Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geldpolitik von Bundesbank und EZB


Hausarbeit, 2015
21 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit
1.2 Gang der Untersuchung

2. Theoretische Grundlagen
2.1. Entstehung Europäische Währungsunion
2.2 Definition Geldpolitik und die Geldmengenaggregate M1, M2, M3
2.3 Quantitätstheorie

3. Strategien und Geldpolitik Europäischer Zentralbank und Bundesbank
3.1 Strategie Europäische Zentralbank ab 1. Januar 1999
3.2 EZB-Rat
3.3 Geldpolitische Instrumente Europäische Zentralbank
3.3.1 Offenmarktpolitik
3.3.1.1 Pensionsgeschäfte
3.3.1.2 Ständige Fazilitäten
3.3.2 Mindestreservepolitik
3.4 Strategie der Bundesbank
3.5 Geldpolitische Instrumente der Bundesbank
3.5.1 Refinanzierungspolitik
3.5.2 Mindestreservepolitik
3.5.3 Offenmarktpolitik
3.5.4 Wertpapierpensionsgeschäfte

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Internetquellen

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Ziel der Arbeit

Im Vertrag über die Europäische Union, der Maastricht-Vertrag der im Jahre 1993 in Kraft getreten ist, ist geregelt, dass bis zum 1. Januar 1999 die Europäische Währungs- union errichtet werden soll. Ein Ziel davon ist es eine einheitliche Währung und eine Zentralbank, die Europäische Zentralbank, in den EU-Mitgliedsstaaten zu haben. Aus diesem Grund wurde zum 1. Januar 1999 der Euro zuerst als Buchgeld und zum 1. Januar 2002 als Bargeld eingeführt.1 So entstand das Europäische System der Zentralbanken, welches aus den nationalen Geschäftsbanken und der Europäischen Zentralbank besteht.2 Die Folge davon ist, dass die Deutsche Bundesbank einen Großteil ihrer Aufgaben zum 1. Januar 1999 an die Europäische Zentralbank abgeben und sich neu organisieren muss.

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede die Europäische Zentralbank und die Bundesbank in ihrer Geldpolitik haben und welche Aufgaben und geldpolitischen Instrumente die Europäische Zentralbank von der Bundes- bank übernommen hat. Diese Fragestellung wird anhand einer Literaturanalyse erforscht.

1.2 Gang der Untersuchung

Im zweiten Kapitel der Arbeit wird die Entstehung der Europäischen Währungsunion und des Europäischen System der Zentralbanken beschrieben. Mit diesem System sollen ver- schiedene wirtschaftliche Ziele erreicht werden sollen. Diese Ziele werden im Einzelnen aufgeführt.

Auch die Begriffe „Geldpolitik“, „Geldmenge“ und die Geldmengenaggregate M1, M2 und M3 werden in diesem Abschnitt definiert. Besonders auf die Wichtigkeit des Geldmengenaggregats M3 wird eingegangen, da dieses einen Referenzwert für das Geldmengenwachstum liefert und ein Zwischenziel der Geldpolitik darstellt.3

Zuletzt werden in diesem Teil der Arbeit die Quantitätstheorie des Geldes und ihre Be- deutung für das Handeln der Europäischen Zentralbank und der Bundesbank beschrieben.

Der dritte Teil ist der praxisbezogene Teil und zeigt auf, wie die Europäische Zentralbank die Geldpolitik ab dem 1. Januar 1999 europaweit steuert. Die Zwei-Säulen Strategie mit der die Europäische Zentralbank die Geldpolitik steuert, wird erläutert und es werden die darin enthaltene monetäre und die wirtschaftliche Analyse detailliert vorgestellt. Gleich- zeitig wird festgestellt, welche geldpolitischen Instrumentarien die Europäische Zentral- bank von der Bundesbank vollständig oder in veränderter Form übernommen hat und welche nicht. Auch der EZB-Rat und dessen Bedeutung werden hier kurz dargestellt. Dementsprechend wird auch darauf eingegangen, welche Strategie die Bundesbank ver- folgt hat und mit welchen geldpolitischen Instrumentarien sie ihre Ziele erreichen wollte.

Im Fazit wird zusammengefasst, welche Gemeinsamkeiten und welche Unterschiede in beider geldpolitischen Strategien und dem Einsatz der geldpolitischen Instrumente beste- hen.

2. Theoretische Grundlagen

2.1. Entstehung Europäische Währungsunion

Der Vertrag von Maastricht tritt am 1. November 1993 in Kraft. Mit ihm werden fünf Hauptziele verfolgt: Diese sind die Stärkung der demokratischen Legitimität der Organe (der Europäische Rat und das Europäisches Parlament) und ihre bessere Funktionsfähig- keit, die Einführung einer gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik und einer Wirt- schafts- und Währungsunion und die Entwicklung einer sozialen Dimension der Gemein- schaft.

Die Europäische Währungsunion soll in drei Etappen entstehen, welche teilweise vorher in der Einheitlichen Europäischen Akte festgelegt wurden.4 Um die Verwirklichung des Binnenmarktes abzuschließen und dem europäischen Einigungsprozess eine erneute Dynamik zu geben ändert die Europäische Einheitliche Akte die Verträge von Rom. Diese dehnt die Zuständigkeiten der Gemeinschaft aus, besonders in den Bereichen Umweltund gemeinsame Außenpolitik und Forschung und Entwicklung und ändert die Funktionsweise europäischer Institutionen.5

Am 1. Juli 1990 beginnt die Liberalisierung des Kapitalverkehrs, damit u.a. EU-Bür- ger/innen ihre Kapitalgeschäfte im Ausland tätigen können. Am 1. Januar 1994 beginnt die zweite Etappe, nämlich die Ermöglichung der Konvergenz der Wirtschaftspolitiken der Mitgliedsstaaten. Die letzte, dritte Etappe beginnt am 1. Januar 1999 mit der Einrich- tung der Europäischen Zentralbank und einer einheitlichen Währung, des Euros.6 Mit der Verwirklichung der dritten Etappe der Wirtschafts- und- Währungsunion entsteht das Eu- ropäische System der Zentralbanken. Dieses besteht aus der Zentralbank und den Zent- ralbanken der Mitgliedsstaaten, die den Euro eingeführt haben, welche auch das Eurosys- tem genannt werden.7 Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Europäische Zentralbank den Großteil der Aufgaben der Bundesbank. Auch das Emissionsrecht der Zentralbanken für Banknoten geht mit der Verwirklichung der Wirtschafts- und Währungsunion auf den EZB-Rat über. Dieser darf ausschließlich die Ausgabe von Banknoten innerhalb der Union genehmigen.8

2.2 Definition Geldpolitik und die Geldmengenaggregate M1, M2, M3

Der Einsatz von Maßnahmen durch geldpolitische Träger zur Erfüllung von wirtschafts- politischen Zielen wird als Geldpolitik bezeichnet.9 Die wirtschaftspolitischen Ziele sind ein hoher Beschäftigungsgrad, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, die Stabilität des Preisniveaus und ein entsprechendes Wirtschaftswachstum.10 Die Träger der Geldpolitik im Euro-Währungsraum sind die europäischen Zentralbanken und deren System.11

Den Bestand an Zahlungsmitteln einer Volkswirtschaft bezeichnet man als Geldmenge. Es ist die Aufgabe der Europäischen Zentralbank die Geldmenge die in Umlauf ist, zu beobachten um eine Inflation zu vermeiden und die Währung stabil zu halten. Die Geld- menge hat drei verschiedene Definitionen: M1, M2 und M3.12 M1 beinhaltet den Bar- geldumlauf und die täglich fällig werdenden Einlagen. M2 setzt sich aus M1 und Einlagen von bis zu zwei Jahren - und Einlagen mit einer Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten zusammen. M3 beinhaltet M2 und Rückkaufsvereinbarungen, Schuldverschreibungen bis zu zwei Jahren und Geldmarktfondsanteile.13 Die Geldmenge M3 stellt einen Referenz- wert des Geldmengenwachstums und ein Zwischenziel der Geldpolitik dar, damit das Ziel der Preisniveaustabilität realisiert werden kann.14

2.3 Quantitätstheorie

Die Quantitätstheorie des Geldes, welche aus der Quantitätsgleichung hervorgeht, ist die Grundlage des Handelns der Bundesbank und des Handelns der Europäischen Zentral- bank. Die Quantitätsgleichung wurde von Irving Fisher (*1867, †1947), einem amerika- nischen Wirtschaftswissenschaftler, formuliert. Bei der Quantitätsgleichung geht man da- von aus, dass die Geldmenge und die Gütermenge im direkten Zusammenhang stehen. Das bedeutet, dass eine Erhöhung der Geldmenge durch die Zentralbank zu einer Stei- gung der Preise, einer inflationären Entwicklung, führt. Gleichzeitig bedeutet es eine Sen- kung der Preise, wenn die Zentralbank die Geldmenge sinken lässt. Der Wert des Geldes hängt immer von der Umlaufgeschwindigkeit, der Geldmenge und dem Handelsvolumen ab. All das muss immer im richtigen Verhältnis stehen, damit keine inflationäre Entwick- lung in der Wirtschaft erfolgt.15

3. Strategien und Geldpolitik Europäischer Zentralbank und Bundes- bank

3.1 Strategie Europäische Zentralbank ab 1. Januar 1999

Mit der Einführung des Europäischen Systems der Zentralbanken hat die Europäische Zentralbank die Steuerung der europaweiten Geldpolitik übernommen. Das oberste Ziel der Europäischen Zentralbank ist es für ein stabiles Preisniveau zu sorgen, bei dem die Inflationsrate immer knapp unter 2% liegen soll. Das Preisniveau und damit auch die Wirtschaft beeinflusst die Europäische Zentralbank indem sie kurzfristige Zinssätze fest- legt. Die Glaubwürdigkeit der Europäischen Zentralbank an den Finanzmärkten ist für diese von Bedeutung, damit die Geschäftsbanken und die Menschen in, z.B. Wertpapiere investieren oder Kredite aufnehmen. Um das Ziel der Preisstabilität zu erreichen hat die Europäische Zentralbank verschiedene Instrumentarien, mit welchen Sie die Geldpolitik steuern kann.16 Auf diese Instrumentarien wird in diesem Teil der Arbeit eingegangen. Die Strategie, die die Europäische Zentralbank verfolgt, ist die Zwei-Säulen Strategie. Die Zwei-Säulen Strategie besteht zum einen aus einer wirtschaftlichen Analyse und zum anderen aus einer monetären Analyse. Es ist wichtig, dass die Europäische Zentralbank die wirtschaftlichen und die monetären Entwicklungen streng beobachten und analysieren, damit der EZB-Rat die richtigen geldpolitischen Entscheidungen treffen kann.

Die wirtschaftliche Analyse dient dazu die Bestimmungsfaktoren (kurz- und mittelfristige Bestimmungsfaktoren) der Preisentwicklung zu beurteilen. Es wird davon ausgegangen, dass die Preisentwicklung in der Wirtschaft sehr stark mit dem Angebot und der Nach- frage an den Faktor-, Dienstleistungs- und Gütermärkten zusammenhängt. Bei dieser Analyse überprüft die Europäische Zentralbank zyklisch die Fiskalpolitik, die Zahlung des Euro-Währungsgebietes, eine große Vielfalt von Preis- und Kostenindikatoren, die Nachfrage der Arbeitsmarktbedingungen und die Entwicklung der gesamtwirtschaftli- chen Produktion. Experten des Eurosystems haben sogenannte gesamtwirtschaftliche Projektionen erstellt, welche bei der wirtschaftlichen Analyse eine große Rolle spielen. Sie helfen, die Bandbreite an wirtschaftspolitischen Informationen zu ordnen und aufzu- bereiten. Außerdem gewährleisten sie die Konsistenz der Wirtschaftsdaten, die aus ver- schiedenen Quellen stammen. Aus dem Grund sind die gesamtwirtschaftlichen Projekti- onen wichtig für eine präzise Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung und der kurz- bis mittelfristigen Schwankungen der Inflation.17

Bei der monetären Analyse geht es um das langfristige Zusammenspiel der Geldmenge, die im Umlauf ist und den Preisen in der Wirtschaft. Hierbei werden Kredit- und Liqui- ditätsbedingungen analysiert.18 Die monetäre Analyse dient dazu, die Anzeichen für eine kurz- bis mittelfristige Geldpolitik aus der wirtschaftlichen Analyse gegenzuprüfen.19 Es wird davon ausgegangen, dass das Geldmengenwachstum und die Inflation mittel- und langfristig mit einander verbunden sind. Außerdem steht der mittel- bis langfristige Cha- rakter der monetären Analyse dafür, dass es zwischen geldpolitischen Beschlüssen und zwischen kurzfristigen monetären Entwicklungen keine direkte Verbindung gibt. Die Eu- ropäische Zentralbank darf das oberste Ziel der Preisstabilität bei ihren Reaktionen auf wirtschaftliche Entwicklungen nicht außer Acht lassen. Das Geldmengenwachstum muss auch über einen langen Zeitraum mit dem obersten Ziel der Preisstabilität zusammen pas- sen. Dafür ist die monetäre Analyse hilfreich.

[...]


1 https://www.ecb.europa.eu/euro/intro/html/index.de.html (Abruf am 09.01.2015 um 10:32 Uhr).

2 Vgl. Creifelds (2014), S.426.

3 Vgl. Bredemeier / Harter / Laser (1997/2002), S. 82.

4 http://europa.eu/legislation_summaries/institutional_affairs/treaties/treaties_maastricht_de.htm (Abruf am 29.12.2014 um 14:48 Uhr).

5 http://europa.eu/legislation_summaries/institutional_affairs/treaties/treaties_singleact_de htm (Abruf am 09.01.2015 um 11:10 Uhr).

6 http://europa.eu/legislation_summaries/institutional_affairs/treaties/treaties_maastricht_de.htm (Abruf am 29.12.2014 um 14:48 Uhr).

7 Vgl. Creifelds (2014), S.426.

8 Vgl. Walter (1994), S. 217.

9 Vgl. Bredemeier / Harter / Laser (1997/2002), S. 60, 82-83.

10 http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/21191/wirtschaftspolitische-ziele (Ab- ruf am 09.01.2015 um 11:21 Uhr).

11 Vgl. Bredemeier / Harter / Laser (1997/2002), S. 60, 82-83.

12 http://www.wirtschaftslexikon.co/d/geldmenge/geldmenge.htm (Abruf am 09.01.2015 um 11:41 Uhr).

13 http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/facts/monpol/html/mp_006.de.html (Abruf am 28.11.2014 um 16:49 Uhr).

14 Vgl. Bredemeier / Harter / Laser (1997/2002), S. 82.

15 Zitiert nach: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/lexikon-der-wirtschaft/20428/quantitaetstheorie (Abruf am 13.11.2014 um 15:58).

16 http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/facts/monpol/html/mp_004.de.html (Abruf am 27.11.2014 um 13:30 Uhr).

17 http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/facts/monpol/html/mp_005.de.html (Abruf am 27.11.2014 um 15:23 Uhr).

18 http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/facts/monpol/html/mp_006.de.html (Abruf am 28.11.2014 um 14:47 Uhr).

19 http://www.ecb.europa.eu/ecb/educational/facts/monpol/html/mp_004.de.html (Abruf am 28.11.2014 um 14:38 Uhr).

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geldpolitik von Bundesbank und EZB
Hochschule
Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Frankfurt
Note
2,7
Autor
Jahr
2015
Seiten
21
Katalognummer
V319251
ISBN (eBook)
9783668184312
ISBN (Buch)
9783668184329
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geldpolitik, Bundesbank, EZB, europäisch, Währungsunion, Instrumente, Einheit, Euro, Zentralbank, Unterschiede, Gemeinsamkeiten
Arbeit zitieren
Katharina Krause (Autor), 2015, Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Geldpolitik von Bundesbank und EZB, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319251

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