Wie verständlich sind Popsongs? Untersuchung der Textverständlichkeit von Liedtexten durch die Frametheorie


Hausarbeit, 2014
26 Seiten, Note: 3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Frametheorie
2.1 Die Idee der Frames
2.2 Was ist Wissen?
2.3 Die Entwicklung der Frametheorie
2.3.1 KI-Forschung
2.3.2 Theorien der Linguistik
2.3.3 Neukonzeption nach Konerding

3. Studie
3.1 Vorstellung der Studie
3.1.1 Analyse Song 1: Little Miss Anstrengend (Jan Delay)
3.1.2 Analyse Song 2: Geh Jetzt (Joy Denalane)
3.1.3 Analyse Song 3: Frei (Joy Denalane)
3.1.4 Analyse Song 4: Ich Steine, Du Steine (Peter Fox)

4. Schluss / Auswertung / Ausblick

5. Quellenverzeichnis

6. Anhänge

1. Einleitung

Frames sind kognitive Formate zur Wissensrepräsentation im Gehirn und zudem auch gut geeignet als semantisches Instrument zur Analyse von verstehensrelevanten Texten.[1] Diese These soll vorliegende Arbeit durch Durchführung einer Studie, welche durch die Frametheorie gestützt ist, prüfen.

Der Hauptteil dieser Arbeit gliedert sich in zwei Teile, einen Theorieteil und die Studie:

Der Theorieteil stellt die Frametheorie vor, um einen Überblick zu dokumentieren. Ausgangspunkt ist die Darstellung der Theorie im Allgemeinen. Weiter wird kurz dies ist dem Umfang der Arbeit geschuldet - über den Begriff des Wissens referiert, um darauf aufbauend genauer auf die Entwicklung der Theorie einzugehen.

Die Erkenntnisse des Theorieteils sind dann ausschlaggebend für den zweiten Hauptteil, welcher die Studie darstellt. Es werden hier vier Popsongs mit dem Instrument der Frametheorie auf ihre Textverständlichkeit analysiert. Das Hauptanliegen ist es herauszufinden, welcher der vier Songs am besten verständlich ist, bzw. welcher Text das meiste Vorwissen vom Hörer abverlangt und ob dieses Vorwissen sprachlicher oder kultureller Natur ist. Die Analyse sieht es vor, dass verschiedene Kategorien gebildet werden, nach deren Kriterien die Songs nacheinander untersucht werden. Jede Analyse wird einzeln dargestellt und abschließend miteinander verglichen.

Die Ergebnisse der Studie und die schlussendliche Beantwortung der Fragen werden im letzten Kapitel der Arbeit vorgenommen. Hier ist auch der Ausblick zu finden.

Die Frametheorie gilt als relativ gut erforscht, ohne lange eine allgemein gültige Definition aufzuweisen. Als Hauptquelle für diese Arbeit wird das Werk aus dem Jahr 1993 von K.-P. Konerding verwendet.[2]

2. Frametheorie

Einen Einstieg in die Arbeit gibt das folgende Kapitel mit dem Ansinnen einer theoretischen Fundierung der folgenden Studie. Einen Schwerpunkt wird dabei auf die Entwicklung der Theorie gelegt, da hier die inhaltliche Auseinandersetzung der Theorie am besten zu beobachten ist, welche für eine gründliche Analyse und Interpretation bedeutsam erscheint.

2.1 Die Idee der Frames

Der Ursprung der theoretischen Frametheorie stammt aus der Philosophie und erscheint in einer ersten Version im Jahr 1913 (Konerding, 1993, S. 8). Die weit verbreitete Annahme, dass es sich hierbei um eine psychologische Erstkonzeption handelt, erklärt sich durch die Breite innerhalb der Forschung der Künstlichen Intelligenz (nachfolgend: KI-Forschung). Das Interesse der Linguistik an dieser Theorie ist durch die sprachliche, bzw. textliche Komponente der Theorie begründet und liefert wichtige Erkenntnisse im Bereich der lexikalischen Semantik.[3]

Durch die Frametheorie wird versucht nachzuvollziehen, wie Welt- oder Handlungswissen mit im Text vermittelten Informationen einhergehen. Dabei geht es um die Erzeugung von Kohärenz bei mangelnder Kohäsion (Linke, Nussbaumer, PortmannTselikas, 2004, S. 235).

In einem ersten Schritt befasst sie die Theorie hierbei nicht nur um in einem Text vermittelte Informationen, sondern um die Repräsentation von Wissen im Gehirn. Es wird angenommen, dass dieses Wissen in höher strukturierten, geordneten Wissenseinheiten gespeichert wird. Die Plausibilität des Common-Sense Denkens lässt die Möglichkeit einer bloßen Ansammlung einzelner, unzusammenhängender Fakto- ren unwahrscheinlich erscheinen (Konerding, 1993, S. 6). An folgendem Beispiel soll die Theorie deutlich gemacht werden:

Wenn wir in einen Zoo gehen, erwarten wir hinter Gittern wilde Tiere beobachten zu können und sind verwirrt, wenn wir an dieser Stelle Kochtöpfe bestaunen sollen. Genauso gehen wir davon aus, dass sich hinter der Tür eines Hotelzimmers ein Bett und ein angrenzendes Bad befinden und zweifeln an unserer Wahrnehmung, wenn wir stattdessen eine Schreinerei und eine angrenzende Küche erblicken. Dasselbe Prinzip offenbart sich bei Texten, wie folgendes Beispiel zeigen soll:

Philipp und ich haben letzte Woche beschlossen zusammenzuziehen und planen nun unseren Umzug. In den letzten Tagen haben wir deshalb die Wohnanzeigen aller Zeitung und Internetforen durchforstet und eine Bestandsaufnahme über unsere Finanzen, Möbel und elektronischen Geräte gemacht. Wir haben schon sowohl ein günstiges Umzugsunternehmen gefunden, als uns auch auf die Farbe der Tapeten, Teppiche und Vorhänge geeinigt. Blöd ist nur, dass die Mietpreise so hoch geworden sind.

Der Zusammenhang des Textes - welcher repräsentiert wird durch die Bestandteile zusammenziehen, Umzug, Wohnanzeige, Zeitung, Internetforen, Finanzen, Möbel, elektronische Geräte, Umzugsunternehmen, Tapeten, Teppiche, Vorhänge und Miet- preise - ergibt sich hierbei nicht durch sprachsystematische Elemente - also durch die Einzelbedeutung der Wörter - sondern durch außersprachliche Bezüge. Die Einheit und das Verständnis des Textes resultieren aus dem sachlichen Zusammenhang, der zwischen den Dingen in einer außersprachlichen Welt besteht und in dem Wissen über diesen Zusammenhang (Linke, Nussbaumer, Portmann-Tselikas, 2004, S. 235).

Unser Wissen umfasst die Erkenntnis, dass - wenn man eine neue Wohnung beziehen möchte - die Suche über Anzeigen in der Zeitung oder im Internet von Vorteil ist. Weiter wissen wir auch, dass wir einen großen Transporter für einen Umzug benötigen oder ein Umzugsunternehmen und das wir gegebenenfalls die neue Wohnung renovieren und uns mit unseren Partnern oder Mitbewohnern bezüglich der Einrichtung einigen müssen. Dieses Wissen ermöglicht es uns den Inhalt durch Bezüge auch dann zu verstehen, wenn grammatische oder semantische Verbindungen fehlen (Linke, Nussbaumer, Portmann-Tselikas, 2004, S. 235).

Die Funktion solcher Wissensbestände ist dabei die einer Vorlage, welche Begriffe und Aussagen eines Textes dadurch verbindet, dass sie diese auf ihre Einsetzbarkeit in das bestehende Gefüge prüft. Die Textbezüge bilden sich weiter über einen gemeinsamen Sachbezug heraus. Entscheidend ist hierbei, auf welche Weise die Verknüpfung Bezüge herstellt, um diese auf Kohäsion zu prüfen. Da die Verbindung außersprachlicher Natur ist, kann Kohäsion ausgeschlossen werden (Linke, Nussbaumer, Portmann-Tselikas, 2004, S. 235).

Es werden zwei Formen unterschieden:

1. Wissensbestände, welcher eher statisch organisiert sind. Als Beispiel soll an dieser Stelle ein Supermarkt genannt werden. Wir wissen über einen solchen Markt, wie die ungefähren baulichen Voraussetzungen sind, wo man sie meistens antrifft, welche Personen dort arbeiten und welche Gegenstände und Lebensmittel - je nach Art des Supermarkts - anzutreffen sind (z.B. große platte Bauten, meist etwas außerhalb einer Stadt gelagert, dort arbeiten Kassierer, Lageristen, Verwalter, wir treffen Menschen mit Einkaufswagen, dort befinden sich viele Regale mit Lebensmitteln). Diese Komplexe öffnen sich meist durch die Nennung eines einzigen Begriffs wie z.B. Supermarkt, Krankenhaus, Bibliothek etc. Dies sind Frames.
2. Wissensbestände, welche eher prozessual strukturiert sind. Am ersten Beispiel des Supermarkts wäre dies das Wissen darüber, wie ein Supermarkt funktioniert, bzw. welche sprachlichen und nicht sprachlichen Handlungen in einem Krankenhaus anzutreffen sind (z.B. das Fragen der Kunden nach speziellen Lebensmitteln, das Einräumen von Lebensmitteln in einen Einkaufswagen, das Anstehen an der Kasse, die Unterhaltung zwischen Menschen, welche sich zufällig im Supermarkt treffen und sich nach dem gegenteiligen Befinden erkundigen). Diese Prozessmuster werden Script genannt (Linke, Nussbaumer, Portmann-Tselikas, 2004, S. 236.)

Nicht immer sind Frames und Scripts so einfach zu trennen. Oft überschneiden sie sich.

In vielen Forschungsansätzen wird die Benennung Script deshalb auch nicht oder synonym mit dem Begriff Frame verwendet, was dazu führt, dass über die genaue begriffliche Bedeutung Uneinigkeit herrscht (Konerding, 1993, S. 1).

2.2 Was ist Wissen?

Da bei der wissenschaftlichen Modellbildung zu Wissens- und Gedächtnisinhalten die sprachliche Interpretation entscheidend ist, folgt daraus, dass die Beschreibung von Wissen und Gedächtnisinhalten das hervorstechende Charakteristikum ist. Sowohl in der KI-Forschung, als auch in der Linguistik ist der Status um die Beschaffenheit des zur Klärung notwendigen Alltagswissens weitgehend ungeklärt. Es wird davon ausgegangen, dass es sich bei Wissen um konzeptuelle Strukturen handelt, welche auf eine bestimmte Weise miteinander interagieren (Konerding, 1992, S. 82).[4] Dieser Bestand soll für die vorliegende Arbeit als Grundlage ausreichen.

2.3 Die Entwicklung der Frametheorie

Um den Begriff genauer abzugrenzen, die Relevanz für die Linguistik aufzuzeigen und schlussendlich weitere Möglichkeiten der Theorie für die vorliegende Arbeit zu erarbeiten, soll im folgenden die Herkunft kurz zusammengefasst werden. An erster Stelle werden Konzepte innerhalb der KI-Forschung behandelt, um danach einen Überblick innerhalb der Linguistik zu gewinnen. In Bezug auf die Reihenfolge wird sich an den Aufbau von Konerding gehalten, dessen Neukonzeption das Ende des Kapitels darstellt.

2.3.1 KI-Forschung

Als bedeutendste Arbeiten dieses Bereichs sind diejenigen von Minsky und Schank zu nennen, welche die Frames charakterisieren und Vorzüge und Schwächen der Theorie in Bezug auf eine Repräsentationssprache diskutieren. Charniak zeigt das Vorge- hen im Bereich der Künstlichen Intelligenz, indem er ein System von Frames skizziert (Konerding, 1993, S. 23).

Das Ziel von Minskys (1975) Arbeit ist es, eine systematische Theorie des menschlichen Wissens zu formulieren, welches als großräumige Struktur aufbereitet werden soll.[5] Minsky entwirft Frames als menschliche Datenstruktur, welche alles verfügbare Wissen zu einem bestimmten Typ von Situationen sammelt. Das Gehirn verfügt dabei über keine bestimmte Beschaffenheit, sondern arbeitet eher intuitiv. Inwieweit Gedächtnisinhalte in Erscheinung treten, wie sie beobachtbar sind und welchen Status sie haben erläutert Minsky nicht näher. Es gibt deshalb auch keinen näheren Erkenntnisgewinn in Bezug auf das Verständnis der Struktur von Gedächtnisinhalten und deren Aufbereitung und Funktionalität. Eine Ausnahme bildet die Tatsache, dass er die Arbeitsweise des Gedächtnisses als ein Netzwerk von Knoten und Relationen darstellt (Konerding, 1993, S. 25).

Minsky geht weiter davon aus, dass Frames in zwei zentralen Stufen organisiert sind. Er definiert dabei eine stabile Kern-Ebene (Dinge, die immer gelten und immer wahr sind) und eine variable Ausfüllungs-Ebene (Bereiche, welche mit speziellen Elementen oder Daten gefüllt werden müssen) (Busse, 2012, S. 254).

Kritisch an Minskys Konzeption ist, dass er Teile davon nicht näher erklärt und definiert, wodurch eine Kritik erschwert wird, da das Gesamtgefüge plausibel scheint. Die schlussendliche Charakterisierung bleibt jedoch unspezifisch und ist gekennzeichnet durch eine bildhafte Darstellungsweise, welche oft die Intuition als wichtigstes Werkzeug zitiert (Konerding, 1993, S. 30).

Im Gegensatz zu Minsky entwirft Schank (1977) mit seinen Scripts die Idee von Handlungsabläufen, welche meist stereotypisch ablaufen. Den wesentlichen Faktor der Unterscheidung beschreibt Konerding wiefolgt:

In diesem Punkt unterscheidet sich das Script-Konzept Schanks und Abelsons erheblich von dem Frame-Konzept Minskys, der unter dem Wissen zu einem typischen Handlungsablauf, etwa einem Handel () wesentlich reichhaltigere Wissensstrukturen postuliert. Im Unterschied zu Minsky verwenden Schank und Abelson für ihre Beschreibungen von Handlungsabläufen eine speziell geschaffene Repräsentationssprache (Konerding, 1993, S. 36).

[...]


[1] Ziem, A. Möglichkeiten und Grenzen linguistischer, kognitions- und medientheoretischer FrameAnalysen. Internetplattform der TU Chemnitz, aufgerufen am 31.05.2014, um 21.31 Uhr, unter http://www.medkom.tu-chemnitz.de/mk/online-diskurse/pdf/Ziem_Praesentation.pdf.

[2] Konerding, K.-P. (1993): Frames und lexikalisches Bedeutungswissen. Untersuchungen zur linguistischen Grundlegung einer Frametheorie und zu ihrer Anwendung in der Lexikographie. Tübingen: Niemeyer (=Reihe Germanistische Linguistik, 142).

[3] Linke, A., Nussbaumer, N. & Portmann-Tselikas, P. (2004): Textlinguistik. In: Willi, U. & Berchthold, S. (Hrsg): Studienbuch Linguistik. Tübingen: Niemeyer, S. 235.

[4] Zur Vertiefung wird auf das Kapitel 3.1: Wissen und Wissensrepräsentationen: Offene Probleme (in: Konerding, 1992, S. 82-88) verwiesen.

[5] Busse, D. (2012): Frame-Semantik. Ein Kompendium. Elektronische Version. Berlin (u.a.): De Gruyter, S. 253.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Wie verständlich sind Popsongs? Untersuchung der Textverständlichkeit von Liedtexten durch die Frametheorie
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Germanistik)
Veranstaltung
Sprachliche Phänomene
Note
3
Autor
Jahr
2014
Seiten
26
Katalognummer
V319516
ISBN (eBook)
9783668186408
ISBN (Buch)
9783668186415
Dateigröße
550 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
popsongs, untersuchung, textverständlichkeit, liedtexten, frametheorie
Arbeit zitieren
Julia Müller (Autor), 2014, Wie verständlich sind Popsongs? Untersuchung der Textverständlichkeit von Liedtexten durch die Frametheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319516

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Wie verständlich sind Popsongs? Untersuchung der Textverständlichkeit von Liedtexten durch die Frametheorie


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden