Die musikalischen Gattungen des Barock im Überblick


Hausarbeit, 2007

26 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Inhalt

Die Frottola

Die Partita

Der Tanz

Die Ballade

Das Ritornell

Die Galliarde

Die Kantate

Das Präludium

Die Kanzone

Die Fuge

Analyse der 3-stimmigen Fuge in c-Moll

aus dem Wohltemperierten Klavier von J.S. Bach

Literaturverzeichnis

Notenverzeichnis

Die Frottola

Die Gattungsbezeichnung Frottola leitet sich von mittelalterlich „frocta“ ab und bedeutet ursprünglich soviel wie ein Sortiment oder ein Strauß aus erfreulichen Dingen, hier ein Sortiment an Versen[1].

So wurde der Begriff Fottola als Sammelbegriff für viele verschiedene in Musik gesetzte Sichtungsformen wie Barzellete, Strambotto, Oda, Capitolo, Sonett, Canzone oder Vilotta benutzt. Die Frottola ist geschichtlich gesehen eine scheinbar volkstümliche, mehrstimmige Liedform der aristokratischen und bürgerlichen Kreise Ende des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts in Mittel und Norditalien[2].

Die Frottola gilt als Vorgänger des Madrigals und war zur damaligen Zeit eine sehr bekannte Form, da zahlreichen Drucke schnell für Verbreitung gesorgt haben. Inhaltlich beschäftigt sich die Frottola mit der Liebespoesie. Als keckes Liebes-, Scherz oder Spottlied vermeidet sie den kunstvollen Stil absichtlich und kokettiert mit einer ungehobelten, amateurhaften, naturalistischen Schreibweise. Auf diese Weise bestimmt die poetische Form die Musik und nicht umgekehrt.

Die Form der Frottola lässt sich als vierstimmig und überwiegend homophon beschreiben, später gab es auch polyphone Teile. Hervorstechend ist die Schlichtheit und die Klarheit der Form; kennzeichnend sind sich wiederholende Phrasen oder auch längere Abschnitte und die Vermeidung komplizierter Gebilde. Der Sopran gilt als Hauptstimme und ist als einziger mit Text versehen, der Bass ist die Gegenstimme. Tenor und Alt dienen lediglich als Füllstimme.

Die Harmonik ist schlicht und einfach; häufig sind tonale Kadenzen mit der Stufenfolge 5-1 oder sogar 1-4-5-1 zu beobachten.

Frottolen wurden zudem auch von Lautenisten improvisiert, Komponisten waren hier Marchetto Cara, Bartolomeo Tromboncino.

Der Rhythmus ist geprägt durch die beständige Wiederholung trochäischer Achtsilber.

Dies führt zu symmetrischen Akzentschemata und Perioden, die meist aus zwei vierzeiligen Abschnitten oder aus einer Gliederung aus zwei mal drei Takten besteht. Die Regelmäßigkeit der musikalischen Struktur wird verstärkt durch den ständigen Gebrauch gewisser rhythmischer Formeln, die zuweilen der Talea[3] einer isorhythmischen Motette gleichen.

Thematisch bearbeitet wurden neben der Liebe manchmal auch moralische, fast religiöse Inhalte; manche sind mythologisch angelegt oder schmeicheln ihrem Fürsten. Gelegentlich wurden auch lateinische Gedichte vertont; dies geht aus dem humanistischen Bestreben der italienischen Aristokratie hervor.

Die Partita

Der Begriff Partita kommt aus dem italienischen von dem Wort „patire“[4] und meint den Teil oder den Posten eines Ganzen[5].

Seit dem späten 17. Jahrhundert benennt die Partita neben der Suite, der Sonate und anderen weniger bekannten Sammelbegriffen einen Formtypus zyklischer Instrumentalmusik. Als Partita werden Variationszyklen aus Lied-, Tanz und Choralmusik bezeichnet. Die Partita wird auch gerne die italienische Form der Suite genannt.

Auch gibt es bei der Partita einige Bedeutungsdifferenzen bei J.S. Bach zu finden. Meist verwendet Bach die Begriffe Partita und Variation synonym, weswegen man sich bemüht hat, musikalische Ordnungsdifferenzen zur Abgrenzung zwischen Suite und Partita zu finden. Hierbei stellt man fest, dass die Partita eine freie Formgebung bevorzugt und eine flexiblere zyklische Anlage besitzt, ganz im Gegensatz zur Suite, die eine strenge Satzfolge und eine formale Geschlossenheit vorweißt.

Zu den Tonalitätsverhältnissen heißt es:

„Einheitlichen Tonalitätsverhältnissen der Suiten in einfacher Aufreihung steht ein abgestimmter Tonartenplan der Partiten gegenüber, einer einheitlichen Eröffnung ( nach Art der Prèludes in den Englischen Suiten ) ganz unterschiedlich charakterisierte Einleitungssätze: Präludium, Sinfonie, Fantasia, Ouverture, Praeambulum und Toccata.“[6]

Jede Partita ist daher eine eigenständige Form mit einem eigenen Satztypus; Formwiederholungen werden vermieden. Die Sätze sind charakterlich einheitlich und ähnlich harmonisch aufgebaut. Man kann daher auch sagen, dass die Partita unter formalen Gesichtspunkten ganz im Sinne einer Variation verläuft.

Der Tanz

Seit den Naturvölkern tanzen die Menschen und zwangsläufig ist der Tanz mit Musik verbunden[7]. Dabei ist entscheidend, dass die Musik durch die körperliche Tanzbewegung geprägt wird und gleichzeitig den Körper lenkt; dieses Prinzip kann bis zur Ekstase gesteigert werden.

Der Grund für die gradzahlige Anlage der Akzente sind Schritt und Gegenschritt, was auch dazu führt, dass der Periodenbau in Rhythmik und Melodik symmetrisch angelegt ist[8]. Ein weiteres Merkmal des Tanzes ist das Prinzip der Wiederholung.

In der Antike und der Renaissance wurde Tanzmusik meist von Instrumentalisten improvisiert. Hierbei war typisch, dass die Melodieabschnitte sequenzartig wiederholt wurden mit Halb- oder Ganzschluss. Dazu gab es Tanzlieder, die meist mit Refrain versehen waren.

Alle Tänze, ob sie nun volkstümlich oder höfisch waren, waren Gruppentänze mit wechselnden Gruppenpaarbildungen; erst das 19. Jahrhundert brachte den Einzelpaartanz. Schon in der Renaissance folgt einem langsamen Schreittanz in geradem Takt ein schneller Dreh- oder Springtanz in ungeradem Takt, welcher Nachttanz genannt wurde. Diese Tanzpaarbildung wurde auch im Barock beibehalten; es entstehen noch andere Tanzabfolgen wie z.B. die Suiten.

Die wichtigsten Tänze waren hierbei:

Die Pavane, ein feierlicher höfischer Schreittanz Anfang des 16. Jahrhunderts. Meist wurde die Pavane mit Saltarello oder der Galliarde im Nachttanz gespielt und getanzt. Im frühen 17. Jahrhundert war die Pavane der Einleitungssatz der deutschen Orchestersuite[9].

Die Galliarde war ein schneller italienischer und französischer Tanz im Trippeltakt und ab 1600 der Nachtanz zur Pavane [10].

Die Allemande ist ein ruhiger, auftaktiger Schreittanz der im 17. Jahrhundert höfisch war. Bekannt wurde er vor allem als Kopfsatz der Suite[11].

Die Courante ist ein eiliger Tanz im Dreiertakt und ab dem 17. Jahrhundert höfisch. Die italienische Variante davon, die ca. 1650 entstand, ist schneller und glatter. Genau wie die Allemande wurde die Courante auch durch die Suite bekannt; dort trifft man sie im 2. Satz wieder[12].

Die Chaconne war ursprünglich ein spanisches Tanzlied und später ein Variationsmodell wie beispielweise auch die Passacaglia.

Die Bourrèe ist ein französischer Reigentanz aus der Auvergne und wurde im 17. Jahrhundert höfisch.

Bei der Sarabande wird vermutet, dass sie wohl ursprünglich ein spanischer Schreittanz ist, der jedoch ab dem 17. Jahrhundert am französischen Hof Einzug hielt. Sie ist metrisch im Dreiertakt gehalten- jedoch ohne Auftakt- und wird als feierlich und gravitätisch beschreiben. Außerdem bildet sie den 3. Satz der Suite.

Die Gavotte ist ein französischer Reigentanz, der ab dem 17. Jahrhundert höfisch wurde. Kennzeichnend ist sein auftaktiger Rhythmus und sein nicht zu rasches Tempo.

Der Siciliano kommt aus Italien und ist kein eigentlicher Tanz, sondern Pastoralmusik[13]. Früher war der Siciliano oft an der Stelle eines langsamen Satzes in der Sonate zu finden und wurde in wiegendem Rhythmus im 6/8, 9/8, 12/8 oder im 4/4 Takt komponiert. Meist steht er in Moll. Anfänglich wurde er in einem lebhaften Tempo gespielt, was sich im Spätbarock änderte, wo ein langsames Tempo zur Regel wurde. Abweichend von dieser Art gibt es noch eine andere Möglichkeit den Siciliano zu spielen, als Siciliano alla Tarantella.[14]

Die Gigue wurde nach Vorbild eines schottischen oder irischen Tanzliedes komponiert und war ab dem 17. Jahrhundert auf dem Kontinent Hoftanz. Sie ist rasch gestaltet, von imitatorischem Charakter und bildet den Schlusssatz der Suite[15].

Das Menuett war in den Anfängen ein Volkstanz wandelte sich ab 1650 unter Ludwig dem 14. zu einem höfischen Tanz. Charakteristisch für das Menuett ist seine ruhige Ausstrahlung im Dreiertakt. In der Klassik ist das Menuett der 3. Satz einer Symphonie[16].

Die Polonaise ist ein polnischer Schreittanz, der ursprünglich in einem geraden Takt gespielt wurde was sich ab dem 18. Jahrhundert änderte, wo er im ¾ Takt anzutreffen war. Die Polonaise ist von langsamem und schwermütigem Charakter.

Die Ballade

Die Ballade ist ein Tanzlied erzählenden Inhalts welches ursprünglich aus der französischen Literatur entstammt; sie erscheint zum ersten Mal als Trouvèrelied[17] mit Refrain[18]. Hauptmeister war der Komponist Guillaume de Machaut mit 42 Balladen; fast alle mit Instrumentalbegleitung.

Im 15. Jahrhundert wird die Ballade durch das Chanson und das Rondeaux verdrängt und taucht erst in den folgenden zwei Jahrhunderten als episches Chorlied wieder auf.

Eine neue Blütezeit erlebt die Ballade im 18. Jahrhundert mit den Balladendichtungen von Walter Scott, Herder, Goethe und Schiller; es werden viele Balladen vertont, die vom Stil her kantatenhaft durchkomponiert sind.

[...]


[1] Abschnitt Die Frottola vgl. Ulrich Michels, dtv -Atlas Musik. Systematischer Teil. Musikgeschichte von den Anfängen bis zu Renaissance. München 2001, S.253.

[2] Das Zentrum der Frottolakomposition war Mantua.

[3] Die Talea ( = frz. Der Abschnitt) bezeichnet ein rhythmisches Modell, nach dem Töne eines Choralmelismas angeordnet wurden.

[4] Ursprünglich stammt es von dem lateinischen Verb patiri ab; dies bedeutet teilen, zerteilen oder auch abteilen.

[5] Abschnitt Die Partita vgl. Thomas Schipperges, Partita, In: Blume Friedrich: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Allgemeine Enzyklopädie der Musik. Kassel und Basel 1999. Bd. 7, Sp. 1416- 1422.

[6] Thomas Schipperges, Partita, In: MGG. Bd. 7, Sp. 1416- 1422.

[7] Abschnitt der Tanz vgl. Ulrich Michels, dtv -Atlas Musik. Systematischer Teil. Musikgeschichte von den Anfängen bis zu Renaissance. München 2001, S.155.

[8] z.B. in 2+2+4+8 Takte.

[9] Von span. pavo, der Pfau oder der italienischen Stadt Padua.

[10] Von italienisch gagliarda, was soviel wie rasch, schnell, ausgelassen bedeutet.

[11] Übersetzt aus dem französischen: der deutsche Tanz.

[12] Aus dem Französischen, bedeutet übersetzt eiliger Tanz.

[13] Der französische Komponist Sèbastien de Brossard bezeichnete den Tanz als danse gay.

[14] Vgl. Autor unbekannt, Siciliano: http://www.dahms-projekt.de. 11.03.2008, 12.51 Uhr.

[15] Aus dem Englischen von jig ( jiga= Geige) zu französisch Gigue.

[16] Von französisch menu( pas) was zierlicher ( Schritt ) bedeutet.

[17] Die Trouvères waren Dichter in der altfranzösischen Literatursprache Nordfrankreichs.

[18] Abschnitt Die Ballade vgl. Günter Altmann, Musikalische Formenlehre. München 1981. S. 311-313.

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Die musikalischen Gattungen des Barock im Überblick
Hochschule
Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Mannheim  (Musikwissenschaften)
Veranstaltung
Wissenschaftliches Arbeiten
Note
2
Autor
Jahr
2007
Seiten
26
Katalognummer
V319517
ISBN (eBook)
9783668186446
ISBN (Buch)
9783668186453
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gattungen, barock, überblick
Arbeit zitieren
Julia Müller (Autor), 2007, Die musikalischen Gattungen des Barock im Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319517

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