Die vorliegende Arbeit soll am Beispiel der Pressesprache zeigen, wie sich die zunehmende Popularität des Englischen auf die unterschiedlichen Sprachebenen des Deutschen auswirkt. Mit Blick auf das Eindringen von Anglizismen in die Sprache der Presse soll dargelegt werden, dass die letztere keineswegs als eine Varietät zu betrachten ist, sondern eher als eine Widerspiegelung der gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und sprachlichen Zustände der Zeit gilt.
Die deutsche Sprache scheint heutzutage zunehmend von einem aus dem englischen und amerikanischen Sprachraum stammenden Sprachgut bedrängt zu sein. Diese Tatsache wird in der Sprache der Presse besonders deutlich, wie eine umfassende Kritik seit Mitte des 20. Jahrhunderts bereits gezeigt hat.
Dadurch, dass die Pressesprache eine hohe Gegenwartsbezogenheit aufweist, da sie „alle Gebiete des täglichen Lebens“ behandelt, kann sie als „ein sicheres Anzeichen für sprachliche Veränderungen“ betrachtet werden. Eine besondere Rolle dabei spielen Anglizismen und Amerikanismen, die bereits durch den Kolonialismus und Welthandel Großbritanniens im 17., 18. und 19. Jahrhundert und durch die Etablierung der USA als Weltmacht im 20. Jahrhundert ihren Weg in die deutsche Sprache gefunden haben. Es soll hierbei angemerkt werden, dass die damaligen Entlehnungen teilweise aus Bedarf an Bezeichnungen für bisher nicht vorhandene oder wenig populäre Sachverhalte übernommen wurden, während in der heutigen Debatte über eine „Verenglischung“ und „Amerikanisierung“ geklagt wird , da ein hoher Anteil an Wörter in die deutsche Sprache unhinterfragt aufgenommen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserklärung
2.1. Pressesprache als Varietät?
2.2. Definition und Status der Anglizismen in der deutschen Sprache
3. Gesamtüberblick: Entwicklung des Englischen zum „neuen Latein“
4. Auswirkung auf die unterschiedlichen Sprachebenen
5.1. Syntax
5.2. Morphologie
5.3. Lexik und Semantik
6. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des Englischen auf die deutsche Pressesprache und analysiert, inwieweit Anglizismen als Sprachwandelphänomen oder als Bereicherung der Ausdrucksmöglichkeiten zu verstehen sind. Ziel ist es, den Status von Anglizismen anhand von Pressetexten zu klären und zu hinterfragen, ob die Pressesprache als eigenständige Varietät betrachtet werden kann.
- Historische Entwicklung der Anglizismen in Deutschland
- Einfluss des Englischen auf Syntax, Morphologie und Semantik
- Rolle der Pressesprache bei der Verbreitung von Anglizismen
- Kritik an der "Verenglischung" vs. sprachliche Notwendigkeit
- Die Funktion des Englischen als moderne Lingua franca
Auszug aus dem Buch
5.2. Morphologie
Im Bereich der Morphologie sind als Besonderheit die sogenannten „Augenblickskomposita“ zu erwähnen. Solche Wortzusammensetzungen haben eine primär sprachökonomische Funktion, da sie „komprimiert mehrere Informationseinheiten wiedergeben“. Dabei weist Götzeler auf die Verknüpfung durch Bindestrich von einheimischen Morphemen mit Anglizismen hin, die oft auch gegen die vom Duden vorgegebenen Regeln verstößt.
Die Bedeutsamkeit besteht darin, dass Bindestriche ein Hinweis auf die Fremdheit (bzw. das Als-fremd-empfunden-Werden) eines Wortes sein können, da man sich bei weniger geläufigen Wörtern verstärkt um Transparenz und Verständlichkeit bemühen muss.
Anders als bei der Verknüpfung von einheimischen Wörtern, die in der Regel eine Kompositionsfuge enthält, wird in Anwesenheit eines Anglizismus darauf verzichtet und stattdessen ein Bindestrich eingesetzt. Die Verknüpfung zweier oder mehrerer Fremdwörter erfolgt nach demselben Muster: „die Facebook-Community“, „Fan-Crowd“, „Swinger-Club“, „Online-Dating“, „Extreme-Couching“, „Flatrate-Denken“, „Sharing-Economy“ und „Diversity-Rhetorik“. Die meisten Komposita sind Substantive, gelegentlich findet man aber auch Zusammenbildungen aus anderen Wortarten, wie z.B. aus Adjektiven und Verben: „old-fashioned“, „weggedriftet“, „ausgepowert“ oder „old-school-haft“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Präsenz des Englischen in der deutschen Sprache, insbesondere in der Presse, und führt in die Fragestellung der Arbeit ein.
2. Begriffserklärung: Dieses Kapitel definiert zentrale Termini wie Pressesprache und Anglizismen sowie deren wissenschaftlichen Status innerhalb der deutschen Sprache.
3. Gesamtüberblick: Entwicklung des Englischen zum „neuen Latein“: Hier werden die historischen Entlehnungswellen des Englischen seit 1200 bis in die heutige Zeit und die Etablierung des Englischen als globale Bildungssprache nachgezeichnet.
4. Auswirkung auf die unterschiedlichen Sprachebenen: Dieses Kapitel bildet den Rahmen für die detaillierte Analyse, wie sich Anglizismen auf verschiedene sprachliche Strukturen auswirken.
5.1. Syntax: Es wird untersucht, wie das Englische zu Verkürzungen und parataktischen Strukturen in der deutschen Pressesprache führt.
5.2. Morphologie: Dieses Kapitel behandelt die Bildung von Komposita unter Verwendung von Anglizismen und die dabei entstehenden morphologischen Besonderheiten.
5.3. Lexik und Semantik: Fokus liegt hier auf dem Eindringen fachsprachlicher Begriffe und der Bedeutung von Anglizismen für die Wortschatzerweiterung und Nuancierung.
6. Schlussfolgerung: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei die Rolle der Sprachökonomie und die Funktion des Englischen in einer globalisierten Welt hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Pressesprache, Sprachwandel, Morphologie, Syntax, Sprachökonomie, Medien, Globalisierung, Lehnwörter, Sprachkontakt, Linguistik, Amerikanismen, Journalismus, Wortbildung, Sprachvarietät.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Verwendung von englischen Wörtern und Strukturen auf die heutige deutsche Pressesprache auswirkt und welche Rolle dabei Faktoren wie Globalisierung und Sprachökonomie spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Anglizismen, die spezifischen Veränderungen in Syntax, Morphologie und Semantik sowie die Frage nach dem Sinn und Zweck dieser Sprachveränderung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Status von Anglizismen in der aktuellen deutschen Sprache zu bestimmen und aufzuzeigen, dass diese eher eine Widerspiegelung gesellschaftlicher Zustände als eine Gefährdung der deutschen Sprache darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung des Sprachkontakts sowie eine exemplarische Analyse von Ausgaben der Wochenzeitung "DIE ZEIT" aus dem Jahr 2016.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert konkret die linguistischen Ebenen Syntax, Morphologie und Lexik/Semantik und beleuchtet die Beweggründe für den Import englischer Ausdrücke.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anglizismen, Sprachwandel, Sprachökonomie, Pressesprache, Medien und Globalisierung.
Warum spielt die Pressesprache eine besondere Rolle für die Anglizismenforschung?
Die Pressesprache gilt als "Indiz für Tendenzen der Gegenwartssprache" und transportiert durch ihre tagesaktuelle Relevanz neue Begriffe schneller als andere Bereiche.
Was besagt die Arbeit über die Rolle von Bindestrichen bei Anglizismen?
Die Verwendung von Bindestrichen bei der Bildung von Komposita mit englischen Wörtern dient oft als Marker für die Fremdheit eines Begriffs, um Transparenz und Verständlichkeit für den Leser zu erhöhen.
- Arbeit zitieren
- Maria Baciu (Autor:in), 2016, Über den Sinn und Zweck der Verwendung von Anglizismen in der Pressesprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319239