Psycho-soziale Behandlung in der Klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit


Hausarbeit, 2011

17 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Klientel und Störungsbilder

3. Psycho-soziale Behandlung
3.1 Beratung
3.2 Sozialtherapeutische Interventionsansätze
3.3 Förderung von Netzwerken

4. Schlussbetrachtung

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit Interventionsansätzen der Klinisch- therapeutischen Sozialen Arbeit in der psychiatrischen Rehabilitation am Beispiel des Wohnverbunds und Ambulant Betreuten Wohnens in der ABC GmbH. Der Eingliederungsbereich der ABC GmbH umfasst stationäre Integrationseinrichtungen (Wohnheime) und Ambulant Betreutes Wohnen in verschiedenen Sozialräumen. In den Sozialräumen Zentrum, West und Süd gibt es sowohl Wohnheime als auch Betreutes Wohnen. Im Sozialraum Nord bestehen ausschließlich ambulante Unterstützungsangebote. Mein Einsatzbereich sind 5 Außenwohngruppen und das Betreute Wohnen im Sozialraum Zentrum. Zielgruppe des Wohnbereichs sind erwachsene psychisch behinderte Frauen und Männer, die zum Zeitpunkt der Aufnahme aufgrund der Schwere ihrer

Erkrankung/Behinderung nicht in der Lage sind, selbstständig in einer eigenen Wohnung oder bei ihrer Familie zu leben. In den stationären Wohnungen wird umfassende Hilfestellung und Betreuung für Menschen mit einem hohen Unterstützungsbedarf in unterschiedlichen Lebensbereichen (Wohnen, Arbeit/Beschäftigung, Soziale Beziehungen, Freizeit) angeboten. Durch die Nähe zum Krankenhaus ist in Krisensituationen eine schnelle medizinische und therapeutische Versorgung gewährleistet. Unter „Außenwohngruppen“ ist kein Wohnheim mit z.B. mehreren Wohnebenen oder Etagen zu verstehen, sondern eine Ansiedlung von einzelnen Wohnungen am Randgebiet des Krankenhauses im Sinne einer „dezentralen“ Versorgungsstruktur. Es stehen zurzeit 11 Wohnplätze zur Verfügung. Die Betreuung der Klienten des Betreuten Wohnens erfolgt in der Regel in deren Wohnungen. Betreutes Wohnen hat die Aufgabe, seelisch behinderte, chronisch erkrankte Menschen im Lebensalltag zu unterstützen und in die Gemeinde zu integrieren. Im Sozialraum Zentrum werden derzeit 50 Klienten ambulant betreut. Ich habe die Fallverantwortung für 4 Klienten. Die vorliegende Arbeit soll einen Einblick in Denk- und Handlungsweisen der klinisch-therapeutischen Sozialarbeit geben. In Kapitel 2 gehe ich auf ausgewählte Störungsbilder der Klienten, mit denen ich in meiner praktischen Tätigkeit häufig konfrontiert bin, ein.

Kapitel 3 befasst sich mit psycho-sozialen Behandlungsmöglichkeiten mit dem Schwerpunkt auf Beratungskonzeptionen und sozialtherapeutischen Interventionsmöglichkeiten.

2. Klientel und Störungsbilder

In meiner Berufspraxis im Wohnverbund und Ambulant Betreuten Wohnen der ABC GmbH begleite und unterstütze ich Menschen mit verschiedenen psychischen Störungen/ Behinderungen, wie z.B. Depression, Schizophrenie oder Persönlichkeitsstörungen in ihrem Lebensalltag. Die Behinderungen und Störungen lassen sich vielfach als Strategien der Beziehungsgestaltung, zum Selbstschutz und zur Verarbeitung belastender und traumatischer Erlebnisse begreifen.

Die zum Teil chronischen psychischen Behinderungen gehen bei den Menschen mit einem Mangel an kognitiven Fähigkeiten und sozialen Defiziten einher.

Bei den Bewohnern und Klienten mit geistiger und psychischer Behinderung liegt häufig eine Störung der Sprache und Psychomotorik vor mit mangelnder Kontrolle der Mimik/Gestik und mechanischen, stereotypen Abläufen.

Bei den Menschen mit einer psychischen Behinderung, insbesondere bei Schizophrenie, stehen neben den Defiziten im kognitiven und sozialen Bereich besonders die Symptome der (paranoiden) Schizophrenie wie akustische Halluzinationen, Wahrnehmungsstörungen, Störungen der Stimmung, Sprache, Denken und Symptome des schizophrenen Residuums (verminderte Aktivität, Affektverflachung, Vernachlässigung der Körperpflege, Sozialer Rückzug, Interessenverlust, Initiativemangel) im Vordergrund. Ein Symptom der Schizophrenie, z.B. Wahn, ist ein psychodynamischer Prozess, der in seiner Entstehung ebenfalls zurückgeführt werden kann auf ungünstige Beziehungskonstellationen oder familiäre Konflikte in der Kindheit, die von den Klienten reaktiviert werden.1 Ich erlebe die Klienten mit schizophrenen Störungen im Kontakt hochsensibel. Zu viel oder große Nähe empfinden sie oft als bedrohlich. Sie gehen dann auf Distanz und meiden zwischenmenschliche Kontakte. Die Gefahr der sozialen Isolation bei dieser Klientel sehe ich besonders im Anschluss an die akute schizophrene Phase. Durch die längeren stationären Aufenthalte zur Behandlung der Erkrankung haben die Menschen zu einem großen Teil ihren Arbeitsplatz verloren, der für die Betroffenen gleichzeitig ein Statusverlust bedeutet. Auch die schon vor der Behandlung in der Regel ausgetragenen Konflikte im familiären Bereich und im Klientel und Störungsbilder Freundeskreis führen nicht selten dazu, dass das Umfeld (Familie, Freunde) sich immer mehr von den Betroffenen entfernt, weil es mit der Situation in der akuten Phase überfordert und überlastet war. Der Rückhalt durch die Familie, Freunde und Kollegen ist nicht mehr oder kaum noch vorhanden.

Die Klienten mit Depressionen zeigen Symptome wie Antriebslosigkeit und reduzierte Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Ihre Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit ist eingeschränkt. Sie fühlen sich häufig wertlos und sehen keine Zukunftsperspektive. Sie neigen dazu, sich mit sich selbst zu beschäftigen und sich zurückzuziehen. Für die Betroffenen hat der Rückzug eine Schutzfunktion. Jedoch gerät durch diese Abwehrstrategie ein Teufelskreis in Bewegung. Stavros Mentzos weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass "...nicht der depressive Affekt der dynamische Kern der Depression ist, sondern diese fortschreitende Einengung, Einschränkung, Stilllegung des Selbst.“2 Die Klienten mit Persönlichkeitsstörungen, z.B. einer emotional labilen Störung gehen auf intensive Weise neue Kontakte ein, halten die Nähe dann aber entweder nicht aus und sie weisen die „Bezugspersonen“ dann wieder ab oder werden von ihnen abgewiesen. Die häufig unvorhersehbaren Stimmungsschwankungen und die impulsiven Handlungen ohne Berücksichtigung der Konsequenzen führen zu instabilen Beziehungen oder zu wiederholten Beziehungsabbrüchen. Persönlichkeitsstörungen entstehen in der Biografie einer Person und lassen sich im Allgemeinen als Lösungen für schwierige Interaktionssituationen bezeichnen. Rainer Sachse ist der Meinung, dass diese Interaktionsstörungen psychologisch völlig normal und keineswegs pathologisch - und schon gar nicht hoch-pathologisch seien. Das ganze habe mit „normalem“ psychischem Funktionieren zu tun und nicht mit „Krankheit“. Es seien einfach ungünstige Entwicklungen, die dazu führen, dass die Person sich selbst in eine Falle bringe und durch das System veranlasst werde, immer wieder von Variationen ihrer Strategien Gebrauch zu machen, die in der Kinder-Situation hilfreich waren, die aber im Erwachsenen- Kontext nicht mehr gut funktionieren.3

3. Psycho-soziale Behandlung

Meine Aufgabe als Sozialpädagoge im Wohnverbund und Betreuten Wohnen war und ist die Begleitung, Beratung und Assistenz/Unterstützung der Klienten

- bei der alltäglichen Lebensführung (Einkaufen, Kochen, Wäschepflege, Geldverwaltung)
- bei der persönlichen Versorgung (Waschen, Ernährung etc.)
- beim Aufbau und Stabilisierung sozialer Kontakte (Klärung von Konflikten)´
- bei der Ausbildung, Arbeit (bei Belastungen und schwierigen Anforderungen)
- bei der Gestaltung freier Zeit (Hobbies, persönliche Vorlieben, Freizeitangebote)
- im Umgang mit Spannungen, Ängsten

Grundsätzlich sind einfühlendes Verstehen, emotionale Anteilnahme, die Erarbeitung von Zukunftsmöglichkeiten, das Schaffen von persönlichen Wertebezügen und die Förderung tragfähiger sozialer Netzwerke förderliche Faktoren im Hilfeprozess. Weiterhin sind Hilfestellung in Form von Übungen zu einer adäquaten Gefühlsregulierung, der Aufbau und die Festigung eines Identitätsgefühls und die Förderung von Beziehungsfähigkeit (Ermutigung, selbstständig zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und diese auch bei Frustration aufrechtzuerhalten) wichtige unterstützende Faktoren. Medikamentöse Therapie zur Behandlung psychischer Störungen kann hilfreich sein, jedoch halte ich Psychotherapie und psycho-soziale Beratung, die nicht analytisch ausgerichtet sein sollte, sondern Räume schaffen sollte zum Lernen und Üben, für elementar und erforderlich, damit die Betroffenen sich mit alltäglichen Problemen auseinandersetzen und diese realitätsgerecht bewältigen lernen.

Als zukünftiger klinisch-therapeutischer Sozialarbeiter möchte ich differenzierter und analytischer den Behandlungsverlauf auf theoretisch fundierter Basis planen. Das Wissen um den Stellenwert von frühen Beziehungserfahrungen spielt in diesem Zusammenhang meines Erachtens eine wichtige Rolle. Nach Bowlby sind die ersten Beziehungserfahrungen der Grundstein der Persönlichkeit. Ein wichtiger Indikator für psychische Gesundheit ist das "Urvertrauen", das sich im Wesentlichen über Lernerfahrungen bildet und schon im Mutterleib über Sinneswahrnehmungen beginnt und sich in der Frühkindheit, in der Beziehungsgestaltung und dem Bindungsaufbau entwickelt.4

Hier gibt es eine Parallelität zu den aktuellen Beziehungsbedürfnissen und sozialen Fähigkeiten der Klienten Klinischer Sozialarbeit. Ungünstige Beziehungs- und Bindungserfahrungen der Klienten haben für viele Betroffene Isolation, mangelnde Austauschmöglichkeiten, Bindungs- Status- und Identitätsverlust zur Folge. Ein Mensch kann sich nur dann gesund entwickeln, wenn er sich in konstruktiver Weise mit seiner Umwelt auseinandersetzen kann. Nur dadurch kann er seine Identität und sein Selbstbild in einem intersubjektiven Verständnis mit der Umwelt entwickeln und gestalten. Fehlen dem Menschen emotionale Unterstützung, Lob und Anerkennung, Stimulation, Anregung und Impulse von außen und der Vergleich mit anderen Menschen werden die Grundbedürfnisse nicht befriedigt. Als Fundament für die Identitätsentwicklung können die 5 Säulen der Identität (Leiblichkeit, Soziale Beziehungen, Arbeit und Leistung, Materielle Sicherheiten, Werte) nach Hilarion Petzold angesehen werden.5

Das Modell der fünf Säulen der Identität war ursprünglich als Diagnoseinstrument gedacht, es eignet sich aber auch um Phänomene zu erklären, die Menschen in Krisen etc. betreffen. Die fünf Säulen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und ihre Tragfähigkeit und Wichtigkeit kann sich im Laufe des Lebens wechseln und verändern. Von Bedeutung ist, dass die Säulen in einer Balance bleiben. Brechen eine oder mehrere Säulen zusammen durch z.B. Arbeitsplatzverlust und/oder Beziehungsabbrüche und können die anderen Säulen die Identität nicht ausreichend stabilisieren, kann es zu einer Krise kommen. Besonders wichtig für das Klientel, mit dem ich zu tun habe, sind Kontakte, Begegnungen, Beziehungen, Bindungen und Austauschmöglichkeiten zur Identitätsbildung. Ein solches tragfähiges soziales Netzwerk ermöglicht ein Teilen von Informationen, Interessen und Ressourcen.

[...]


1 Vgl. Mentzos, Stavros, aaO, S. 216f.

2 Vgl. Mentzos, Stavros: Lehrbuch der Psychodynamik. Die Funktion der Dysfunktionalität psychischer Störungen, Göttingen 2010. S. 126

3 Vgl. Sachse, Rainer: Persönlichkeitsstörungen verstehen. Zum Umgang mit schwierigen Klienten, Bonn 2010. S. 17

4 http://www.psya.de/die-bindungstheorie-und-john-bowlby-30.html (25.07.2011)

5 http://www.fpi-publikation.de/images/stories/downloads/polyloge/petzold-integrative-therapie-kompakt- 2011-upd.2011e-definitionen-und-kondensate_-polyloge-01-2011.pdf, S. 72 (25.07.2011)

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Psycho-soziale Behandlung in der Klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit
Hochschule
Katholische Hochschule Nordrhein-Westfalen
Veranstaltung
Profession Soziale Arbeit - Leitung und Organisation, Analyse und Intervention
Autor
Jahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V319244
ISBN (eBook)
9783668185449
ISBN (Buch)
9783668185456
Dateigröße
526 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psycho-soziale, behandlung, klinisch-therapeutischen, sozialen, arbeit
Arbeit zitieren
Bernd Palmen (Autor), 2011, Psycho-soziale Behandlung in der Klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319244

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Psycho-soziale Behandlung in der Klinisch-therapeutischen Sozialen Arbeit



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden