Epochenzuordnung und Interpretationsansätze des Gedichts "Demain, dès l'aube..." von Victor Hugo


Hausarbeit, 2014
13 Seiten, Note: 1,0
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Victor Hugo

3. Demain dès l’aube… von Victor Hugo
3.1 Inhaltszusammenfassung
3.2 Epochenzuordnung
3.3 Charakteristika
3.4 Interpretationsansätze

4. Fazit

5. Bibliographie

1. Einleitung

„‘Wenn ich nicht mehr da sein werde, wird man sehen, wer ich war.‘“

(Biermann 1998, 135)

Diese Worte, die von dem französischen Autor Victor Hugo stammen, sind sehr bescheiden gewählt, denn schon zu seinen Lebzeiten gilt er als einer der wichtigsten französischen Schriftsteller. Die Anerkennung und der Respekt gegenüber Hugo sind auch nach seinem Tod präsent und er bleibt „[…] der bekannteste und meistgelesene Repräsentant der französischen Nationalliteratur […].“ (Hartwig/Stenzel 2007, 187). Victor Hugo: Mitbegründer der französischen Romantik, Dramatiker, Poet, Autor der weltbekannten Romane Notre-Dame de Paris und Les Miserables, aber auch Liebhaber, Ehemann und liebender Vater und Großvater. Im Leben von Victor Hugo laufen viele Dinge zusammen, die ihn zu dem Mann machen, der er noch heute für die Welt ist. Die vorliegende Arbeit soll im ersten Schritt Victor Hugo, sein Leben, seine Familie und seine Werke näher beleuchten. Daraufhin wird eines seiner vielen Gedichte beschrieben, analysiert und interpretiert. Für diesen Teil der Aufgabe wurde das Werk Demain dès l’aube… gewählt. Dieses Gedicht hat, wie später noch näher erläutert wird, einen tiefen persönlichen und emotionalen Ursprung. Abschließend soll nach einem Interpretationsansatz gesucht werden, worauf noch das Fazit der Arbeit folgt.

2. Victor Hugo

Victor-Marie Hugo kommt am 26. Februar 1802 in der französischen Garnisonsstadt Besançon zur Welt. Er ist der dritte Sohn des Ehepaares Sophie-Françoise Hugo, geborene Trébuchet, und Joseph-Léopold Sigisbert Hugo. Die zwei Brüder von Hugo sind zum einen Abel, der Älteste, der 1798 in Paris zur Welt kommt und Eugène, der 1800 in Nancy geboren wird.

Die unterschiedlichen Geburtsorte der Kinder sind auf den Beruf des Vaters zurückzuführen. Joseph Hugo ist zunächst ein Anhänger Napoleon Bonapartes, später steht er im Dienst für Joseph Bonaparte1.

Als Oberst und, nach seiner Beförderung, als General muss er oft seinen Wohnsitz wechseln, wobei ihn Frau und Kinder begleiten. Die Familie lebt während Hugos Kindheit in Spanien und Italien und auf Elba und Korsika. Die Eltern Victors führen keine glückliche Ehe, weshalb seine Mutter nach dem Spanienaufenthalt alleine nach Paris zurückkehrt. Sie hat dort einen Liebhaber, Victor Lahorie. Auch Victors Vater hat schon seit längerer Zeit eine offizielle Geliebte, Catherine Thomas, die die Familie auf all ihren Reisen begleitet. Nach der gerichtlichen Scheidung des Paares Hugo wird das Sorgerecht aller drei Kinder dem Vater unterstellt, der Victor von 1815 bis 1818 auf ein Internat schickt.

In dieser Zeit macht Hugo seine ersten literarischen Anfänge. 1816 schreibt er in sein Tagebuch: „‘Je veux être Chateaubriand ou rien.‘“ (Klemperer 1925, 112). Diese Aussage zeigt seine Begeisterung für den französischen Schriftsteller François-René Chateaubriand, der zu Zeiten Hugos ein bedeutender Autor ist. Im darauffolgenden Jahr wagt sich Hugo zum ersten Mal mit einem seiner längeren Gedichte an die Öffentlichkeit, indem er es bei dem Lyrikwettbewerb der Akademie Française vorstellt. Die Jury ist sehr angetan von dem Werk und erwähnt Hugo lobend in ihrer Abschlussrede. Seine Aktivitäten als Schriftsteller führt er fort, indem er von 1819 bis 1821 zusammen mit seinem Bruder Eugène die Zeitschrift Conservateur litteraire herausbringt, wo Hugo als Dichter, Beurteiler und Kritiker fungiert.

Neben den schriftstellerischen Aktivitäten empfindet Hugo eine tiefe Zuneigung zu Adèle Focher, die er aus Kindertagen kennt. 1819 verloben sich die beiden im Alter von 15 und 17 Jahren. Da die Mutter Victors eine Heirat zwischen den beiden stark ablehnt, kommt es vorerst zu einer Beendigung der Beziehung. In den folgenden zwei Jahren kommunizieren sie ausschließlich über Briefverkehr miteinander. Durch den Tod von Sophie-Françoise Hugo am 28. Juni 1821 ist der einzige Grund, der gegen die Hochzeit gesprochen hat, nicht mehr aktuell. Direkt am darauffolgenden Tag verloben sich Victor und Adèle erneut. Am 12. Oktober 1822 heiraten sie in der Kathedrale Saint-Sulpice in Paris. Aus der Ehe gehen fünf Kinder hervor, wovon der erste Sohn Léopold, 1823 geboren, kurze Zeit nach der Geburt verstirbt. Ein Jahr später kommt Léopoldine, 1826 Charles, 1828 François-Hugo und 1830 Adèle zu Welt.

Schon 1829 ändert sich jedoch die Beziehung des Paares, da Hugos Frau Adèle und Charles-Augustin Sainte-Beuve sich ihre gegenseitigen Gefühle gestehen. Sainte-Beuve ist ein guter und langjähriger Freund Hugos, der als Kritiker arbeitet.

Ab dem Augenblick der Liebesoffenbarung wird ein Arrangement zwischen dem Ehepaar getroffen: Adèle erfüllt weiterhin ihre Pflichten als Mutter und Hausfrau und auch in der Öffentlichkeit fungiert sie weiterhin als Ehefrau des Autors Victor, in emotionaler und körperlicher Hinsicht fühlt sich Hugo allerdings von allen ehelichen Pflichten befreit. Schon einige Jahre später, 1833, verliebt sich Hugo in die Schauspielerin Juliette Drouet, die er zu seiner Privatsekretärin macht. Obwohl sie die offizielle Geliebte Hugos ist, bekommt Juliette von ihm nie die Erlaubnis an seinem gesellschaftlichem Leben teilzunehmen. 1845 flacht die Liebe zwischen den beiden etwas ab und trotz zahlreicher Affären seitens Hugos leben sie bis zu Juliettes Tod im Jahr 1883 in einem eheähnlichen Verhältnis. Einen schweren Schlag erleidet Hugo am 9. September 1843, als seine Tochter Léopoldine bei einem Bootsunglück in der Seine ertrinkt.

1828 bringt Hugo seine Gedichtsammlung Orientales heraus. Von diesem Zeitpunkt an gilt er offiziell als romantischer Poet. Ein weiterer Gedichtband, Les Contemplation, folgt 1856. Neben zahlreichen Gedichten schreibt Hugo auch Dramen, die auf der Bühne großen Erfolg erzielen: Cromwell von 1827, Herani 1830 oder auch Le roi s’amuse, das 1832 veröffentlicht wird. Nur mit seinem Werk Burgraves im Jahr 1843 landete er eine Niederlage, welche das Ende von Hugos dramatischer Laufbahn und somit auch das Ende der Romantik im Theater zur Folge hat. Victor Hugo wird jedoch zudem auch durch seine zwei weltberühmten Romane bekannt. Notre-Dame de Paris, welches er 1831 fertigstellt, und Les Miserables aus dem Jahr 1862 zählen zu den bedeutendsten Romanen des 19. Jahrhunderts.

Hugo ist unter anderem auch politisch engagiert. Im Juni 1848 wird er ins Parlament gewählt und ist somit bei der Verabschiedung der Verfassung der zweiten Republik anwesend. Louise Napoleon Bonaparte wird zum Präsidenten gewählt, zu dem Hugo jedoch Distanz hält. Nach zwei Jahren hebt Louise Napoleon das Parlament auf und ernennt sich selbst für 10 Jahre zum Präsidenten Napoleon III. Alle Abgeordneten, die sich zuvor oder auch danach gegen ihn stellen, lässt er verhaften. Hugo gelingt die Flucht und nachdem Juliette ihm einen Pass nach Brüssel besorgt, begibt er sich ins Exil. Da er nicht lange in Brüssel verweilen kann, reist er auf die britische Insel Jersey, auf die er den Rest seiner Familie nachholt. 1955 wird er jedoch auch von Jersey ausgewiesen, weshalb er in der Nachbarinsel Guernsey eine neue Heimat sucht.

Er richtet sich stark häuslich ein, da er erkannt hat, dass die Herrschaft von Napoleon III. länger dauern wird, als er vorerst vermutet hat. Zudem findet er gefallen am Exil:

‘Ich liebe die Verbannung, ich liebe das Exil, ich liebe die Armut, ich liebe die Feindschaft, ich liebe alles, was ich für die Freiheit, das Vaterland und das Recht erleide; […]‘ (Biermann 1998, 87).

1870 ist die Regierungszeit von Napoleon III. aufgrund des verlorenen Krieges gegen Preußen vorbei. Am 3. September, einen Tag nach der Abdankung des Präsidenten, reist Hugo zurück nach Paris. Seine Frau Adèle stirbt schon im August desselben Jahres in Brüssel. 13 Jahre später stirbt auch Juliette, was der Auslöser dafür ist, dass Hugo nun schlussendlich seine literarischen Aktivitäten einstellt, die schon in der Zeit zuvor zurückgehen. Hugo selbst stirbt am 22. Mai 1885 an einer Lungenentzündung. Er wird in Paris neben Rousseau und Voltaire im Panthéon beigesetzt. Zuvor wird sein Leichnam unter dem Arc de Triumph aufgebahrt und zwei Millionen Menschen ziehen an seinem Sarg vorbei, um sich von ihm zu verabschieden.2

3. Demain dès l’aube… von Victor Hugo

3.1 Inhaltszusammenfassung

Das Gedicht Demain dès l’aube, à l’heure où blanchit la campagne…, oder umgangssprachlich Demain dès l’aube…, von Victor Hugo ist in drei Strophen gegliedert. Zunächst wird das lyrische Ich beschrieben, das vorhat bei Sonnenaufgang des nächsten Tages auf eine Reise aufzubrechen (13 ). Hierbei wird von einer anderen Person, einem ‚Du‘, gesprochen, die auf das lyrische Ich zu warten scheint (2). Es wird eine Reise geschildert, die durch Wälder und über Berge gehen wird, mit dem Ziel, nicht mehr von der zweiten Person getrennt zu sein (3-4).

Die zweite Strophe gibt wieder, wie das lyrische Ich ganz auf sich selbst fixiert sein wird und während des Gehens nichts sehen oder hören wird, demnach sein gesamtes Umfeld nicht wahrnimmt (5-7). Es veranschaulicht, dass es sich alleine und einsam fühlen wird und dass der Tag für es zur Nacht wird (8).

In der letzten Strophe sagt der Sprecher nochmals aus, dass es weder auf den Sonnenuntergang, noch auf die Segel in Harfleur achten wird (9-10). Schlussendlich berichtet es, dass es nach seiner Ankunft einen Strauß grüner Stechpalmen und Heidekraut auf das Grab der anderen Person legen wird (11-12).

3.2 Epochenzuordnung

Das von Victor Hugo geschriebene Gedicht ist eindeutig der Romantik zuzuordnen. Diese Epoche vollzieht sich in Frankreich von etwa 1789 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Das erste essentielle Werk der Romantik bildet hierbei der Roman „De l’Allemagne“ von Germaine de Staёl, der 1814 veröffentlicht wird. Das Maßgebliche der Epoche ist der Abbau der Regelpoetik und somit der Widerstand gegen die klassischen Doktrinen, die von Voltaire eingeführt wurden. Aus diesem Grund bezeichnen sich Romantiker oft als Antivoltairiner.4 Romantik wird definiert als:

Theorie der Imagination und Phantastik durch Abgrenzung von den aufklärerischen Konzepten der Naturnachahmung und moralischen Ausbildung des Menschen (Kremer 2007, 44).

Das Hauptmerk der Romantik sind die Motive, die in den verschiedenen literarischen Texten und in allen Gattungen immer wieder aufgenommen werden. Diese Motive stellen die verschlüsselten Gefühle dar, die durch das jeweilige Werk ausgedrückt werden sollen. Das Hauptmotiv bildet hierbei die Harmonie. Diese kann durch die Suche im Äußeren (Natur, Unendlichkeit, etc.) oder im Inneren (Phantasien, Träume, etc.) erreicht werden. Ein anderes wichtiges und häufig gebrauchtes Motiv ist, das der Sehnsucht nach der Natur und die Landschaft. Die Suche nach der Erforschung und Entstehung der Natur, aber auch die Suche nach der Natürlichkeit, steht hierbei im Mittelpunkt.

[...]


1 Joseph Bonaparte ist der ältere Bruder von Napoleon Bonaparte (vgl. Bailleu 1896, 48)

2 Alle Aussagen über die Biographie Hugos wurden aus folgenden Werken entnommen: Biermann, Karlheinrich, Victor Hugo. Hamburg: Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, 1998.; Lücke, Theodor, Victor Hugo. Roman seines Lebens. 1. Aufl., Berlin: Verlag der Nation Berlin, 1979. sowie Klemperer, Victor, Geschichte der französischen Literatur. Die französische Literatur von Napoleon bis zur Gegenwart. Bd.1: Die Romantik. Leipzig: B. G. Teubner Verlag, 1925.

3 Für die gesamte Arbeit gilt: Die sich in Klammern befindlichen Zahlen stehen für die Verse, die sich wiederum auf das Gedicht Demain dès l’aube… von Victor Hugo beziehen.

4 Der Absatz bezieht sich auf folgende Werke: Engler, Winfried, Die französische Romantik. Tübingen: Gunter Narr Verlag, 2003.und Hartwig, Susanne; Stenzel, Hartmut, Einführung in die französische Literatur- und Kulturwissenschaft. Stuttgart: Verlag J. B. Metzler, 2007.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Epochenzuordnung und Interpretationsansätze des Gedichts "Demain, dès l'aube..." von Victor Hugo
Note
1,0
Jahr
2014
Seiten
13
Katalognummer
V319303
ISBN (eBook)
9783668189041
ISBN (Buch)
9783668189058
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
epochenzuordnung, interpretationsansätze, gedichts, demain, victor, hugo
Arbeit zitieren
Anonym, 2014, Epochenzuordnung und Interpretationsansätze des Gedichts "Demain, dès l'aube..." von Victor Hugo, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319303

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Epochenzuordnung und Interpretationsansätze des Gedichts "Demain, dès l'aube..." von Victor Hugo


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden