, die mehr an Erinnerungen hinterlassen wird, als der Besitz.13

Dass das Sterben und das Leben nach dem Tod ein zentrales Thema im Leben eines Ägypters war, sieht man demnach am Leben im Diesseits, aber auch in den aufwändigen Bestattungen und Grabmälern der eigenen Angehörigen.

[...]


1 Herodot, Historien, 2. Band, Übersetzt und Herausgegeben von Kai Brodersen, Stuttgart 2005, S. 99.

2 Thomas Schneider, 101 wichtigsten Fragen. Das alte Ägypten, München 2010, S. 26.

3 Johann Philipp Siebenkees, Handbuch der Archäologie oder Anleitung zur Kenntnis der Kunstwerke des Altertums und zur Geschichte der Kunst der alten Völker, Nürnberg 1799, S. 173...

4 H. Khalaf, U. Karama, Identifizierung von Inhaltsstoffen aus Organen altägyptischer Mumien, in: Naturwissenschaften 1995, Heft 82, S. 474-476, hier S. 474f.

5 Jan Assmann, Totenglauben und Menschenbild im Alten Ägypten, in: Altorientalische Forschungen 2003, Heft 30, S. 93-104, hier: S. 93.

6 Ebd., S. 93f.

7 Ebd., S. 95...

8 Jan Assmann, Tod und Jenseits im Alten Ägypten, München 2010, S. 118.

9 Friedrich Graf, Der ägyptische Glaube, Band II, die ägyptische Jenseitsvorstellung und Götter im alten Ägypten, Norderstedt 2011, S. 36.

10 Ebd., S. 36.

11.Herodot, Historien, 2. Band, S. 99. .

12 Jan Assmann, Die Konstruktion sakralen Raums in der Grabarchitektur des Neuen Reiches, in: Archiv für Religionsgeschichte, Band 6, Heidelberg 2004, S. 1-18, hier: S. 3.

13 Ebd., S. 4...

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Gründe für die Einbalsamierung im Alten Ägypten. Untersuchung mit den Thesen Jan Assmanns
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Alte Geschichte)
Note
1
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V319131
ISBN (eBook)
9783668182769
ISBN (Buch)
9783668182776
Dateigröße
956 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gründe, einbalsamierung, alten, ägypten, untersuchung, thesen, assmanns
Arbeit zitieren
Lisa Gebauer (Autor:in), 2015, Gründe für die Einbalsamierung im Alten Ägypten. Untersuchung mit den Thesen Jan Assmanns, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319131

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