Filmmusikanalyse bei „Lucky Number Slevin“


Hausarbeit, 2013
19 Seiten, Note: 1,3
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Handlung des Films „Lucky Number Slevin“

3 Filmmusikkomponist J. Ralph

4 Analyse ausgewählter Stücke im Zusammenhang mit den zugehörigen Szenen
4.1 Filmmusik „Flute Opening“ – Beschreibung der Szene
4.2 Musikanalyse „Flute Opening“
4.3 Filmmusik „Epic Goodkat“ – Beschreibung der Szene
4.4 Analyse „Epic Goodkat“

5 Techniken und Funktionen der Filmmusik anhand ausgewählter Beispiele

6 Fazit

7 Quellen

1 Einleitung

„Der Tonfilm benötigt Musik, und er benötigt sie dringend. Auf sich allein gestellt, ist die Filmleinwand eine recht kahle Angelegenheit.“ Aaron Copland[1]

In der vorliegenden Hausarbeit soll am Beispiel des Films „Lucky Number Slevin“ untersucht werden, welche Funktionen die Musik erfüllt. Dabei soll darauf eingegangen werden, inwiefern die Musik die Wirkung der gezeigten Bilder unterstützt.

Zu Beginn soll der Film in seiner Handlung kurz dargestellt werden, um einen Überblick über die komplexe Handlung zu ermöglichen. Nur mit dem Wissen der aufwendig und zielgerichtet angelegten Auflösung des Films ist es möglich, die Musik des Films angemessen deuten zu können.

Im Anschluss daran soll der Komponist der Stücke, „J. Ralph“, vorgestellt werden, um einen Einblick in sein kompositorisches Schaffen zu erhalten.

Weiterführend werden ausgewählte Szenen des Films genutzt, um deren musikalische Begleitung im Zusammenhang mit den Szenen zu sehen. Dafür werden die Szenen genauer betrachtet.

Nachfolgend werden die zu den jeweiligen Szenen gehörenden Musikstücke des Films ausführlich analysiert, damit im späteren Verlauf der Arbeit ein Rückbezug darauf erleichtert werden soll, wenn es um die musikalischen Einordnungen bezüglich der Funktionen der Musik geht.

Daran anschließend soll näher auf die Techniken und Funktionen der Musik eingegangen werden, beispielsweise das „Polarisieren“ und die „Leitmotiv-Technik“, um nur einige zu nennen.

Dabei werden vorangegangene Szenen- und Musikanalysen genutzt und neue Szenen beispielhaft eingeführt. In diesem Zusammenhang werden die Szenen im Hinblick auf Handlung und genutzte Musik eingehend beleuchtet.

2 Die Handlung des Films „Lucky Number Slevin“

Der Film „Lucky Number Slevin“ ist im Jahre 2006 erschienen und wurde unter der Regie von „Paul McGuigan“ verfilmt.[2] Er spielt in New York und beginnt mit einer Verwechslung des Protagonisten „Slevin Kelevra“ mit „Nick Fisher“. Dieser Verwechslung ist es zu schulden, dass der Protagonist, der nur seinen Freund Nick besuchen wollte und daher vorübergehend in seiner Wohnung lebt, von zwei Kriminellen überrascht wird. Diese halten Slevin fälschlicherweise für Nick und nehmen ihn daher mit zu ihrem Chef, dem „Boss“. Der „Boss“ ist Kopf einer kriminellen Organisation und möchte die ausstehenden Schulden in Höhe von 96.000 Dollar von Nick Fischer eintreiben. Slevin kann nicht beweisen, dass er nicht Nick Fisher ist, da ihm zuvor das Portemonnaie geklaut wurde. Er kann den Geldbetrag jedoch auch nicht zahlen. Der Boss macht ihm daraufhin das Angebot, den Sohn des „Rabbis“ − aufgrund seiner Homosexualität auch als „die Schwester“ bekannt − zu töten. Dieser Zug ist als Racheakt gedacht, da zuvor der Sohn vom Boss getötet wurde und der Boss den Rabbi in Verdacht hat.

Kaum ist Slevin wieder in der Wohnung von Nick, wird er erneut entführt. Diesmal jedoch von den Handlangern des Rabbi. Auch der Rabbi verwechselt Slevin mit Nick und fordert ebenso seine Schulden ein, diesmal sind es 33.000 Dollar. Obwohl der Rabbi schnell erkennt, dass Slevin nicht Nick Fisher ist, verlangt er dennoch von ihm sein Geld zurück, um nicht seine Vereinbarung mit dem professionellen Killer Goodkat zu gefährden.

Slevin trifft sich anschließend mit Lindsey, der Nachbarin von Nick, die er durch Zufall kennengelernt hat, im Restaurant. Sie lernen sich im Laufe des Films immer besser kennen und eine Beziehung wird zu diesem Zeitpunkt bereits angedeutet. In dem Restaurant befindet sich zur selben Zeit auch der Sohn des Rabbis. Slevin sieht den Sohn von zwei Bodyguards schwer bewacht und entschließt sich daher, der „Schwester“ auf die Toilette zu folgen und ihn dort um ein Date zu bitten. Die Schwester willigt ein.

Da die Polizei ebenso sehr wie Slevin von dem Interesse, das die beiden Mafiahäuser an ihm haben, irritiert ist, ist auch sie rege um Nachforschungen bemüht. Der leitende Polizist Brikowski ist ebenfalls mit im Restaurant und verfolgt Slevin bis auf die Toilette, als dieser sich zeitgleich mit der Schwester dorthin begibt. Brikowski stellt Slevin zur Rede, erfährt jedoch von diesem nichts.

Später im Film befindet sich Slevin auf dem Weg zum Appartement von der Schwester. Dort angekommen folgt ein kurzes Gespräch, das von der Schwester begonnen wurde und von Slevin kaum zum Dialog ausgebaut wird. Kurz darauf erschießt Slevin die Schwester und sprengt mit Hilfe Goodkats das Appartement in die Luft.

Dem Zuschauer wird mit diesem harten Bruch eine völlig neue Sichtweise auf die Beziehungen unter den Protagonisten dargelegt. Es folgt eine Auflösung des Plots.

Slevins Eltern wurden, als er noch ein kleiner Junge war, im Auftrag des Rabbis und des Bosses, die damals noch zusammen arbeiteten, erschossen. Durchgeführt wurde die Exekution unter anderem von dem heutigen Polizisten Brikowski, der damals jedoch noch ein Handlanger des Rabbis und des Bosses war. Für den Mord an dem jungen Slevin war der Killer Goodkat beauftragt, da dies niemand ausführen wollte. Jedoch war es auch Goodkat nicht möglich, den Jungen zu erschießen, weshalb er ihn am Leben ließ und sich von da an um ihn kümmerte. Der Name „Slevin Kelevra“ ist dabei einerseits eine Anspielung auf das Pferd „Slevin“, auf das Slevins Vater gewettet und damit den Zorn der Mafia auf sich gezogen hat und andererseits bedeutet „Kelevra“ böser Hund und deutet damit einen Zusammenhang zwischen Goodkat und ihm an.

Über viele Jahre hinweg haben Slevin und Goodkat einen Rachefeldzug gegen die Mörder von Slevins Eltern geplant. Nick Fisher war dabei nur Mittel zum Zweck. Er hatte bei beiden Mafiahäusern hohe Wettschulden und so konnte sich Slevin freien Zugang zu beiden Mafiahäusern verschaffen ohne Verdacht schöpfen zu lassen. Der Sohn des Bosses wurde nicht vom Rabbi, sondern von Slevin getötet, um ‚den Stein ins Rollen zu bringen’. Lindsey und Slevin haben sich mittlerweile ineinander verliebt. Sie weiß jedoch durch Slevin von den Morden und wird wegen ihres zu umfangreichen Wissens von Goodkat erschossen. Slevin und Lindsey haben jedoch mit Blutattrappen den Tod nur vorgetäuscht. Goodkat erfährt davon, sieht jedoch davon ab, Lindsey zu töten und gewährt den beiden die gemeinsame Zukunft.

3 Filmmusikkomponist J. Ralph

Josh Ralph, besser bekannt als J. Ralph, wurde 1975 in New York geboren. Ralph hat sich sein musikalisches Wissen und seine Fertigkeiten, viele verschiedene Instrumente zu spielen, selbst angeeignet. Außerdem ist er bekannt dafür, das Spielen von Instrumenten in kürzester Zeit zu erlernen. Noten lesen und schreiben hat er jedoch nie gelernt.

Seine professionelle Musikkarriere begann damit, dass ihm der Chef des Labels „Atlantic Records“ Jason Flom einen Vertrag gab. Dieser Vertrag war eine hohe Auszeichnung für einen so jungen Künstler, schon allein weil es einer der größten Plattenverträge war, die je einem neuen Künstler gewährt wurden.

J. Ralphs Arbeiten zu seinem Debütalbum dauerten mehr als ein Jahr, was wohl auch daran lag, dass die meisten Instrumente von ihm selbst eingespielt wurden.

Das Album erschien im Jahre 1999 und war eine Mischung aus den verschiedenen Musikgenres Rock, Hip-Hop, Soul, Funk, klassischer und elektronischer Musik. Charles M. Young vom „Rolling Stones“ -Magazin bezeichnete das Album als ein „wahrlich wichtiges Debüt“.[3]

Wochen nach dem Release wurde Ralph von den Kritikern gefeiert und sein Debüt von MTV sogar als „die nächste große Popsache“ bezeichnet.[4] Ralph aber zog sich in sein selbst erwähltes Exil, ein verlassenes Varieté Theater in „Lower Manhatten“, zurück, wo er sich ein eigenes Akustikstudio errichtete.

Fünf Jahre später kehrte er mit dem Album „The Illusionary Movements of Geraldine and Nazu“ an die Öffentlichkeit zurück, was er mit einem 75 Mann starken Orchester aufgenommen hatte - darunter Musiker der New Yorker und der tschechischen Philharmonie.

Veröffentlicht wurde das Album mit Hilfe eines noch nie da gewesenen Direktvertrags zwischen J. Ralph und „Barnes and Noble“, einem großen US-amerikanischen Unternehmen. „Barnes and Noble“ verkauften jedes einzelne Exemplar des Albums.

Weiterhin untermalte Ralph die Dokumentationen „Die Bucht“, „Man on Wire“, „Hell and Back Again“ und „Chasing Ice“ mit Musik. Die Filme „Die Bucht“ und „Man on Wire“ bekamen je einen Acadamy Award für den besten Dokumentarfilm und „Hell and Back Again“ war nominiert, gewann den Preis jedoch nicht. Der 2012 veröffentlichte Dokumentarfilm „Chasing Ice“ wurde wiederum für die Musik Ralphs, nämlich für den Song „Before My Time“, für einen Acadamy Award nominiert.

Darüber hinaus gründete Ralph sein eigenes Kompositionsunternehmen „Rumor Mill“, dessen „creative director“ er auch ist. Das Unternehmen komponiert Film-Soundtracks, Lieder und Jingles für Filme, Künstler und Marken. Das seit nunmehr über zehn Jahren bestehende Unternehmen zeigt sich verantwortlich für die Musik von über 1000 Fernsehwerbungen und komponierte bereits für große Fernsehereignisse wie die „Olympischen Spiele“, die „Oscarverleihung“, den „Superbowl“, die „Grammyverleihung“ und die „NBA- Playoffs“, um nur einige zu nennen.[5]

4 Analyse ausgewählter Stücke im Zusammenhang mit den zugehörigen Szenen

In den nachfolgenden Unterkapiteln werden ausgewählte Szenen zuerst in Bezug auf Handlung und Bildinhalt beschrieben. Anschließend folgen Musikanalysen der Szenen, die die Filmmusik näher beleuchten sollen und auf Zusammenhänge zwischen Bild und Ton genauer eingehen.

4.1 Filmmusik „Flute Opening“ – Beschreibung der Szene

Das erste Lied des Soundtracks trägt den Namen „Flute Opening“. Es wird in einer Szene gespielt, die zwar nicht als Beginn des Films gesehen werden kann, jedoch ist es die erste Szene, die ein längeres Gespräch beinhaltet und mit Bezug auf die Handlung durchaus als Eröffnung des Films betrachtet werden kann.

Ab Minute 3:28 des Films geht das Bild vom vorübergehend komplett schwarzen Bildschirm über zu einem Szenenbild eines Hauptbahnhofs oder Flughafens. Zu sehen sind schlicht helle Flächen in Form von Wänden, Deckenlampen, Scheiben, Rohren, Deckenpfeilern. Die Szenerie ist allgemein sehr hell ausgeleuchtet, einziger Kontrast dazu sind die blauen Sitzschalen, die sofort auffallen, da sie die einzigen farbgebenden Elemente im Bild sind. Eine alte Frau liegt auf einigen der Sitzplätze, ansonsten ist der Raum vorerst menschenleer – sehr eigenartig für einen Flughafen, da dort gewöhnlich reges Treiben herrscht.

Jedoch kommt nur wenige Sekunden nach Beginn der Szene eine Person aus dem Hintergrund ins Bild gelaufen. Kurz darauf beginnt der Titel „Flute Opening“ bei 3:37. Mit dem Näherkommen der bis dato unbekannten Person im Hintergrund, die sich als junger Mann erweist, verschmilzt also das Thema, was der Zuschauer zu hören bekommt und ein Zusammenhang wird hergestellt.

Bereits vor dem Erscheinen des im Rollstuhl sitzenden Mannes bei 4:40 klingt das Thema aus und ist damit nur mit dem Mann vom Anfang in Verbindung zu bringen. Das Gespräch zwischen dem Rollstuhlfahrer, der sich als „Mister Smith“ vorstellt, und dem jungen Mann bleibt bis zu der Rückblende bei 6:25 ohne Musikuntermalung.

4.2 Musikanalyse „Flute Opening“

Das Stück ist mit nur wenigen Instrumenten besetzt: eine Querflöte, die das Thema beginnt, ein akustischer Bass, womöglich ein Kontrabass, der erst in der 44. Sekunde des Stückes einsetzt, also erst nach über der Hälfte des Stückes und eine Harfe (evtl. auch eine Gitarre, bei der dir Akkorde in gebrochener Form gezupft werden), die ebenfalls erst spät im Stück zusammen mit dem Bass einsetzt.

Das Thema wird von Beginn an nur von der Flöte getragen. Das Stück beginnt mit einem aufgebrochenen g-moll-Dreiklang und verharrt dann lange auf dem „d“ in einem starken Vibrato. Das Thema wird anschließend unverändert wiederholt.

Der nächste Ton (bei 0:19) ist ein „g“ und damit wird angedeutet, dass die anfangs angedeutete Tonart g-moll sicher scheint. Doch das an „g“ anschließende „fis“ lässt mit dem Leitton zu „g“ Spannung aufkommen und das bei 0:24 auftretende „e“ widerlegt die Tonarten-Annahme vorerst, da g-moll ein „es“ verlangt. Das bei 0:35 lang ausgehaltene „g“ deutet jedoch wieder eine g-moll-Tonalität an. Bei 0:45 erreicht die Melodieführung schließlich das „es“, doch ist es mit dem zeitgleichen Einsetzen des Basses auf „d“ sehr dissonant und man fühlt sich noch immer nicht in einer Tonart „zu Hause“. Ralph schafft es hiermit, eine geheimnisvolle Unruhe zu erzeugen, die man, genau wie den jungen Mann, der zu dem Stück in Erscheinung tritt, nicht einzuordnen weiß. Die Ungewissheit über die Tonart könnte durchaus auch in Verbindung mit der Ungewissheit über die Identität des jungen Mannes gebracht werden.

[...]


[1] Zit. Nach Maas, Georg/ Schudack, Achim 1994. Musik und Film – Filmmusik. Informationen und Modelle für die Unterrichtspraxis. Mainz.

[2] Vgl. k.A/k.A k.A.Full cast and crew for Lucky # Slevin. k.A. <http://www.imdb.com/title/tt0425210/fullcredits?ref_=tt_ql_1> (Stand 01.05.2013).

[3] Riggens, Charles k.A. Biography for J. Ralph. k.A. <http://www.imdb.com/name/nm0707775/bio> (Stand 01.05.2013).

[4] Ebenda.

[5] Vgl. Riggens, Charles k.A. Biography for J. Ralph. k.A. <http://www.imdb.com/name/nm0707775/bio> (Stand 01.05.2013).

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Filmmusikanalyse bei „Lucky Number Slevin“
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg  (Medien- und Kommunikationwissenschaften)
Veranstaltung
Analyse audiovisueller Medien
Note
1,3
Jahr
2013
Seiten
19
Katalognummer
V319518
ISBN (eBook)
9783668187818
ISBN (Buch)
9783668187825
Dateigröße
793 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Filmmusik, J. Ralph, Musikstücke, Funktionen der Musik
Arbeit zitieren
Anonym, 2013, Filmmusikanalyse bei „Lucky Number Slevin“, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/319518

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