Im Folgenden werde ich die wenig systematischen, meist eher anekdotischen Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von mobiler Kommunikation mit sozialen Beziehungen präsentieren.
Ich möchte in meiner Arbeit der Frage nachgehen, ob mobile Kommunikation der Anbahnung, Stabilisierung oder Auflösung sozialer Beziehungen dient. Welche Chancen und Risiken für Paarbeziehung und Familie bringt Mobilkommunikation mit sich? Welche Funktionen kann sie erfüllen und ist das Mobiltelefon vielleicht vielmehr ein Konfliktauslöser als ein Konfliktlöser?
Technisch vermittelte Kommunikation ist heute zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Vor allem das Handy erscheint vielen Menschen unverzichtbar. Das Medium vereint vielfältige Funktionen, wie telefonieren, SMS versenden, Wecker, Uhr und Spiele und ist deswegen nicht mehr nur im beruflichen, sondern auch im privaten Bereich zunehmend verbreitet. Die Anzahl der in 100 Haushalten vorhandenen mobilen Telefone (Ausstattungsbestand) betrug ca. 157 im Jahr 2009. 2004 gab es in 100 Haushalten erst knapp 115. Auch die Zahl der mobilen Computer (Notebook, Laptop o.ä.) stieg in dieser Zeitspanne von knapp 15 auf ca. 48 Stück. Nicola Döring spricht deswegen von einer „Veralltäglichung der Mobil-Medien", welche die Möglichkeiten zur sozialen Kommunikation enorm erweitern.
Sozialwissenschaftliche Analysen von Mobilkommunikation gewinnen folglich zunehmend an Bedeutung. Da zudem soziale Beziehungen für den Menschen unverzichtbar sind, ist es umso wichtiger, den Einfluss von mobiler Kommunikation auf soziale Beziehungen zu untersuchen. Es handelt sich dabei allerdings um einen relativ neuen sozialwissenschaftlichen Bereich und Ergebnisse aus systematisch empirischen Studien sind bisher eher begrenzt. Feldhaus spricht sogar von einer Forschungslücke.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1. Mobilkommunikation
2.2. Soziale Beziehungen
3. Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen
3.1. Mobilkommunikation und Paarbeziehungen
3.1.1. Entstehung neuer Beziehungen durch Mobilkommunikation
3.1.2. Veränderung bestehender Beziehungen durch Mobilkommunikation
3.2. Mobilkommunikation und Familie
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht den Einfluss der Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen, insbesondere innerhalb von Partnerschaften und Familien, wobei die Chancen und Risiken der ständigen Erreichbarkeit und mediatisierten Interaktion im Vordergrund stehen.
- Rolle der Mobilkommunikation bei der Anbahnung neuer Paarbeziehungen
- Veränderung bestehender Beziehungen durch mediatisierte Kommunikation
- Organisation des Familienalltags durch Mobiltelefone
- Sicherheitsaspekte und elterliche Kontrolle in der Eltern-Kind-Beziehung
- Konfliktpotenziale durch technologische Erreichbarkeit
Auszug aus dem Buch
3.1.1. Entstehung neuer Beziehungen durch Mobilkommunikation
Wie Nicola Döring feststellt, vergrößert das Kennenlernen in Telekommunikationsumgebung die Zahl der in kommunikativer Reichweite befindlichen Personen enorm. Das Internet ist heute ein großer Kontakt- und Heiratsmarkt, welcher durch mobile Kommunikation noch ergänzt wird, denn Prozesse des Kennenlernens können durch (mobile) Telekommunikation enorm beschleunigt werden. Der schriftliche Kontakt (z.B. per SMS) erleichtert die interpersonale Annäherung, weil er soziale Hemmschwellen abbaut. Es kommt zu einem „Enthemmungseffekt“, welcher eine beschleunigte Selbstoffenbarung bewirkt und das Ansprechen privater und heikler Themen erleichtert. Somit können divergierende Erwartungen der Beteiligten schneller geklärt werden und ihre Annäherung beschleunigt werden. Es ist zwar nicht empirische belegt, anekdotisch zeichnet sich aber ab, dass der Austausch von Festnetz-Telefonnummern beim persönlichen Kennenlernen durch den Austausch der Handy-Nummern ersetzt wird. Auch wird hin und wieder vom Kennenlernen durch Verwählen am Telefon berichtet. Ferner kann das Mobiltelefon bei Face-to-Face-Begegnungen durchaus als Statusindikator dienen und Aufmerksamkeit oder Attraktivität generieren. Insgesamt zeichnet sich die mobile (Individual-)Kommunikation dadurch aus, dass sie asynchron erfolgt. Beide Partner können ihre Reaktionen überdenken und stehen nicht unter dem Druck schlagfertig reagieren zu müssen. SMS-Botschaften erlauben die ungestörte Planung und Formulierung von Botschaften im Vorfeld. Außerdem ist es weniger aufwendig, niederschwelliger und kostet weniger Überwindung, per SMS-Botschaften Kontakt zu halten oder aufzubauen. Folglich kann „mediatisierte Anschlusskommunikation“ – wie Döring sie nennt – bei Schüchternheit oder Unsicherheit erleichternd wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die zunehmende Verbreitung mobiler Medien ein und beschreibt das Ziel, die Auswirkungen der Mobilkommunikation auf Paare und Familien zu analysieren.
2. Theoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Begriffe definiert, insbesondere Mobilkommunikation als digitale Kommunikation mittels portabler Geräte und Soziale Beziehungen als zeitlich ausgedehnte Interaktionsformen.
3. Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen: In diesem Kapitel wird untersucht, wie Mobiltelefone die Anbahnung und Pflege von Partnerschaften sowie die Organisation und Kontrolle innerhalb von Familien beeinflussen.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Mobilkommunikation sowohl beziehungsfördernde als auch kritische Effekte hat und maßgeblich von der individuellen Nutzung abhängt.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und Studien zur wissenschaftlichen Untermauerung der Arbeit aufgeführt.
Schlüsselwörter
Mobilkommunikation, soziale Beziehungen, Paarbeziehung, Familie, Handy, Erreichbarkeit, Mediatisierung, Enthemmungseffekt, Kommunikation, Kontrolle, Alltagsorganisation, Partnerschaft, Eltern-Kind-Beziehung, Soziale Netzwerke, Mobiltelefon
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Nutzung mobiler Kommunikationsmedien auf die Qualität und Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, speziell in der Partnerschaft und in der Familie, auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Anbahnung neuer Beziehungen, die Veränderung bestehender Partnerschaften durch mediatisierte Interaktion sowie die Auswirkungen auf die Familienorganisation und elterliche Aufsicht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel besteht darin herauszufinden, ob mobile Kommunikation eher zur Stabilität und Anbahnung sozialer Bindungen beiträgt oder ob sie als Konfliktauslöser fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung bestehender sozialwissenschaftlicher Literatur und empirischer Studien zum Thema Mobilkommunikation.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und Transformation von Paarbeziehungen sowie die Rolle des Mobiltelefons als Organisations- und Kontrollinstrument im Familienalltag.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Mobilkommunikation, soziale Beziehungen, Erreichbarkeit, Mediatisierung, Paarbeziehung, Familie und elterliche Kontrolle.
Was ist das sogenannte "Erreichbarkeits-Dilemma" bei Jugendlichen?
Jugendliche befinden sich in einem Dilemma, da sie zwar einerseits die ständige Erreichbarkeit anderer und der Eltern für praktische Zwecke schätzen, sich aber andererseits der elterlichen sozialen Kontrolle entziehen möchten, ohne ihre eigene Erreichbarkeit für Freunde zu gefährden.
Warum wird das Mobiltelefon teilweise als "Fernbedienung der Eltern" bezeichnet?
Der Begriff beschreibt die Möglichkeit der Eltern, über das Handy eine ständige soziale Kontrolle über die Aktivitäten ihrer Kinder außerhalb des Hauses auszuüben.
Welche Rolle spielt der "Enthemmungseffekt" bei der Kommunikation?
Dieser Effekt beschreibt, dass durch die mediatisierte Form der Kommunikation (z.B. SMS) soziale Hemmschwellen abgebaut werden, was eine schnellere Selbstoffenbarung und das Ansprechen privaterer Themen begünstigen kann.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Der Einfluss von Mobilkommunikation auf soziale Beziehungen. Chancen und Risiken für Partnerschaft und Beziehungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319266